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Erdogans Scheitern nach dem Anschlag von Suruc: türkische Lira in freiem Fall

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Mit dem gestrigen Anschlag von Suruc, bei dem 31 Menschen ums Leben kamen, hat der Krieg des IS auch die Türkei erreicht. Und das bringt Präsident Erdogan in eine unangenehme Lage: jahrelang duldete er den IS und seine Kämpfer, leistete logistische Unterstützung – Hauptsache, die Kurden wurden nicht stärker. Nun aber muss Erdogan Farbe bekennen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dies nicht der letzte Anschlag der Radikalen auf türkischem Gebiet sein dürfte.

Erdogan
Machtlos gegen den Verfall der Lira: Präsident Erdogan
Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Die Investoren ahnen, dass da Unheil auf die Türkei zukommt – und verkaufen die türkische Lira nach dem Anschlag:

usdtry210715

Im längeren Zeitfenster sieht man den dramatische Wertverfall der türkischen Lira zum Dollar (Chart Dollar-Lira):

usdtry2107152

Das bringt die hochverschuldeten Türken (Privatpersonen und Unternehmen, nicht jedoch der türkische Staat), schwer unter Druck: die meisten Kredite wurden in Dollar aufgenommen – und ein steigender Dollar erhöht die faktische Schuldenlast der Türken. Was nun, Recep Tayyip Erdogan?

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Demokrat

    21. Juli 2015 15:33 at 15:33

    Sorry aber hier wird auch Erdogan-Bashing betrieben. Ob man Erdogan mag oder nicht, Fakt ist, dass er das Land innerhalb von 12 Jahre hoch modernisiert hat. Vor 12 Jahren war die Lage nicht besser als die jetzige Lage von Griechenland. Im Gegensatz zu Griechenland hat die Türkei keine IWF-Schulden mehr, ganz im Gegenteil! Die Türkei hat der IWF 5 Millarden Dollar Kredit gewehrt! Herr Fugmann etwas sachliche Beurteilung der Türkei würde ihrer Kompetenz gut tun. Was die Lira-Schwäche angeht, hängt mit der globalen Dollar-Stärke zusammen, nur Nebenbei erwähnt. Trotz der Kriege in den Nachbarstaaten hat die Türkei ein Wachstum, davon kann Europa nur träumen! Mit dem Wegfall von Iran-Embargo wird die Türkei in Zukunft noch mächtiger wachsen!Die geostrategische und wirtschaftliche Lage der Türkei ist nun mal 1A !!! Egal wie zum Diktator ERDOGAN stehen, der knapp 4 Millionen Flüchtlinge ohne internationale Hilfe ernährt, währen Europa die Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen lässt! Also etwas OBJEKTIVITÄT würde Ihnen noch besser tun Herr Fugmann. kommen Sie mir nicht mit den verhafteten Journalisten in der Türkei – Sie sollten sich weniger von der Mainstreammedia beeinflussen lassen!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. Juli 2015 15:41 at 15:41

      @Demokrat, die Türkei hat sich in Maßen modernisiert, ökonomisch allerdings vorwiegend durch Großprojekte, die ziemlich wahnwitzig sind (wie der im Bau befindliche Flughafen in Istanbul, der völlig überdimensioniert ist). Was die Türkei vor allem nach vorne gebracht hat, hat auch andere Schwellen-Länder nach vorne gebracht: die Geldflut der Fed mit anschließenden Investitionen des billigen Geldes in der Türkei. Wenn Erdogan mal weg ist, wird sich zeigen, was alles schief gelaufen ist unter seiner Demokratur. In der Türkei herrscht nämlich, ähnlich wie in Griechenland, eine Günstlings-Wirtschaft – es sind Freunde und Partner von Erdogan, die die dicken Staatsaufträge einheimsen. Und das sicher nicht, weil sie die günstigsten Angebote abgegeben hätten. Faktisch ist das eine Bereicherung einer herrschenden Klicke auf Kosten des Volkes, um das mal so klar zu formulieren!

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      bigben

      21. Juli 2015 15:57 at 15:57

      verstehe nicht was an dem artikel nicht objektiv sein soll.

      fakten sind fakten, und charts sagen nun mal mehr als tausend worte.

