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ETF: Die verkannten Risiken des Trend-Investments!

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ETF als Geldanlage? Bitte beschäftigen Sie sich ausfürhlich mit ETFs!

ETF gelten seit geraumer Zeit als der Standard-Tipp beim Aktien-Investment. Diese börsengehandelten Fonds bilden in den meisten Fällen einen Index oder einen Rohstoff passiv nach. Das heißt, der Fondsmanager trifft in der Regel keine eigenen Entscheidungen, sondern kauft stumpf den abgebildeten Basiswert ein. Da der Fondsmanager kein eigenes Research betreibt, sind diese börsengehandelten Fonds besonders günstig. Zudem ermöglicht der Börsenhandel der Anteilsscheine schnelle und ebenfalls günstige Ein- und Ausstiege aus dem Fonds während der üblichen Börsenhandelszeiten. Die meisten Banken bieten den kostengünstigen Erwerb in Sparplänen an. Die Summe der Vorteile führte dazu, dass inzwischen Billionen US-Dollar in ETFs gebündelt wird. Doch damit kommen auch einige gravierende, nicht zu verhindernde Nachteile zum Tragen.

Ich erinnere mich noch an die Zeit vor, während und kurz nach der 2008er Finanzkrise. Damals schon, immerhin auch bereits 25 Jahre nach dem Start des ersten ETF, galten ETF als der Renner, wenn es um möglichst einfaches und sicheres Investieren ging. Wenn Risiko zur Sprache kam, dann ging es in der Regel vor allem um die Replikationsmethode und das Kontrahenten-Risiko. Also das Risiko, das aus der Wahl des ETF-Anbieters und aus dem Handelspartner des ETF erwächst. Es war die Zeit, als AIG am Rande des Abgrunds stand. AIG war gleichzeitig ein wichtiger Player auf dem Markt für Swaps. Und Swaps wurden damals und auch heute von zahlreichen ETFs genutzt, um den Basiswert abzubilden.

Verdutzt stellten Anleger damals fest, dass ihr Gold-ETF gar kein Gold enthielt, sondern zum Beispiel japanische Staatsanleihen. Die Fondsgesellschaft hatte lediglich mit einem Handelspartner, zum Beispiel AIG, ein Swap-Geschäft abgeschlossen, bei dem der Fonds die Rendite der japanischen Staatsanleihen gegen die Rendite von Gold tauschte. Blöd, wenn dann der Swap-Partner in der Krise in die Insolvenz rutscht, in der die Anleger von der Gold-Performance profitieren wollten.

Aktien bilden inzwischen ETF ab, doch es sollte umgekehrt sein

Empfohlen wurden und werden daher ETFs, die den Basiswert physisch replizieren. Das heißt, ein Öl-Fonds soll Öl und keine Staatsanleihen kaufen, ein Gold-ETF und ein DAX-ETF gefälligst die Aktien des deutschen Leitindex. Ein Jahrzehnt lang wähnten sich Anleger in Sicherheit, wenn sie physisch replizierende ETFs erwarben. Dank der physischen Abbildung des Basiswerts ist die Rendite sicher und der Fonds kann dank großer Liquidität jederzeit an der Börse verkauft werden.

Das war eine trügerische Sicherheit, wie die aktuelle Krise zeigt. Schon seit Jahren warnten einzelne Stimmen, dass die Marktmacht der ETFs inzwischen so groß geworden ist, dass die Basiswerte den ETF und nicht der ETF die Basiswerte abbildet. Die heutige Situation ist mit 2008 keinesfalls vergleichbar. 2007 gingen die ETFs weltweit mit lediglich 807 Milliarden US-Dollar Fondsvermögen ins Jahr 2008. 2019 waren es 6.181 Milliarden US-Dollar und das war eine Steigerung um ein gutes Drittel binnen eines Jahres. Gut 2/3 dieses Vermögens sind in ETFs für US-Aktien investiert. Es ist nicht nur so, dass ETFs inzwischen größere Mittelzuflüsse verzeichnen als aktiv gemanagte Portfolien. Nein, die Anleger ziehen netto sogar Kapital aus dem aktiven Management ab und schichten in passives Management um.

