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ESM bestätigt: Nächste Woche frische 7,5 Milliarden Euro für Griechenland

Der Euro-Rettungsschirm „ESM“ hat heute offiziell bestätigt, dass Griechenland nächste Woche 7,5 Milliarden Euro erhält. Diese Summe ist eine weitere Tranche aus dem 86 Milliarden Euro-Rettungspaket…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Euro-Rettungsschirm „ESM“ hat heute offiziell bestätigt, dass Griechenland nächste Woche 7,5 Milliarden Euro erhält. Diese Summe ist eine weitere Tranche aus dem 86 Milliarden Euro-Rettungspaket, das nur scheibchenweise ausgezahlt wird, wie ein Hypothekendarlehen beim Hausbau. Nach aktueller Meinung der Euro-Mitgliedsstaaten (gestrige Tagung) hat Athen also seine Vorgaben erfüllt. Zuletzt zählte dazu der Verkauf des alten Athener Flughafens Hellenikon, wohl der besten Immobilie Griechenlands. Dieser Verkauf gilt nach außen als kraftvolles Zeichen, dass man in Griechenland willig ist zu privatisieren.

ESM Regling Griechenland
ESM-Chef Klaus Regling mit Eurogruppen-Chef Dijsselbloem. Foto: ESM

Offiziell sagt ESM-Chef Klaus Regling die heutige Freigabe der 7,5 Milliarden Euro sei eine Anerkennung für das Engagement der griechischen Regierung wesentliche Reformen umzusetzen. Dabei gehe es laut Regling vor allem um das Rentensystem und die Einkommenssteuer, wo man seine Hausaufgaben gemacht habe. Auch habe man einen „neuen“ Privatisierungsfonds aufgelegt. Da möchten wir fragen: Was macht denn der „neue“ anders als der alte? Bei Anzahl, Volumen und Tempo der Privatisierungen ist man immer noch in Zeitlupe unterwegs, und tut seine Arbeit eher passiv und widerwillig.

Erst gestern hatte der ESM in seinem Jahresbericht davor gewarnt, dass Griechenland es sich nicht leisten könne, dass es jetzt zu weiteren Verzögerungen im Rettungsprogramm komme, oder einer weiteren Phase der politischen Unsicherheit. Heißt das also im Umkehrschluss, dass der ESM heute den 7,5 Milliarden Euro zugestimmt hat, damit es nicht genau zu diesen Unsicherheiten kommt? Im Jahresbericht hatte der ESM gestern nochmal eindringlich darauf hingewiesen, welche negativen Auswirkungen die politische Unsicherheit im ersten Halbjahr 2015 auf die Wirtschaft Griechenlands hatte (Varoufakis?).

Auch wird Klaus Regling im Jahresbericht ganz deutlich, wenn es um den Vergleich Griechenlands mit anderen ESM-Teilnehmerländern geht. Wenn es Zypern im März 2016 gelang gekräftigt das ESM-Programm zu verlassen, und wenn andere Länder es schafften inzwischen deutlich positive Fortschritte zu verbuchen, dann bleibe Griechenland nach wie vor eine Ausnahme, so Regling. Aber, so meinen wir, die „Fortschritte“ von Athen reichen dann einen Tag später, also heute aus für weitere 7,5 Milliarden Euro Freigabe? Zum ESM-Jahresbericht gelangen Sie hier über den Link im Tweet des ESM.



Der ESM heute im Original:

The Board of Directors of the European Stability Mechanism (ESM) today authorised the second tranche of €10.3 billion of ESM financial assistance to Greece. The Board also authorised the first disbursement of this second tranche of €7.5 billion to Greece. The country will use the €7.5 billion to meet debt servicing obligations and to help clear domestic arrears. The Board of Directors’ decisions follow the Greek government’s completion of all prior actions.