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        Demokrat

        21. Juli 2015 16:32 at 16:32

        Erdogan soll gescheitert sein? Wobei? Lira im freien Fall? Dann müsste der Langfristige Chart doch neue Tops zeigen oder nicht? Irgend jemand hat Tomaten auf den Augen glaube ich ;) innerhalb von 6-12 Monaten wird die Lira sogar bei 3,20 stehen aber das wird der Türkei kaum Schaden! Die türkische Zentralbank hat mittlerweile über 100 Milliarden Dollarreserven!
        Gegen die aktuelle globale Dollarstärke einzugreifen wäre sinnlos, weil es keine Wirkung zeigen würde. Außerdem hat die Lira-Schwäche nicht nur negative Seiten, sondern auch einige positive Nebenwirkungen, wie z.B. in der Tourismus- und Exportindustrie.

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    Demokrat

    21. Juli 2015 16:14 at 16:14

    @ Fugmann – Herr Fugmann mit ihrer Antwort haben Sie erneut bewiesen, dass Sie über die Türkei absolut fast Garnichts wissen! Ich komme zufällig aus der Türkei und beschäftige mich genauso wie sie seit mehr als 15 Jahren mit der Börse. Ich kenne die Verhältnisse in der Türkei vor Erdogan und verfolge die aktuellen Ereignisse in der Türkei heute sehr genau. Zufällig bin auch noch Dipl. Ökonom Herr Fugmann. Die Türkei ist absolut auf dem richtigem Weg, was ökonomische und politische Strategie betrifft, während Europa sich auf den Holzweg befindet (Rußland-Embargo, Ukraine-Krise, Griechenland-Krise ect. ect.). Die Türkei hat sich bisher aus allem Krisengebieten rausgehalten und verfolgt eine friedliche Strategie, die allerdings bald Enden könnte, da das Flüchtlingsdrama mittlerweile der Türkei mehr als 10 Millarden Dollar Kosten pro Jahr verursacht!
    Die Bereicherung der herrschenden Klicke, die Sie angesprochen haben, wird sehr oft in der westlichen Mainstreammedia thematisiert. Sagen Sie bloß, dass eine Bereicherung der herrschenden Klicke in der westlichen Zivilisation nicht Gang und Gebe ist?! Was meinen Sie, was die Zentralbanken der westlichen Staaten die ganze Zeit mit QE-Programmen tun? Den Heilsbringer für die Bevölkerung spielen? Herr Fugmann, nochmals: Bitte lassen sich nicht von der Mainstreammedia manipulieren und reisen mal selber in die Türkei und sprechen mit türkischen Landsleuten, die die Verhältnisse vor Erdogan erlebt haben. Außerdem hätten Sie auch die Möglichkeit mit eigenen Augen zu sehen, welche nutzvollen Großprojekte realisiert worden sind und welche noch gebaut werden, die absolut nicht wahnwitzig sind, sondern zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit beitragen und der türkischen Bevölkerung dienen! Ihr Vorurteile, die durch Unkenntnis der wirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Situation der Türkei und durch Mainstreammedia-Fokusierung entstanden sind, sollten schnellstmöglich über Board werfen und sich eine Türkei-reise gönnen! :-)

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. Juli 2015 16:22 at 16:22

      @Demokrat, verstehe. Ich weiss auch, was mir die Leute erzählen werden: alles besser seit Erdogan. Ich werde dieselben leute aber dann nochmal fragen – wenn die fröhliche Konsum-auf-Pump-Blase geplatzt sein wird und die Leute massenhaft Privatinsolvenz angemeldet haben – ob sie dann immer noch alles so richtig finden. Jedes latent totalitäre System wie das unter Erdogan funktioniert nur so lange, als es das gegebene Wohlstandsversprechen halten kann. Wenn die Träume dann geplatzt sind, kommt der Geruch der Konsum-Leichen aus dem Keller aufgestiegen..

