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Europa

EU-Arbeitslosigkeit offiziell bei 7% – tatsächlich irgendwo bei ca 10%

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Die Arbeitslosigkeit in der EU liegt wie heute offiziell veröffentlich mit 7,0% für Mai unverändert gegenüber April (in der Eurozone unverändert bei 8,4%). Eurostat betont heute, dass man damit auf dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2008 steht, was man im Chart gut sehen kann. Kurz bevor die Finanzkrise die Arbeitsmärkte mit voller Wucht traf, lag die offizielle Arbeitslosenquote im Tief noch bei 6,7% in der EU und 7,4% in der Eurozone.

Wir können nicht oft genug darauf hinweisen. Was die EU präsentiert, ist im Vergleich zu den in Deutschland präsentierten Arbeitslosendaten eine Sinnestäuschung. Es hängt immer von der Perspektive ab. Die deutschen Behörden (Jobcenter + Bundesagentur für Arbeit) sind auch schon verdammt kreativ darin Arbeitslose aus der Statistik zu streichen, obwohl sie arbeitslos sind. So sieht die offiziell in der Tagesschau präsentierte Arbeitslosenquote inzwischen fast nach Vollbeschäftigung aus.

Aber die EU-Statistiker „berechnen“ ihre Arbeitslosenstatistiken nach einem Modell, das jede Menge Raum für weitere statistische „Schweinereien“ lässt. Es liegt nämlich völlig im Ermessen der Arbeitsmarkt-Behörden in den jeweiligen Mitgliedsstaaten, wer denn im Sinne Statistik überhaupt arbeitslos ist, und wer nicht. Denn sie können selbst bestimmen, welcher Arbeitsloser sich zuletzt denn aktiv genug um Arbeit bemüht hat, und wer nicht. Lesen Sie dazu den folgenden Wortlaut aus dem Kleingedruckten von Eurostat (wichtigster Satz ist fett markiert):

Eurostat berechnet harmonisierte Arbeitslosenquoten für die Mitgliedstaaten, den Euroraum und die EU. Diese Arbeitslosenquoten basieren auf Definitionen, die den Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entsprechen. Die Berechnung basiert auf der harmonisierten Arbeitskräfteerhebung (AKE) der Europäischen Union. Basierend auf der Definition der ILO definiert Eurostat Arbeitslose als Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren, die
– ohne Arbeit sind,
– innerhalb der beiden nächsten Wochen eine Arbeit aufnehmen können
– und während der vier vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben.

So bekommt man Arbeitslosenquoten richtig schön weit runtergerechnet. Wie wir in früheren Artikeln schon errechnet hatten, müsste die tatsächliche Arbeitslosenquote grob geschätzt 30% höher liegen. Denn das ILO-Modell wird in Deutschland für die „Erwerbslosenquote“ angewendet. Vergleicht man sie mit der „Arbeitslosenquote“, ergeben sich oft grob vereinfacht gesagt Differenzen um die 30%. Überträgt man diese grobe Schätzung, liegt die Arbeitslosigkeit in der EU tatsächlich eher um die 9% statt 7%, und die in der Eurozone eher um die 11% statt 8,4%.

Aber was ist, wenn man etwas weiter denkt? Vor allem die beiden Länder mit den Rekord-Arbeitslosenquoten schlechthin Spanien (15,8%) und Griechenland (20,1%) versuchen natürlich alles um optisch gut dazustehen. Also liegt die Vermutung nahe, dass gerade solche Länder den Spielraum durch die ILO-Methode massiv ausreizen. Also könnte beispielsweise die Arbeitslosigkeit in Griechenland nicht bei 26% liegen, sondern vielleicht sogar bei tatsächlich 30%?

Hier weitere offizielle Details von Eurostat:

Gemäß Schätzung von Eurostat waren im Mai 2018 in der EU28 insgesamt 17,207 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, davon 13,656 Millionen im Euroraum. Gegenüber April 2018 verringerte sich die Zahl der arbeitslosen Personen in der EU28 um 154 000 und im Euroraum um 125 000. Gegenüber Mai 2017 sank die Zahl der Arbeitslosen in der EU28 um 1,828 Millionen und im Euroraum um 1,252 Millionen. Mitgliedstaaten Von den Mitgliedstaaten verzeichneten die Tschechische Republik (2,3%) und Deutschland (3,4%) im Mai 2018 die niedrigsten Arbeitslosenquoten. Die höchsten Quoten registrierten Griechenland (20,1% im März 2018) und Spanien (15,8%). Über ein Jahr betrachtet fiel die Arbeitslosenquote im Mai 2018 in allen Mitgliedstaaten. Die stärksten Rückgänge wurden in Zypern (von 11,4% auf 8,4%), Kroatien (von 11,3% auf 8,9%), Griechenland (von 22,1% auf 20,1% zwischen März 2017 und März 2018) und Portugal (von 9,2% auf 7,3%) registriert.

