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Erdogans Scheitern nach dem Anschlag von Suruc: türkische Lira in freiem Fall

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Mit dem gestrigen Anschlag von Suruc, bei dem 31 Menschen ums Leben kamen, hat der Krieg des IS auch die Türkei erreicht. Und das bringt Präsident Erdogan in eine unangenehme Lage: jahrelang duldete er den IS und seine Kämpfer, leistete logistische Unterstützung – Hauptsache, die Kurden wurden nicht stärker. Nun aber muss Erdogan Farbe bekennen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dies nicht der letzte Anschlag der Radikalen auf türkischem Gebiet sein dürfte.

Erdogan
Machtlos gegen den Verfall der Lira: Präsident Erdogan
Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Die Investoren ahnen, dass da Unheil auf die Türkei zukommt – und verkaufen die türkische Lira nach dem Anschlag:

usdtry210715

Im längeren Zeitfenster sieht man den dramatische Wertverfall der türkischen Lira zum Dollar (Chart Dollar-Lira):

usdtry2107152

Das bringt die hochverschuldeten Türken (Privatpersonen und Unternehmen, nicht jedoch der türkische Staat), schwer unter Druck: die meisten Kredite wurden in Dollar aufgenommen – und ein steigender Dollar erhöht die faktische Schuldenlast der Türken. Was nun, Recep Tayyip Erdogan?

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Demokrat

    21. Juli 2015 15:33 at 15:33

    Sorry aber hier wird auch Erdogan-Bashing betrieben. Ob man Erdogan mag oder nicht, Fakt ist, dass er das Land innerhalb von 12 Jahre hoch modernisiert hat. Vor 12 Jahren war die Lage nicht besser als die jetzige Lage von Griechenland. Im Gegensatz zu Griechenland hat die Türkei keine IWF-Schulden mehr, ganz im Gegenteil! Die Türkei hat der IWF 5 Millarden Dollar Kredit gewehrt! Herr Fugmann etwas sachliche Beurteilung der Türkei würde ihrer Kompetenz gut tun. Was die Lira-Schwäche angeht, hängt mit der globalen Dollar-Stärke zusammen, nur Nebenbei erwähnt. Trotz der Kriege in den Nachbarstaaten hat die Türkei ein Wachstum, davon kann Europa nur träumen! Mit dem Wegfall von Iran-Embargo wird die Türkei in Zukunft noch mächtiger wachsen!Die geostrategische und wirtschaftliche Lage der Türkei ist nun mal 1A !!! Egal wie zum Diktator ERDOGAN stehen, der knapp 4 Millionen Flüchtlinge ohne internationale Hilfe ernährt, währen Europa die Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen lässt! Also etwas OBJEKTIVITÄT würde Ihnen noch besser tun Herr Fugmann. kommen Sie mir nicht mit den verhafteten Journalisten in der Türkei – Sie sollten sich weniger von der Mainstreammedia beeinflussen lassen!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. Juli 2015 15:41 at 15:41

      @Demokrat, die Türkei hat sich in Maßen modernisiert, ökonomisch allerdings vorwiegend durch Großprojekte, die ziemlich wahnwitzig sind (wie der im Bau befindliche Flughafen in Istanbul, der völlig überdimensioniert ist). Was die Türkei vor allem nach vorne gebracht hat, hat auch andere Schwellen-Länder nach vorne gebracht: die Geldflut der Fed mit anschließenden Investitionen des billigen Geldes in der Türkei. Wenn Erdogan mal weg ist, wird sich zeigen, was alles schief gelaufen ist unter seiner Demokratur. In der Türkei herrscht nämlich, ähnlich wie in Griechenland, eine Günstlings-Wirtschaft – es sind Freunde und Partner von Erdogan, die die dicken Staatsaufträge einheimsen. Und das sicher nicht, weil sie die günstigsten Angebote abgegeben hätten. Faktisch ist das eine Bereicherung einer herrschenden Klicke auf Kosten des Volkes, um das mal so klar zu formulieren!