ESM Managing Director Klaus Regling said: “Today’s decision to disburse €7.5 billion to Greece is a recognition of the Greek government’s commitment to carry out essential reforms. It has passed legislation that will: reform the pension and income tax systems; establish a new privatisation and investment fund; enable the sale of non-performing loans; and introduce an automatic fiscal adjustment mechanism to be triggered in case fiscal targets are not met. Thanks to these measures and other reforms implemented in recent months, Greece is on track to return to economic growth. As announced last month, ESM members are in principle willing to support Greece’s efforts with further debt relief measures, including short-term measures that can be applied during the course of the current programme. This depends on Greece’s continued fulfilment of the pre-defined conditionality.”

The €2.8 billion of the second tranche remaining after the first disbursement will be available to Greece upon completion of a set of milestones and satisfactory clearance of domestic arrears by Greece. It is subject to a further Board of Directors decision. After the disbursement approved today, ESM financial assistance for Greece will reach €28.9 billion, out of a total programme volume of up to €86 billion. The ESM and the EFSF together have so far disbursed €170.7 billion to Greece (including the amount approved today), making the rescue funds by far the largest creditor to Greece.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Helmut Josef Weber

    17. Juni 2016 17:16 at 17:16

    Ich habe manchmal der Eindruck, dass Niemand die wirklichen Gründe benennen will, warum Griechenland auch nicht lebensfähig wäre, wenn ihnen alle Schulden erlassen würden und sie alles privatisiert haben, was möglich ist.
    In Griechenland sind die Löhne doppelt so hoch, bei halber Produktivität, gegenüber z. B. Polen.
    So können griechische Firme, Produkte gleich welcher Art, weder an die eigene Bevölkerung und schon gar nicht ins Ausland verkaufen.
    Selbst Olivenöl, Käse Tomaten usw. usw. werden eingeführt.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

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Immobilienpreise steigen kräftig an – keine Spur von Corona!

Claudio Kummerfeld

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am

Hausbau

Bei Immobilien ist keinerlei Spur von der Coronakrise zu entdecken. Unfassbar. Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben wie in den letzten Jahren auch. Im zweiten Quartal sind die Preise für Wohnimmobilien nämlich im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet. Die folgende Grafik zeigt den Häuserpreisindex seit dem Jahr 2015. Es ist keinerlei Einbruch erkennbar in den letzten beiden Quartalen. Nochmal… unfassbar, dass bei 10 Millionen Kurzarbeitern im Höhepunkt der Krise kein Einbruch der Immobilienpreise erkennbar war. Die Statistiker melden aktuell auch, dass die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent gestiegen sind. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz Corona-Krise weiterhin sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Immobilienpreise klettern mitten in der Coronakrise immer weiter nach oben

Hier weitere Details von den Statistikern im Wortlaut:

Im 2. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 % und Eigentumswohnungen 6,1 % teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien in Metropolen zwar fort, jedoch weiterhin mit einer abnehmenden Dynamik bei Wohnungen. Für Eigentumswohnungen hatte die Veränderungsrate zum Vorjahresquartal im 2. Quartal 2019 noch 7,9 % betragen, im 2. Quartal 2018 lag sie bei 11 %. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen im 2. Quartal 2020 die Häuserpreise um 7,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 8,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch in ländlichen Kreisen wurden Wohnimmobilien im Durchschnitt teurer. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 8,9 % und für Eigentumswohnungen um 5,9 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,8 %, Wohnungen verteuerten sich um 6,6 %.

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US-Wirtschaft: Warum es ohne KMUs keine Erholung gibt

Hannes Zipfel

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US-Wirtschaft ist angewiesen auf Arbeiter bei den KMUs

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind für die US-Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze, stehen aber vor enormen Herausforderungen und viele sogar vor dem Aus. Ohne die KMUs wird es keine nachhaltige Erholung und erst recht keinen Wirtschaftsboom in den USA geben.

US-Wirtschaft braucht dringend neue Finanzhilfen

Als Steven Terner Mnuchin (Rep.), seit Februar 2017 US Finanzminister, am Dienstagnachmittag vor dem US-Repräsentantenhaus vom kommenden Boom der US-Wirtschaft im vierten Quartal schwärmte, muss dem ehemaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs die zuvor veröffentlichte Umfrage zum Paycheck Protection Program (PPP) seines früheren Arbeitgebers entgangen sein. Das Ergebnis der Umfrage kontrastiert die Jubelstimmung, die auch von seinem Amtskollegen Olaf Scholz (SPD) in Deutschland immer häufiger zu vernehmen ist.

