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Gas-Speicher auf kritischem Niveau Energie-Krise in Deutschland spitzt sich zu

Iran-Konflikt als "Schwarzer Schwan" für Gas-Preise

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Grafik: Irinagutyryak-Freepik.com

Es ist Mai 2026 und das deutsche Energiesystem steht vor seinem bisher härtesten Belastungstest. Die Gasspeicherstände sind nach dem Winter auf rund 30 Prozent gefallen – ein kritischer Wert, der Erinnerungen an die Energiekrise von 2022 weckt. Als am 28. Februar 2026 der Iran-Konflikt mit Luftschlägen eskalierte und die Straße von Hormus blockiert wurde, reagierten die Märkte nervös. Die Gas-Preise stiegen signifikant um 65 Prozent an und die Versorgungslage verschlechterte sich abrupt.

Energiekrise in Deutschland 2026

Während Deutschland 2022 in Sachen Erdgas von einem einzigen Pipeline-Lieferanten abhängig war, trifft der heutige Preisschock auf ein System, das zwar unter Stress steht, aber technologisch und regulatorisch diversifizierter ist.

Die aktuelle Energiekrise ist gleichwohl eingebettet in eine Phase ohnehin hoher handelspolitischer Unsicherheit: Erst am 20. Februar 2026 erklärte der US Supreme Court die auf dem IEEPA-Gesetz basierenden reziproken Zölle für rechtswidrig, was die globalen Lieferketten bereits vor dem Energie-Schock in Unruhe versetzte.

Nun kommt das zeitlich nicht absehbare Ende der Blockade der Straße von Hormus als Unsicherheitsfaktor hinzu. Gelingt es nicht, die Gasbestände vor dem Beginn der Heizperiode wieder auf ein ausreichendes Niveau anzuheben, drohen massive Preisanstiege oder sogar Rationierungen für die Industrie. Die deutschen Erdgasspeicher sind aktuell zu 30,64 Prozent gefüllt, Stand 28. Mai 2026, 6:00 Uhr MESZ. Das sind +0,38 Prozentpunkte gegenüber dem Vortag.

Der europäische Durchschnitt liegt aktuell bei 38,83 Prozent – Deutschland liegt also rund 8,2 Prozentpunkte darunter. Der aktuelle Stand ist deutlich niedriger als 2023 und 2024, als die Speicher Anfang Mai noch bei rund 67 Prozent lagen. Gegenüber 2025 ist die Lage ebenfalls schwächer: Am 1. Mai 2026 lagen die Speicher mit 25,43 Prozent rund 7,2 Prozentpunkte unter dem Stand vom 1. Mai 2025. Gegenüber 2022 ist das Niveau ähnlich niedrig, aber 2026 startete aus einem besonders schwachen Frühjahr heraus.

Gasfüllstand Deutschland mit historischem Vergleich und Prognose.

Ein „Krisen-Nadir“ ist im Zusammenhang mit Gasspeicherfüllständen der Tiefpunkt der Speicherstände während einer Krisenphase. Der Prognoseverlauf basiert auf einem Szenario, in dem die Straße von Hormus noch im Juni 2026 wieder frei befahrbar ist.

Gasmangellage?

Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgung aktuell als stabil und weist darauf hin, dass Gas-Speicher nur ein Baustein sind. Deutschland verfügt zusätzlich über Pipeline-Importe, LNG-Terminals und europäische Verbundnetze.

Wichtig ist aber: Gasspeicher haben eine große Sicherheitsfunktion. Deutschland kann in seinen Speichern rund 23 Milliarden Kubikmeter Gas lagern, das entspricht etwa einem Viertel des deutschen Jahresbedarfs. An kalten Wintertagen können Speicher laut INES bis zu 60 Prozent des deutschen Gasverbrauchs decken.

In der öffentlichen Debatte hält sich hartnäckig das „Kanister-Modell“: Man glaubt, das Gas ließe sich in einer Energiekrise mit gestörter Versorgung bis zum letzten Tropfen mit gleichbleibender Geschwindigkeit entnehmen.

Die physikalische Realität der Speicher folgt jedoch einer Drucklogik: Entscheidend ist die Differenzierung zwischen (der nutzbaren Menge) und (Cushion Gas). Letzteres muss permanent im Speicher verbleiben, um die geologische Stabilität und den notwendigen Mindestdruck zu gewährleisten. Ein Füllstand von „Null Prozent“ ist daher technisch unmöglich.

Die eigentliche Gefahr ist die „Physik-Falle„: Mit sinkendem Füllstand nimmt der Druck ab, wodurch die maximale tägliche Ausspeicherleistung fällt.

Ab einer Schwelle von etwa 50 Prozent Füllgrad tritt das System in eine technische Gleitzone ein. In dieser Phase verliert der Speicher an „Geschwindigkeit“. Besonders bei Kälteperioden und Lastspitzen am Morgen ist nicht die absolute Menge in der Lagerstätte das Problem, sondern die Unfähigkeit, dieses Gas schnell genug ins Netz zu pressen.