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      bigben

      21. Juli 2015 15:57 at 15:57

      verstehe nicht was an dem artikel nicht objektiv sein soll.

      fakten sind fakten, und charts sagen nun mal mehr als tausend worte.

      • Avatar

        Demokrat

        21. Juli 2015 16:32 at 16:32

        Erdogan soll gescheitert sein? Wobei? Lira im freien Fall? Dann müsste der Langfristige Chart doch neue Tops zeigen oder nicht? Irgend jemand hat Tomaten auf den Augen glaube ich ;) innerhalb von 6-12 Monaten wird die Lira sogar bei 3,20 stehen aber das wird der Türkei kaum Schaden! Die türkische Zentralbank hat mittlerweile über 100 Milliarden Dollarreserven!
        Gegen die aktuelle globale Dollarstärke einzugreifen wäre sinnlos, weil es keine Wirkung zeigen würde. Außerdem hat die Lira-Schwäche nicht nur negative Seiten, sondern auch einige positive Nebenwirkungen, wie z.B. in der Tourismus- und Exportindustrie.

  2. Avatar

    Demokrat

    21. Juli 2015 16:14 at 16:14

    @ Fugmann – Herr Fugmann mit ihrer Antwort haben Sie erneut bewiesen, dass Sie über die Türkei absolut fast Garnichts wissen! Ich komme zufällig aus der Türkei und beschäftige mich genauso wie sie seit mehr als 15 Jahren mit der Börse. Ich kenne die Verhältnisse in der Türkei vor Erdogan und verfolge die aktuellen Ereignisse in der Türkei heute sehr genau. Zufällig bin auch noch Dipl. Ökonom Herr Fugmann. Die Türkei ist absolut auf dem richtigem Weg, was ökonomische und politische Strategie betrifft, während Europa sich auf den Holzweg befindet (Rußland-Embargo, Ukraine-Krise, Griechenland-Krise ect. ect.). Die Türkei hat sich bisher aus allem Krisengebieten rausgehalten und verfolgt eine friedliche Strategie, die allerdings bald Enden könnte, da das Flüchtlingsdrama mittlerweile der Türkei mehr als 10 Millarden Dollar Kosten pro Jahr verursacht!
    Die Bereicherung der herrschenden Klicke, die Sie angesprochen haben, wird sehr oft in der westlichen Mainstreammedia thematisiert. Sagen Sie bloß, dass eine Bereicherung der herrschenden Klicke in der westlichen Zivilisation nicht Gang und Gebe ist?! Was meinen Sie, was die Zentralbanken der westlichen Staaten die ganze Zeit mit QE-Programmen tun? Den Heilsbringer für die Bevölkerung spielen? Herr Fugmann, nochmals: Bitte lassen sich nicht von der Mainstreammedia manipulieren und reisen mal selber in die Türkei und sprechen mit türkischen Landsleuten, die die Verhältnisse vor Erdogan erlebt haben. Außerdem hätten Sie auch die Möglichkeit mit eigenen Augen zu sehen, welche nutzvollen Großprojekte realisiert worden sind und welche noch gebaut werden, die absolut nicht wahnwitzig sind, sondern zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit beitragen und der türkischen Bevölkerung dienen! Ihr Vorurteile, die durch Unkenntnis der wirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Situation der Türkei und durch Mainstreammedia-Fokusierung entstanden sind, sollten schnellstmöglich über Board werfen und sich eine Türkei-reise gönnen! :-)

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. Juli 2015 16:22 at 16:22

      @Demokrat, verstehe. Ich weiss auch, was mir die Leute erzählen werden: alles besser seit Erdogan. Ich werde dieselben leute aber dann nochmal fragen – wenn die fröhliche Konsum-auf-Pump-Blase geplatzt sein wird und die Leute massenhaft Privatinsolvenz angemeldet haben – ob sie dann immer noch alles so richtig finden. Jedes latent totalitäre System wie das unter Erdogan funktioniert nur so lange, als es das gegebene Wohlstandsversprechen halten kann. Wenn die Träume dann geplatzt sind, kommt der Geruch der Konsum-Leichen aus dem Keller aufgestiegen..

