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Türkische Lira, Erdogan und der Irak – und die Kurden..

Warum Erdogan in den Irak marschieren will und so aggressiv gegen die Kurden vorgeht. Und die Lira steht vor dem Abverkauf..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der türkische Präsident Erdogan hat ein geradezu einzigartiges Talent, sich mit anderen Staatschefs anzulegen. So gestern, als er den irakischen Staatschef Haider al-Abadi scharf attackierte. Der Grund: al-Abadi hatte sich kritisch gegenüber den türkischen Plänen gezeigt, beim Kampf um die irakische (noch vom IS besetzte Stadt) Mossul einzugreifen. Jeder müsse seinen Platz kennen, so al-Abadi in Richtung Erdogan. Und das ließ der – kaum erstaunlich – nicht auf sich sitzen. In einer rüden persönlichen Attacke sagte Erdogan, al-Abidi möge still sein, er (alsso al-Abidi) könne sich mit ihm überhaupt nicht vergleichen etc.

Ohne Zweifel gilt der Einsatz im Irak nicht eigentlich, wie behauptet, dem IS, sondern den Kurden. Erdogan will verhindern, dass die Kurden im chaotischen Irak Fakten schaffen und zu einem zusammenhängenden Staatsgebiet kommen.

Und da ist noch etwas anderes, im Westen kaum beachtet, aber wohl sehr wichtig, um den Umgang Erdogans mit den Kurden zu verstehen: die Geburtenraten der Kurden sind deutlich höher als die derjenigen, die sich als reine Türken verstehen. Es gibt ein starkes Gefälle zwischen der West-Türkei mit einer Geburtenrate von 1,5 Kinder pro Frau (etwa wie in westlichen Ländern) und der Östtürkei, der Hochburg der Kurden mit einer Geburtenrate von 3,5 Kindern pro Frau (weitere Details hier). Und das bedeutet: die Türkei wird absehbar immer kurdischer!

Also versucht Erdogan, der faktisch die Herrlichkeit des Osmanischen Reichs unter muslimischen Vorzeichen wieder herstellen will, jetzt Fakten zu schaffen. Die demografische Entwicklung der Türkei ist damit ein Schlüssel, wenn man verstehen will, wie Erdogan „tickt“.

And now to somthting completely diffrerent – nämlich der türkischen Lira:

Schon letzten Mittwoch hatten wir darauf hingewiesen, dass der US-Dollar gegen die türkische Lira derzeit zum vierten Mal seit 2015 an sein Hoch bei 3,06 stößt. Je länger er dort oben hängen bleibt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines richtigen Durchbruchs nach oben. Zum vierten Mal Abprallen oder Durchbruch? Die Fundamentaldaten sprechen durchweg für den weiter steigenden Dollar, und seit letzter Woche stieg das Währungspaar von 3,06 ein klein wenig auf 3,08 weiter an. Also ist der Durchbruch derzeit im Zeitlupentempo in Gange – er ist aber noch nicht nachhaltig vollzogen. Im Chartbild seit 2014 muss diese Zone, die wie gesagt vier Mal erreicht wurde, nachhaltig überlaufen werden mit Kursen von über 3,10 – besser wären Kurse von 3,15 um sagen zu können, dass der Weg nach oben neben den Fundamentaldaten auch charttechnisch frei ist.

usdtry12-1016

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    V

    12. Oktober 2016 13:38 at 13:38

    „Und das bedeutet: die Türkei wird absehbar immer kurdischer!“

    Ist doch kein Problem. In 50 Jahren sind die Muslime und Türken in Deutschland in der Mehrzahl…dann haben sie wieder ein Land..

    • Avatar

      m.d

      12. Oktober 2016 15:47 at 15:47

      @v, wenn die Türkei in absehbarer Zeit immer kurdischer sein wird, dann verstehe ich nicht die Logig das in 50 Jahren die Türken in Deutschland in der Mehrzahl sein sollen.
      Überleg mal Richtig :) wer in 50 Jahren auch hier die Überhand haben wird.
      Nur zur Gedankenstütze. Bei den meisten Türken in Deutschland arbeiten mittlerweile die Frauen auch.

