Devisen

Erdogan entlässt drei Notenbanker – türkische Lira fällt auf neues Rekordtief

Türkei Flagge

Die türkische Lira wurde heute Nacht in einem Satz weiter spürbar abgewertet. US-Dollar vs Lira stieg von 9,08 auf 9,19 (aktuell 9,17). Damit erreicht die türkische Lira ein neues Rekordtief. Dies liegt an der aktuellen Entscheidung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – er hat nämlich drei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der Zentralbank entlassen und an ihrer Stelle zwei neue Mitglieder ernannt, wie das Amtsblatt des Landes mitteilte.

Sinkende Zinsen und politischer Einfluss auf Notenbank drücken gegen die türkische Lira

Diese Entscheidung erfolgte wenige Stunden, nachdem sich Präsident Erdogan gestern mit dem Chef der Zentralbank Kavcioglu getroffen und auch für ein gemeinsames Foto posiert hatte. Erst im Frühjahr hatte Erdogan Kavcioglus Vorgänger entlassen, weil die Zinsen nach Erdogans Ansicht zu hoch sind. Eigentlich sollten sie aber hoch bleiben, um die in der Türkei viel zu hohe Inflation einzudämmen. Mit zuletzt 19,58 Prozent Inflation und einer am 23. September erfolgten Leitzinssenkung von 19 Prozent auf 18 Prozent sind Zinsanlagen für ausländische Investoren in der Türkei noch weniger attraktiv geworden, da der Inflationsausgleich noch mehr fehlt als vorher.

Präsident Erdogan fordert schon seit Monaten einen drastisch sinkenden Leitzins, der sogar unter 10 Prozent fallen soll. Erst am 21. Oktober gab die Zentralbank seinem Wunsch nach und senkte aber wie gesagt nur um einen vollen Prozentpunkt. 18 Prozent sind logischerweise immer noch viel zu viel, wenn ein Zins von unter 10 Prozent erwünscht ist. Nicht nur der sinkende Leitzins, sondern besonders auch die massive Einmischung der Politik in die Notenbank-Tätigkeit belastet die türkische Lira seit Jahren, und vor allem in den letzten Monaten. Denn wie kann der Devisenmarkt einer Währung vertrauen, wenn die Notenbank des Landes unter derart starkem politischem Einfluss steht?

Nächste Woche erneute Zinssenkung?

Der auch nach den jetzt erfolgten Entlassungen noch im Amt befindliche Zentralbankchef Kavcioglu sagte diese Woche, die Zinssenkung vom 23. September sei keine Überraschung gewesen und habe wenig mit dem anschließenden Lira-Ausverkauf zu tun gehabt. Wichtig zu wissen ist: Er war es, der kurz vor der Zinssenkung sagte, die Zentralbank achte ab sofort nicht mehr auf die Inflationsrate (19,58 Prozent), sondern nur noch auf die Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise). Und die liegt knapp unter 17 Prozent. Also ist weiter Luft vorhanden für eine erneute Zinssenkung? Man bedenke, die nächste Zinsentscheidung der Zentralbank steht bereits nächste Woche am 21. Oktober an! Eine weitere mögliche Zinssenkung an diesem Tag drückt auch jetzt bereits weiter gegen die türkische Lira. Im Chart sehen wir den Verlauf der letzten 30 Tage von US-Dollar vs Lira. Der Noch am 14. September zahlte man 8,43 Lira für 1 Dollar, jetzt sind es wie gesagt bereits 9,17 Lira.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar gegen türkische Lira



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