Der Gasdruck ist der Motor der Entnahme. Sinkt er unter kritische Marken, verliert das System seine Reaktionsgeschwindigkeit, lange bevor die letzte Kilowattstunde verbraucht ist.

Das regionale Paradoxon – der trügerische Bundesdurchschnitt

Ein nationaler Speicherstand von 31 Prozent (Stand Ende Mai 2026) suggeriert Stabilität, die regional nicht existiert. Der Bundesdurchschnitt ist ein schlechter Indikator, da er lokale Engpässe überdeckt.

Gas kann nicht verlustfrei „teleportiert“ werden. Die Transportkorridore von Nord nach Süd bleiben der Flaschenhals.

Um dem entgegenzuwirken, setzt die GasSpFüllstV (Gasspeicherfüllstandsverordnung vom 5. Mai 2025) differenzierte Zielwerte.

Während für die Masse der Speicher 80 Prozent zum 1. November gelten, müssen spezifische Porenspeicher wie Rehden oder Uelsen aufgrund ihrer technischen Trägheit lediglich 45 Prozent vorweisen. Im Gegenzug ist die Lage in Bayern prekär: Für Anlagen wie Bierwang, Wolfersberg und Breitbrunn gilt zum 1. Februar ein erhöhtes Ziel von 40 Prozent.

Besonders kritisch ist das drohende „Resilienz-Leck“: Große Speicher wie Breitbrunn (der drittgrößte Deutschlands) haben Stilllegungsanträge für 2027 gestellt. Fällt diese regionale Pufferkapazität weg, erhöht sich der Druck auf die Nord-Süd-Leitungen massiv.

Der „Schwarze Schwan“ Straße von Hormus

Der 28. Februar 2026 markiert eine Zäsur. Durch Angriffe auf die Ras Tanura Raffinerie in Saudi-Arabien und das Mussafah-Terminal in Abu Dhabi sowie die Blockade der Straße von Hormus gerieten rund 20 Prozent des globalen LNG-Handels unter Stress.

Die wirtschaftlichen Folgen sind drastisch:

Preissprünge: Erdgas verteuerte sich am Terminmarkt um 65 Prozent bis 100 Prozent, der Rohölpreis stieg auf 108 US$.

Inflation & Wachstum: Das RWI prognostiziert für 2026 eine Inflationsrate von 2,6 Prozent und ein gedämpftes BIP-Wachstum von lediglich 0,9 Prozent.

Der Puffer: Trotz der Börsenpanik zahlen Bestandskunden im Schnitt nur 11,10 ct/kWh für Gas. Festpreisverträge wirken hier als Stoßdämpfer, der die Volatilität der Märkte erst schrittweise an die Haushalte weitergibt.

Damit zeigt sich erneut, wie empfindlich die Energiepreise auf geopolitische Schocks reagieren. Solange zentrale Transportrouten wie die Straße von Hormus bedroht bleiben, dürfte die Risikoprämie an den Rohstoffmärkten hoch bleiben.

Für Verbraucher, Unternehmen und Politik entsteht dadurch ein gefährlicher Dreiklang aus höheren Beschaffungskosten, wachsendem Inflationsdruck und sinkender Planungssicherheit.

Fazit:

Mit 30,64 Prozent sind die deutschen Speicher für Ende Mai ungewöhnlich schwach gefüllt. Der Trend seit April ist zwar aufwärtsgerichtet, aber im Vergleich zu 2023/2024 liegt Deutschland weit zurück. Entscheidend wird, ob über Sommer und Herbst genügend Gas zugeführt und eingespeichert werden kann, um vor dem Winter wieder in Richtung der Zielmarken zu kommen.

Dies wiederum hängt maßgeblich von der Entwicklung in der Straße von Hormus ab. Bleibt diese weitere drei Monate gesperrt, kommt auf Deutschland eine ausgeprägte Energiekrise zu.



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14 Kommentare

  1. Herr Zipfel,
    Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Deutsche Bundesregierung etwas ändern wird.
    Es geht vor die Wand.
    Und dann werden Schuldige gesucht und notfalls per Krieg gegen Russland, um von eigenen Fehlern abgelenkt.
    Erst war es Corona, dann Putin, nun der Iran- Krieg.
    Aber der Weg in den Abgrund wurde in Deutschland schon vor etwa 30 Jahren eingeschlagen.
    Am deutschen Wesen…..

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Naja, sagen wir mal so: es bleibt spannend!

    2. Spanien als Vorbild

      Mal sehen, ob Deutschland es überhaupt schafft auch nur annähernd eine Deindustrialisierung wie Spanien zu erreichen.

