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Erzeugerpreise August +45,8 Prozent – Rekordanstieg!

Unglaublich. Im Juli noch bei +37,2 Prozent, sehen wir jetzt für August einen Anstieg der Erzeugerpreise im Jahresvergleich um 45,8 Prozent. Rekord!

Zahnräder

Die Erzeugerpreise der deutschen Industrie wurden soeben für den Monat August bekanntgegeben. Laut Statistischem Bundesamt steigen sie im Jahresvergleich um 45,8 Prozent. Das ist der höchste Anstieg seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Im Juli 2022 hatte die Veränderungsrate bei +37,2 Prozent und im Juni bei +32,7 Prozen gelegen. Im Vormonatsvergleich stiegen die Erzeugerpreise im August 2022 um 7,9 Prozent. Das ist ebenfalls der höchste Anstieg gegenüber dem Vormonat seit Beginn der Erhebung.

Grafik zeigt Entwicklung der Erzeugerpreise seit dem Jahr 2018

Hier der Blick auf die Detailaussagen der Statistiker, im Wortlaut:

Hauptverantwortlich für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise im Vorjahresvergleich ist weiterhin die Preisentwicklung bei Energie, bedingt durch den hohen Wägungsanteil des Energiepreisindex am Gesamtindex, kombiniert mit außergewöhnlich hohen Preisveränderungen. Zudem stiegen, teilweise infolge der Preissteigerungen für Energie, auch die Preise für Vorleistungsgüter (+17,5 %), Investitionsgüter (+7,8 %) sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgüter (10,9 % und 16,9 %) deutlich an.

Energiepreise mehr als verdoppelt

Die Energiepreise waren im August 2022 im Durchschnitt 139,0 % höher als im Vorjahresmonat. Allein gegenüber Juli 2022 stiegen diese Preise um 20,4 %. Den höchsten Einfluss auf die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr bei Energie hatten die Preissteigerungen für elektrischen Strom mit einem Plus von 174,9 %.

Strom kostete für Weiterverteiler 278,3 % mehr als ein Jahr zuvor, für Sondervertragskunden 195,6 %. Für gewerbliche Anlagen, die häufig tarifgebundene Verträge abschließen, waren die Preise 12,9 % höher als ein Jahr zuvor. Im Vormonatsvergleich stiegen die Preise für elektrischen Strom über alle Abnehmergruppen betrachtet im August um 26,4 %.

Erdgas in der Verteilung kostete mehr als dreimal so viel wie im August 2021(+209,4 %). Kraftwerke zahlten für Erdgas 269,1 % mehr als ein Jahr zuvor. Für Industrieabnehmer war Erdgas 264,9 % teurer und für Wiederverkäufer 236,8 %. Für die Abnehmer kleinerer Mengen erhöhten sich die Preise etwas weniger stark (Handel und Gewerbe +90,9 %, Haushalte +83,8 %). Gegenüber dem Vormonat Juli 2022 wurde Erdgas über alle Abnehmergruppen hinweg 24,6 % teurer.

Mineralölerzeugnisse waren 37,0 % teurer als im August 2021, gegenüber Juli 2022 sanken die Preise hingegen um 3,2 %. Leichtes Heizöl war mehr als doppelt so teuer wie ein Jahr zuvor (+104,0 %), Kraftstoffe kosteten 27,3 % mehr.

Ohne Berücksichtigung von Energie waren die Erzeugerpreise 14,0 % höher als im August 2021 (+0,4 % gegenüber Juli 2022).

Hohe Preissteigerungen bei Vorleistungsgütern, vor allem bei Metallen und chemischen Grundstoffen

Vorleistungsgüter waren im August 2022 um 17,5 % teurer als ein Jahr zuvor. Gegenüber Juli 2022 stiegen diese Preise leicht um 0,1 %. Hauptverantwortlich für die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat in diesem Bereich waren die Preissteigerungen für Metalle mit einem Plus von 19,9 %. Gegenüber dem Vormonat Juli 2022 sanken diese Preise jedoch um 1,0 %. Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 20,9 % teurer als im August 2021 (-3,2 % gegenüber Juli 2022), Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten im Jahresvergleich 16,9 % mehr.

Chemische Grundstoffe, Düngemittel und Stickstoffverbindungen verteuerten sich gegenüber dem Vorjahr um 32,9 %. Besonders hoch waren die Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr bei Düngemitteln und Stickstoffverbindungen mit +108,8 %. Das für die Düngemittelherstellung wichtige Vorprodukt Ammoniak kostete 175,9 % mehr als im August 2021.

Die Preise für Pellets und Briketts aus Sägenebenprodukten verdoppelten sich binnen Jahresfrist (+108,2 %), Holz in Form von Plättchen oder Schnitzeln war sogar um 133,3 % teurer als ein Jahr zuvor. Futtermittel für Nutztiere verteuerten sich um 37,6 %, gegenüber dem Vormonat sanken diese Preise aber um 1,2 %. Zeitungsdruckpapier war 92,8 % teurer als im August 2021, Getreidemehl 46,4 %.

Niedriger als im Vorjahresmonat waren die Preise für Holz insgesamt (-13,0 % gegenüber dem bisherigen Höchststand im August 2021) und metallische Sekundärrohstoffe (-12,3 %).

Preisanstieg bei Verbrauchsgütern vor allem durch gestiegene Preise für Fleisch und Fleischerzeugnisse sowie Milch und Milcherzeugnisse

Die Preise für Verbrauchsgüter waren im August 2022 um 16,9 % höher als im August 2021 und stiegen gegenüber Juli 2022 um 0,8 %. Nahrungsmittel waren 22,3 % teurer als im Vorjahr. Besonders stark stiegen die Preise für Butter (+74,6 % gegenüber August 2021) und unbehandelte pflanzliche Öle (+51,4 %). Flüssige Milch kostete 35,3 % mehr als im August 2021, Kaffee war 32,5 % teurer als vor einem Jahr. Fleisch ohne Geflügel kostete 27,5 % mehr als ein Jahr zuvor.

Die Preise für Gebrauchsgüter waren im August 2022 um 10,9 % höher als ein Jahr zuvor, insbesondere bedingt durch die Preisentwicklung bei Möbeln (+13,2 %).

Investitionsgüter kosteten 7,8 % mehr als im Vorjahr. Den höchsten Einfluss auf die Veränderungsrate für Investitionsgüter gegenüber August 2021 hatten die Preissteigerungen für Maschinen mit einem Plus von 9,3 %, gefolgt von denen für Kraftwagen und Kraftwagenteile (+6,2 %). Besonders stark stiegen die Preise unter anderem für Metallkonstruktionen (+20,3 %), Turbinen (+19,8 %) und Ventilatoren (+18,1 %).



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1 Kommentar

  1. Wenn das alles Putins Plan sein sollte, wie er auf Sanktionen der EU reagiert, dann kann man nur sagen: Wer Wind sät wird Sturm ernten.
    Und wartet mal den Winter ab.
    Ich glaube eher, dass Putin sehr erstaunt ist, was die EU sich selbst antut mit den Sanktionen gegen sich selbst.
    Mit so einer Kamikaze-Politik, hat er wohl nicht gerechnet.
    Nun muss er seine Rohstoffe in den Rest der Welt verkaufen, und verdient sich trotz Rabatten noch eine goldene Nase.
    Zu dem was nun insgesamt auf die EU, und ganz besonders Deutschland zukommt, kann man nur schreiben.
    Es wurde so bestellt, es wird nun so geliefert, und da hilft auch kein jammern mehr.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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