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Hand in Hand: Wie Finanzindustrie und Politik Katalonien in die Knie zwingen

Im Streit um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens zeigte sich letzte Woche, wie Finanzindustrie und Politik zusammenarbeiten, um ihre Macht aufrechtzuerhalten und die eigenen Interessen auch unter Missachtung…

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Gastkommentar von Ernst Wolff

Im Streit um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens zeigte sich letzte Woche, wie Finanzindustrie und Politik zusammenarbeiten, um ihre Macht aufrechtzuerhalten und die eigenen Interessen auch unter Missachtung geltender Gesetze durchzusetzen.

Am vergangenen Donnerstag verkündete die EU-Kommission, dass ein unabhängiges Katalonien kein Mitglied der EU bleiben könne und sein Finanzsystem demzufolge von der Finanzierung durch die EZB abgeschnitten werde. Bei verschiedenen spanischen Banken und Großunternehmen, die ihren Hauptsitz in Katalonien haben, kam es umgehend zu Krisensitzungen. Sie sind zum Überleben auf EZB-Nullzinskredite angewiesen, diverse Konzerne brauchen die EZB als einen wichtigen Aufkäufer ihrer Unternehmensanleihen.


Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

Die Chefs der Banken und Großunternehmen wandten sich daraufhin in größter Sorge an Premier Rajoy und baten um Hilfe. Rajoy zeigte sich einmal mehr als treuer Gefolgsmann der Finanzelite und handelte umgehend: Bereits am Freitag verabschiedete seine Regierung ein Dekret, das es spanischen Unternehmen erlaubt, ihren offiziellen Firmensitz innerhalb von 24 Stunden in andere Landesteile zu verlegen. Außerdem entbindet es sie der gesetzlich verankerten Pflicht, vor einer derartigen Entscheidung das Einverständnis ihrer Aktieninhaber einzuholen.

Normalerweise dauern Gesetzgebungsverfahren auch in Spanien Jahre, doch die Öffentlichkeit hat sich dort wie anderswo an die Erklärung der Politik gewöhnt: Wenn es um „die Finanzmärkte“ und um „systemrelevante Institutionen“ geht, wird ganz einfach der Notstand erklärt und geltendes Recht außer Kraft gesetzt.

Kaum war das Dekret erlassen, da verlegten die beiden wichtigsten in Katalonien ansässigen Banken ihre Firmensitze. Die Caixabank, mit 18,8 Millionen Kunden Spaniens führende Privatkundenbank, zog offiziell nach Valencia. Zu diesem Zweck musste aber nicht einer der 37.000 Mitarbeiter oder auch nur eine der 5.468 Filialen verlegt werden – es reichte ein simpler Mausklick.

Spaniens fünftgrößte Bank Sabadell hatte bereits drei Tage vorher angekündigt, Katalonien den Rücken zu kehren und verlegte den Firmensitz nach Alicante. Gas Natural, einer der großen Energiekonzerne Spaniens und einer der Hauptprofiteure des Aufkaufprogramms von Unternehmensanleihen durch die EZB, entschied sich für Madrid, genauso wie die Hotelketten Derby und Unico, die Werbeagentur WPP, die Medienfirma Schipsted und der mittelständische Pharmaziekonzern Oryzon Genomics SA.

Der Vorgang zeigt deutlich, wie Politik und Finanzwirtschaft sich innerhalb der EU in die Hände spielen: Die Politik hilft Konzernen und Banken, sich auch im Falle einer Abspaltung Kataloniens weiter aus den Töpfen der EZB zu bedienen. Im Gegenzug darf die politische Führung des Landes sich über die EZB durch den Aufkauf von Staatsanleihen weiter mit Geld versorgen lassen – in einem Land, dessen Bankensystem seit Jahren von der EZB künstlich am Leben erhalten wird und dessen politische Elite zu den korruptesten in Europa zählt.

Es gab aber noch einen weiteren Grund für Rajoys blitzschnelles Handeln, der in den Medien weitgehend unerwähnt blieb. In der vergangenen Woche zeichnete sich nämlich ein Run auf die Banken in Katalonien ab, von dem insbesondere die Bank Sabadell betroffen war. Unabhängigkeitsgegner begannen, ihr Geld abzuziehen, weil sie dem Geldhaus übel nahmen, dass es seinen Hauptsitz in Katalonien hatte. Nun droht der Bank der umgekehrte Fall: Viele Unabhängigkeitsbefürworter werden ihr Geld abziehen, weil die Bank ihren Hauptsitz nach Valencia verlegt hat.

Die Situation zeigt, wie verfahren die Lage in Spanien ist. Sämtliche Maßnahmen der Zentralregierung schaden Kataloniens Finanzen, weil sie der autonomen Gemeinschaft Steuergelder entziehen. Eine Kompromisslösung scheint ausgeschlossen, denn keine der beiden Seiten kann zurückrudern, ohne bei der eigenen Anhängerschaft das Gesicht zu verlieren. Es wird also mit großer Sicherheit zu einer weiteren Eskalation des Konfliktes kommen, von der man eines bereits sagen kann: Finanzelite und Politik werden sie nutzen, um weiterhin Hand in Hand marschieren und gemeinsam dafür zu sorgen, dass der EZB-Geldfluss in ihre Richtung nicht versiegt.

8 Kommentare

8 Comments

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    nixisfix

    9. Oktober 2017 12:36 at 12:36

    Der Autor vergisst zu erwähnen dass die Mehrheit der Katalanen keine Abspaltung von Spanien wollen! Die Banken haben völlig richtig gehandelt, denn sie müssen zu allererst sich selbst schützen (ihre Shareholder, und das sind zumeist ganz normale Bürger aus Katalonien und ganz Spanien).

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      Gerd

      9. Oktober 2017 13:22 at 13:22

      „… die Mehrheit der Katalanen keine Abspaltung von Spanien wollen!“
      Haben Sie dafür eine Quelle?

      Ich kenne nur das Ergebnis der Abstimmung nach dem 90% unter schwierigsten Bedingungen auf den Wahlzetteln ein Kreuz für eine Abspaltung gemacht hatten. Und das obwohl sich lediglich 42% der Bevölkerung zum Urnengang getrauten.
      Ich gehe davon aus, dass viele Ältere, die sich erst recht eine Rückbesinnung auf ihre alte katalonische Heimat wünschen, aufgrund der martialischen Drohungen und Handlungen nicht in Wahllokale getraut haben.