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    Demokrat

    21. Juli 2015 16:41 at 16:41

    @ Fugmann – „Jedes latent totalitäre System wie das unter Erdogan funktioniert nur so lange, als es das gegebene Wohlstandsversprechen halten kann.“ ????
    Herr Fugmann nur zur Information:
    1. Herr Erdogan ist letztes Jahr mit 52% der Wählerstimmen zum Staatspräsidenten gewählt worden und sitzt nicht nicht mehr in der Regierung!
    2. Vor kurzem waren Parlamentswahlen und es wurden 4 Parteien ins Parlament gewählt worden, sogar die Vertreter der kurdischen Minderheit haben 80 Sitze!
    3. Die neue Regierung muss noch durch Koalitionsverhandlungen gebildet werden, wenn nicht, gibt es Neuwahlen!
    4. Wo bitte ist hierbei von latent totalitären System zusprechen? Wenn Sie von Merkel sprechen, stimme ich Ihnen vollkommen zu! :-)

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. Juli 2015 16:51 at 16:51

      @Demokrat, das ist schon sehr nationalistisch, was Sie schreiben. Sie scheinen ein Anhänger Erdogans zu sein zweifellos – wollen Sie etwa ernsthaft bestreiten, dass in der Türkei Journalisten verhaftet werden, weil sie eine Meinung verterten, die der Erdogan-Clique nicht genehm ist? So weit mir bekannt, ist das in Deutschland nicht der Fall…

      • Avatar

        Demokrat

        21. Juli 2015 17:09 at 17:09

        …aber wenn Merkel einen Putschisten Sissi den roten Teppich ausrollt, ist alles ok nicht wahr Herr Fugmann! Jeder sollte erstmal vor seiner Haustür kehren, bevor man andere als Diktator abstempelt…

  4. Avatar

    Demokrat

    21. Juli 2015 16:59 at 16:59

    @Fugmann, na bald werden sie auch noch zum Antisemiten abstempeln nicht wahr! Was soll bei meinen Ausführungen nationalistisch sein? Habe nur Fakten aufgezählt und ihre falsche Darstellung über die Türkei und Erdogan widerlegt, mehr nicht! Dass Sie jetzt die Nationalismus-Keule rausholen, bestätigt mich einfach in meiner Annahme. Sie sollten wirklich in die Türkei reisen! Ist übrigens sehr günstig, durch den freien Fall der türkischen Lira :-)- Keine Angst, Herr Erdogan wird sie nicht wegen Ihrer Erdogan-Bashing verhaften lassen.:-)

  5. Avatar

    bigben

    21. Juli 2015 18:29 at 18:29

    na dann, alles tuti, wir werden dann wohl alsbald die türkei im kreise der g7(g8) begrüssen dürfen. (dann hat usd/try wohl ne mächtige bullenfalle hingelegt, und sich der gesamte markt geirrt) ;)

  6. Avatar

    Judas

    21. Juli 2015 19:06 at 19:06

    @Demokrat
    Nehmen sie die Aussagen von Herr Fugmann nicht so ernst. Hier wird gutes Geld mit den Weltuntergangsjüngern verdient, völlig legal und es ist auch nichts Verwerfliches dabei.
    Populistische Aussagen gehören zum Geschäft, am Ende der Einnahmekette ist es egal, ob die Wahrheit gesprochen wurde.

    Angst essen Seele auf = Einträgliches Geschäft für den Mann, der „(End-)Lösungen“ bietet

    Am besten unbedingt gleich mal die binären Optionen anklicken auf dieser Seite oder für „erfolgreiches Trading“ mindestens 8 Bildschirme etc. inkl. „actior Saxo Trader-System“ bestellen.

    Und oben mal bitte bitte auf IForex klicken, die mit Sicherheit ihr Geld komplett in Deutschland gebunckert hat und nicht in Zypern. Völlig sicherer Broker der so gut wie keine Provisionen bezahlt an Vermittler

    • Avatar

      Demokrat

      21. Juli 2015 23:25 at 23:25

      @ Judas ist ja voll biblisch, was sie da schreiben :-)

      Ab und zu teile die Meinung von Herrn Fugmann…insbesondere was Griechenland betrifft ;)
      Ich finde er sollte trotzdem mal sich eine Türkei-Reise gönnen! Bei den Prognosen, die er in den Videos abgibt, hat er das Geld dafür auf jeden Fall drin, denke ich ;)
      Es ist immer besser vor Ort sich eigene Meinung zu bilden, anstatt Mainstream-Müll zu konsumieren.

