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Erschütternder Appell des ukrainischen Botschafters in Berlin an die Bundesregierung

Ukraine-Flagge

Im Laufe des Vormittags hat der in Berlin akkreditierte ukrainische Botschafter Andrij Melnyk einen erschütternden Appell an die deutsche Bundesregierung gerichtet. Hier seine Worte:

„Guten Tag, meine Damen und Herren. Liebe deutsche Freunde, heute Nacht hat Herr Putin den großangelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet. Das ist eine flächendeckende militärische Aggression, das ist ein russischer Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Aber gleichzeitig ist es auch eine offene unverhohlene Kriegserklärung an die gesamte freie Welt, auch an Deutschland. Es gibt heftige Raketen- und Luftangriffe auf friedliche Städte und die Militärinfrastruktur, nicht nur im Osten des Landes, sondern auch im Norden, im Süden und auch im Westen. Russische Panzerkolonnen haben versucht, die Staatsgrenze auf allen Seiten zu überqueren, auch aus dem Staatsgebiet von Belarus, und ins Landesinnere vorzudringen.

Die Armee ist bereit, die ukrainische Armee ist gerüstet, diesen perfiden Überfall Russlands im Keim zu ersticken. […] Nicht nur die Armee, sondern auch die Menschen in der Ukraine werden unsere Heimat mit allen Mitteln verteidigen und unsere Unabhängigkeit nie aufgeben. Aber wir brauchen dafür aber eine viel viel stärkere Unterstützung unserer deutschen Freunde, der Bundesregierung. Wir brauchen hier einen echten Neuanfang! Und wir brauchen endlich hier ein Umdenken. Wir rufen die Ampelkoalition und auch die Opposition auf, eine Sondersitzung des Bundestages nicht erst am Sonntag, wie es im Moment geplant ist, sondern sofort einzuberufen, um ein gewaltiges Ampelrettungsprogramm für die Ukraine zu beschließen. Wir rufen die Bundesregierung auf, eine entsprechende Regierungserklärung über das milliardenschweres Hilfspaket für die ukrainische Wirtschaft und auch für die massive Unterstützung unserer Verteidigung abzugeben.

Wir erwarten heute die Entscheidung der Ampelregierung über die sofortige Lieferung von Defensivwaffen und Ausrüstung, damit wir die Zivilgesellschaft vor Luftangriffen, aber auch einer Bodenoffensive schützen können. Wir fordern die Bundesregierung auf, heute noch die schärfsten [wörtlich: höllischsten] Sanktionen gegen Russland einzuführen, damit diese Kriegsmaschinerie Russlands, damit das Rückgrat der russischen Wirtschaft gebrochen werden kann. Die Liste dieser robusten Strafmaßnahmen, diese Liste ist seit Wochen, seit Monaten bekannt. Sie liegt der Bundesregierung vor. Das, um was wir immer wieder gebeten haben, was wir immer wieder gefordert haben, und es ist endlich an der Zeit, noch heute, diese Strafmaßnahmen zu verhängen.

Wir appellieren an die deutsche Öffentlichkeit, an die Menschen guten Willens hier in der Bundesrepublik: Bitte helfen Sie uns, die Bundesregierung zu überzeugen, dass sie uns Ukrainern in diesen dramatischen Stunden und Tagen nicht nur mit Worten der Solidarität, sondern vor allem mit mutigen Taten – und zwar sofort – unter die Arme greift. Wir sind sehr dankbar Ihnen allen, den deutschen und internationalen Medien, für Ihre enorme Unterstützung, vor allem in den letzten Wochen und Monaten, als dieser Aufmarsch vor unseren Augen verlief. Und wir rufen alle Journalisten auf, ihre Berichterstattung über die russische Invasion fortzusetzen und uns dabei zu helfen, hier die Politik in Berlin dazu zu bewegen, dass man endlich viel entschiedener handelt. Gleichzeitig bitten wir die Bundesregierung, alle russischen Propagandasender in Deutschland endlich abzuschalten, damit jetzt keine Lügen mehr verbreitet werden. Wir rufen die Kirchen in Deutschland auf, Tag und Nacht für die Menschen in der Ukraine, für die Menschen in unserem Land, aber auch für Europa, ständig zu beten.

Wir appellieren an die Ukrainer, an die ukrainische Diaspora, an unsere Landsleute hier in Deutschland, sich auch weiterhin stark zu engagieren, damit die Bundesregierung proaktiv agiert und damit wir die russische Invasion stoppen können und unsere Staatlichkeit retten. Gott und die Wahrheit sind auf unserer Seite. Ich bin dankbar für Ihr Kommen und ich werde versuchen, Ihre Fragen zu beantworten. Die Lage bleibt leider auch für uns hier sehr unübersichtlich. Wir versuchen natürlich, auf dem Laufenden zu bleiben. Es ist nicht immer einfach, gerade wo jetzt die Infrastruktur massivst angegriffen wurde. Wir haben mit einem Angriff zu tun, wie man ihn seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa nicht gesehen hat. Und das muss man heute auch so zum Ausdruck bringen und vor Augen haben. Ich werde versuchen, Ihre Fragen zu beantworten. Danke schön!“



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