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Erdogan bricht sein Versprechen – türkische Lira fällt auf Allzeittief!

FMW-Redaktion

Das ist eine Niederlage für den türkischen Präsidenten Erdogan: die türkische Lira kommt heute schwer unter Druck und fällt auf ein neues Allzeittief zum US-Dollar bei knapp über 3,59:

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(Chart Dollar-Lira)

Dabei hatte Erdogan seine Landsleute Anfang Dezember ermahnt, nun ihre Fremdwährungen in Lira zurück zu tauschen, da die Lira ab jetzt aufwerten würde:

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Und die Lira wertete auf zum US-Dollar – aber nicht lange. Heute der massive Anstieg von 3,54 auf über 3,59 und damit über das bisherige Allzeithoch bei Dollar-Lira. Der Auslöser waren Daten zur Inflation in der Türkei: so stieg die Inflation im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,53% und damit deutlich mehr als die prognostizierten 7,6% – ausschlaggebend vor allem stark steigende Preise für Lebensmittel (+5,7%), Alkohol und Tabak (+7,33%) sowie Transportmittel (+12,4%) – mithin also Güter des täglichen Bedarfs, was die Türken direkt in ihrem Geldbeutel spüren!

Gegenüber dem Vormonat betrug der Anstieg der Inflation 1,64% – Prognose war 0,9%. Auch die Erzeugerpreise stiegen mit +9,94% (zum Vorjahresmonat) so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr – das deutet darauf hin, dass sich auch der Anstieg der Verbraucherpreise weiter beschleunigen wird.

Die türkische Notenbank hat eigentlich ein Ziel von 5% Inflation – für das Jahresende hatte sie einen Anstieg von 7,5% prognostiziert. Da der Anstieg der Inflation um mehr als 2% über der Prognose ausfällt, ist die Notenbank nun gesetzlich verpflichtet zu erklären in einem offenen Brief an die Regierung, warum der Anstieg so deutlich über ihrer Prognose lag.

All das bringt die Lira unter Druck – denn es scheint klar, dass die Notenbank zwar aufgrund der scharf anziehenden Preise die Zinsen anheben müßte, dies aber auf Geheiß von Präsident Erdogan nicht tun wird. Da also die Inflation steigt, die Zinsen aber unverändert bleiben, gerät die Lira unter Druck. Und damit Erdogan, der seinen Landsleuten versprochen hatte, dass die Lira wieder aufwerten würde.

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Präsident Erdogan
Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Dabei zeigen andere Konjunkturdaten klar nach unten: das BIP im 3.Quartal negativ, die Einkaufsmanagerindizes unter der 50er-Marke. Das bedeutet faktisch: Stagflation! Wir haben schon häufig darauf hingewiesen, dass die Türkei wohl das schwächste Glied in der Kette der Emerging Markets-Märkte ist (wie die Entwicklung der Risikoprämien bei türkischen Staatsanleihen zeigen). Geht die Dollar-Stärke so weiter, wird es vermutlich zuerst die Türkei sein, die wirtschaftlich kollabiert nach dem künstlichen Boom der Vorjahre durch das billige Geld der Fed und der nun absehbaren US-Zinswende..



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3 Kommentare

  1. Eine mögliche Erklärung: Die Gülen-Anhänger haben massive Short-Positionen auf die türkische Lira eröffnet!

  2. Ich überlege schon länger hier einzusteigen. Entweder EUR/TRY oder USD/TRY. Also ich meine auf einen steigenden Lira Kurs zu wetten. Die Frage ist natürlich ob jetzt der Tiefpunkt erreicht ist oder ob es noch tiefer geht.? Sollte sich die Lage in der Türkei beruhigen wäre es eine gute Kaufgelegenheit. Andererseits besteht die Gefahr dass sich die Türkei zu einem NS-Staat entwickelt. Das wäre dann eher negativ für die Lira. Was meint ihr?

    1. Fundamentales würde ich vollkommen ausblenden…wir wissen ja eh nicht, wie die Märkte darauf reagieren! Bei EUR TRY wäre das Hoch vom Dezember/2016 (3,8) für einen Short interessant. Ob und wann der Kurs noch mal dahinkommt, ist ungewiss. Aber dort sehe ich zumindest eine schöne Range, die sich nach unten aufgelöst hat. (H4-Chart)

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