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Europa

EU-Arbeitslosigkeit offiziell bei 7% – tatsächlich irgendwo bei ca 10%

Claudio Kummerfeld

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am

Die Arbeitslosigkeit in der EU liegt wie heute offiziell veröffentlich mit 7,0% für Mai unverändert gegenüber April (in der Eurozone unverändert bei 8,4%). Eurostat betont heute, dass man damit auf dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2008 steht, was man im Chart gut sehen kann. Kurz bevor die Finanzkrise die Arbeitsmärkte mit voller Wucht traf, lag die offizielle Arbeitslosenquote im Tief noch bei 6,7% in der EU und 7,4% in der Eurozone.

Wir können nicht oft genug darauf hinweisen. Was die EU präsentiert, ist im Vergleich zu den in Deutschland präsentierten Arbeitslosendaten eine Sinnestäuschung. Es hängt immer von der Perspektive ab. Die deutschen Behörden (Jobcenter + Bundesagentur für Arbeit) sind auch schon verdammt kreativ darin Arbeitslose aus der Statistik zu streichen, obwohl sie arbeitslos sind. So sieht die offiziell in der Tagesschau präsentierte Arbeitslosenquote inzwischen fast nach Vollbeschäftigung aus.

Aber die EU-Statistiker „berechnen“ ihre Arbeitslosenstatistiken nach einem Modell, das jede Menge Raum für weitere statistische „Schweinereien“ lässt. Es liegt nämlich völlig im Ermessen der Arbeitsmarkt-Behörden in den jeweiligen Mitgliedsstaaten, wer denn im Sinne Statistik überhaupt arbeitslos ist, und wer nicht. Denn sie können selbst bestimmen, welcher Arbeitsloser sich zuletzt denn aktiv genug um Arbeit bemüht hat, und wer nicht. Lesen Sie dazu den folgenden Wortlaut aus dem Kleingedruckten von Eurostat (wichtigster Satz ist fett markiert):

Eurostat berechnet harmonisierte Arbeitslosenquoten für die Mitgliedstaaten, den Euroraum und die EU. Diese Arbeitslosenquoten basieren auf Definitionen, die den Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entsprechen. Die Berechnung basiert auf der harmonisierten Arbeitskräfteerhebung (AKE) der Europäischen Union. Basierend auf der Definition der ILO definiert Eurostat Arbeitslose als Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren, die
– ohne Arbeit sind,
– innerhalb der beiden nächsten Wochen eine Arbeit aufnehmen können
– und während der vier vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben.

So bekommt man Arbeitslosenquoten richtig schön weit runtergerechnet. Wie wir in früheren Artikeln schon errechnet hatten, müsste die tatsächliche Arbeitslosenquote grob geschätzt 30% höher liegen. Denn das ILO-Modell wird in Deutschland für die „Erwerbslosenquote“ angewendet. Vergleicht man sie mit der „Arbeitslosenquote“, ergeben sich oft grob vereinfacht gesagt Differenzen um die 30%. Überträgt man diese grobe Schätzung, liegt die Arbeitslosigkeit in der EU tatsächlich eher um die 9% statt 7%, und die in der Eurozone eher um die 11% statt 8,4%.

Aber was ist, wenn man etwas weiter denkt? Vor allem die beiden Länder mit den Rekord-Arbeitslosenquoten schlechthin Spanien (15,8%) und Griechenland (20,1%) versuchen natürlich alles um optisch gut dazustehen. Also liegt die Vermutung nahe, dass gerade solche Länder den Spielraum durch die ILO-Methode massiv ausreizen. Also könnte beispielsweise die Arbeitslosigkeit in Griechenland nicht bei 26% liegen, sondern vielleicht sogar bei tatsächlich 30%?

