Aktien

EU-Behörde plant umfassende Einschränkungen bei Forex und CFDs – „Binäre Optionen-Karawane“ verlässt Israel Richtung Zypern und Osteuropa

FMW-Redaktion

Gänzlich unbemerkt von der breiten Trading-Öffentlichkeit hat die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde „ESMA“ (European Securities and Markets Authority) einen Nachricht veröffentlicht, die für die ganze Branche der CFD- und Forex-Broker sowie auch ihrer Kunden einschneidende Veränderungen mit sich bringen könnte. Aber erst mal einen Schritt zurück. In den letzten Monaten haben kreuz und quer durch die EU nationale Aufsichtsbehörden CFD- und Forex-Broker, die sich an Privatkunden richten, stärker reguliert.

Für Deutschland verbot die BaFin den Brokern zum Beispiel das Anbieten von CFD-Konten, bei denen die Kunden in einen negativen Saldo rutschen können (Nachschusspflicht). Das ist natürlich gut für den Verbraucher. Andernorts gab es ein Totalverbot, oder auch nur Beschränkungen beim maximalen Hebel uvm. Seit Kurzem hat die Branche sozusagen durchgeschnauft. Die Regulierer haben sich ein klein wenig ausgetobt, aber im Großen und Ganzen kann die Branche weiter ihrem Geschäft nachgehen – und die Trader können weiterhin eigenverantwortlich mit hohem Risiko auf hohe Gewinne spekulieren.

Bis jetzt. Die ESMA hat nun aber ein sogenanntes GENERAL STATEMENT veröffentlicht, also eine Art Vorab-Hinweis. Man habe zwar selbst seit 2015 eine „CFD-Taskforce“, aber man sei doch unzufrieden, dass Kunden im Handel mit CFDs, Forex und Binären Optionen immer noch nicht ausreichend geschützt seien. Zitat ESMA:

However, ESMA remains concerned that these supervisory convergence tools may not be sufficiently effective to ensure that the risks to consumer protection are sufficiently controlled or reduced. ESMA is therefore discussing the possible use of its product intervention powers under Article 40 of MiFIR to address investor protection risks in relation to CFDs, rolling spot forex and binary options.

Daher sei man aktuell am Überlegen, in wie weit man (auf EU-Ebene) die Regularien für die vorher genannten drei Produktgruppen grundsätzlich anziehen müsse, was dann ja rechtlich über allen nationalen Maßnahmen in der EU stehen würde. Man erwähnt, dass man die bisherigen nationalen Maßnahmen in seine Überlegungen einbeziehe. Darunter seien die Maximal-Hebel beim Trading, garantierte Stops oder auch ein generelles Verbot des Produktvertriebs – was faktisch ein Verbot der Produkte darstellen würde.

Am Ehesten könnte man sich als außenstehender Betrachter (so meinen wir) ein Produktverbot noch bei Binären Optionen vorstellen, deren Ausgestaltungen oft mehr als fragwürdig sind! Aber selbst wenn es nur relativ softe Regulierungen auf EU-Ebene geben sollte: Was vielleicht bisher nur in einem Land verboten ist, würde dann dank der ESMA als Verbot in der ganzen EU gelten. Auf die Branche und die Kunden kommt also womöglich EU-weit eine Zunahme an Regulierungen zu, was für die Kunden am Ende des Tages möglicherweise die Einschränkung der Freiheit bedeutet, wie man was wo auf welche Weise handeln kann. Maßnahmen der ESMA werden nicht vor Januar 2018 in Kraft treten, und noch ist man dort selbst in der Phase der Meinungsbildung, was genau man denn überhaupt regulieren oder verbieten will.

Zitat ESMA:

ESMA is in the process of discussing the possible use of its product intervention powers under Article 40 of MiFIR, the possible content of any such measures, and how they could be applied. However, ESMA can confirm that the measures being discussed for (i) CFDs and rolling spot forex and (ii) binary options include proposals that take into account a number of measures that have been adopted or publicly consulted on by EU National Competent Authorities. These measures include leverage limits, guaranteed limits on client losses, and / or restrictions on the marketing and distribution of these products. In accordance with Article 40 of MiFIR, any intervention measures must be approved by the ESMA Board of Supervisors and can only come into effect from 3 January 2018 at the earliest.

