
Die von der EU-Kommission angestoßene Lockerung der ESG-Berichtspflichten wird Banken die Analyse von Kreditrisiken erschweren. Das befürchtet die European Banking Federation (EBF) angesichts des Ausmaßes der vorgeschlagenen Lockerung. ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.
Einem Bericht von Bloomberg zufolge haben europäische Banken jahrelang darauf gewartet, dass ihre Kunden im Rahmen der neuen ESG-Berichtspflichten hunderte von Datenpunkten zur Verfügung stellen. Da die EU nun aber offenbar beabsichtigt, die geplanten Regeln drastisch zu lockern, befürchten die Banken, dass ihnen die notwendigen Instrumente für eine angemessene Kreditrisikoanalyse fehlen werden. Darauf hat das EBF hingewiesen, dem unter anderem BNP Paribas, UniCredit und die Deutsche Bank angehören.
EU will ESG-Regeln lockern
Die EU-Kommission will am heutigen Mittwoch ihren lang erwarteten Vorschlag für die sogenannte Omnibus-Verordnung vorstellen. Die Exekutive der EU will demnach wichtige ESG-Regeln — wie die Richtlinie zur Unternehmens-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CRSD) und die Richtlinie über die Sorghaltspflicht von Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit (CSDDD) — so weit lockern, dass 85% der Unternehmen, die ursprünglich in den Geltungsbereich fallen sollten, nicht mehr zur Einhaltung verpflichtet sind.
Laut EBF-Beraterin Denisa Avermaete scheine die EU die Berichtspflichten nun offenbar auf ein Niveau zurückzuschrauben, das noch schwächer sein wird als vor Beginn der Arbeit am aktuellen ESG-Rahmen.
Für Banken bedeutet das, dass weniger Berichtspflichten für ihre Kunden “Komplexität und die Notwendigkeit eines bilateralen Engagements mit sich bringen wird, da Banken immer bestimmte Schlüsseldaten benötigen, die für ein solides Geschäfts- und Risikomanagement notwending sind”, sagte Avermaete im Bloomberg-Interview.
Und obwohl Unternehmen in ganz Europa nun möglicherweise mit einer geringeren Belastung durch die obligatorische ESG-Berichtspflicht konfrontiert sind, werde die vorgeschlagene Lockerung der Vorschriften die operative Belastung nicht verringern, da Banken ihre eigenen Anforderungen stellen müssen, so Avermaete.
Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA)
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), die die wichtigste Kontrollinstanz der EU für Kreditinstitute ist, gab in einem Bericht am Montag bekannt, dass Banken derzeit Schwierigkeiten haben, Informationen über Parameter zu sammeln — wie etwa darüber, wie sich das Risiko eines Kunden, Umweltrisiken wie Überschwemmungen ausgesetzt zu sein, auf seine Fähigkeit auswirken könnte, einen Kredit zurückzuzahlen. Die EZB warnt Banken unterdessen davor, bereit zu sein, Geldstrafen zu verhängen, wenn sie die in ihren Portfolios lauernden Umwelt- und Sozialrisiken nicht angemessen berücksichtigen.
Die EBA verfolge die Diskussionen um die CSRD, die solche Datenlücken schließen sollte, “sehr genau“, so Dorota Wojnar, Leiterin der EBA-Abteilung für ESG-Risiken.
Die EBA hofft laut Wojnar nun, dass die grundlegenden Datenpunkte, die Banken benötigen, trotz der erwarteten Lockerung “verfügbar bleiben”. Ein Teil der Herausforderung für die Banken bestehe jedoch darin, dass man nicht unbedingt wisse, welche Datenpunkte am nützlichsten sind, so Wojnar.
Die EBF sei bereit, eine Reduzierung der Anzahl der Datenpunkte zu unterstützen, die Unternehmen melden müssen, sagte EBF-Beraterin Avermaete. Die Aussicht auf eine drastische Reduzierung der Anzahl der Unternehmen, die in den Anwendungsbereich fallen, sei jedoch weiterhin problematisch.
FMW/Bloomberg
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