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EU-Austritt könnte Großbritannien 313 Milliarden Euro kosten

Von Claudio Kummerfeld

Laut einer gestern von der „Bertelsmann-Stiftung“ veröffentlichten Studie könnte der EU-Austritt Großbritanniens für alle teuer werden – in erster Linie aber für die Briten selbst. Mehr als 300 Milliarden Euro könnte Großbritannien durch den Brexit verlieren…

Großbritannien-Premierminister-David-Cameron
Premierminister David Cameron
Foto: UK Prime Minister´s Office / Wikipedia (OGL)

Die „Bertelsmann-Stiftung“ hat zusammen mit dem „ifo-Institut“ analysiert, wie sehr das Bruttoinlandsprodukt einzelner Länder durch den EU-Austritt von Großbritannien im Jahr 2018 betroffen sein könnte. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle verlieren. Für die Studie hat man klugerweise nicht das Jahr 2020, sondern 2030 gewählt, um prognostizieren zu können, wie die Wirkung des Brexits nach einer langen Anpassungszeit tatsächlich wirkt.

Großbritannien

Die Forscher haben zwei Szenarien entworfen. Einmal das Schweizer Modell, wonach das ausgetretene Großbritannien ähnlich wie die Schweiz über diverse Kooperationsabkommen relativ frei mit der EU Handel treiben könnte, und einmal ein Szenario, in dem Großbritannien isoliert wäre, mit sämtlichen Handelszöllen- und Beschränkungen. Das Bruttoinlandsprodukt auf der Insel könnte in 2030 demnach zwischen 0,63-2,98% niedriger ausfallen, maximal 1.025 Euro pro Kopf geringer pro Jahr. Die Studie bezieht auch „dynamische“, also nicht direkt greifbare Faktoren mit ein wie eine „geringere Innovationskraft“ sowie die „Schwächung des Finanzzentrums London„. Im ungünstigsten Szenario könnte das BIP zusammen mit diesen dynamischen Faktoren bis zu 14% einbrechen. Bezogen auf den BIP-Wert aus 2014 würde Großbritannien ein Volumen von 313 Milliarden Euro verlieren.

Großbritannien EU-Austritt BIP-Verluste

Deutschland

Für die EU und ihre Mitgliedsstaaten selber würde es auch negative Effekte geben, aber nicht ansatzweise so umfangreich, so die Studie. Deutschland hätte es in 2030 demnach mit einer BIP-Beeinträchtigung von 0,08-0,33% zu tun. Dies wäre eine Gesamtsumme von 30-115 Milliarden Euro. Besonders Autobauer wären betroffen, da sie bei Exporten nach Großbritannien dann Zölle zu zahlen hätten. Deutlich stärker beeinträchtig als Deutschland wäre erwartungsgemäß Irland, aber auch Luxemburg, Schweden, Belgien, Malta und Zypern. Dadurch, dass Großbritannien als Nettozahler für den EU-Haushalt wegfällt, müsste Deutschland seine jährliche Bruttozahlung um 2,5 Milliarden Euro erhöhen, so die Studie.

Die Studienverfasser betonen, wie wichtig aufgrund der dargelegten Daten ein Verbleib Großbritanniens in der EU ist. Wir meinen, dass diese Sicht der Dinge nachvollziehbar ist. Dennoch: Wie wir in einem eigenen Artikel bereits dargelegt haben, sind wir der Meinung ein EU-Austritt der Briten wäre für alle Seiten insgesamt besser. Die europäische Integration (Festland + Irland) könnte endlich tatkräftig voranschreiten ohne den Dauer-Blockierer London. Lesen Sie hierzu gerne auch unsere Analyse „Großbritannien: EU-Austritt wäre ein Segen für alle!“


Hier finden Sie die Studie der Bertelsmann-Stiftung in voller Länge.


Quelle: Bertelsmann-Stiftung



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