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    Demokrat

    21. Juli 2015 16:41 at 16:41

    @ Fugmann – „Jedes latent totalitäre System wie das unter Erdogan funktioniert nur so lange, als es das gegebene Wohlstandsversprechen halten kann.“ ????
    Herr Fugmann nur zur Information:
    1. Herr Erdogan ist letztes Jahr mit 52% der Wählerstimmen zum Staatspräsidenten gewählt worden und sitzt nicht nicht mehr in der Regierung!
    2. Vor kurzem waren Parlamentswahlen und es wurden 4 Parteien ins Parlament gewählt worden, sogar die Vertreter der kurdischen Minderheit haben 80 Sitze!
    3. Die neue Regierung muss noch durch Koalitionsverhandlungen gebildet werden, wenn nicht, gibt es Neuwahlen!
    4. Wo bitte ist hierbei von latent totalitären System zusprechen? Wenn Sie von Merkel sprechen, stimme ich Ihnen vollkommen zu! :-)

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. Juli 2015 16:51 at 16:51

      @Demokrat, das ist schon sehr nationalistisch, was Sie schreiben. Sie scheinen ein Anhänger Erdogans zu sein zweifellos – wollen Sie etwa ernsthaft bestreiten, dass in der Türkei Journalisten verhaftet werden, weil sie eine Meinung verterten, die der Erdogan-Clique nicht genehm ist? So weit mir bekannt, ist das in Deutschland nicht der Fall…

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        Demokrat

        21. Juli 2015 17:09 at 17:09

        …aber wenn Merkel einen Putschisten Sissi den roten Teppich ausrollt, ist alles ok nicht wahr Herr Fugmann! Jeder sollte erstmal vor seiner Haustür kehren, bevor man andere als Diktator abstempelt…

  4. Avatar

    Demokrat

    21. Juli 2015 16:59 at 16:59

    @Fugmann, na bald werden sie auch noch zum Antisemiten abstempeln nicht wahr! Was soll bei meinen Ausführungen nationalistisch sein? Habe nur Fakten aufgezählt und ihre falsche Darstellung über die Türkei und Erdogan widerlegt, mehr nicht! Dass Sie jetzt die Nationalismus-Keule rausholen, bestätigt mich einfach in meiner Annahme. Sie sollten wirklich in die Türkei reisen! Ist übrigens sehr günstig, durch den freien Fall der türkischen Lira :-)- Keine Angst, Herr Erdogan wird sie nicht wegen Ihrer Erdogan-Bashing verhaften lassen.:-)

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    bigben

    21. Juli 2015 18:29 at 18:29

    na dann, alles tuti, wir werden dann wohl alsbald die türkei im kreise der g7(g8) begrüssen dürfen. (dann hat usd/try wohl ne mächtige bullenfalle hingelegt, und sich der gesamte markt geirrt) ;)

  6. Avatar

    Judas

    21. Juli 2015 19:06 at 19:06

    @Demokrat
    Nehmen sie die Aussagen von Herr Fugmann nicht so ernst. Hier wird gutes Geld mit den Weltuntergangsjüngern verdient, völlig legal und es ist auch nichts Verwerfliches dabei.
    Populistische Aussagen gehören zum Geschäft, am Ende der Einnahmekette ist es egal, ob die Wahrheit gesprochen wurde.

    Angst essen Seele auf = Einträgliches Geschäft für den Mann, der „(End-)Lösungen“ bietet

    Am besten unbedingt gleich mal die binären Optionen anklicken auf dieser Seite oder für „erfolgreiches Trading“ mindestens 8 Bildschirme etc. inkl. „actior Saxo Trader-System“ bestellen.

    Und oben mal bitte bitte auf IForex klicken, die mit Sicherheit ihr Geld komplett in Deutschland gebunckert hat und nicht in Zypern. Völlig sicherer Broker der so gut wie keine Provisionen bezahlt an Vermittler

    • Avatar

      Demokrat

      21. Juli 2015 23:25 at 23:25

      @ Judas ist ja voll biblisch, was sie da schreiben :-)

      Ab und zu teile die Meinung von Herrn Fugmann…insbesondere was Griechenland betrifft ;)
      Ich finde er sollte trotzdem mal sich eine Türkei-Reise gönnen! Bei den Prognosen, die er in den Videos abgibt, hat er das Geld dafür auf jeden Fall drin, denke ich ;)
      Es ist immer besser vor Ort sich eigene Meinung zu bilden, anstatt Mainstream-Müll zu konsumieren.

      Übrigens Ihre Empfehlung habe ich zu Herzen genommen (8 Bildschirme etc. inkl. „actior Saxo Trader-System“ + Iforex) :-) :-) ;)

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

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Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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