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Energiekrise: Strom und Gas wegen Steuern teurer – Preishammer kommt noch!

Gas-Flamme

Die Energiekrise ist in vollem Anmarsch, aber beim Blick auf heutige offizielle Zahlen sieht man davon auf den ersten Blick noch nicht all zu viel. Die Preise für Strom und Gas für die Verbraucher in Deutschland verteuerten sich laut heutiger Meldung des Statistischen Bundesamts im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent. Die Privathaushalte mussten insbesondere deswegen mehr für Strom und Gas bezahlen, weil der Mehrwertsteuersatz von im letzten Jahr ermäßigten 16 Prozent dieses Jahr wieder auf den ursprünglichen Satz von 19 Prozent erhöht worden war. Bei einem Jahresverbrauch an Strom von beispielsweise weniger als 1.000 Kilowattstunden sind etwa 67 Prozent Prozent des Preisanstieges auf die wieder erhöhte Mehrwertsteuer zurückzuführen.

Preis für Gas am Terminmarkt explodiert seit Wochen – der Preishammer für die Verbraucher kommt erst noch

Aber wie gesagt, diese Statistik reicht nur bis Ende Juni diesen Jahres. Man sieht aber seit Wochen die heraufziehende Energiekrise in Europa an den Terminmarktpreisen. Die Preise für Gas explodieren regelrecht an den Terminmärkten. Daraus kann man schließen, dass die Preise vor allem für Gas in der Heizperiode massiv steigen dürften, was wiederum auch die Inflation (Verbraucherpreise) antreibt. Der TradingView Chart am Ende des Artikels zeigt den Preis für Gas im Dutch TTF Future seit Juni. Seitdem steigt der Preis von unter 30 auf derzeit Richtung 100 Euro.

Der Experte Stephen Stapczynski spricht aktuell davon, dass diese massiven Anstiege im Futurespreis für Gas daher rühren, dass die chinesische Regierung die wichtigsten staatlichen Energieunternehmen des Landes angewiesen hat sich für den Winter mit Brennstoff zu einzudecken, um die Versorgung für diesen Winter um jeden Preis sicherzustellen. Und die jüngsten Pipeline-Auktionen sollen signalisieren, dass auch weniger Gas aus Russland nach Europa geliefert wird. In Frankreich greift der Staat nun ein und deckelt laut aktuellen Meldungen über die Wintermonate die Preise für Strom und Gas (hier dazu ein Bericht).

Analyst über Befeuerung der Energiekrise durch China

Jeffrey Halley, leitender Marktanalyst Asien-Pazifik beim Broker OANDA, kommentiert heute früh auch diese Meldung, dass China nun massiv Energie aufkauft, was die Weltmarktpreise und damit die anstehende Energiekrise logischerweise anheizt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es immer noch nicht ausreicht, dass „dieses“ Telefonat von Peking nach Canberra (Australien) geführt wird, so Jeffrey Halley. Wenn die chinesischen Stahl- und Aluminiumhütten für längere Zeit geschlossen werden, könne man sicher sein, dass sich das auf die globalen Lieferketten auswirken wird. Erwarten Sie nicht, dass die globalen Erzeugerpreis-Daten in absehbarer Zeit einen „Höhepunkt der Stagflation“ anzeigen, so seine Worte.

Auch für Europa sei das alles keine gute Nachricht, denn es werde sich nun mit Asien in einen handfesten Bieterkrieg um Spot-Energielieferungen begeben. Russland, an das Europa dummerweise seine Energiesicherheit gebunden hat, habe angedeutet, dass Gazprom mehr Gas pumpen könnte, wenn die Genehmigung für Nord Stream 2 nur ein wenig beschleunigt werden könnte. Dies ist laut Jeffrey Halley „raffiniert“. Wladimir Putin und Scott Morrison seien seltsame Bettgenossen. Aber ich bin mir sicher, dass sie sich beim Blick nach Europa und China die Hände reiben und mit einem Lächeln im Gesicht ins Bett gehen, so Jeffrey Halley.

Die asiatischen Spot-Erdgaspreise liegen inzwischen seiner Aussage nach bei einem Gegenwert von 180 Dollar pro Barrel Brent-Rohöl, was bedeute, dass die Attraktivität von Öl als Gasersatz für die Stromerzeugung fast unwiderstehlich sei. FMW-Kommentar: Für eine Energiekrise in Europa ist der rote Teppich nun ausgerollt. Während China offenbar bereit ist kräftig in die Tasche zu greifen zum Beispiel für Flüssiggas, hat man zum Beispiel in der deutschen Politik noch gar nicht gemerkt, dass da ein Problem entsteht. Hierzulande ist man ja eher damit beschäftigt sich über das hippe Instagram-Foto mit Politikern von FDP und Grünen zu freuen.

Dramatisch steigender Futurespreis für Gas zeigt die anstehende Energiekrise



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3 Kommentare

  1. Kühlen Kopf behalten.
    Erstens, und das steht über allem, war (ist) Corona ein schwerer Schlag mit insgesamt schweren Verlusten bei privat und nicht privat. Auf viele Jahre.
    Die notwendigen Stabilisierungsmaßnahmen des Staates ändern nichts an der negativen Bilanz. Es wurden irreversibel Werte vernichtet.

    Der Produktionseinbruch 2020 hat die Bottleneck-Situationen zur Folge. Die Future-Märkte verstärken die Engpässe durch eine gewisse Panik mit den üblichen Folgen.
    2020 wurde weniger produziert und es macht für die Firmen keinen Sinn auf Engpässe mit dem Erhöhen der Produktionskapazität zu reagieren, die nach einer Normalisierung wieder überflüssig werden. Deswegen wird die Verknappung noch etwas länger anhalten.

    Ich denke die Inflation wird wieder abflauen wenn die Enpässe abgebaut sind. Wenn nach Normalisierung der Lieferketten die eingangs erwähnten Corona-Wertverluste sich auswirken und dämpfend wirken.
    Denn auch die Staaten müßten beginnen, die Corona-Schulden abzubauen.
    Wenn sie stattdessen aber die Corona-Schulden durch Gelddrucken „bezahlen“, dann schaut es mit der Inflation schon wesentlich düsterer aus.

    Voraussagen für die Börsenentwicklung bleiben Kaffeesatzleserei. Streng „wissenschaftlich“ müßte es wegen der negativen Coronabilanz die nächsten Jahre nach unten gehen (egal ob schlagartig oder schleichend). Zusätzlich bedrohend sind viele Anleger, die sehr deutlich in der Gewinnzone sind und die werden ev. eher mal länger abwesend sein um sich ungeschmälert ihrer Gewinne zu erfreuen, vor allem wenn sich die buythedip-Käufer verkrümeln.

    Meine vage Vermutung auf 3 Jahre: Aktien 10-20 % nach Süden.

  2. Aufgepasst Herr Kummerfeld, sie reden da von einem Bieterkrieg ? ? Sind sie so schlimm? Für einmal verzeihe ich Ihnen.

    1. Ich kann Sie beruhigen :-)
      „Bieterkrieg“ ist der Ausspruch des dort zitierten Analysten von OANDA.

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