Arbeitslosigkeit EU und Eurozone

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    tm

    2. Juli 2018 18:02 at 18:02

    “ Überträgt man diese grobe Schätzung, liegt die Arbeitslosigkeit in der EU tatsächlich eher um die 9% statt 7%, und die in der Eurozone eher um die 11% statt 8,4%.“

    Ne, nicht tatsächlich, sondern wenn man die deutsche Methodik auf die EU/Eurozone anwenden würde, wäre das möglicherweise so. Nun ist aber die ILO-Methodik die international übliche, man könnte also eher sagen, dass die deutsche Quote ungewöhnlich hoch ausgewiesen wird.

    Abgesehen davon: Was spricht eigentlich dafür, dass diese Spielräume, die es angeblich gibt, nun mehr genutzt werden als etwa 2010? Wenn wir hier mal Deutschland als Referenz nehmen, gibt es heute doch weniger Menschen in „Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik“ und nicht mehr. Es spricht also eher einiges dafür, dass der Rückgang vom Höchststand sogar größer war als es die Zahlen zeigen.

  2. Avatar

    tm

    2. Juli 2018 18:09 at 18:09

    Noch als Ergänzung:
    Teilnehmer an ausgewählten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik
    Mai 2009: 1,63 Mio.
    Mai 2016: 845 Tsd.

    Zusätzlich zum Rückgang der Arbeitslosigkeit von 3,46 Mio. auf 2,88 Mio. befinden sich nun auch noch fast 800 Tsd. Menschen weniger in solchen Maßnahmen.

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Aktuell: ZEW Index schwach – Einbruch der Stimmung bei Exporteuren

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Der ZEW Index (Februar; Konjunkturerwartungen) ist mit +8,7 deutlich schwächer ausgefallen ausgefallen als erwartet (Prognose war +21,5; Vormonat war 26,7).

Die Einschätzung der aktuellen Lage ebenfalls schwächer, sie liegt bei -15,7 (Prognose war -10,3; Vormonat war -9,5).

Dazu kommentiert das ZEW: besonders starker Stimmungseinbruch in exportintensiven Branchen; Wirtschaft entwickelte sich Ende 2019 und Anfang 2020 schlechter als erwartet Lage „fragil“, Coronavirus belastet die Aussichten..

Der ZEW Index mißt die Stimmung von Analysten hinsichtlich der deutschen Wirtschaft

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Europa

Autozulassungen deutlich rückläufig – nach Verzerrung kommt die Realität!

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Beispielbild für Autos auf der Autobahn

Erinnern wir uns vier Wochen zurück. Da berichteten wir über einen gigantischen Anstieg der Autozulassungen in der EU. Um 21 Prozent stiegen sie im Dezember 2019 im Vergleich zu Dezember 2018! Da konnte man sagen: Wow, läuft doch, welche Krise bitte? Aber ein genauerer Blick zeigte in den Aussagen des europäischen Automobilverbands ACEA, dass dieser riesige Anstieg nur einem Sondereffekt geschuldet war. Aufgrund steuerlicher Änderungen ab Januar 2020 zogen viele Autokäufer in verschiedenen Ländern ihre Käufe noch schnell vor in den Dezember, um alte Steuervorteile aus 2019 noch mitnehmen zu können.

Autozulassungen im Januar rückläufig

Und es kommt nun, wie es kommen musste. Wo die Zahlen im Dezember noch glänzten, da fehlen die Autozulassungen in den Folgemonaten. Im Januar sind die Autozulassungen im Jahresvergleich um 7,5% rückläufig, so ACEA heute früh. Man darf wohl annehmen, dass auch in den Folgemonaten schwache Zahlen reinkommen, weil der enorme Dezember-Anstieg erst einmal auf mehrere Monate hinweg die Nachfrage dämpfen wird. ACEA erwähnt aktuell auch, dass neben diesem steuerlichen Sondereffekt aus Dezember für die rückläufigen Autozulassungen im Januar auch wichtig war, dass es Unsicherheit rund um den Brexit gab, und allgemein schwächelnde wirtschaftliche Konditionen.

Den stärksten Rückgang bei den Autozulassungen hat Frankreich erlebt mit -13,4% im Jahresvergleich. Die großen Flächenländer büßen alle ein, so auch Deutschland mit -7,3%, Spanien mit -7,6% und Italien mit -5,9%. Den Schnitt etwas retten tun viele kleine Länder mit größeren Zuwächsen. In Großbritannien erlebt man mit -7,3% deutlich rückläufige Autozulassungen.

