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Ernst Wolff zum Brexit: Steht ein inszenierter Crash bevor?

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Nur noch wenige Tage trennen uns vom 12. April, für den einmal mehr Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union (Brexit) vorgesehen ist. Ob es dazu kommt, kann niemand voraussagen. Die britische Premierministerin May hat Brüssel in der vergangenen Woche um einen erneuten Aufschub bis zum 30. Juni gebeten. EU-Ratspräsident Donald Tusk hat sogar einen weiteren Aufschub um ein Jahr vorgeschlagen.

In beiden Fällen müsste Großbritannien allerdings an der Wahl zum Europäischen Parlament am 26. Mai dieses Jahres teilnehmen. Das jedoch dürfte den 17,4 Millionen Briten, die im Referendum am 23. Juni 2016 für einen Brexit gestimmt haben, kaum gefallen und könnte ihre Wut nach 2 ¾ Jahren vergeblichen Wartens möglicherweise überkochen lassen.

Auf diesen Fall bereitet sich zurzeit die britische Polizei vor. Sie gab vor wenigen Tagen bekannt, dass für den Fall von Unruhen im Land 10.000 Polizisten bereit stehen, die innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit wären.

Wovon zurzeit niemand spricht, ist die historische Möglichkeit, die ein solches Szenario der globalen Finanzelite eröffnen würde – und zwar aus folgenden Gründen:

Nachdem die Zentralbanken ihre Geldpolitik im vergangenen Jahr gestrafft haben, ist es im Dezember zu den größten Börseneinbrüchen seit 70 Jahren gekommen. Um den Abwärtstrend zu stoppen, haben die wichtigsten Zentralbanken, allen voran die FED und die EZB, umgehend reagiert und eine Rückkehr zur lockeren Geldpolitik angekündigt.

Das hat die Märkte nicht nur beruhigt, sondern zum besten Börsenstart seit Jahren und einer bis heute anhaltenden monatelangen Rallye geführt. Diese aber bringt die alten Probleme wieder mit sich: Die Blasen wachsen weiter und drohen zu platzen. Und nicht nur das: Wegen der Niedrigzinsen ist die Verschuldung gegenüber 2007/2008 stark gestiegen, so dass die Risiken im System heute höher sind als vor zehn Jahren. Ein Crash hätte also wesentlich schlimmere Folgen.

Deshalb dürfte sich die globale Finanzelite zurzeit nichts mehr wünschen, als den Druck aus den Märkten zu nehmen und von sich selbst abzulenken. Hierbei wird ihr wohl kaum die historische Chance entgehen, die ein Aufflammen von Brexit-Unruhen bieten würde – nämlich selbst einen Crash zu inszenieren, davon zu profitieren und der Öffentlichkeit mit den Brexit-Befürwortern auch noch einen Sündenbock für die entstehenden Verwerfungen zu präsentieren.

Hedgefonds und Großbanken müssten zu diesem Zweck nur ihre Marktmacht ausnutzen, einen Ausverkauf an den Finanzmärkten anzetteln und die Kurse so ins Rutschen bringen. Und das wäre nicht einmal alles: Zuvor könnten sie auf fallende Kurse sowie ein fallendes Pfund wetten und anschließend den Crash benutzen, um mit gefüllten Taschen auf Einkaufstour zu gehen.

Ein auf diese Weise inszenierter – und damit von der Finanzelite kontrollierter – Crash würde ihr nicht nur riesige Gewinne bescheren, er böte auch noch die Chance, seine Folgen den „widerspenstigen“ und „störrischen“ Brexit-Befürwortern in die Schuhe zu schieben.

Auch der EU-Führung in Brüssel käme ein solcher inszenierter Crash nicht ungelegen: Sie könnte seine Folgen all denen, die wie zum Beispiel Katalonien eine Entlassung in die Unabhängigkeit fordern, als abschreckendes Beispiel präsentieren.

Die kommenden Tage und Wochen werden zeigen, wohin die Reise geht. Auf jeden Fall sollte man sich nicht von den Mainstream-Medien täuschen lassen, deren Berichterstattung sich auf das britische Parlament und die EU-Bürokratie konzentriert. Die tatsächliche Entscheidung über den Brexit und das zukünftige Gesicht der EU wird weder in Brüssel noch in London gefällt werden, sondern – wie immer – in den Führungsetagen der internationalen Großbanken und Hedgefonds.

Ernst Wolff zum Brexit
Der Autor Ernst Wolff.