Nüchterner war da schon die dringende Empfehlung des US-Notenbankchefs Jerome Powell an die Abgeordneten im US-Kongress, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) des Landes mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zu unterstützen, da ansonsten eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft nicht möglich sei.

Gemäß der jüngsten verfügbaren Daten gab es in den USA im Jahr 2019 gut 31 Millionen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Diese sogenannten „Small Businesses“ repräsentieren 99,9 Prozent aller Unternehmen und sind größter Arbeitgeber im privaten Sektor der US-Wirtschaft. Die amerikanischen KMUs schufen im letzten Jahr mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Daher ist das Schicksal der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Erholung von so großer Relevanz.

Weil das so ist, hat die Trump-Administration Ende April im Rahmen des CARES Act (Coronavirus Aid, Relief and Economic Security Act) das Paycheck Protection Program (PPP) über 659 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Das ermöglichte es vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen, zinsgünstige Privatkredite zu beantragen, um ihren Gehaltsverpflichtungen trotz Coronakrise weiter nachzukommen.

Die Höhe eines PPP-Darlehens entsprach dabei ca. dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen monatlichen Lohnkosten des Unternehmens. Die Darlehen können neben der Zahlung von Löhnen (Paychecks) auch für Mieten, Zinsen und Nebenkosten verwendet werden. Das Darlehen wurde aber nur dann gewährt, wenn das Unternehmen versprach, die Anzahl seiner Mitarbeiter und die Löhne stabil zu halten. Die ursprüngliche Frist für die Beantragung eines PPP-Darlehens war zunächst der 30. Juni dieses Jahres und wurde später bis zum 8. August 2020 verlängert.

Der PPP-Stimulus läuft aus

Nachdem das Gesetz seit fünf Monaten in Kraft ist, läuft die Hilfe nun aus und kann wegen der Blockade im US-Kongress für ein fünftes Konjunkturpaket nicht aufgestockt und verlängert werden. Das bringt viele KMUs an den Rand des Ruins – ein enormes Problem für die US-Wirtschaft!. Gemäß einer aktuellen Umfrage von Goldman Sachs unter US-KMUs haben 88 Prozent ihre PPP-Kredite bereits vollständig ausgeschöpft. Ein Drittel der befragten Unternehmen sah sich bereits gezwungen, die Löhne zu kürzen oder Entlassungen vorzunehmen. Weitere ca. 30 Prozent gaben an, dass ihnen ohne weitere Finanzhilfen bis zum Ende des Jahres das Geld ausgeht.

Anders als Großkonzerne können sich kleine Unternehmen nicht direkt über den Kapitalmarkt refinanzieren und kommen somit auch nicht in den Genuss der Unternehmensanleihekäufe durch die US-Notenbank (Fed), die in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen erreicht haben.

Die auf Banken zur Refinanzierung angewiesenen KMUs haben ein weiteres, sich verschärfendes Problem: Wegen der anhaltend schlechten geschäftlichen Situation, aufgebrauchter Rücklagen und ausgeschöpfter Kreditlinien sind die Perspektiven für viele potenzielle Kreditnehmer so schlecht, dass die Banken sie als zu risikoreich einstufen und weitere Kredite verweigern. Schattenbanken, v. a. Hedgefonds, die in diese Lücke springen, verlangen dem Risiko angemessene hohe Zinsen, die für die in Not geratenen KMUs nicht zu stemmen sind.

Da gleichzeitig die im Sommer vom US-Finanzministerium an US-Bürger mit geringen und mittleren Einkommen verteilten Schecks in Höhe von 1.200 US-Dollar pro Person zunehmend eingelöst und aufgebraucht sind, haben viele Kleinunternehmer, Soloselbstständige und Freiberufler auch immer stärker eingeschränkte private Finanzspielräume.