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        Nixisfix

        9. Oktober 2017 13:55 at 13:55

        Ja, eine Quelle habe ich und Sie haben diese Quellen ebenfalls. Sie haben ja gerade die Zahlen genannt.
        Ich lebe in Barcelona, meine spanische Frau ist in Barcelona geboren. Ich kann also auch aus erster Hand berichten.
        Sowohl bei diesem Referendum, als auch bei der Probe-Abstimmung vor einem Jahr ging die Mehrheit gar nicht hin. Und nicht, wie Sie denken, weil die Menschen sich nicht dort hingetraut haben, sondern weil Sie diesen Vorgang als nonsens betrachtet haben.
        Ich weiß nicht ob Sie die Hintergründe kennen, falls nicht dann denken Sie mal nach, ob Sie zu einem Referendum, Wahl, Abstimmung (wie auch immer Sie es auch nenen wollen) gehen würden, wo es keine Kontrolle bei der Stimmabgabe oder bei der Auszählung gibt?
        Da alle anderen Parteien ja gegen dieses Referendum waren, waren nur Befürworter anwesend. Befürworter haben also die Stimmabgabe über wacht und auch die Auszählung. KEINE Mitglieder anderer Parteien waren anwesend. Ist das demokratisch? NEIN.
        Ausserdem gab es keine Kontrolle, wer wo eine Stimme abgab. Jemand konnte also 20 mal irgendwo seine Stimme abgeben. Selbst einige Restaurants hatten eine „Waschtrommel“ wo man einfach einen Zettel mit SI reinwerfen konnte.
        Verstehen Sie also, warum die Mehrheit der Katalanen dieses referendum von Vorne herein als undemokratisch und illegal betrachteten und deshalb nicht hingingen. In unserem Freundeskreis sind die Verhältnisse sogar noch grösser, 80:20. 80% gegen eine Abspaltung.
        Ihre angesprochene Rückbesinnung auf die alte katalonische Heimat ist Nonsens, Katalanen fühlen sich als Katalanen und als Spanier. genauso wie ein Hesse sich als Hesse und Deutscher fühlt.
        Einen Punkt möchte ich noch erwähnen:
        Selbst die Befürworter sind komplett zersplittert. Es gibt Gruppen, die wollen ein unabhängiges Barcelona, es gibt Gruppen, die wollen ein Grosskatalonien (inklusive Teile von Frankreich und die Balearen).
        Das ganze ist einfach nur ein großes Medienspektakel, wo die Mehrheit der Bürger Kataloniens (und auch Spaniens) wieder einmal nur Zuschauer sind und die Suppe auslöffeln müssen.

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          Gerd

          9. Oktober 2017 15:04 at 15:04

          Sorry, jetzt haben Sie nur meine subjektive Ansicht durch Ihre persönliche subjektive Meinung ersetzt. Und die zeigt nun mal gerade in die entgegengesetzte Richtung. Nichts Handfestes, damit ist nichts erreicht.

          Erreichen könnte man in der Tat was, wenn man es zuließe, dass eine friedliche Abstimmung nach demokratischen Grundsätzen durchgeführt würde. Bei der die von Ihnen zu recht angeprangerten Mängel ausgeschaltet wären.

          Übrigens damit keine Missverständnisse beseitigt werden,hoho, ich schrieb bereits vor zwei Tagen, dass sich Katalonien die Abspaltung aus wirtschaftlichen Gründen wahrscheinlich verkneifen wird.
          Und ob es den Katalanen bei dem Gegenwind als selbständiges Land besser gehen wird als jetzt, ist sehr ungewiss.
          Daher will ich mir durchaus vorstellen, so wie Sie auch, dass sich eine Mehrheit gegen die Unabhängigkeit entscheiden würde – wenn man sie denn unbehelligt entscheiden ließe.

          Was mir an Ihrem ersten Kommentar ledig auffiel, war die unbedingte Behauptung, dass irgendwas so oder so sein müsse. Da ändert auch Ihre persönliche Nähe zu dem Land nicht. Ihre Meinung ist nun mal nicht repräsentativ – genauso wenig wie meine.
          (Wenn es nach der verbreiteten Meinung auf der Straße und in Online-Leserzuschriften ginge – so wie ich sie wahrnehme – hätte Frau Merkel mit überwältigender Mehrheit abgewählt werden müssen).

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    Jörg

    9. Oktober 2017 12:50 at 12:50

    Natürlich müssen die Unternehmen und Banken schnell agieren bevor ein Verrückter die Unabhängigkeit Katalunyens ausruft. Die Politiker und Verantwortlichen in den Unternehmen müssen für Stabilität und Vertrauen sorgen.
    Da die Banken weltweit vernetzt sind werden durch den Aufkauf von spanischen oder griechischen Anleihen nicht nur das Bankensystem vor Ort stabilisiert sondern auch deutsche Banken und damit auch das Konto des Artikelschreibers die sich jahreland dämlich an südländischen Anleihen verdient haben und nun Risiken in ihrem Portfolio haben.
    Die Rettung Griechenlands war eigentlich eine Rettung des deutschen Bankensystems die Kredite dort vergaben, das müsste mittlerweile jedes Kind wissen nur der Autor anscheinend nicht. Dasselbe gilt für Spanien, Frankreich und die ganze Südschiene.
    Durch die Anleihenkäufe der EZB profitiert auch der deutsche Steuerzahler da die Zinszahlungen entfallen und durch den Negativzins sogar Geld damit verdient wird.