      Übrigens Ihre Empfehlung habe ich zu Herzen genommen (8 Bildschirme etc. inkl. „actior Saxo Trader-System“ + Iforex) :-) :-) ;)

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Türkische Lira: Achtung, Inflation in der Türkei steigt kräftig an!

Redaktion

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am

Von

Türkei-Flagge vor dem Bosporus

Die türkische Lira könnte vor einer weiteren Abwertung stehen. Könnte, aber nicht muss, denn da gibt es aktuell einen Hoffnungsschimmer. Aber zuerst zu den schlechten Nachrichten. Die türkische Statistikbehörde hat heute die Inflationsrate für November veröffentlicht. Von Oktober bei 11,89 Prozent springt sie hoch auf 14,03 Prozent im Jahresvergleich. Das ist eine kleine Katastrophe. Denn schaut man auf verschiedene Konsensschätzungen, dann lag die höchste Erwartung bei 12,7 Prozent. Vor allem die Lebensmittelpreise in der Türkei (+21 Prozent) und die Transportkosten (+18,7 Prozent) ziehen den Schnitt nach oben. Hier die Originalgrafik der Statistiker.

Grafik zeigt aktuelle Daten zur Inflation in der Türkei

Bemühungen der Zentralbank zur Eindämmung der Inflation

Die türkische Lira ist seit Jahren dabei gegen Euro und US-Dollar dramatisch abzuwerten. Erst am 19. November hatte die türkische Zentralbank in einem kräftigen Schritt den Leitzins von 10,25 Prozent auf 15 Prozent angehoben. Andere Zinssätze lagen vorher fast schon bei 15 Prozent, weshalb der Markt diesen optisch bedeutenden Schritt wohl nicht als wirklich sensationell einstufte. Und so notiert die türkische Lira trotz massiv gestiegenem Leitzins aktuell sogar etwas niedriger als am 19. November. Hier die Inflationsentwicklung im Chart. Ein Balken steht steht für einen Monat (Prozentveränderung im Vergleich zum Vorjahr).


source: tradingeconomics.com

Warum die türkische Lira heute einen Unterstützer hat

Man kann durchaus vermuten, dass die türkische Zentralbank eine weitere Zinserhöhung in den nächsten Tagen oder Wochen vornehmen könnte, um dem Kapitalmarkt zu signalisieren, dass man es wirklich ernst meint mit der Eindämmung der Inflation in der Türkei. Heute ist die türkische Lira nach dieser deutlich höher als gedachten Inflationsrate wieder verstärkt im Fokus der Devisenspekulanten. US-Dollar vs Lira stieg vorhin von 7,84 auf 7,92, um aktuell aber wieder auf 7,83 zu fallen.

Eine weitere Abwertung für die türkische Lira ist bei der stark gestiegenen Inflationsrate eigentlich zu erwarten. Aber halt, da gibt es einen Rettungsanker, der diese Lira-Abwertung bremsen könnte. Der US-Dollar ist seit Tagen klar am Fallen. Es ist eine eigenständige Dollar-Schwäche, die im immer weiter fallenden Dollar-Index (Währungskorb des Dollar gegen andere Währungen) gut erkennbar ist. Seit dem 23. November fällt der Dollar-Index von 92,60 auf aktuell 90,99 Indexpunkte. Auch seit Montag dieser Woche geht es immer weiter runter. Diese eigenständige Dollar-Schwäche könnte der Lira aktuell dabei helfen, gegen den Dollar nicht all zu stark abzuwerten. Aber ein gesicherter Faktor im Devisenhandel ist das nicht. USDTRY könnte auch abgekoppelt von der Dollar-Schwäche ein Eigenleben führen.

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Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

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Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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