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Erdogan wütet gegen Zentralbank – und droht mit „Intervention“!

Heute wird die türkische Notenbank ihre Zinsentscheidung verkünden, und normalerweise tendiert eine Notenbank dazu, die Zinsen anzuheben, wenn die eigene Währung im freien Fall ist. Aber Erdogan droht mit „Intervention“ – und hält Zinsen für ein Unterdrückungsinstrument des Auslands..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Der türkische Präsident Erdogan hat bekanntlich eine sehr, sagen wir einmal, „eigenwillige“ Auffassung von wirtschaftlichen Zusammenhängen. So vertritt er die Auffassung, dass nur sinkende Zinsen die Inflation bekämpfen könnte – und wenn man sich ansieht, wer in den letzten Jahren den Nobelpreis für Wirtschaft bekommen hat für, Verzeihung, den größten Schwachsinn, dann wäre Erdogan also sicher ein sehr heißer Kandidat dafür!

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Hält den Zins für ein Unterdrückungsinstrument des Auslands: Erdogan
Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Bekanntlich fällt die türkische Lira fast täglich auf ein neues Allzeittief zum US-Dollar. Klar: der Dollar ist derzeit extrem stark, aber die türkische Lira ist bei den crashenden Währungen der Emerging Markets dennoch die mit dem größten Verlust im letzten Quartal unter den EM-Währungen – Zufall? Eher nicht. Die Märkte preisen eine zunehmende politische Unsicherheit ein, das Engagement im Irak verursacht hohe Kosten, und Verbraucher und Unternehmen in der Türkei sind hoch verschuldet, dummerweise in Dollar, was die Sache immer drückender macht.

Heute wird die türkische Notenbank ihre Zinsentscheidung verkünden, und normalerweise tendiert eine Notenbank dazu, die Zinsen anzuheben, wenn die eigene Währung im freien Fall ist. Aber genau das will Erdogan nicht, weil steigende Zinsen die ohnehin mauen Investitionen in der Türkei noch weiter abwürgen würden. Erdogan hat daher immer wieder die türkischen Banken aufgefordert, die Zinsen für Kredite zu senken. Auf besonders fruchtbaren Boden trafen seine Wünsche jedoch bei dem neuen Chef der Zentralbank, der bislang auf jeder Sitzung seit seinem Amtsantritt die Leitzinsen gesenkt hatte (auf nun 7,5%).

Angesichts einer kollabierenden Lira aber sind weiter Senkungen des Leitzinses nicht gerade angeraten, normalereise eher das Gegenteil. Aber Erdogan hat gestern gedroht, er werde „intervenieren“, wenn die Notenbank die falsche Entscheidung treffe. Dabei sagte Erdogan weder, was eigentlich die falsche Entscheidung sei, noch wie diese Intervention durch ihn aussehen könnte.

Zinsen, so Erdogan und nicht wenige Mitglieder der Regierung, sei ein Mittel der Unterdrückung der Türken durch das Ausland, das ist die verquere Überzeugung der Machthaber. So sagte Erdogan gestern in Istanbul, dass das Osmanische Reich, das einst über die islamische Welt herrschte, durch Banker „ausgesaugt“ worden sei – und untermauerte diese These mit Versen aus dem Koran, die den Zins als Werk des Teufels bezeichnen.

Es spricht vieles dafür, dass die Zentralbank Erdogan „gehorcht“ und die Zinsen nicht anhebt. Und damit den Weg frei macht für einen weiteren Abverkauf der Lira. Wenn aber der Avberkauf weiter geht, wird die Notenbank aber wohl keine andere Wahl mehr haben als die Zinsen doch, und dann heftig, anzuheben.

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Dollar-Lira: ungebremster Weg nach oben

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Denker

    24. November 2016 11:28 at 11:28

    …wo er recht hat, hat er recht.

  2. Avatar

    wihoka

    24. November 2016 11:40 at 11:40

    Nach Reaganomics, Abenomics und Trumponomics jetzt also auch Erdoganomics, (Mario Depunto hab ich vergesssen) wurschteln wir uns durch die Schuldenökomie – könnten mithin auch Wurschtelnomics sagen –
    egal, völlig egal, total egal. Was soll’s?

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Devisen

Freudige Nachricht für Gold-Anleger, Robert Halver über Aktienmärkte, Ideen zu Pfund und Facebook

Redaktion

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Eine freudige Nachricht für Anleger, die in Gold-Produkte wie ETCs investieren. Bisher waren nämlich Gewinne auf physisches Gold nach 12 Monaten steuerfrei. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil, wonach ein Goldprodukt dem physischen Gold gleichgestellt wurde. Auch hier sind die Gewinne nach 12 Monaten steuerfrei. Dies liegt daran, dass man sich als Anleger bei diesem Produkt (ETC) das Gold auch physisch ausliefern lassen kann. Möglicherweise können Sie sich sogar gezahlte Steuern erstatten lassen. Fragen Sie hierzu Ihren Steuerberater. Manuel Koch geht im folgenden Video auf diesen Sachverhalt ein.

Auch bespricht er mit Robert Halver die aktuelle Lage am Aktienmarkt. Seine Empfehlung: Trotz aktueller Unsicherheiten sollte der Anleger am Ball bleiben und über Aktiensparpläne investieren. Auch bespricht Manuel Koch im Video zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Euro gegen Pfund sei eine Kaufidee über das Vehikel einer Stop-Buy-Order. Die Aktie von Facebook könne man shorten über eine Stop-Sell-Order. Beide Ideen werden im Detail erläutert.

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Devisen

Aktuell: Türkische Lira fällt schnell und kräftig auf Rekordtief – hier der Grund

Claudio Kummerfeld

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Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt seit einigen Minuten schnell und kräftig in den Keller gegen US-Dollar und Euro. US-Dollar gegen Lira steigt seit 13 Uhr von 7,80 auf aktuell 7,97 – ein neues Rekordtief für die Lira. Und der Euro steigt aktuell gegen die türkische Lira von 9,22 auf 9,43 – das ist ebenfalls ein neues Rekordtief für die türkische Währung.

Grund dafür ist die ganz frische Verkündung der türkischen Zentralbank, dass man den Leitzins unverändert bei 10,25 Prozent belässt. Rückblick: Am 24. September hatte die türkische Zentralbank überraschend den Leitzins um 200 Basispunkte angehoben, von 8,25 Prozent auf 10,25 Prozent. Für heute lagen die Markterwartungen bei einer weiteren Anhebung von 175 Basispunkten auf 12 Prozent. Nötig wäre das, um endlich die ständige Abwertung zu stoppen, der sich die türkische Lira seit geraumer Zeit ausgesetzt sieht.

Und dieser erste Zinsschritt vom 24. September schien nicht auszureichen, um am Devisenmarkt eine Kehrtwende für die Lira einzuläuten. Die jetzige Enttäuschung am Devisenmarkt über die ausgebliebene Zinserhöhung bringt die türkische Lira zu diesem schnellen Absturz (im Chart sehen wir den steigenden US-Dollar gegen die Lira in den letzten 30 Tagen – der letzte Aufwärtsbalken zeigt die ganz aktuelle Bewegung).

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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