Die Marktmacht der ETFs führt nun dazu, dass massenhafte Käufe zum Beispiel der S&P 500 ETFs die Preise aller im S&P 500 enthaltenen 500 Aktien gleichermaßen steigen lassen. Und bei Fondsabflüssen fallen alle Aktien gleichermaßen. Die CBOE gibt seit einem Jahrzehnt den S&P 500 Implied Correlation Index heraus. Er gibt an, in welchem Umfang die Renditeverteilung der 500 Aktien im S&P 500 Index miteinander korreliert ist. Auffällig ist ein Tief von nur 13% im Januar 2017. Das war der Monat, in dem die S&P 500 ETFs in Summe im Wesentlichen weder Zu- noch Abflüsse verzeichneten, sich also marktneutral verhielten.

Massenhafte ETF-Investments verstärken Boom & Bust Zyklen

Der Kauf von Aktien mittels Index-ETFs führt dazu, dass auch Schrott-Unternehmen ansehnliche Kurssteigerungen erfahren. Während ein aktiver Manager ein Unternehmen mit schlechter Bilanz oder einer Verlusthistorie meiden würde, kaufen passiv gemanagte ETFs diese Aktien unbesehen und ohne Rücksicht darauf, ob sie fundamental gesehen kaufenswert sind oder nicht. Passives Investieren verringert somit den Preisfindungsmechanismus der Börse. Relevanter ist, ob eine Aktie in einem häufig gekauften Index enthalten ist und weniger, ob das Unternehmen gut wirtschaftet.

In Boomphasen führt das passive Investieren dazu, dass unabhängig vom Geschäftsverlauf praktisch alle in großen Indizes enthaltenen Aktien steigen. Und in Korrekturen fallen auch fast alle Aktien unabhängig vom Geschäftsverlauf. Die in guten Börsenzeiten konstant hohe Nachfrage nach Aktien von Schrott-Unternehmen ist krisenverstärkend. Denn diese Unternehmen bleiben dank Zugang zum Kapitalmarkt länger am Markt, als sie es tun würden, wenn noch Menschen die Aktienauswahl übernehmen würden. In der Krise sieht sich der Markt dann mit einer ganzen Reihe an Zombie-Unternehmen konfrontiert, die alle auf einmal den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren, weil ETFs Mittelab- statt zuflüsse verzeichnen.

ETFs fungieren zudem trendverstärkend. Aktive Portfoliomanager würden höchstwahrscheinlich in der Endphase eines Booms auf Aktienkäufe verzichten und sogar Aktien verkaufen, da ihrer Analyse zufolge eine Überbewertung besteht. Diese ersten Verkäufe wirken preisdämpfend. Umgekehrt kaufen aktive Portfoliomanager im Crash die ihrer Ansicht nach günstigen Aktien, was den Preisabsturz auffängt. In einer Welt, in der mehr als 50% des in den Markt strömenden Kapitals passiv angelegt wird, fehlt dieses Korrektiv. Ein ETF kauft nicht im Crash nach. Und ein ETF verkauft nicht in der Hausse. Die Sparplan-Käufer der ETFs tun es auch nicht – schließlich haben sie sich für passives Sparplan-Investment entschieden. Was passive ETF-Käufer in vielen Fällen jedoch tun, ist der Panikverkauf in der Krise.

Die Liquidität von ETFs fehlt möglicherweise ausgerechnet in Krisen

Doch es kommt noch schlimmer. Das hohe Handelsvolumen von ETFs suggeriert Anlegern eine Liquidität, die ausgerechnet dann verlorengehen könnte, wenn sie am dringendsten gebraucht wird: in der Krise. Trocknet die Liquidität aus, weil sich in der Krise Marktteilnehmer zurückziehen und nicht mehr handeln, kann es zu signifikanten Abweichungen zwischen dem Handelswert eines ETF und seinem NAV, dem Net Asset Value, kommen. Der NAV ist der innere Wert eines jeden Anteilsscheins, also die kombinierten Handelswerte der vom Anteilsschein repräsentierten Aktien oder Rohstoffe. Theoretisch sollte der Handelswert eines ETF-Anteilsschein stets den inneren Wert reflektieren.

Steigt die Nachfrage nach einem ETF, würden Authorized Participants, also Banken und Brokerhäuser, ETF-Anteile im Auftrag der Fondsanbieter kreieren. Kauft ein Anleger zum Beispiel Anteilsscheine am S&P 500, dann würde der Authorized Participant die 500 Aktien des S&P 500 kaufen, die gewünschten Anteilsscheine erschaffen, dem Anleger verkaufen und der Fondsgesellschaften die gekauften Aktien übereignen. In der Krise, wenn Anleger Anteilsscheine verkaufen, würde das Gegenteil geschehen. Die Authorized Participants kaufen die Anteilsscheine an, reichen sie an die Fondsgesellschaft weiter, bekommen dafür im Tausch die Aktien und verkaufen diese. Angebot und Nachfrage nach den Anteilsscheinen wären so immer im Gleichklang. Käme es zu Abweichungen zwischen dem Preis des Anteilsscheins und der NAV, würden die Authorized Participants dafür belohnt werden, diesen Prozess verstärkt durchzuführen. Denn dann wären für sie risikofreie Gewinne zu erzielen.