US-Wirtschaft mit Entlassungswelle ab 1. Oktober

Ohne neue Fiskalstimuli droht der US-Wirtschaft im Abschlussquartal eine sich wieder verstärkende Entlassungswelle. Zumal ab 1. Oktober auch die US-Fluggesellschaften trotz vorheriger finanzieller Unterstützung aus dem PPP wieder Massenentlassungen vornehmen dürfen und dies auch bereits für Anfang Oktober angekündigt haben. Allein die größte US-Fluggesellschaft American Airlines will ab diesem Stichtag 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen – also jeden fünften Mitarbeiter. Ähnliche Ankündigungen gibt es von der zweitgrößten US-Fluggesellschaft Delta Airlines und kleineren Fluggesellschaften. Damit wird in den USA das nachgeholt, was bei deutschen und europäischen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair bereits Realität ist.

Besonders betroffen von dem Auslaufen des PPP sind neben den Branchen Verkehr und Touristik vor allem Gastronomen, Konzert-Veranstalter, Kreuzfahrt Reedereien, stationäre Einzelhändler, Unterhaltungskünstler, Wedding Planner und andere Event-Manager. Besonders in der US-Gastronomie sind viele KMUs tätig. Generell wird der Dienstleistungssektor von KMUs dominiert. Für die US-Wirtschaft hat dieser Sektor eine besondere Bedeutung: 79,4 Prozent aller Erwerbstätigen ist hier angestellt, davon über 90 Prozent bei KMUs (Daten von 2019, Quelle: Statista).

Fazit

Die Indizien verdichten sich, dass es im vierten Quartal entgegen der Beschwichtigungsrhetorik mancher Politiker statt eines Booms einen Pleite-Tsunami und Massenentlassungen in der US-Wirtschaft geben könnte. Das Erschreckende dabei ist, dass diese Entwicklung noch keine zweite Pandemie-Welle berücksichtigt, die den Schaden in der US-Wirtschaft nochmals maximieren würde. Es bleibt für die KMUs Amerikas zu hoffen, wenn aus heutiger Sicht auch unwahrscheinlich, dass sich der US-Kongress nach dem Wahltermin Anfang November schnell auf ein neues, billionenschweres Hilfspaket einigen kann.

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Coronakrise: Die Flucht aus den Großstädten beschleunigt sich!

Markus Fugmann

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Die Coronakrise macht das in den letzten Jahren geltende Mantra immer fragwürdiger: dass die Großstädte immer weiter wachsen würden. Das entsprach einer auch in der Wissenschaft beliebten allzumenschlichen Methodik: man schreibt Trends aus der Vergangenheit einfach in die Zukunft fort. So meinte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor drei Jahren:  „Hamburgs Bevölkerungszahl wächst einer Prognose zufolge bis 2035 um rund 162.000 Einwohner auf fast zwei Millionen Menschen“.

Dabei aber ignorierte man einen großen Trend, der schon vor der Coronakrise eingesetzt hatte: Automatisierung und Digitalisierung (siehe hierzu meinen Artikel „Über Automatisierung und die Auswirkung auf die Großstädte: Glaubt den Prognosen nicht!“ aus dem Jahr 2017).

Die Automatisierung macht vor allem immer mehr Bürojobs überflüssig (die überwiegend in Großstädten angesiedelt sind). Die Digitalisierung wiederum trifft vor allem den stationären Einzelhandel. Hier hat die Coronakrise den ohnehin vorhandenen Trend zur Online-Bestellung noch weiter verstärkt (mit Amazon als dem größten Profiteur).