9 Kommentare

9 Comments

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    Gerber

    10. April 2019 12:10 at 12:10

    Hallo Herr Wolff,

    vielen Dank für diese sehr interessanten Ausführungen, gerade weil ich ebenso wie Sie der Meinung bin, dass das Marktgeschehen und politische Grundsatzentscheidungen maßgeblich von der Hochfinanz gelenkt werden.
    Allerdings haben Sie bei dem o.g. Szenario DT außer Acht gelassen…
    Dieser kann zwecks Wiederwahl gewiss keinen derartigen Kursrutsch gebrauchen (auch wenn dies historisch betrachtet eine „tolle Chance“ wäre).

    Daher meine „Gegenthese“:
    Das sogenannte Big Money ist gemäß Absprachen mit ganz oben noch gar nicht investiert. Der Deal zwischen USA und China soll als Großvater aller Deals in die Geschichtsbücher eingehen, deshalb werden die Märkte nach Verkünden des Deals durch Einstieg der Big Player weiter nach oben gehievt, egal ob echter Deal oder Plastikdeal. Als Gegenleistung gibt es eine „geläuterte“ FED mit Zinssenkungen.

    Viele Grüße,
    M. Gerber

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      Hesterberg

      10. April 2019 12:35 at 12:35

      @Gerber
      Könnte sein, dass Sie Recht behalten. Ich glaube es aber eher nicht. Ich denke vielmehr, der Einfluss von Trump und Powell findet dort schnell seine Grenze, wo die Finanzelite andere Pläne hat.

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    Hesterberg

    10. April 2019 12:26 at 12:26

    Der inszenierte Crash – ganz wichtiges Thema! Die große Bullenfalle, die viele nicht erkennen.
    „…den Crash benutzen, um mit gefüllten Taschen auf Einkaufstour zu gehen“ Genau das ist es, was viele nicht auf dem Zeiger haben. Wer partizipiert denn von einem Crash am meisten? Die Finanzelite natürlich! Und die Finanzelite wartet nur auf den Crash und ist bestens auf ihn vorbereitet. Dann gibt es Banken und Top-Unternehmen zum Spottpreis. Crashs und Kriege waren stets die Grundlage dafür, in deren Folge die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer wurden. Und wenn es den Eigentümern der FED, den Rothschilds & Co. zulange dauert, müssen sie nicht einmal mehr wie früher die Zinsen anheben. Heutzutage reicht schon die bloße Ankündigung, dass man dies zu tun gedenke, um einen Crash auszulösen.

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      Columbo

      10. April 2019 14:50 at 14:50

      Inszenierte Crashs, Rothschilds, Finanzeliten, die auf den Crash warten, Bilderberger, Chemtrails, ohGottohGottohGott….
      Das erinnert mich an zwei ziemlich bekannte österreichische Weltuntergangs-Gold und Konservendosen-kaufen-Blogs.
      @Hesterberg, einfach nur peinlich, wachen Sie auf! Die Realität ist viel banaler.

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        Columbo

        10. April 2019 14:55 at 14:55

        @Hesterberg, ich hab direkt ein schlechtes Gewissen, da ich vermutlich auch zu den Finanzeliten gehöre. Ich warte nämlich ebenfalls auf den Crash, um billig einsteigen zu können?.

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        Marktbeobachter

        10. April 2019 15:16 at 15:16

        @Columbo. Vollkommen richtig. Der S&P 500 hat eine Marktkapitalisierung von ungefähr 20 000 Mrd.Dollar, er ist einer der effizientesten Märkte überhaupt. Es gelingt kaum einem großen Haus eine Überrendite zu erzielen. Den Markt zu manipulieren ist ein unglaubliches Unterfangen. Beispiel; die Regierung steht hinter Boeing-Käufen, haha, aus welchem Topf? Wenn es nicht einmal dem US-Präsidenten mit allen Mitteln und Drohungen gelingt 5 Mrd.Dollar für seine Mauer loszueisen.