Die Preise von ETFs bilden nicht mehr die Basiswerte ab

Doch in der jüngsten Krise kam es gleich bei einer ganzen Reihe von ETFs zu bemerkenswerten Abweichungen zwischen dem Börsenpreis der Anteilsscheine und der NAV. Die ETFs bildeten nicht mehr die Wertentwicklung der Basiswerte nach. Teilweise waren sie deutlich günstiger als die NAV, teilweise deutlich teurer. Bestes Beispiel dafür ist der USO ETF, der den Preis des nächstfälligen Future-Kontrakts für Erdöl der Sorte WTI abbilden soll. So zahlten Anleger am 20. April 7,8% Aufpreis auf die NAV. Grund war, dass so viele ETF-Anteile nachgefragt wurden, dass die bei der Börsenaufsicht vorregistrierten Anteilsscheine aufgebraucht waren und solange keine neuen kreiert werden konnten, wie keine abermalige Registrierung abgeschlossen war.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Segler

    5. Mai 2020 12:58 at 12:58

    Danke für Ihre hervorragende Zusammenfassung ! – Bei allen Vorteilen der ETF wachsen die Risiken für den Gesamtmarkt mittlerweile erschreckend schnell.
    Man denke nur an die immensen Mengen an ETF, welche beispielsweise von der Japanischen Zentralbank gehalten werden.
    Ein kleine Ergänzung zu Ihren Ausführungen: Die Index-ETF, zum Beispiel auf den S&P, enthalten nicht alle 500 Werte, sondern meist nur einen repräsentativen Anteil. Der kontinuierlich erfolgende Transaktionaufwand sowie der Trackingfehler wäre sonst kaum zu bewältigen.
    Diese Beschränkung führt wiederum zur Übergewichtung grosser Werte.
    Mein Fazit:
    Ein Investment in Index-ETF mit dem Ziel eines in der Zukunft liegenden Tradinggewinnes mag sinnvoll sein, sofern man sich der Schwankungsbreite gegenwärtig ist und diese akzeptiert.
    Ein Investment in ETF mit dem Ziel Cashflow zu generieren (Dividendenstrategie, Rentenergänzung ..) macht immer weniger Sinn.
    In diesem Ziel kommt man an Investments in soliden Einzelwerten anhand fundamentaler Unternehmensanalyse nicht vorbei.
    Dass auch dies kein Hexenwerk ist, wäre einen Beitrag von Ihnen wert :-)
    Danke nochmals, herzliche Grüsse

  2. Pingback: The unrecognized risks of trend investments! | En24 News

  3. Avatar

    Shorti

    5. Mai 2020 20:54 at 20:54

    Auf FMW wurde schon mehrmals auf die Problematik dieses Produkts hingewiesen. ( müsste eigentlich als Kriegsmaterial eingestuft werden.Beim Eingeben des Begriffs ETF auf dem Archiv von FMW tauchen regelmässig Berichte auf.
    Zwei möchte ich hervorheben.
    ETF- Massenvernichtungswaffe oder smarte Anlagelösung? ( von Zipfel Hannes) v.5.9.2019
    ETFs Tickende Zeitbombe! von M. Fugmann
    Die Problematik sehe ich hauptsächlich bei den synthetischen ETFs die nur den Index abbilden aber die Aktien nicht hinterlegt sind, also ein Derivat mit Hebelwirkung.
    DIe Zündschnur dieser Bombe wurde von den Notenbanken schon mehrmals verlängert
    WAR DA NICHT ETWAS MIT ÖL WO VIELE DERIVATE DEN MARKT ÜBERSCHWEMMTEN.

  4. Avatar

    DerDritteMann

    7. Mai 2020 02:38 at 02:38

    Alle in diesem Artikel angeführten Argumente gegen ETFs wurden von Gerd Kommer ausführlich und nachvollziehbar widerlegt.
    Einen Öl ETC mit einem Aktien ETF gleichzusetzen und somit Risiken einer Fondspleite für alle ETFs zu begründen – mit Verlaub – das ist entweder naiv ahnungslos oder vorsätzlich manipulativ.

