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Zu gutes Wetter, zu hohe Inflation Erzeugerpreise Landwirtschaft: Preisabsturz – die Erklärung

Die Erzeugerpreise in der Landwirtschaft stürzen teilweise auf einmal richtig kräftig ein. Dafür gibt es zwei gut nachvollziehbare Gründe.

Erdbeeren

Was passiert, wenn die Inflation den Menschen ihre Kaufkraft entzieht? Man spart zuerst da, wo man sparen kann. Muss man zum Beispiel wirklich unbedingt Erdbeeren oder Spargel kaufen, oder ist das eher eine Art Luxusgut, auf das man auch verzichten kann? Schauen wir auf aktuelle Daten. Die deutschen Erzeugerpreise in der Landwirtschaft steigen laut Statistischem Bundesamt im Jahresvergleich im Mai „nur noch“ um 36 Prozent, wo es im April noch +40 Prozent waren. Bei den tierischen Erzeugnissen tut sich relativ wenig – hier stiegen die Preise im Mai um 35,2 Prozent nach 35,8 Prozent im April.

Erzeugerpreise in der Landwirtschaft – Blick auf pflanzliche Erzeugnisse

Blickt man auf die Erzeugerpreise der Landwirtschaft, so ist für den aktuellsten Statistikmonat Mai der Bereich „Pflanzliche Erzeugnisse“ entscheidend. Hier sinkt die Teuerung von April bei +46 Prozent auf „nur noch“ 37 Prozent Steigerung im Mai. Und da gibt es ganz klar zu erkennende Gründe. Zwar ist Getreide erwähnenswert mit „nur noch“ +71,5 Prozent im Mai im Jahresvergleich nach +77,6 Prozent im April.

Obst und Gemüse dämpfen den gesamten Preisanstieg für Produkte aus der Landwirtschaft

Viel interessanter als Tiere oder Getreide sind die Erzeugerpreise bei Ost und Gemüse. Die Erzeugerpreise für Obst waren im Mai nämlich um 18,6 Prozent niedriger als noch vor einem Jahr! Preisrückgänge gab es unter anderem bei Erdbeeren mit -32,2 Prozent und bei Tafeläpfeln mit -17,0 Prozent. Beim Gemüse gab es einen Preisrückgang von 16,9 Prozent. Hier fielen insbesondere die Preise für Eissalat mit -39,3 Prozent, Blumenkohl mit -31,6 Prozent, Tomaten (-30,3 Prozent) und Spargel (-21,0 Prozent). Der Preisrückgang ist laut Aussage der Statistiker vor allem durch eine im Vergleich zum Angebot zu geringe Nachfrage bedingt. Beim Spargel sorgten zudem witterungs- und importbedingte Übermengen für einen starken Preisverfall.

Erdbeeren sind ein sehr gutes Beispiel, wie das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage wirken kann. Nicht nur bei diesem Produkt kam in diesem Frühjahr beides zusammen. Durch eine ideale Witterung (früh im Jahr warmes Wetter) gab es im Mai viel mehr Angebotsmenge als üblich, und auf der anderen Seite durch die hohe Inflation (sparsame Kunden) weniger Nachfrage. Dies ließ die Erzeugerpreise für Erdbeeren, Spargel und andere Produkte so stark fallen, dass viele Landwirte zum Beispiel ihre Erdbeerfelder abmähen und Ernten zerstören – weil sie dank niedriger Preise daran kein Geld verdienen können.

Bei Kartoffeln hielt der Preisanstieg der vergangenen Monate weiter an – sie verteuerten sich im Mai im Vergleich zum Mai 2021 um 111,4 Prozent (April +106,2 Prozent). Die Erzeugerpreise für das Handelsgewächs Raps verteuerten sich im Mai um 60,8 Prozent im Vergleich zu Mai 2021 (April +77,1 Prozent).

Entwicklung der Erzeugerpreise in der Landwirtschaft seit dem Jahr 2016



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