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    Bauer

    9. Oktober 2017 12:59 at 12:59

    So kann ein Idiot eine ganze Region destabilisieren und die lokale Wirtschaft zerstören. Jetzt muss nur noch Seat wegziehen und der Wirtschaftsstandort um Großraum Barcelona ist zerstört. Da können die Menschen diesem Puigdemont nur noch danken. Unfassbar.

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    asyoulike

    9. Oktober 2017 13:40 at 13:40

    Moin, moin,
    einmal über den spanischen Tellerrand geschaut, wird dieses „Wertesystem“ der westlichen Welt alles tun, um Änderungen nicht statt finden zu lassen. Ob Unabhängigkeitsbestrebungen, kritische Neuparteien etc., alles was nicht ins System passt wird bekämpft. Da öffnen sich Fallschirme nicht, da verunglück ein VW Phaeton, unliebsame Politiker treten „freiwillig“ aus ihren Parteien aus etc.
    Was wird durch dieses Vorgehen erreicht? Zumindest werden überfällige Reformen verschoben, die Fehler (in Euros) kumulieren, wichtige Anschlüsse werden verpasst. Folge: Unabsehbar.

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    Steve

    10. Oktober 2017 18:10 at 18:10

    Fantastisch wie dahergelaufene Gegner immer aggressiver argumentieren.

    Siehe auch EUfanatiker , Griechenlandretter ect .

    Gar nix erreicht ihr …vielleicht eine Seite mehr im Geschichtsbuch .

    Das Finanzsystem wird fallen , dann die EU und spätestens dann wird Katalonien bekommen was es will. Genau so wie Schottland wenn es erstmal richtig knallt .
    Tirol , Venedig Nordirland ect

    Nur weil die Bild grade nicht berichtet , heisst es ja nicht das fort alle happy sind

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Warum eine Stagflation sehr gefährlich wäre

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Containerterminal - Symbol für den Welthandel - eine Stagflation droht

Durch die Coronavirus-Epidemie droht den großen Volkswirtschaften eine Kombination aus stagnierender Wirtschaftsleistung und steigenden Preisen – die Stagflation. Warum sie so gefährlich ist und warum die Notenbanken in diesem Fall kaum Handlungsspielräume hätten.

Die Weltwirtschaft kühlt sich bereits merklich ab – eine Stagflation käme zur Unzeit

Belastet durch die teilweise Rückabwicklung der Globalisierung im Zuge der diversen Handelsstreitigkeiten sowie die globale Überschuldung hat sich das Weltwirtschaftswachstum bereits merklich abgekühlt. Nach noch 3,8 Prozent globalem Wachstum im Jahr 2017 waren es im Folgejahr, trotz massiver Steuerstimuli in den USA und ultralockerer Geldpolitik weltweit, nur noch 3,6 Prozent Wachstum. Im vergangenen Jahr brach die Expansionsrate dann auf 3,0 Prozent ein, vor allem wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China sowie den Schuldenkrisen in diversen Schwellenländern (z. B. in Argentinien, der Türkei, Brasilien, Chile, Venezuela, etc.).

Für dieses Jahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen gemäß dem World Economic Outlook aus dem Februar bereits von 3,4 auf 3,0 Prozent abgesenkt. Doch der IWF behält sich weitere Revisionen vor und die Schätzungen diverser Bankenökonomen aus Nordamerika und Europa gehen mittlerweile nur noch von einer Wachstumsbandbreite zwischen 2,3 und 2,8 Prozent für das Gesamtjahr 2020 aus. Diese nochmalige Wachstumsabkühlung entspräche der geringsten Wirtschaftsdynamik seit der Finanzkrise. Bereits bei einer Wachstumsrate von global zwei Prozent spricht der IWF von einer „gefühlten weltweiten Rezession“.