  2. Avatar

    Charlie Brown

    12. Oktober 2016 14:18 at 14:18

    1. Erdogan ist gewählter Staatspräsident und vertritt die Interessen seines Landes. Bei diesem Thema geht es unmittelbar um die nationale Sicherheit der Türkei – jeder andere Präsident würde zu 99% die gleichen Entscheidungen treffen wir Erdogan. Das ständige, mediale Erdogan-Bashing ist merkwürdig! Anscheinend legt er oft den Finger in die Wunden?!
    2. Die Türkei geht nicht gegen die „Kurden“ vor sondern gegen die Terrororganisationen PKK/PYD. Das ist ein wichtiger Punkt. Der Unterschied muss zur Kenntnis genommen werden.
    3. Türken und Kurden leben seit über 1000 Jahren gemeinsam in der Region. Es bestehen tief verwurzelte, unauflösliche verwandtschaftliche Beziehungen.
    3. Die Türkei geht ebenso gegen den IS und andere Terroristen gleichermassen vor.
    4.. Dir Türkei sieht die Autonomiebewegung der kurdischen Peschmerga unter Führung von Herrn Barzani wohlwollend .
    5. Die Türkei wurde neben 63 anderen Nationen auf Wunsch der Irakischen Regierung (durch Herrn Abadi persönlich bei dem Staatsbesuch 2015) eingeladen, in Beschika die Peschmerga militärisch im Kampf gegen den IS auszubilden.
    6. Der 180 Grad Schwenk der schiitischen Abadi-Regierung vollzieht sich auf Druck aus Teheran, weil man bereits für die nach-IS-Zeit besorgt ist und das dann entstehende „Vakuum“ durch Schiiten füllen möchte.
    7. Die Türkei hat (im Gegensatz zu den anderen involvierten Ländern) eine ca. 900 KM Grenze zu Syrien und ca. 350 KM zum Irak – ist also direkter Nachbar und am stärksten betroffen von den Entwicklungen dort.
    8. Die Türkei besteht auf Erhaltung der vorhandenen Grenzen der Nachbarländer und lehnt jegliche Veränderung ab.
    6. Die Türkei besteht auf den Erhalt der demographischen Struktur und lehnt auch diesbezüglich jede Veränderung ab, da es Zündstoff für neue Konflikte schaffen würde.

    Das fällt mir spontan zu dem Thema ein weil ich einmal die türkische Sicht der Dinge kurz anschneiden wollte.

    • Avatar

      Frank

      12. Oktober 2016 14:50 at 14:50

      Als Türke sieht man das halt so.
      Doch wer denken kann, und Zusammenhänge erkennen kann, kann auch zu einem ganz andern Bild über den Sultan kommen.

      • Avatar

        Charlie Brown

        12. Oktober 2016 15:01 at 15:01

        Schon alleine die Bezeichnung „Sultan“ ist fehl am Platz.. Bin sicher kein Erdogan-Fan! Er hat alle Wahlen haushoch seit 2003 gewonnen und ist der erste vom Volk direkt gewählte Staatspräsident. Das sind Fakten die zur Kenntnis zu nehmen und auch zu respektieren sind. Ob ich ein Türke bin spielt keine Rolle.

