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„Endlich freie Marktwirtschaft“: Das bedingungslose Grundeinkommen – ein Interview mit Daniel Häni

FMW-Redaktion

Daniel Ableev hat mehrere Persönlichkeiten zum Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ interviewt – unter anderen auch Daniel Häni.
Daniel Häni ist Unternehmer, Mitbegründer des Basler Kultur- und Kaffeehauses »unternehmen mitte« sowie Mitinitiator der Schweizer Volksinitiative »Für ein bedingungsloses Grundeinkommen« (im Folgenden „Bemm“).

Am Sonntag findet in der Schweiz die Volksinitiative zum Bedingungslosen Grundeinkommen statt – derzeit, so zeigen Meinungsumfragen, unterstützt nur ein Viertel der Schweizer diese Inititative. Gleichwohl zwingt uns die fortschreitende Digitalisierung, die die Arbeitswelt verändern und vermutlich Millionen von Jobs kosten wird, zum Umdenken. Das gilt insbesondere für die Finanzierung der Staaten durch Besteuerung von Arbeit – das wird absehbar nicht mehr funktionieren..

Das Interview von Daniel Ableev wird erscheinen in „Die Novelle – Zeitschrift für Experimentelles“ – daher sind die Fragen von Ableev gelegentlich etwas „experimentell“..

Daniel Ableev (im Folgenden DA): Wie würden Sie einem Regenbogen, der bekanntermaßen nicht zu den schlausten Zeitgenossen zählt, erklären, was Bedingungsloses Grundeinkommen (im Folgenden „Bemm“) ist und wie es funktioniert?

Daniel Häni (im Folgenden DH): Ich würde dem Regenbogen sagen, dass Bemm so wahrscheinlich und so zuverlässig funktioniert wie er.

DA: Das Bemm ist ja angesichts der heutigen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen reichlich experimentell. Anders gefragt: Warum gilt es eigentlich als so normal, etwas tun zu sollen, um zu überleben?

DH: Das ist, damit wir nicht auf experimentelle Ideen kommen. Es ist normal, weil wir faul sein sollen.

DA: Sollte man versuchen, zum Bemm über kleine Zwischenschritte wie die gesetzlich geregelte 4/3/2-Tage-Woche zu gelangen?

DH: Nein, das würde uns davon wegführen. Bemm steht für die Befreiung der Arbeit und nicht für deren Reduzierung.

DA: Was ist mit Primaten, Delfinen und Rabenvögeln?

DH: Sie brauchen kein Bemm, weil sie bereits fliegen können.

DA: Geldverdienen und Königshäuser – was sind Ihre Assoziationen zu diesem Diptychon?

DH: Wenn jeder ein König ist, muss keiner der König des anderen sein.

DA: Was ist mit den ganzen Scheißjobs da draußen, die nicht nur langweilig und menschenwidrig, sondern auch schlecht entlohnt sind? Sollten sie nicht viel besser bezahlt sein? Wer wird die noch machen in der Bemm-Ära?

DH: Ich hoffe, niemand. Alles, was sinnlos ist, soll nicht mehr gemacht werden. Alles, was sinnvoll und wichtig ist, wird gemacht werden. Endlich freie Marktwirtschaft.

DA: Wie realistisch ist die Implementierung des Bemms in den nächsten zehn(tausend) Jahren?

DH: Es ist sehr realistisch. Die Schweiz ist das erste Land, das darüber abstimmt. Die USA das erste, welches das Bemm aus pragmatischen Gründen einführt. Der volkswirtschaftliche Schaden ohne Bemm ist zu groß.

DA: Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis des menschlichen Bewusstseins? Oder besteht es lediglich darin, dass es gar keins ist?

DH: Es ist nur für diejenigen ein Geheimnis, die keins haben.

DA: Bei der Vorstellung, über Freiheit und Freizeit zu verfügen, dürften so mancher geplagten Seele die Glückstränen kommen – ist denn für entsprechende Salzwasserauffang- und Aufbereitungsanlagen gesorgt?

DH: Ja, ohne Freiheit ist das Leben fade. Das Glas ist halb voll. Das Salz der Glückstränen ist der Seele Nahrung.

DA: Es gibt mehrere hundert Menschen auf der Welt, die es sich nicht leisten können, ihre Zeit mit Stumpfsinn zu verbringen, nur um nicht zu verhungern und nackt in der Müllpresse zu landen. Der durch das Bemm ausgelöste kulturelle und gesellschaftliche Paradigmenwechsel wäre ohnegleichen. Die Weltdepressivität würde massiv absinken, denn Geld ist einer der Hauptmotoren für mentale und emotionale Blockaden sowie Auslöschungen. Wir müssen uns irgendwie vom Geldgestus dekontaminieren lassen … Welche anderen monumentalen gesellschaftlichen Experimente sind denkbar?

DH: Die Liebe.

DA: Was, glauben Sie, wären die weitreichendsten Konsequenzen einer solchen utopistischen Wandlung?

DH: Die freie Liebe. Keine Liebe ist eine Utopie.

(Anmerkung der Readktion: Wir danken Daniel Ableev für die freundliche Erlaubnis, das Interview bei FMW zu publizieren!)



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3 Kommentare

  1. Arbeit bewirkt die Teilhabe am Erlös des Unternehmens. Warum also nicht den Übergang zu einer Kultur von langristigen Investoren und Teilhabern fördern, welche regelmäßige Dividendeneinnahmen („Grundeinkommen“) bekommen?

    Lösung: jede Firma gibt abhängig vom Umsatz/Mitarbeiter Verhältnis Aktien ihres Unternehmens in einen Fonds (je mehr Umsatz und je weniger Mitarbeiter, umso mehr Aktien). An dem Fonds bekommt dann jeder (wirklich jeder, arbeitslos oder nicht) seinen Anteil zugesprochen. Die gezahlten Dividenden werden vom Fonds monatlich als „Grundeinkommen“ ausgeschüttet. Problem gelöst.

    1. sehr guter ansatz, denn dadurch wird auch gleichzeitig der staat als monäterer umverteiler („steuergeldverschwender“) aus dem spiel genommen.

      —- Arbeit—->Lohnsteuer—->Sozialleistungen !!!

  2. Bullshit .
    Die Löhne in folgenden berufen würden exxxxxplodieren : Gebäudereinigung , alles was mir Abwasser und müll zutun hat, Altenpflege , Callcenter , alle bereitdchaftsdienste , alle 3schicht Berufe , LKW Fahrer auf Langstrecke , und und

    Ergo würden die preis dafür explodieren .
    Ein grundein kommen von 1300€ zB würde innerhalb von 6 Monaten die Kaufkraft von …na … Vielleicht noch der Hälfte haben .

    Das BGE können nur Leute fordern die nicht zu den oben genannten gehören

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