Die größte Gefahr sieht der IWF in einer Unterbrechung der Lieferketten in Folge der Eindämmungsmaßnahmen der Coronavirus-Epidemie (sie verursacht aktuell auch Turbulenzen an den Börsen, siehe beispielsweise hier). Die betroffenen Unternehmen sind dadurch gezwungen, alternative aber auch teurere Quellen für Vorleistungsgüter und Zwischenprodukte zu nutzen, wenn es sie denn überhaupt in ausreichendem Maße gibt. Diese erzwungene Umorientierung in der Beschaffungskette führt zu steigenden Inputpreisen bei den verarbeitenden Unternehmen, die aber nicht durch eine höhere Nachfrage, sondern durch einen Angebotsschock verursacht werden.

Eine solche Situation gab es zuletzt in den 1970-er Jahren, als eine künstliche Verknappung der Angebotsmenge von Rohöl zu explodierenden Energiepreisen führte. Die wirtschaftliche Aktivität in den westlichen Ländern litt stark unter dem Ölpreisschock. Mit einer Kombination aus Zinsanhebungen und Lohnsteigerungen wurden damals die Inflationserwartungen eingedämmt und die reale Kaufkraft der Endverbraucher stabilisieret. Beides ist heute jedoch nicht möglich. Höhere Löhne zum Ausgleich gestiegener Preise würden die Margen der Unternehmen noch stärker belasten. Die Kapazitätsauslastung der US-Industrie befindet sich beispielsweise mit nur 76,8 Prozent bereits auf dem Niveau früherer Rezessionen. Zinsanhebungen zur Inflationsbekämpfung wären aufgrund des globalen Schuldenniveaus der „Sudden Death“ für den modernen Finanzkapitalismus. Eine Stagflation käme daher für die Weltwirtschaft zur Unzeit.

Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock

Dass die Preise wegen Lieferverzögerungen und dem Ausfall von Zulieferbetrieben bereits ansteigen, haben die jüngsten Daten von IHS Markit zu den Einkaufsmanager-Indizes für den Monat Februar gezeigt. So ist der für Deutschland erhobene Index für das verarbeitende Gewerbe im Wesentlichen nur deshalb angestiegen, weil sich die beiden Unterkomponenten für die Lieferzeit und die Inputpreise signifikant erhöht haben. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte an diesem Montag vor sich verstärkenden Lieferengpässen in den kommenden Wochen und Monaten, vor allem aus Fernost. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang spricht sogar von „Schweren Auswirkungen auf die Konjunktur“ durch den Angebotsschock aus China.

Kommt es also nun zu steigenden Preisen, dann nicht aufgrund einer prosperierenden Wirtschaft, sondern wegen der Knappheit bestimmter Güter. Gleichzeitig leidet auch die Nachfrage unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit von zig Millionen Konsumenten in den von der Epidemie betroffenen Regionen. Ganz abgesehen von der eingetrübten Stimmung der Verbraucher, die in solchen Ausnahmesituationen andere Sorgen haben, als dem Konsum zu frönen. Der drastische Einbruch der Automobilabsätze in China in den letzten beiden Monaten von 20 Prozent im Januar und 92 Prozent im Februar gibt hier einen Vorgeschmack auf das, was bei einer globalen Pandemie, die nach wie vor nicht gebannt ist, zu erwarten wäre.