    3. Menschen, die allzu eifrig in die Abgründe der anderen sehen, merken oft gar nicht, wie nahe ihr eigener, ganz persönlicher Abgrund ist.

      1. Hallo Columbo, wie darf ich das bitte verstehen? Klingt nach einer Drohung. Davon abgesehen ist der Artikel eine Zustandsbeschreibung und technische Erläuterung und kein Defätismus. Ausgewogen und faktenbasiert. Sie wünschen mir was? Oder prognostizieren was konkret? Ich wünsche Ihnen unbekanterweise jedenfalls alles Gute!

        1. Lieber @Hannes Zipfel, mit meiner Bemerkung habe ich ganz sicher nicht Sie oder Ihren Artikel gemeint. Ich schätze Ihre Arbeit, Ihre Artikel ebenso, wie ich die Ihrer Kollegen der Redaktion schätze.
          Meine Bemerkung war eher ganz allgemein an Kommentatoren gerichtet, die permanent schwarz sehen (wollen oder müssen, warum auch immer).
          Die Welt ist weder schwarz, noch weiss, noch rosarot, sie ist äusserst bunt. Gott sei Dank.

  2. Gallo @ Columbo
    Als pessimistischer Optimist geht es schon.
    Denn dabei gibt es zwei Möglichkeiten sich vorzubereiten.
    Tritt der von mit vorausgesehene schlechte Fall ein, dann freue ich mich, weil ich vorbereitet war und auch noch recht hatte.
    Tritt der positive Fall ein, dann freue ich mich natürlich sowieso.

    Wie bei meiner Goldanlage.
    Ich habe 2000 nicht damit gerechnet, dass wir heute noch in Euro bezahlen.
    Da lag ich falsch.
    Freue mich aber heute, dass Gold sich so entwickelt hat und wir im Euro noch schöne Renten bekommen.
    Jetzt muss ich nur noch den Verkaufserlös vom Haus in Sicherheit bringen.
    Ich hatte auf einen weitere Kursverluste der Edelmetalle gehofft. Aber das wird wohl nichts.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut, hast du eigentlich verstanden, was ich mit persönlichen Abgrund gemeint habe?
      Nein? Ich erkläre es nicht.

  3. Merkel hatte eben voll und ganz aufs falsche Pferd gesetzt.

    Die baltischen Staaten hatten recht laut dagegen protestiert.

    Das Bild mit den Dobermännern damals offenbarte bereits die Machtverhältnisse und nen Hochrisikozock der Altkanzlerin.

    Sie war eben unbelehrbar und hochmütig. Man könnte auch sagen arrogant und stur. Aber ihre Politik war hochbeliebt bei den Schafen, regelrecht populär. Flüchtlingshilfe, Schuldenbremse kamen gut an im Schwarm der gut Denkenden.

    Der Schwarm hat sich längst gesplittet und irrt zwischen den Raubtieren hektisch.

    PS: Es gibt keine sogen. Schwarmintelligenz. Es handelt sich dabei lediglich um das Vermeiden gefressen zu werden in der statistischen Hoffnung es trifft einen anderen.

    Ist das nun polemisch? Ja und zwar auf den Punkt gebracht.

  4. Colombo
    Ich denke, das ist auch besser so.

  5. Und in DE zerstören sabotierende Terroristen die AKWs .

    https://interestingengineering.com/energy/nuclear-recycling-radioactive-waste

    Die einzige Energieform ,die zukünftig quantitativ brauchbar ist .

    Normalerweise gehören solche Terroristen an eine Wand.

    Sie verars……….euch ……alllle……..immer………..mit ….einem Grinsen im Gesicht…….

    1. Hallo @ Hannes Zipfel
      Ich denk Columbo meinte mich.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. Hallo @ Evergreen

    Ich denke, Merkel hat nur das fortgesetzt, was Rot/Grün schon vor 2000 auf den Weg gebracht haben.
    Selbst den Afghanistan-Krieg.
    Sie benötigte die Wähler der Öko-Sekte.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. klingt wie eine Entschuldigung oder sogar verunglimpfung der Verantwortlichkeit.

      Da wollen wir doch mal bei dern Tatsachen bleiben.

      Der Wunsch nach fossilem Gas hat wenig mit Ökos zu tun, das waren knallharte Wirtschaftsinteressen.

      Die Flüchtlingskrise war eher ein gesamtgesellschaftliches Massenphänomen, das ihr damals große Populatität einbrache und qer durch alle Schichten ging. Wie auch immer,
      Wohnungsbau wurde vernachlässigt und die AFD gestärkt.

      Der Wohnungsmarkt ist kollabiert und das billige Gas ist zur teuren Energiekrise mutiert. Politiker streiten am Thema vorbei und die Gesellschaft wirkt ratlos verwirrt, gespalten zwischen Klimaneutral und EU Austritt, unfähig recht einfache Kompromisse zu formen.

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