  3. Avatar

    m.d

    12. Oktober 2016 15:33 at 15:33

    @Frank, ich höre da eine Antipathie gegen uns Türken aus deinem geschriebenen.
    Nun wenn @charlie brown ein Türke sein soll nehme ich stark an das du ein kurde mit deutschem pass bist.
    Aber zur Ergänzung, bis zum Irak Krieg haben wir in der Türkei kaum Probleme gehabt. Erst mit Ausbruch des Irak Krieges gegen Saddam Hussein sind Millionen von Kurden in die Türkei übergeschwappt welche auch in kürzester Zeit einen türkischen Pass erhielten. Und seither haben wir Probleme. Wir haben uns also mit der Vorgabe Menschenleben zu retten den Terror mit ins Land geholt. Das gleiche passiert nun zum zweiten mal mit den Syrern.
    Aber eins muss man den deutschen lassen. Das was wir Türken in 600 – 700 Jahren nicht geschafft haben habt Ihr innerhalb 20 – 25 Jahren geschafft. Unzwar reden die Kurden besser Deutsch als Türkisch. Und wir haben im türkischen Parlament sogar zwei die sich weigern Türkisch zu reden. Ich hoffe diese Erfahrung macht ihr irgendwann auch mal :) . Dann reden wir zwei wieder miteinander. ;)

    • Avatar

      m.d

      12. Oktober 2016 15:38 at 15:38

      Ergänzen möchte ich, das ich hier nicht falsch verstanden werden will. ich habe viele kurdischen freunde mit denen wir auch Familienfreunde sind.

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Freudige Nachricht für Gold-Anleger, Robert Halver über Aktienmärkte, Ideen zu Pfund und Facebook

Redaktion

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Eine freudige Nachricht für Anleger, die in Gold-Produkte wie ETCs investieren. Bisher waren nämlich Gewinne auf physisches Gold nach 12 Monaten steuerfrei. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil, wonach ein Goldprodukt dem physischen Gold gleichgestellt wurde. Auch hier sind die Gewinne nach 12 Monaten steuerfrei. Dies liegt daran, dass man sich als Anleger bei diesem Produkt (ETC) das Gold auch physisch ausliefern lassen kann. Möglicherweise können Sie sich sogar gezahlte Steuern erstatten lassen. Fragen Sie hierzu Ihren Steuerberater. Manuel Koch geht im folgenden Video auf diesen Sachverhalt ein.

Auch bespricht er mit Robert Halver die aktuelle Lage am Aktienmarkt. Seine Empfehlung: Trotz aktueller Unsicherheiten sollte der Anleger am Ball bleiben und über Aktiensparpläne investieren. Auch bespricht Manuel Koch im Video zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Euro gegen Pfund sei eine Kaufidee über das Vehikel einer Stop-Buy-Order. Die Aktie von Facebook könne man shorten über eine Stop-Sell-Order. Beide Ideen werden im Detail erläutert.

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Aktuell: Türkische Lira fällt schnell und kräftig auf Rekordtief – hier der Grund

Claudio Kummerfeld

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Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt seit einigen Minuten schnell und kräftig in den Keller gegen US-Dollar und Euro. US-Dollar gegen Lira steigt seit 13 Uhr von 7,80 auf aktuell 7,97 – ein neues Rekordtief für die Lira. Und der Euro steigt aktuell gegen die türkische Lira von 9,22 auf 9,43 – das ist ebenfalls ein neues Rekordtief für die türkische Währung.

Grund dafür ist die ganz frische Verkündung der türkischen Zentralbank, dass man den Leitzins unverändert bei 10,25 Prozent belässt. Rückblick: Am 24. September hatte die türkische Zentralbank überraschend den Leitzins um 200 Basispunkte angehoben, von 8,25 Prozent auf 10,25 Prozent. Für heute lagen die Markterwartungen bei einer weiteren Anhebung von 175 Basispunkten auf 12 Prozent. Nötig wäre das, um endlich die ständige Abwertung zu stoppen, der sich die türkische Lira seit geraumer Zeit ausgesetzt sieht.

Und dieser erste Zinsschritt vom 24. September schien nicht auszureichen, um am Devisenmarkt eine Kehrtwende für die Lira einzuläuten. Die jetzige Enttäuschung am Devisenmarkt über die ausgebliebene Zinserhöhung bringt die türkische Lira zu diesem schnellen Absturz (im Chart sehen wir den steigenden US-Dollar gegen die Lira in den letzten 30 Tagen – der letzte Aufwärtsbalken zeigt die ganz aktuelle Bewegung).

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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