Die Coronakrise ist nicht nur in Deutschland ein „game changer“. Vor allem große Firmen brauchen absehbar weniger Büroflächen. In meiner persönlichen Umgebung geht kaum jemand noch täglich zur Arbeit, sondern arbeitet mindestens drei Tage pro Woche von zu Hause aus. Wer aber seltener oder gar nicht mehr zum Job fahren muß, für den wird es weniger wichtig, direkt im Ballungsraum zu wohnen. Wichtiger wird das eigene Heim, und da möchte man es gemütlich haben – man möchte (wenn man es sich leisten kann) einen Garten, möchte einfach Platz haben. Die Menschen-Massen in den Großstädten werden durch Corona nicht gerade attraktiver, zumal das Angebot in den Großstädten an Kultur, Gastronomie oder Einzelhandel auszudünnen beginnt: in Hamburg etwa steht nun das riesige Kaufhof-Gebäude im Zentrum der Stadt bald leer – das ist gleichsam ein Mahnmal für den schleichenden Abstieg der Großstädte.

Die Coronakrise macht nun einen Prozeß, der schon länger begonnen hat, immer offensichtlicher. Das bestätigt nun eine heute veröffentlichte Pressemitteilung der Interhyp AG:

„Schon seit einigen Jahren beobachtet Interhyp eine Tendenz zur Stadtflucht aus Großstädten und Metropolen bei Immobilienkäufern und Bauherren. Waren es 2016 noch 63 Prozent, die ein Eigenheim in einer Stadt mit 500.000 und mehr Einwohnern erwerben wollten, sind es im ersten Halbjahr 2020 nur noch 57 Prozent. Auch der Großstädter-Anteil, der wieder in einer Großstadt eine Immobilie kauft, ist in den vergangenen fünf Jahren von 61 Prozent auf 58 Prozent gesunken. Metropol-Bewohner zieht es zunehmend in Mittel- und Kleinstädte (2020: 19 Prozent in Mittelstädte, 14 Prozent in Kleinstädte vs 2016: 17 Prozent in Mittelstädte, 12 Prozent in Kleinstädte). Nur wenige ziehen beim Immobilienkauf allerdings aufs Land bzw. in Orte kleiner 5.000 Einwohner (3 Prozent in 2020). Dennoch macht Interhyp eine zunehmende Landlust aus. Denn diejenigen, die bereits auf dem Land oder in Kleinstädten leben, bleiben dort heute häufiger als früher: 2016 kauften 56 Prozent der Landbewohner ihre Immobilie auf dem Land, 2020 sind es 59 Prozent.“

Coronakrise: Wo zieht es die Menschen hin?

Welche Regionen aber werden von dieser Entwicklung profitieren? Es sind die Randbezirke von Großstädten – oder mittelgroße Städte, die nicht weit von den großen Ballungsräumen entfernt liegen.

Dazu schreibt Interhyp:

„Den Trend zur Immobilie außerhalb der Ballungszentren beobachten wir nicht erst seit gestern. Doch die Entwicklung gewinnt mit der Pandemie neue Dynamik, wie sich in der Analyse unserer Daten abzeichnet“, so Jörg Utecht. Utechts Meinung nach gibt es dabei folgende Gedanken, die Eigenheimbesitzer umtreibt: „Wenn mobiles Arbeiten es erlaubt, dass der Arbeitsweg nur zweimal in der Woche anfällt, entsteht zeitliche und finanzielle Ersparnis. Das Eigenheim wird in ländlichen Gebieten und Klein- und Mittelstädten zur leistbaren und praktikablen Alternative für diejenigen, die sich in den Groß- und Metropol-Städten kein eigenes Zuhause ermöglichen können. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine gute Infrastruktur in den Zielgebieten vorliegt. Dazu gehören zum Beispiel gute digitale Anbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und eine gute breite ärztliche Versorgung.“

Aus all dem wird klar: die deutschen Großstädte haben den Zenit ihres Wachstums wohl längst überschritten – und das wird sich auch bei den dort besonders hohen Immobilienpreisen deutlich niederschlagen. Käufer, die in Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt aktuell noch Mondpreise bezahlen, gehen erhebliche Risiken ein (vor allem je höher sie fremdfinanziert sind).

Vor allem Randbezirke von Großstädten mit viel Grün oder Wasser in der Nähe dürften hingegen die große Gewinner werden!

Die Coronakrise verstärkt die Stadtflucht - das gilt auch für Berlin

Berlin hat in diesem Jahr bereits Einwohner verloren

 

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