Autozulassungen EU im Januar 2020

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Konjunktur: Der erneute Kampf Deutschlands mit der Rezession

Wann kommt sie nun, die lang erwartete Erholung der deutschen Industrie? Hätten wir in Europa nicht ein so absurd niedriges Zinsniveau, wäre der Dax bestimmt eine Etage tiefer

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Aus einem Abschwung im Aufwärtstrend ist für die deutsche Konjunktur anscheinend ein dauerhafter Kampf gegen die technische Rezession geworden. Seit Mitte 2018 kämpft das deutsche Wirtschaftswachstum mit diesem Phänomen, nämlich einer Schrumpfung von zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Zweimal konnte die kleine Rezession noch abgewehrt werden, zuletzt gab es im vierten Quartal 2019 noch ein Miniwachstum von 0,0279 Prozent, wie das Statistische Bundesamt letzte Woche feststellte. Doch jetzt droht neues Ungemach, denn dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal abtauchen wird, dafür sorgen schon die Auswirkungen von Covid-19.

Deutsche Konjunktur: Das ewige Warten auf ein Anspringen des verarbeitenden Gewerbes

Die ersten Volkswirte setzen das Wachstum Deutschlands im ersten Quartal des neuen Jahres bereits wieder unter die Nulllinie – trotz boomenden Baus und eines noch ordentlichen Konsums. Zu stark sind die bereits jetzt spürbaren Auswirkungen des Coronavirus auf die Weltwirtschaft, deren Zustand maßgeblich für das produzierende Exportland Deutschlands ist.

Dabei waren schon im Dezember 2,1 Prozent weniger Maschinen und sonstige Industrieprodukte bei Firmen in Deutschland geordert worden.

In Deutschland trägt die Industrie mit 21,7 Prozent (2018) gut ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Im Vergleich dazu: Italien 16,8 Prozent, USA 11,6 Prozent, Frankreich 10,9 und Großbritannien 10,0 Prozent. Dazu aktuell der Konjunkturexperte des Ifo-Instituts Timo Wollmershäuser: „Wir sind die einzige entwickelte Volkswirtschaft, die einen derart hohen Wertschöpfungsanteil durch die Industrie hat“.

Bereits seit zwei Jahren zeichnet sich die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe ab, die entsprechenden Firmen haben dies in ihren Aktienkursen schmerzlich erfahren müssen. Besonders deutlich in Deutschlands Schlüsselindustrie, der Automobilbranche. Diese erwirtschaftet nach einer Auswertung der Commerzbank zwar 45 Prozent der Umsätze und 29 Prozent der Gewinne im deutschen Leitindex – was aber ihren Anteil an der Marktkapitalisierung betrifft, sieht das Verhältnis schon ganz anders aus. Anleger haben die Branche deutlich abgestraft.

Würde die Weltkonjunktur bald wieder an Schwung gewinnen, könnte die alte Industrie im Dax aber gerade davon profitieren. Deren Umsätze verhalten sich zyklisch, das bedeutet, dass sie mit dem Wirtschaftszyklus steigen und fallen.

Die letzte kleine Rezession gab es in Deutschland im Winter 2012/13, mit geringen gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen. Das Wachstum hatte bald danach wieder kräftig angezogen. Nicht einmal Optimisten glauben aber derzeit an ein stärkeres Wachstum der Konjunktur im Jahresverlauf. Außerdem befinden wir uns derzeit im Zentrum eines Sturms namens Covid-19.

Fazit

Wann kommt sie nun, die lang erwartete Erholung der deutschen Industrie? Hätten wir in Europa nicht ein so absurd niedriges Zinsniveau, wäre der Dax bestimmt eine Etage tiefer. Das Kapital sucht nach Rendite und das KGV des Dax von 16 ist aber im großen Vergleich auch nicht besonders hoch angesiedelt. Deshalb war das Geschrei um die hohen Aktienkurse, zumindest für Deutschland, im jetzigen Zinsumfeld nicht besonders sinnig.

Dazu muss man sich nur die Performance der Leitindizes in den USA und in Deutschland seit der Finanzkrise betrachten – auf Basis der Kursindizes: Während sich der S&P 500 in diesem Zeitraum fast verfünffachte, konnte sich der Kurs-Dax gerade einmal verdoppeln. Man hat in letzter Zeit den Einbruch des deutschen Industriestandorts deutlich eingepreist. Was aber nicht heißt, dass es bei einer durch Covid-19 induzierten Rezession nicht noch sehr deutlich nach unten gehen könnte. Es gab noch nie (in der moderneren Wirtschaftsgeschichte) eine Rezession ohne vorher fallende Aktiennotierungen. Damit stellt sich die große Frage: Was sehen die Anleger beim Dax derzeit am Horizont?

Die deutsche Konjunktur stagniert, weil die Industrie in der Krise bleibt

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