Europa

Erzeugerpreise mit stärkstem Anstieg seit 39 Jahren!

Industrieproduktion

Erst am 12. Juli titelten wir „Großhandelspreise mit stärksten Zuwachs seit 40 Jahren!“ Die Inflation rollt in vielen Vorindikatoren, die letztlich in die offizielle Inflation (Verbraucherpreise) münden – aber noch springen die Preise für die Endverbraucher nicht an. Kommt das noch? Vor genau einem Monat sprachen wir über die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte, die für den Monat Mai den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht hatten. Heute früh hat das Statistische Bundesamt die selben Erzeugerpreise für den Monat Juni veröffentlicht. Mit +8,5 Prozent im Jahresvergleich ist es nun der stärkste Anstieg seit 39 Jahren! Im Jahr 1982 stiegen die Erzeugerpreise um 8,9 Prozent wegen der damaligen zweiten Öl-Krise.

Neben dem starken Anstieg im Jahresvergleich sehen wir auch kurzfristig einen großen Preisdruck. So sind die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte von Mai 2021 auf Juni 2021 um satte 1,3 Prozent gestiegen. Hauptverantwortlich für den großen Preisdruck im Jahresvergleich ist laut den Statistikern die Preisentwicklung bei den Vorleistungsgütern und bei Energie. Im Chart sehen wir seit 2018 den prozentualen Anstieg der Erzeugerpreise – ein Balken steht für einen Monat.

Grafik zeigt Verlauf der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte seit 2018

Details zum dramatischen Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise

Laut den Statistikern sieht man deutliche Preisanstiege bei den Vorleistungsgütern, vor allem bei Metallen, Sekundärrohstoffen und Holz. Die Erzeugerpreise bei Vorleistungsgütern waren 12,7 Prozent teurer als im Juni 2020. Besonders hoch waren die Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (+88,1 Prozent) und bei Nadelschnittholz (+84,6 Prozent), aber auch bei Betonstahl in Stäben (+62,3 Prozent). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 26,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 41,9 Prozent höher, Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 25,1 Prozent mehr.

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Hauptgründe für den starken Anstieg der Erzeugerpreise für Stahl und Holz dürften die hohe Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen sein, bei den Stahlpreisen zusätzlich kräftige Preissteigerungen für Eisenerzimporte (+83,6 Prozent von Mai 2020 bis Mai 2021). Auch die Erzeugerpreise für chemische Grundstoffe wiesen laut den Statistikern ein starkes Plus gegenüber dem Vorjahresmonat auf (+18,8 Prozent). Nur sehr wenige Vorleistungsgüter kosteten weniger als im Vorjahresmonat. Hierzu gehörten elektronische integrierte Schaltungen (-12,1 Prozent) und Holz in Form von Plättchen oder Schnitzeln (-23,7 Prozent).

Starke Preissteigerungen im Bereich Energie

Die Erzeugerpreise für Energie waren im Juni 2021 im Durchschnitt 16,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Die Veränderungsrate gegenüber Juni 2020 ist vor allem einem Basiseffekt aufgrund der im Frühjahr 2020 im Zuge der Pandemie stark gefallenen Preise geschuldet. Auch die seit Januar 2021 teilweise zusätzlich anfallende deutsche CO2-Bepreisung auf das Inverkehrbringen CO2-verursachender Brennstoffe wie Mineralölerzeugnisse und Erdgas hatte laut den Statistikern einen Einfluss auf den Anstieg der Erzeugerpreise für Energie. So stiegen die Preise für Erdgas bei einer Jahresabgabe von 116.300 Megawattstunden an die Industrie ohne die CO2-Bepreisung um 34,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, mit CO2-Bepreisung stiegen sie um 45,6 Prozent.



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