In der Folge von Knappheit bestimmter Güter und Lebensmittel stieg die Inflationsrate im Reich der Mitte bereits massiv an, auf 5,4 Prozent im Januar. Im Vorjahresmonat, also im Januar 2019, lag die offizielle Inflationsrate noch bei moderaten 1,7 Prozent. Die Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock kann in Kürze zu dem gefürchteten Phänomen der Stagflation führen. Dass die chinesische Wirtschaft im Auftaktquartal 2020 überhaupt gegenüber dem von Handelsstreitigkeiten weniger belasteten und vor allem virusfreien Vorjahresquartal 2019 wachsen kann, bleibt Wunschdenken des Regimes in Peking. Auch die westlichen Industriestaaten werden im ersten Quartal 2020 im besten Fall mit einer wirtschaftlichen Stagnation aufwarten können.

Den Notenbanken wären bei einer Stagflation die Hände gebunden

Die Bekämpfung einer Stagflation stellt die Fiskal- und Geldpolitiker in der heutigen Gemengelage vor besondere Herausforderungen. In China versucht die Notenbank auf Geheiß der Regierung, die Kreditvergabe massiv zu stimulieren, indem die Kreditkosten (Zinsen) sowie die Kreditanforderungen drastisch gesenkt werden. Andernfalls würden Millionen bereits angeschlagener Betriebe aus dem Markt ausschieden – ein Horrorszenario auch für den Westen. Bestimmte Vorprodukte werden nur noch in China produziert. Insofern offenbart die Coronavirus-Pandemie die enorme Abhängigkeit des Westens von China, was aus politischen Gründen in der Konsequenz ebenfalls zu einer Rückabwicklung der Globalisierung führen wird, um die Autarkie der westlichen Länder von essenziellen Produkten, wie zum Beispiel Arzneimitteln, sicherzustellen.

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Drei der fünf großen Schweizer Banken bestehen Stresstest nicht

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Die schweizerische Finanzmarktaufsicht FINMA hat heute die Ergebnisse eines Stresstests veröffentlicht. Drei von fünf großen Schweizer Banken bestanden diesen Stresstest nicht, beziehungsweise sie haben die Vorgaben der Aufseher noch nicht vollständig umgesetzt. Die fünf großen für die Schweiz systemrelevanten Banken sind die UBS, Credit Suisse, Postfinance, Raiffeisen und Zürcher Kantonalbank. Probleme machen laut FINMA die drei zuletzt genannten. Die folgende Grafik zeigt einzelne Abschnitte des Tests und zeigt was gut läuft, und was noch nicht so gut läuft. Bevor Sie die Worte der FINMA lesen, möchten wir noch allgemein anmerken: Ob die Stresstests der Notenbanken für einen echten Notfall überhaupt irgendeine Aussagekraft haben, darf bezweifelt werden. Die griechischen Banken zum Beispiel, die nachweislich längst platt sind dank gigantischer ausgefallener Kredite, haben die Stresstests ja auch bestanden. Und Institute wie UBS, Credit Suisse oder auch die Deutsche Bank – sie sind so groß von ihrem Geschäftsvolumen her, dass selbst das schönste Notfallkonzept in einer echten Krise wohl nichts nützen würde.

Hier die FINMA auszugsweise im Wortlaut:

Alle fünf systemrelevanten Schweizer Banken haben der FINMA Stabilisierungspläne (Recovery-Pläne) unterbreitet. Die FINMA konnte diese Pläne alle genehmigen. Bis Ende 2019 mussten die beiden Grossbanken überdies umsetzbare Schweizer Notfallpläne erstellen. Die FINMA hat diese geprüft. Bei der Credit Suisse beurteilt die FINMA den Notfallplan als umsetzbar. Die FINMA beurteilt die gesetzlichen Vorgaben für einen umsetzbaren Notfallplan auch bei der UBS als erfüllt, mit dem Vorbehalt, dass bestimmte Eventualverbindlichkeiten noch zu hoch sind.