Hier weitere offizielle Details von Eurostat:

Gemäß Schätzung von Eurostat waren im Mai 2018 in der EU28 insgesamt 17,207 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, davon 13,656 Millionen im Euroraum. Gegenüber April 2018 verringerte sich die Zahl der arbeitslosen Personen in der EU28 um 154 000 und im Euroraum um 125 000. Gegenüber Mai 2017 sank die Zahl der Arbeitslosen in der EU28 um 1,828 Millionen und im Euroraum um 1,252 Millionen. Mitgliedstaaten Von den Mitgliedstaaten verzeichneten die Tschechische Republik (2,3%) und Deutschland (3,4%) im Mai 2018 die niedrigsten Arbeitslosenquoten. Die höchsten Quoten registrierten Griechenland (20,1% im März 2018) und Spanien (15,8%). Über ein Jahr betrachtet fiel die Arbeitslosenquote im Mai 2018 in allen Mitgliedstaaten. Die stärksten Rückgänge wurden in Zypern (von 11,4% auf 8,4%), Kroatien (von 11,3% auf 8,9%), Griechenland (von 22,1% auf 20,1% zwischen März 2017 und März 2018) und Portugal (von 9,2% auf 7,3%) registriert.

Arbeitslosigkeit EU und Eurozone

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    tm

    2. Juli 2018 18:02 at 18:02

    “ Überträgt man diese grobe Schätzung, liegt die Arbeitslosigkeit in der EU tatsächlich eher um die 9% statt 7%, und die in der Eurozone eher um die 11% statt 8,4%.“

    Ne, nicht tatsächlich, sondern wenn man die deutsche Methodik auf die EU/Eurozone anwenden würde, wäre das möglicherweise so. Nun ist aber die ILO-Methodik die international übliche, man könnte also eher sagen, dass die deutsche Quote ungewöhnlich hoch ausgewiesen wird.

    Abgesehen davon: Was spricht eigentlich dafür, dass diese Spielräume, die es angeblich gibt, nun mehr genutzt werden als etwa 2010? Wenn wir hier mal Deutschland als Referenz nehmen, gibt es heute doch weniger Menschen in „Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik“ und nicht mehr. Es spricht also eher einiges dafür, dass der Rückgang vom Höchststand sogar größer war als es die Zahlen zeigen.

  2. Avatar

    tm

    2. Juli 2018 18:09 at 18:09

    Noch als Ergänzung:
    Teilnehmer an ausgewählten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik
    Mai 2009: 1,63 Mio.
    Mai 2016: 845 Tsd.

    Zusätzlich zum Rückgang der Arbeitslosigkeit von 3,46 Mio. auf 2,88 Mio. befinden sich nun auch noch fast 800 Tsd. Menschen weniger in solchen Maßnahmen.

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Allgemein

Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone November: Deflation den vierten Monat in Folge!

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse wird zusammengepresst

Soeben hat Eurostat als Vorabschätzung die Verbraucherpreise der Eurozone für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich ist es ein Wert von -0,3 Prozent nach ebenfalls -0,3 Prozent im Oktober. Erwartet für heute wurde eine Veränderung von -0,2 Prozent. Damit erlebt die Eurozone (basierend auf dem Modell des Harmonisierten Verbraucherpreisindex) den vierten Monat in Folge Deflation! Dies hängt natürlich auch mit der seit Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zusammen, welche in vier Wochen wieder rückgängig gemacht wird.

Man sieht: Die Preissteigerung bei Lebensmitteln bleibt relativ konstant mit +1,9 Prozent. Ebenfalls ändern sich die Verbraucherpreise im Negativen auch relativ konstant. Die Energiepreise sinken um 8,4 Prozent – das sind ähnlich hohe negative Werte wie in den Vormonaten. Wie gesagt, ab Januar könnte der Gesamtschnitt wieder Richtung Null-Linie tendieren mit den steigenden deutschen Mehrwertsteuersätzen.

Datenblatt zeigt aktuelle Verbraucherpreise in der Eurozone

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Europa

Verbraucherpreise im November: Dritter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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Kartoffel mit Löffel und Münzen

Soeben hat das Statistische Bundesamt vorab die Verbraucherpreise für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich sind sie mit -0,3 Prozent den dritten Monat in Folge deflationär (Vormonate jeweils -0,2 Prozent im Jahresvergleich). Erwartet für heute waren ein Minus von 0,1 Prozent. Die Inflationsrate ist unter anderem durch die seit 1. Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung beeinflusst, wie die Statistiker in ihrer Headline-Mittelung erwähnen. Hier die Daten im Detail:

Datenblatt zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise im Detail

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