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          Hesterberg

          11. April 2019 02:36 at 02:36

          @Marktbeobachter
          Sie meinen, den Markt zu manipulieren, sei ein unglaubliches Unterfangen? Nein, im Gegenteil ist das ganz einfach und es wird uns doch ständig vor Augen geführt, wie einfach das ist. Wenn Trump will, dass die Aktienmärkte steigen, erklärt er, wie gut die Handelsgespräche mit China laufen. Das kann er sogar 15x machen und 15x steigen daraufhin die Aktienkurse. Im Dezember letzten Jahres brach der S&P um über 17% ein und das in erster Linie wegen einem hawkischen Statement von Jerome Powell . Sie glauben doch nicht im Ernst, dass sich die Vertreter der Notenbanken und die Regierungsvertreter ihrer Manipulationsmacht nicht im Klaren sind und sie auch einsetzen, wenn sie es für richtig halten.
          Ich weiß nicht, ob es für Boeing in irgendeiner Form bereits Stützungskäufe gegeben hat und ich hatte auch nicht behauptet, ich wüsste es. Ich vermutete es. Ich weiß aber, dass es nicht nur für Boeing und für Trump von größter Bedeutung ist, dass der Exportgigant nicht unter die Räder kommt. Es gibt natürlich keinen Topf im amerikanischen Haushalt, auf dem Boeing draufsteht und der Mittel für Stützungskäufe bereitstellt. Auch das hatte ich nicht behauptet. Sie dürfen aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich davon ausgehen, dass Boeing mit der Regierung derzeit in Gesprächen steht und man hier Notfallszenarien bereits intensiv bespricht. Sie dürfen weiter davon ausgehen, dass der Erhalt der Marktmacht von Boeing für die USA derart wichtig ist, dass Stützungs- und Rettungspläne welcher Art auch immer im Zweifel sehr schnell umgesetzt werden, wenn man damit verhindern kann, den Flugzeugbauer in die Pleite zu entlassen. Dass die US-Regierung Boeing niemals pleite gehen lassen wird, darüber dürften wir uns sicher einig sein. Und weil das Schwergewicht Boeing mit dramatischen Kursrutschen auch den Dow Jones und in der Folge den gesamten Markt nach unten ziehen könnte, wird Trump erst recht zu verhindern suchen. Da würden (und müssten) sogar die Demokraten mitziehen. Sie können hier deshalb keinen sinnvollen Vergleich zu Trumps Mauerbaugeldern herstellen. Und sicher muss ich Sie nicht davon überzeugen, dass die US-Regierung in Verbindung mit der FED alles und jeden retten kann, wenn sie nur will. Das hatte sie auch während der Finanzkrise überdeutlich unter Beweis gestellt, erinnern Sie sich nicht? Die EZB rettete auch marode spanische und italienische Banken (obwohl sie das gar nicht durfte), um noch größeren Schaden durch die Bankpleiten abzuwehren. Wenn man also aus den gleichen Beweggründen den Aktienkurs von Boing stützen will, dann wird und kann man das tun, wie auch immer.
          Ich denke, Sie können das nachvollziehen. Es gibt natürlich auf dieser Seite auch den ein oder anderen Kleingeist, der es nicht kann.

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            Marktbeobachter

            11. April 2019 07:17 at 07:17

            @Hesterberg. Mit der Wirkung von Trump Tweets haben Sie natürlich recht. Nur erreichen diese per Internet in Sekundenschnelle Millionen von Anlegern, die ihre kurzzeitige Markteinschätzung rasend schnell umsetzen. Es sollen auch schon Algos dafür programmiert worden sein. Natürlich greifen die Notenbanken und die Regierung ein, um Banken zu retten. Aber ein Aktienkauf durch die Regierung wäre eine Art Marktmanipulation, die von der SEC untersucht werden müsste. Auch ßer es ist wie in der Schweiz oder Japan genehmigt und wird vorher angekündigt. Die Hedgefonds würden als Leerverkäufer sofort klagen. Boeing ist zweifelsohne von großem staatlichen Interesse, aber was war mit der einstigen Ikone General Electric? Trump greift flankierend mit Zöllen u.ä. ein. Was die Notenbanken betrifft, liegt die Marktbeeinflussung schon in der Möglichkeit Billionen zu bewegen, deshalb wird jedes Wort auf die Waage gelegt. Über den Auftrag der Fed ist hier schon öfters etwas geschrieben worden. Einfluss der Notenbanken sicher, Manipulation am Aktienmarkt höchst unwahrscheinlich. Es existieren ständig milliardenhohe Gegenpositionen von Leerverkäufern und Optionshändlern, die sofort um Schadenersatz klagen würden.

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    Columbo

    11. April 2019 08:11 at 08:11

    „…..Das jedoch dürfte den 17,4 Millionen Briten, die im Referendum am 23. Juni 2016 für einen Brexit gestimmt haben, kaum gefallen und könnte ihre Wut nach 2 ¾ Jahren vergeblichen Wartens möglicherweise überkochen lassen……“

    Das ist eine Fehleinschätzung. Die 17,4 Millionen „Wutbriten“ gibt es nicht mehr, daher kann der Brexit auch so lange verschoben werden, bis er im Sande verläuft. Weder Briten noch Märkte noch Eliten interessiert der Brexit, wie man an der aktuellen Verschiebung bis Oktober sehen kann.

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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