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ETF – Massenvernichtungswaffe oder smarte Anlagelösung?

Ein ETF oder Exchange Traded Fund, ist ein börsengehandelter Investmentfonds, der passiv die Entwicklung eines zugrunde liegenden Index (z. B. DAX 30) oder eines Vermögenswertes (z. B. Gold) abbildet. Wegen seiner Einfachheit und der Kostenvorteile ist das Angebot an ETF in den letzten 25 Jahren förmlich explodiert. Im August 2019 waren weltweit über 1 Billion US-Dollar in ETF angelegt.

ETF – Bausteine fürs Portfolio

Ob professionelle Vermögensverwalter, Robo-Adviser oder Privatanleger, die Beliebtheit der ETF steigt von Jahr zu Jahr. Ein Grund dafür ist das bekannte Phänomen, dass die überwiegende Mehrheit der aktiven Fondsmanager es nicht schafft, den für sie relevanten Benchmark-Index (also z. B. den DAX) zu schlagen. Warum also nicht direkt in den Index investieren?

Mittels Exchange Traded Funds kann man auch mit kleinen Summen eine extreme Streuung im Portfolio erreichen. Ein echter Pionier im ETF-Markt ist der amerikanische Anbieter State Street, der den ersten US-ETF entwickelte. State Street bietet beispielsweise einen Aktienindex-ETF an, der 600 kleinkapitalisierte Werte beinhaltet (SLY), und das zu einem Preis von aktuell nur 66,13 US$ pro Stück. So kann man sich mit ein paar Hundert Dollar oder Euro ein global diversifiziertes Portfolio über alle Anlage-Klassen hinweg zusammenstellen.
Die Inhalte der ETF sind, anders als bei gemanagten Fonds, absolut transparent, da die Zusammensetzung des abgebildeten Aktienindex ja bekannt ist. Ein Fondsmanager nebst Analystenteam muss nicht extra bezahlt werden.

Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass die Exchange Traded Funds gemäß ihrem Namen börsengehandelt sind, also kein Ausgabeaufschlag im eigentlichen Sinne beim Kauf anfällt, sondern lediglich die Ordergebühren von Bank und Börse sowie eine überschaubare Spanne zwischen An- und Verkaufskurs (Spread). Zudem kann man den Exchange Traded Fund so oft man will börsentäglich kaufen und verkaufen. Es gibt sogar für Spekulanten extra gehebelte ETF oder Varianten, mit denen man an fallenden Kursen partizipieren kann (sog. Short-ETF). Für exotische Anlageklassen gab es früher für Privatanleger keine Anlageprodukte. Heute kann man für wenig Geld sein Depot gegen übermäßige Schwankungen via Volatilitäts-ETF absichern.

Für Profiinvestoren sind ETF oft die einzige Möglichkeit, in physische Edelmetalle zu investieren, z. B. via iShares Silver Trust ETF (SLV), da ihre Anlagerichtlinien kein Direktinvestment in Edelmetalle erlauben. Da Exchange Traded Funds aber offiziell Aktien sind, eröffnen Sie auch Profis völlig neue Anlagemöglichkeiten. Dies erkannte auch der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock und kaufte im Jahr 2009 den ehemals zur Barcleys Bank gehörende ETF-Anbieter iShares für 13,5 Mrd. US-Dollar.

Unterschied zum Zertifikat

Heutzutage muss man sich auch Gedanken über die Sicherheit eines Finanzinstruments machen. Da ist es interessant zu wissen, dass anders als bei Index-Zertifikaten, bei Index-Fonds (ETF) kein Emittentenrisiko existiert. Zertifikate sind grundsätzlich Schuldverschreibungen, die anstatt eines Zinses dem Gläubiger die Partizipation z. B. am DAX offerieren. Zwar gibt es auch ausfallgesicherte Zertifikate, diese sind aber eher die Ausnahme. ETFs stellen per se außerbilanzielles Sondervermögen dar und sind somit vor dem Bankrott des Emittenten geschützt.

Synthetische versus physische ETF

Die wichtigste Differenzierung die man vornehmen muss, um der Antwort auf die Frage in der Überschrift auf die Spur zu kommen, ist die zwischen physischen und synthetischen ETF. Bei einem physisch hinterlegten Exchange Traded Fund werden die Aktien, z. B. aus dem DAX, gemäß ihrer Gewichtung im Index tatsächlich gekauft und in das Fondsportfolio gebucht. Das gleiche gilt bei Gold- und Silber-ETF, bei denen das Metall in Lagerhäuser eingeliefert und die Barrennummern in Listen veröffentlicht werden.

Demgegenüber stehen die sogenannten synthetischen Exchange Traded Funds, die den zugrunde liegenden Index oder Vermögenswert nur künstlich über Derivate abbilden (z. B. via Swaps). Genau die Anlageklasse also, die Warren Buffet einst am Beispiel der Credit-Default-Swaps als „Finanzielle Massenvernichtungswaffen“ titulierte. Problematisch ist, dass über synthetische ETFs ein Vielfaches der tatsächlich existierenden und oft illiquiden Aktien kleiner Unternehmen über Derivate gekauft wurden. Durch die rasante Verbreitung der synthetischen ETF ist das Arsenal dieser Massenvernichtungswaffen seit der Finanzkrise also nochmals gewachsen und niemand weiß, was im Fall eines erneuten Aktiencrashs á la 2008 passieren wird.

Fazit

Es gibt weder gute noch schlechte Exchange Traded Funds. Es kommt immer auf die Intention des Anlegers und die Ausgestaltung des Indexfonds an. Die Kostenvorteile und die Flexibilität beim Managen des eigenen Portfolios machen die ETF interessant. Wer aber echte Vermögenswerte präferiert, sollte unbedingt darauf achten, dass der ETF auch tatsächlich physisch mit Aktien oder Edelmetallen hinterlegt ist und nicht nur derivative, also künstliche Finanzinstrumente abbildet.

Bei manchen ETFs, wie z. B. Short- oder Vola-ETFs, ist eine synthetische Ausgestaltung aber unumgänglich. Auch bei ETFs auf Mega-Indizes wie den MSCI World mit 1.600 Werten ist ein physischer Exchange Trade Fund kaum realisierbar. Ein unlösbares Problem ist und bleibt die Scheinliquidität, die die Exchange Traded Funds bieten. Bei größeren Abwärtsbewegungen an den Märkten sind sie quasi ein gigantisches Klumpenrisiko, aus dem alle gleichzeitig aus illiquiden Werten herauswollen (wie der sprichwörtliche Elefant durchs Mauseloch).

Beispielfoto Börsenkurse - ETF Trading wie bei Aktien
Beispielfoto Börsencharts. Foto: pixabay / Csaba Nagy (PIX1861)



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