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Dax-Wochenausblick: Test der 1.000 Punkte Range – folgt bald der Ausbruch?

Stefan Jäger

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Im folgenden Video bespricht Marius Schweitz von Projekt30 die abgelaufene Woche im Dax und gibt einen ausführlichen Ausblick auf die kommende Handelswoche. Dabei geht er konkret auf die übergeordnet Seitwärtsrange ein und zeigt mögliche Szenarien auf, wie sich die ausgebildete 1.000 Punkte Range auflösen könnte. Im deutschen Leitindex haben sich sehr spannende Chart-Formationen herauskristallisiert, die auf eine große Bewegung hindeuten. In dem Video sehen Sie aber nicht nur einen Dax-Ausblick, sondern auch noch weitere Einschätzungen zum Dow Jones, Bitcoin, Gold, Euro, Softbank und Deutsche Bank.

Die Setiwärtsrange im Dax von Juli bis Oktober

Im März startete die rasante Corona-Rally, die viele Anleger als die „meistgehasste Rally aller Zeiten“ betiteln, aber seit ein paar Monaten ist sie ins Stocken geraten. Zwischen März und Juli kannte der deutsche Leitindex im Grunde nur eine Richtung – nämlich gen Norden. Im Juli hat der Anstieg aber erstmals ein abruptes Ende gefunden, nachdem der Dax das Hoch bei 13.315 Punkten erzielt hatte. Seitdem konnte er diesen Bereich nur zweimal wieder erreichen. Zum einen am 03.09. mit dem Hoch bei 13.460 und schließlich noch einmal am 14.09. bei 13.339.

Demgegenüber stehen zusammen mit dem Tief vom letzten Donnerstag drei Marken, die die Unterkante der Range bilden. Die drei Punkte setzen sich aus dem August-Tief (03.08.) bei 12.365, dem September-Tief (25.09.) bei 12.341 und schließlich dem Oktober-Tief (22.10.) bei 12.345 zusammen. Aus diesen drei Marken hat sich ein starker Unterstützungsbereich gebildet. Als zusätzliche Unterstützung kann man noch das Tief von Anfang Juli bei 12.254 hinzuzählen. Ein Bruch der Range-Unterkante dürfte folglich einem kräftigen Impuls auf der Unterseite auslösen. Erfahrungsgemäß wird die gleiche Höhe der Range in die entsprechende Richtung abgearbeitet. Angenommen, dass der Ausbruch im Dax auf der Oberseite gelingt, dann ergibt sich daraus ein Ziel bei 14.340 Punkten. Dementgegen liegt das Ziel bei einem Ausbruch auf der Unterseite bei 11.340 Punkten.

Dax-Wochen-Ausblick KW44 - 1.000 Punkte Seitwärtsrange von Juli bis Oktober

Aktuelle Chart-Fomationen im Dax

Auf verschiedenen Zeitebenen haben sich im Dax interessante Chart-Formationen entwickelt. Zum einen hat sich im 10-Minuten-Chart ein Descending Broadening Wedge (DBW) ausgebildet, das eine bullische Formation darstellt. Im Stundenchart ist zudem ein großes DBW-Wedge aktiv, das bei einer Auflösung hohe Ziele auf der Oberseite ermöglicht. Auf der bärischen Seite sehen wir außerdem noch eine aktive Wolfe Wave (Keil), die den bärischen Trigger bei 12.341 auslösen könnte. Dadurch würden sich Kurse unter der 12.000 Punkte-Marke ergeben. Auf Tagesbasis hat sich zwischen Juli und Oktober zusätzlich eine SKS gebildet. Sowohl die genannten Formationen, als auch die wichtigen charttechnischen Marken für die kommende Woche werden ausführlich und für jeden verständlich im Video erläutert.

Fazit

Der Dax steht vor einer ausschlaggebenden Richtungsentscheidung, diese kann eine Bewegung von mehr als 1.000 Punkten einleiten. In dem Video-Ausblick wird ausführlich auf die möglichen Szenarien eingegangen. Insbesondere die von Marius Schweitz herausgearbeiteten Chart-Formationen sind sehr sehenswert und zeigen die Möglichkeiten auf, wie es im Dax in der nächsten Woche und darüber hinaus weitergehen kann. Zudem erscheint für alle Leser und Leserinnen von Finanzmarktwelt ab Montag wie gewohnt der DAX daily. Viel Spaß beim schauen des Videos.

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Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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