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EU-Analyse spricht von 1 Million Job-Verlusten noch in diesem Jahr

Laut EU könnten in diesem Jahr viele Jobs verloren gehen, sogar bei Batterien und Solar. Iran, US-Zölle, China und EU-Bürokratie belasten.

Hamburger Hafen
Hamburger Hafen. Foto: Claudio Kummerfeld

Die konjunkturelle Lage in Europa ist wohl viel schlechter als man es beim Einschalten der 20 Uhr Tagesschau denken würde. Europa muss sich zurechtfinden zwischen Trumps Zöllen (gerade heute sind neue Zölle im Anflug), einer massiven industriellen Konkurrenz aus China, und dann noch den Folgen des Iran-Kriegs. Und oben drauf kommt noch eine tiefgreifende Strukturkrise in Europa, gespeist aus hohen Energiekosten und viel zu viel Bürokratie. Die USA haben Energie-Autonomie und KI-Boom. China hat Hightech seine sehr konkurrenzfähige und innovative Industrie. Und Europa?

Auch hier gibt es (noch) viele hoch spezialisierte und führende Industrie-Unternehmen. Aber die Luft wird zunehmend dünner. Trotz Sondermaßnahmen wie dem deutschen Sondervermögen und europaweiter Aufrüstung würgen die hohen Energiekosten und die dramatische Überbürokratisierung des Brüsseler Apparates Betriebe in Europa ab. Von großem Aufbruch ist keine Spur. Auch wenn die EU-Kommission gerade heute einen Plan für die europäische Tech-Unabhängigkeit veröffentlicht hat – es geht doch eher um Subventionen und Regulierung, als um einen großen industriellen Aufbruch!

EU sieht gut 1 Million Job-Verluste in diesem Jahr

Offiziell gibt es von der EU-Kommission keine Meldung, aber eine interne Analyse, die heute bekannt geworden ist. Und es ist verständlich, dass die EU-Kommission nicht öffentlich darüber reden will: Gut eine Million Jobs könnten in der EU noch in diesem Jahr verloren gehen. Das passt nicht ins Bild, wo man doch gerade alles dafür tut, dass nicht noch mehr Wähler zu den politischen Rändern abwandern?

Die Europäische Union könnte nach einer Analyse der Europäischen Kommission in diesem Jahr infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs und des zunehmenden globalen Wettbewerbs mehr als 1 Million Arbeitsplätze verlieren. Dem Bloomberg News vorliegenden Bericht zufolge könnten aufgrund der Energiekosten rund 560.000 Stellen wegfallen. In der Automobilindustrie sind demnach etwa 600.000 Arbeitsplätze bedroht.

Besonders betroffen vom Anstieg der Energiepreise dürften die Branchen Bau, Metall, Chemie und Transport sein. Die Zahlen verdeutlichen die wachsenden wirtschaftlichen Probleme der EU. Zwar versuchen die europäischen Staats- und Regierungschefs, Pläne zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents zu beschleunigen, doch die EU fällt gegenüber den USA und China zunehmend zurück.

Europäische Unternehmen haben Schwierigkeiten, mit amerikanischen und chinesischen Wettbewerbern bei digitalen und grünen Technologien wie Elektroautos, Solarmodulen und künstlicher Intelligenz mitzuhalten. Die EU arbeitet an verschiedenen Initiativen, um ihre heimischen Industrien vor diesem Druck zu schützen.

Die Kommission erklärte, dass rund 85.000 Arbeitsplätze in der Batterieproduktion, einem zentralen Bestandteil von Elektrofahrzeugen, gefährdet sind. Darüber hinaus könnten nahezu 60.000 Stellen in der Solarmodulproduktion betroffen sein. Die EU-Kommission reagierte zunächst nicht auf eine Bloomberg-Bitte um Stellungnahme. Politico hatte am Mittwoch zuerst über die Schätzungen zu den Arbeitsplatzverlusten berichtet.

Kommentar

Sogar bei Solar und Batterien sollen viele Jobs wegfallen? Das passt gar nicht in das propagierte Bild der großen Energiewende hin zu Solar, Wind und E-Auto, die viele neue Arbeitsplätze schafft. Wird man am Ende auf das Mittel zurückgreifen, wenn man nicht mehr weiter weiß? Nicht Deregulieren, nicht Energiepreise durch sicheres Angebot senken – Subventionen für kaputte Industrien könnten wieder mal das Mittel der Wahl werden! Sondertöpfe, „Infrastrukturfonds“, Not-Programme. Sowas hat man seit Jahren schön öfters gesehen, und es wird aus Brüssel sicherlich auch zukünftig immer öfter benutzt, um Aktivität zu simulieren. Dass Brüssel selbst ein großer Bremsklotz ist, der die wirtschaftliche Aktivität ausbremst und erstickt – darauf kommt man natürlich nicht. Der Bürokrat sägt selbstverständlich nicht an seinem eigenen Ast, auf dem er sitzt. Der Druck hin zur Entbürokratisierung müsste aus den Mitgliedsländern kommen.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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2 Kommentare

  1. Da hilft nur Sparen und Gürtel enger schnallen. Dann geht es der Wirtschaft gut. Es wird konsumiert und Infrastruktur aufgebaut und erneuert.

  2. „Sogar bei Solar und Batterien sollen viele Jobs wegfallen? Das passt gar nicht in das propagierte Bild der großen Energiewende hin zu Solar, Wind und E-Auto, die viele neue Arbeitsplätze schafft.“

    Die Arbeitsplätze werden definitiv geschaffen aber wohl eher nicht bei uns.

    Ich erinnere gerne an den ehemaligen deutschen Solar-Platzhirsch Solarworld. In Konkurrenz mit China: Chancenlos.

    Das erwarte ich auch bei Batterien und anderen Produkten, die bestimmte Rohstoffe in signifikanten Mengen einsetzen und wir diese selbst nicht haben bzw. auf Raffinerie-Output aus fernsost angewiesen sind.

    Etwas anders sind es bei Dingen aus, die quasi als „Hochtechnolgie“ angesehen werdne können, wie Windraftanlagen, man sehe Nordex. Die steckten genau so in der Krise wie Solarworld, kamen aber viel besser durch und bei denen brummts nun offenbar. Eine WKA muss halt viele Jahrzehnte zuverlässig funktionieren, da sind viele Verschleißteile ect. dran, diffizile Mechaniken usw.

    Ein Solarpanel: Einmal produziert, installierten, fertig.

    Bei den Autos frage ich mich, ob Europa bei E-Autos überhaupt mithalten werden kann, eben wegen der Batterien und deren Rohstoffe.

    Ich denke, die EU täte gut am europäischen Wirtschaftsraum, wenn sie ihre Stärken und Schwächen erkennt und ihre Politik danach ausrichtet. Stichwort Verbrennerverbot. Ich befürchte, dass uns das wirtschaftlich sehr schlecht bekommt. Zudem würde eine Massenschwemme an E-Autos einen Rattenschwanz mit erzwingen: Netzausbau und viel mehr Strom und das betrifft wiederum Rohstoffe.

    Ein schwieriges Umfeld.

    Ich erinnere immer wieder gerne an die technische Möglichkeit, Dieselfahrzeuge zu bauen, die weniger als 2L verbrauchen (das war das geplante Serienmodell LoReMo) aber diese Technik hat sich bisher nie durchgesetzt. Eine solche Strategie würde das Geschäftsmodell der Autokonzerne regelrecht herausfordern, die produzieren ja gerne SUV, die zwischen 2-3 t Gewicht liegen, das ist genau das Gegenteil. Mit denen ist halt viel Geld zu verdienen.

    Mal eine Anregung: OK, ein SUV kostet vielleicht im Schnitt 40.000+ und kann 20 Jahre + fahren. Was wenn man Leichtbaukisten baut, die zwar deutlich billiger sind aber das 25PS Aggregat evlt. keine 20 Jahre durchhalten, macht ja unterm Strich vielleicht das gleiche, so ganz grob. Wenn man für einen Wagen nur ca. 10 Jahre Lebenszeit kalkuliert könnten auch die Komponenten runter diminsioninert werden, das könnte ein echter Preisvorteil gegenüber den E-Kisten haben, die ja schon wegen dem Akku schwer sind. Und wenn mein Wagen nur 2,5L Diesel oder weniger verbraucht, dann ist das doch mal eine echte Kampfansage an die Stromer, denn das Laden im Öffinetz ist nicht billig.

    Jedenfalls, die Veränderung ist da, sie wird erzwungen, spannende Zeiten.

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