Europa

Erzeugerpreise mit stärkstem Anstieg seit 46 Jahren! Preistreiber im Detail

Goldene Zahnräder

Vor einem Monat vermeldeten wir den stärksten Anstieg seit 39 Jahren. Heute melden wir den stärksten Anstieg seit 46 Jahren. Denn heute früh hat das Statistische Bundesamt die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte für den Monat Juli veröffentlicht. Sie steigen im Jahresvergleich um 10,4 Prozent, und damit so stark wie seit 1975 nicht mehr (damals +10,5 Prozent wegen der ersten Ölkrise). Und alleine im Monatsvergleich von Juni auf Juli 2021 steigen die Erzeugerpreise um satte 1,9 Prozent! Es geht also nicht nur um den Basiseffekt bezüglich niedriger Preisniveaus aus dem Vorjahr.

Grafik zeigt seit 2018 den Verlauf der Erzeugerpreise

Ohne Berücksichtigung vom Bereich Energie waren die Erzeugerpreise im Juli nur 7,4 Prozent höher als im Juli 2020. Hauptverantwortlich für den derzeitigen Preisanstieg ist laut den Statistikern die Preisentwicklung bei den Vorleistungsgütern und bei Energie. Vorleistungsgüter waren im Juli 15,6 Prozent teurer als im Juli 2020. Besonders hoch waren die Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr bei Nadelschnittholz (+111 Prozent) und bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (+100 Prozent), aber auch bei Betonstahl in Stäben (+82 Prozent). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 32,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 52,3 Prozent höher, Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 23,2 Prozent mehr.

Die Gründe und weitere Details im Wortlaut von den Statistikern:

Hauptgründe für den starken Anstieg der Stahl- und Holzpreise dürften die hohe Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme bei der Versorgung mit Rohstoffen sein. Bei den Stahlpreisen kamen zusätzlich kräftige Preissteigerungen für Eisenerzimporte hinzu. Diese stiegen von Juni 2020 bis Juni 2021 um 97 % und haben sich damit fast verdoppelt“, erklärt Gerda Gladis-Dörr, Leiterin des Referats Erzeugerpreise, Außen- und Großhandelspreise im Statistischen Bundesamt.

Auch die Erzeugerpreise für chemische Grundstoffe wiesen ein starkes Plus gegenüber dem Vorjahresmonat auf (+19,0 %). Nur sehr wenige Vorleistungsgüter kosteten weniger als im Vorjahresmonat. Hierzu gehörten elektronische integrierte Schaltungen (-9,5 %) und Holz in Form von Plättchen oder Schnitzeln (-20,6 %).

Starke Preissteigerungen bei allen Energieträgern

Die Energiepreise waren im Juli 2021 im Durchschnitt 20,4 % höher als im Vorjahresmonat, gegenüber Juni 2021 stiegen sie um 4,1 %. „Die hohe Vorjahresveränderungsrate ist vor allem einem Basiseffekt aufgrund der im Frühjahr 2020 im Zuge der Corona-Pandemie stark gefallenen Preise geschuldet. Auch die seit Januar 2021 teilweise anfallende deutsche CO2-Bepreisung auf das Inverkehrbringen CO2-verursachender Brennstoffe wie Mineralölerzeugnisse und Erdgas hatte einen Einfluss auf den Preisanstieg bei Energie“, sagt Preisexpertin Gerda Gladis-Dörr. So stiegen die Preise für Erdgas bei einer Jahresabgabe von 116 300 Megawattstunden an die Industrie ohne die CO2-Bepreisung um 45,0 % und mit CO2-Bepreisung um 56,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Preise für Gebrauchsgüter waren im Juli 2021 um 2,2 % höher als ein Jahr zuvor (+0,6 % gegenüber Juni 2021). Investitionsgüter, wie beispielsweise Maschinen und Fahrzeuge, kosteten 1,8 % mehr (+0,5 % gegenüber Juni 2021).

Gestiegene Preise für Öle und Fette führen zu Preisanstieg bei Verbrauchsgütern

Die Preise für Verbrauchsgüter waren im Juli 2021 um 1,8 % höher als im Juli 2020 und blieben gegenüber Juni 2021 unverändert. Nahrungsmittel waren 2,3 % teurer als im Vorjahr. Pflanzliche, nicht behandelte Öle kosteten 37,4 % mehr als im Juli 2020, Butter 18,5 % mehr. Weniger als im Juli 2020 kostete vor allem Schweinefleisch (-2,2 %). Speiseeis war 3,5 % billiger als im Juli 2020.



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