Auch die drei inlandorientierten systemrelevanten Banken haben je einen Notfallplan eingereicht. Die Banken sind aber mit der Umsetzung per Ende 2019 unterschiedlich weit. Als umsetzbar gilt noch keiner dieser Pläne. Bei der Zürcher Kantonalbank besteht ein plausibler Plan, wie die für den Krisenfall notwendigen Ressourcen in den Bereichen Kapital und Liquidität vervollständigt werden können. Bei Raiffeisen und PostFinance fehlt insbesondere noch ein plausibler Plan für den Aufbau der erforderlichen verlustabsorbierenden Mittel für den Krisenfall. Alle drei inlandorientierten Banken arbeiten weiterhin an der Bereitstellung eines umsetzbaren Notfallplans.

Und hier die FINMA zu den Großbanken im Wortlaut, auszugsweise:

Die FINMA muss für beide Grossbanken einen sogenannten Global-Resolution-Plan erstellen. Im Gegensatz zum Notfallplan, der nur die systemrelevanten Funktionen in der Schweiz umfasst, bezieht dieser globale Abwicklungsplan die gesamte Bankengruppe weltweit mit ein. Die FINMA beurteilt diese globale Abwickelbarkeit (Resolvability) anhand des Kriteriums, ob die Grossbanken die für die Umsetzung des Abwicklungsplans notwendigen Vorbereitungen getroffen haben. Sie kommt dabei zum Schluss, dass beide Banken hierfür bereits wesentliche Vorbereitungsmassnahmen getroffen und damit grosse Fortschritte in ihrer globalen Abwickelbarkeit erzielt haben. So beurteilt die FINMA insbesondere die Anforderungen an die strukturelle Entflechtung als erfüllt. Mit Blick auf diese Entflechtung sind beispielsweise Holdingstrukturen und Schweizer Tochtergesellschaften geschaffen worden. In anderen Bereichen, namentlich der Liquidität für den Krisenfall, stehen jedoch noch Umsetzungsarbeiten an. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die regulatorischen Anforderungen in diesem Bereich noch fehlen.

Schaubild der großen Schweizer Banken unter dem Stresstest der FINMA

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Exporte der deutschen Industrie mit mauen Aussichten

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Viele deutsche Exporte laufen über den Hamburger Hafen

Kurzzeitig sah es in den letzten Monaten so aus, als würde die deutsche Konjunktur gerade eben so an der Rezession vorbei schrammen. Die Industrie ist längst in einer heftigen Rezession, aber Bau und Dienstleistungen haben das aufgefangen, sodass die gesamte Wirtschaftsleistung derzeit glatt bei 0,0% liegt. Auch die Exporte schienen sich ganz vorsichtig zu erholen. Aber gerade erst letzte Woche meldet das Institut ZEW schwache Exporterwartungen. Und heute folgt das ifo-Institut mit seinem Index für die Exporterwartungen. Der Chart zeigt die Entwicklung der Erwartungen seit 2014. Der Index ist für den Monat Februar von +0,8 auf -0,7 Indexpunkte gefallen, was man am Endes des Chart sehen kann. Die ifo Exporterwartungen basieren auf 2.300 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Sie können angeben, ob sie für die nächsten drei Monate die Exporte erwarten mit „zunehmen“, „gleich bleiben“ oder „abnehmen“. Aus allen Antworten wird dann dieser Index errechnet. Hier noch einige Detailaussagen von ifo im Wortlaut:

Die Entwicklungen rund um das Corona-Virus lassen kurzfristig kaum auf Besserung hoffen. Die Autobranche befürchtet einen verstärkten Rückgang ihrer Exporte in den kommenden Monaten. Auch in der Chemischen Industrie ist die Skepsis zurück, nach einem zuletzt leicht optimistischen Ausblick. Im Maschinenbau gehen die Unternehmen ebenfalls tendenziell von einem leicht rückläufigen Auslandsgeschäft aus. Lichtblicke in diesem Monat waren die Hersteller von Nahrungs- und Genussmitteln sowie die Getränkehersteller. Sie erwarten deutliche Zuwächse bei ihren Exporten in den kommenden Monaten.

ifo-Chart für die Erwartungen der Exporte

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