Den fragilen Waffenstillstand im Nahen Osten interpretieren die Aktienmärkte derzeit als Signal der Entspannung – doch genau darin könnte ein gefährlicher Trugschluss liegen. Denn die strukturellen Folgen des Nahostkonflikts, insbesondere durch stark gestiegene Gas- und Ölpreise, bleiben bestehen und dürften sich erst zeitverzögert voll entfalten – eine Neubewertung durch den Energieschock droht.
Struktureller Schock am Energiemarkt
Tatsächlich sind die physischen Störungen der Energieversorgung bislang kaum vollständig sichtbar. Selbst wenn die Straße von Hormus heute wieder geöffnet würde und Lieferketten sofort anliefen, dürfte es Monate dauern, den Rückstau bei Transport und Logistik aufzulösen. Hinzu kommen erhebliche Schäden an zentraler Infrastruktur: Produktionsausfälle im Irak, Angriffe auf Pipelines in Saudi-Arabien sowie langfristige Beeinträchtigungen von Flüssiggasanlagen in Katar verschärfen die Lage zusätzlich.
Der zuvor eingepreiste Angebotsüberschuss ist damit faktisch verschwunden. Stattdessen deutet vieles auf ein strukturell höheres Preisniveau hin. Brian Kersmanc, Portfolio Manager bei GQG Partners, rechnet mit Ölpreisen deutlich über dem Vorkrisenniveau, eher bei 80 US-Dollar pro Barrel oder höher über einen längeren Zeitraum. Auch die Analysten von Goldman Sachs haben ihre Ölpreisprognose zuletzt angehoben. Sollte die Straße von Hormus weitere vier Wochen geschlossen bleiben, erwarten sie in diesem Jahr einen durchschnittlichen Ölpreis von rund 100 US-Dollar pro Barrel. Historisch betrachtet endeten vergleichbare Energieschocks in fünf von sieben Fällen in einer offiziell bestätigten Rezession.
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Gleichzeitig scheinen die Aktienmärkte die Risiken des Nahostkonflikts nach der vermeintlichen Waffenruhe eher auszublenden als einzupreisen. Der US-Leitindex notierte am Donnerstag auf Schlusskursbasis nur noch rund 2,5 % unter seinem Rekordhoch von Ende Januar, wie der folgende S&P-500-Chart zeigt.

Energieschock trifft auf teure Aktienmärkte
Diese optimistische Entwicklung trifft auf Aktienmärkte, die über weite Strecken auf ein nahezu ideales Konjunkturszenario ausgerichtet sind und vor Ausbruch des Iran-Kriegs in vielen Sektoren auf Perfektion bepreist waren. Neben KI-Aktien wurden vor allem zyklische Werte in den vergangenen Monaten mit ambitionierten Bewertungen gehandelt. Industrieunternehmen, Banken und andere konjunktursensitive Titel spiegeln vielfach Erwartungen wider, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum haltbar erscheinen. Auffällig ist zudem, dass Gewinnschätzungen im Vorfeld der anstehenden Berichtssaison bislang nur zögerlich nach unten angepasst wurden – ein Indiz dafür, dass ein Teil der Risiken an den Aktienmärkten noch nicht vollständig eingepreist ist.
Steigende Energiepreise wirken dabei wie ein schleichender Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft. Sie treiben Produktionskosten nach oben, belasten Lieferketten und treffen insbesondere energieabhängige Volkswirtschaften in Asien empfindlich. Selbst indirekte Effekte, etwa Engpässe bei Nebenprodukten wie Helium für die Halbleiterindustrie, könnten die industrielle Dynamik zusätzlich dämpfen.
Auch im Technologiesektor mehren sich die Risiken. Ein Teil der Finanzierung für KI-Infrastruktur und Rechenzentren stammt aus dem Nahen Osten. Sollte dieses Kapital infolge geopolitischer Unsicherheiten zurückhaltender fließen, drohen Verzögerungen bei Investitionen. Gleichzeitig steigen die Finanzierungskosten, da höhere Energiepreise den Inflationsdruck verstärken und damit die Notenbanken zu Zinserhöhungen treiben könnten. Gerade kapitalintensive Geschäftsmodelle geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Vor diesem Hintergrund erscheint eine defensivere Anlagestrategie plausibel. Sektoren mit stabileren Cashflows wie Versorger, Basiskonsumgüter oder Energieunternehmen könnten sich als widerstandsfähiger erweisen. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass sich die Aktienmärkte in einer späten Phase des Konjunkturzyklus befinden – mit entsprechend erhöhtem Korrekturpotenzial, sobald die bislang unterschätzten Risiken stärker eingepreist werden.
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Das wird auch die Minen belasten.
Um 1 kg Gold zu gewinnen, werden erwa 250 bis 300 Gigajoule (GJ) entsprechen etwa 69.444 bis 83.333 Kilowattstunden benötigt.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Belasten oder werden die Preise durchgereicht?
Die Investmentbanking-Analysten von Goldman Sachs werden uns weiterhin zuverlässig und kompetent über die weitere Entwicklung des Ölpreises, und somit über die weitere Entwicklung im Naher und Mittlerer Osten informieren. Und dabei wird sich dann auch zeigen, ob sich der Ölpreis beispielsweise auf den Dax auswirkt.