Israel

Wir berichteten vor Kurzem schon darüber. Israel war bisher eine Art Zentrum für Anbieter von Binären Optionen. Nicht nur Broker, sondern auch Call Center und Software-Anbieter tummelten sich hier. Jetzt hat der dortige Gesetzgeber endgültig keine Lust mehr auf diese Industrie, weil es zu viele Betrugsfälle gab – abgesehen davon, dass die Branche aufgrund der Produktausgestaltungen eh einen zweifelhaften Ruf genießt.

In einer ersten Lesung im israelischen Parlament zum Totalverbot der Branche gab es eine 100%-Zustimmung der Parlamentarier (31:0 Stimmen). Zukünftig würde das Anbieten von Binären Optionen von Israel aus als Straftat in einem isrealischen Gefängnis enden. Es ist davon auszugehen, dass der Gesetzgebungsprozess hierfür bis zum Herbst in einem Totalverbot münden wird. Dementsprechend häufen sich derzeit die Meldungen, dass die Branche ihre Büros in Isreal dicht macht. Aus Finanzkreisen hört man, dass die Karawane weiter zieht Richtung Ukraine, Bulgarien und vor allem Zypern.

Der wichtige Anbieter „TechFinancials“, das als Service-Anbieter für Drittfirmen fungiert, aber auch einige Brokermarken für Binäre Optionen selbst betreibt, verlagert offenbar Geschäftsteile von Israel nach Kiew und Zypern, wie man aus Finanzkreisen hört. Von anderen Anbietern aus der Branche hört man ebenfalls Standorte wie Kiew, Zypern oder Sofia. Also, die Karawane stellt ihre Tätigkeit nicht ein, sondern zieht nur weiter. Wenn die ESMA ab Januar bestimmte Verschärfungen oder Verbote erlässt, zieht die Karawane dann ganz raus aus der EU (also Zypern und Bulgarien), und lässt sich komplett in der Ukraine nieder?



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

5 Kommentare

  1. Warum können uns diese absolut überflüssigen Regulatoren nicht einfach in Ruhe lassen? Oder mal selbst versuchen, an den Märkten ihren Lebensunterhalt verdienen anstatt nur auf den nächsten Ersten zu warten, wo der Staat ihnen aus Steuergeldern ihr üppiges sicheres Gehalt auszahlt? Diese Leute haben keine Ahnung vom Geschäft und daher nicht die geringste Berechtigung, sich in das Leben anderer einzumischen.

    1. Hier wird man mehr und mehr entmündigt.
      Da hilft leider nur noch auswandern , was nun ganz sicher tun werde. Mir ist Freiheit zu wichtig als dass ich hier bleiben könnte

  2. Jeder erwachsener mensch weiss was er tut. Was soll das mit ganzen verboten ? Die Staat mischt sich überall ein und bei den gehts auch noch ums geld. Für die Sicherheit des menschens bla bla bla ihr wollt nur das geld haben.

  3. Ich denke mal, daß die meisten, die sich hier über Freiheitseinschränkungen, Entmündigung oder sonstiges aufregen, genau die Träumer sind, die immerzu von Reichtum oder Lebensunterhalt mit CFDs und Forex-Handel fabulieren, aber in Wirklichkeit ihr Geld nur dauernd verlieren. Das kenne ich nur zu gut. Insofern ist es ja nicht schlecht, wenn eine Behörde versucht, die Leute in gewissem Maß vor sich selbst zu schützen.

    1. Ich lege großen Wert darauf, in Freiheit zu leben und kann es daher nicht akzeptieren, wenn Behörden sich über Freiheitsrechte einfach hinwegsetzen. Das Argument, Bürger vor sich selbst schützen zu wollen, hat in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung nichts zu suchen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage