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Europa

Erdogans wirtschaftliche Antwort auf den Putsch: Konsumrausch wieder ankurbeln!

Aus Sorge vor einem Abschwung der Wirtschaft sollen die Türken wieder mehr auf Pump leben können und konsumieren – und damit eine ziwschenzeitlich unterbrochene Party fortsetzen..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Nachdem Erdogan und seine Helfershelfer gründlich „aufgeräumt“ haben nach dem Putsch, ist die Sorge groß, dass die wirtschaftliche Lage sich weiter verschlechtert. Vor allem ausländische Investoren haben sehr genau registriert, dass das, was absehbar war, nun eingetreten ist: die Enteignung von Eigentum vermeintlicher Gülen-Anhänger.

Nun aber plant die türkische Regierung offenkundig eine Art „wirtschaftliche Gegenoffensive“ – die ausländische Investoren ebenfalls nicht entzücken dürfte. Man will, um es mit einem Wort zu sagen, den Konsum- und Kreditrausch wieder anfachen, den man zwischenzeitlich eingedämmt hatte, damit die Verschuldung vor allem der Privatkonsumenten nicht völlig aus dem Ruder läuft. Veranwortlich für dieses Bremsen war damals der auch im Ausland hoch angesehene Wirtschaftsminister Ali Babacan – er wollte das immer stärker ausufernde Handelsbilanzdefizit des Landes zurück fahren durch Begrenzungen der Kreditvergabe an Privatkonsumenten. Eben diese Begrenzungen sollen nun wieder weitgehend aufgehoben werden – mit der wohl absehbaren Folge, dass das Defizit der türkischen Handelsbilanz dann wieder nach oben gehen wird.

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Erdogan will Neu-Start für die Konsum-Party in der Türkei
Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Schon zu Beginn der Woche hatte die türkische Notenbank die sogenannte reserve requirement ratio (RRR) für die türkischen Banken (also die Sicherheitshinterlegung für die Ausreichung neuer Kredite) um ein halbes Prozent gesenkt. Das Signal an die Banken ist klar: gebt wieder mehr Kredite an die Konsumenten! Und nun soll auch der Konsument direkt unterstützt werden – nicht wie in Japan durch eine Art Mini-Helikoptergeld, sondern durch eine Art „Helikopter-Kredit“.

Konkret ist geplant, etwa die Rückzahlfrist für Konsumentenkredite von drei Jahren auf vier Jahre zu verlängern, wie gestern Wirtschaftsminister Bulent Tufenkci sagte. Dazu sollen die Bedingungen für Käufe mit Kreditkarten gelockert, die Zins-Raten für Immobilienkredite gesenkt werden. Beschränkungen bei Importen, etwa bei Smartphones, werden wieder weitgehend aufgehoben.

Die Erdogan-Regierung will also jenen Konsum-Boom wieder entfachen, den sie einst eindämmen mußte – aber nun greift Erdogan wieder zu alten Mitteln, um Sorgen vor einem Einbruch des Konsums zu zerstreuen. So hatte die Türkei, vor allem durch exzessive Kreditvergabe der Banken und Kreditnachfrage der Konsumenten, im Jahr 2011 ein heftiges Defizit der Handelsbilanz von 10% – durch die einschränkenden Maßnahmen vor allem bei der Kreditvergabe fiel der Wert dann auf derzeit nur noch gut 4% (was auch nicht ganz wenig ist..).

So war aufgrund der restriktiveren Geldpolitik die Kreditvergabe an Konsumenten im letzten Jahr um über 8% eingebrochen – genau das soll nun wieder umgekehrt werden. Das könne man sich derzeit aufgrund des deutlich geringeren Defizits nun auch leisten, so Wirtschaftsminister Tufenkci gestern, und überhaupt würde sich das geplante Kreditwachstum nicht „unkontrolliert“ vollziehen.

Erdogan wiederum, der seine Popularität vor allem dem Wirtschaftsaufschwung verdankt – der jedoch maßgeblich durch Reformen der Vorgängerregierung Erdogans angestoßen worden war (sowie durch die Geldpolitik der Fed, die viele billige Dollars ins Land gebracht hatte) – braucht nun auch Erfolge für die Konjunktur.

Mit dem Konsum und der charismatischen Figur Erdogan, der den Türken wieder das Gefühl gab und gibt „Wir sind wieder wer“ und „Ich konsumiere also bin ich“, ist man dann auch bereiter, eine „leichte Diktatur“ zu akzeptieren. Erdogans Signal an die Türken durch die neuen Maßnahmen lautet also: die (zwischenzeitlich unterbrochene) Party geht weiter, macht euch keine Sorgen, alles wird gut. Genau dafür lieben viele Türken Erdogan – und nehmen es mit dem Rechtsstaat dann auch nicht so genau..

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    m.d

    11. August 2016 14:31 at 14:31

    Ich liebe die FMW. Weil Ihr zumindest Objektiv seid und weil Ihr genau die richtigen Wörter findet. Eine „leichte Diktatur“ :) da stimme ich Ihnen zu. Aber mittlerweile wissen wir daß das Türkenvolk solange es zu Ihren eigenen Gunsten ist eine „leichte Diktatur“ zulässt.
    Bei einer Gegenüberstellung muss ich dazu fügen, das bei einer „starken Demokratie“ eine versprochene Beendigung des Solidaritätsbeitrages hätte/müsste auch beendet werden/worden sein. Welches nicht geschah ?
    Da macht man sich doch Gedanken, oder.

  2. Avatar

    m.d

    11. August 2016 14:35 at 14:35

    dazu noch ein Beitrag. bitte ansehen. lachkrampf garantiert aber auch ein denkanstoßhttps://www.youtube.com/watch?v=og0iMCYrc2k

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Europa

ifo Index mit zweitem Rückgang in Folge – Lage ok, Erwartungen schwächer

Markus Fugmann

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am

Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für November veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,7 (Prognose war 90,1; Vormonat Oktober war 92,7) – das ist der zweite Rückgang in Folge nach zuvor fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,0 (Prognose war 87,0; Vormonat war 90,3)

– Erwartungen: 91,5 (Prognose war 93,5; Vormonat war 95,0)

Dazu Wohlrabe von ifo: Dienstleistungssektor spürbar schwächer, Industrie hat sich Abwärtsentwicklung entgegen gestemmt, Handel schwächer

Hier die Pressemitteilung des ifo:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Der Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Auch ihre aktuelle Lage bewerteten sie etwas weniger gut. Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen.

Das Verarbeitende Gewerbe ist der Lichtblick in diesem Monat. Das Geschäftsklima hat sich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich besser. Die Auftragseingänge stiegen, wenn auch langsamer als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch merklich weniger optimistisch aus.

Im Dienstleistungssektor hat der Geschäftsklimaindikator merklich nachgegeben. Er liegt erstmals seit dem Juni wieder im negativen Bereich. Die zuletzt gute Lageeinschätzung hat sich deutlich eingetrübt. Zudem blicken erheblich mehr Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch die Erwartungen trübten sich merklich ein. Insbesondere die Einzelhändler berichteten von deutlich weniger gut laufenden Geschäften.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index leicht nachgegeben. Die Baufirmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als im Vormonat. Ihre Erwartungen hingegen fielen etwas pessimistischer aus.“

Der ifo Index ist das wichtgiste deutsche Konjunkturbarometer

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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