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EU: Corona-Hilfen werden vor allem zu mehr Verschwendung führen!

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EU Flagge

Fiel Ihnen schon einmal auf, dass Politiker gern darüber reden, wie viel Geld ausgegeben werden soll. Viel kürzer und weniger öffentlich wird darüber diskutiert, wofür es ausgegeben werden soll. Dabei sollte an erster Stelle die Frage stehen, wofür man Geld ausgeben will. Anschließend kann die Relevanz der vorgeschlagenen Projekte diskutiert und entschieden werden, welche Projekte Geld bekommen. Dass sich die EU nun voll und ganz auf die Höhe der Zahlungen konzentriert, wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu einer ineffizienten Verwendung des Geldes führen.

Die neue EU: Lieber schnell Geld ausgeben, statt autokratische Tendenzen zu bekämpfen!

500 Milliarden, 400 Milliarden, 390 Milliarden, 1.800 Milliarden – EU-Politiker werfen derzeit gern mit riesigen Summen um sich. Gestritten und geeinigt wird sich inzwischen an einem Abend über Beträge, die das Bruttoinlandsprodukt der zehn kleinsten EU-Staaten zusammengenommen ergibt. Milliarden an nicht rückzahlbaren Zuschüssen will die EU nun verteilen. Finanziert mit von der EU gemeinsam begebenen Anleihen – im Prinzip Eurobonds, nur dass auch Staaten ohne Euro mit im Boot sitzen werden. Haften werden alle EU-Staaten gemeinsam dafür. Und das Beste ist: Für dieses bislang undenkbare Zugeständnis verlangen die größten Nettozahler der EU nicht etwa Zugeständnisse von ewigen Querulanten wie Ungarn oder gar rechtsstaatliche Verfahren – sondern nur eine möglichst schnelle Zustimmung aller Mitgliedsländer. Ob die Orbans und Kaczyńskis ihre Länder immer autokratischer regieren, spielt in Zeiten von Corona keine Rolle mehr. Das Geld soll nur möglichst schnell bewilligt und ausgegeben werden.

Über das „wofür“ wird hingegen kaum diskutiert. Das sollen die Mitgliedsstaaten am besten selbst festlegen. Wer die Forderung nach Kontrolle erhebt, gilt inzwischen als Verhinderer. Wer jedoch in Krisenzeiten Geld mit der Gießkanne verteilt und gar nicht darüber diskutiert, wofür die EU-Milliarden ausgegeben werden sollen, der wird auch kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit Verschwendung. Wer dutzende Milliarden geschenkt bekommt, wird auf effiziente Mittelverwendung weniger Acht geben.

Wo bleibt der gesamteuropäische Investitionsplan?

Vergeben wird hier auch die Chance der EU, im Sinne des europäischen Zusammenwachsens Investitionen anzustoßen. Wäre erst ein Investitionsplan erarbeitet und auf dessen Basis Mittelzuteilungen entschieden worden, so hätten so interessante Projekte wie eine europäische Armee, ein gemeinsames Hochgeschwindigkeitsnetz der Eisenbahn oder auch diverse IT-Projekte zur Vereinheitlichung und Digitalisierung der Verwaltungsstrukturen in den einzelnen Ländern umgesetzt werden können. Mit strikter Bindung der Mittelzuweisungen an festgelegte, zeitlich befristete und ambitionierte Projektfortschritte – schließlich soll die Konjunktur jetzt und nicht 2025 angekurbelt werden.

Dass nun ausgerechnet die fünf relativ kleinen Länder, die auf genaue Ausgabenpläne und eine Überwachung der Einhaltung selbiger pochen, europaweit als Blockierer dargestellt werden, ist absurd. Niederlande, Österreich, Schweden, Finnland und Dänemark sind vielmehr die letzten Nationen, die noch Hoffnung auf eine modernisierte EU haben und versuchen, diese Hoffnung Realität werden zu lassen. Der Rest will nur möglichst schnell Geld ausgeben in der Hoffnung, dass dadurch die Wirtschaft wieder wachsen möge.

Das Beispiel China zeigt, wohin falsch verstandene Konjunkturförderung führt. Jahrelang wurde dort Geld mit der Gießkanne verteilt. Entstanden sind Geisterstädte, in denen vermutlich niemals jemand leben wird. Entstanden sind Zombie-Unternehmen, die nur dank Krediten der regionalen Regierungen überleben und Infrastruktur, die niemand benötigt, die aber zum Zeitpunkt des Baus für Wirtschaftswachstum sorgte. De facto war es aber vor allem eine Verschwendung knapper Ressourcen, die nicht für Wohlstand und langfristig stabiles Wachstum sorgte. Eine solche Gießkannen-Konjunkturpolitik gilt es in der EU zu verhindern.

Zahlt Deutschland dank Eurobonds bald höhere Zinsen?

Für Deutschland könnten Eurobonds übrigens den negativen Nebeneffekt haben, dass die Zinsen für Staatsanleihen steigen. Wahrscheinlich werden Eurobonds als eine sichere Alternative zu Bundesanleihen angesehen werden. Anleihen höchster Bonität sind selten geworden, seitdem Deutschland seine Verschuldung zurückfuhr, diverse Schuldner schlechtere Bonitätsnoten bekamen und gleichzeitig bedingt durch staatliche Regulierung die Nachfrage nach sicheren Anlagen stieg. Tritt nun die EU selbst als Emittent solcher Anleihen auf, dann steigt das Angebot, was zu tendenziell fallenden Preisen führt. Da Renditen und Preise bei Anleihen negativ miteinander gekoppelt sind, steigt bei fallenden Preisen der Zins. Am Ende zahlt Deutschland also doppelt dafür, dass andere Länder ohne größere Investitionspläne gratis Milliardensummen zugewiesen bekommen.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    21. Juli 2020 09:46 at 09:46

    Im Kern geht es gar nicht um das Geld ausgeben oder investieren das ist nur der Deckmantel, es geht darum dass nun eine Schuldengemeinschaft/Transferunion durch die Hintertür durchgesetzt wurde die Länder wie Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Portugal dringend brauchen. Letztendlich wird es auch nicht mehr lange dauern bis die „gemeinsame Schuldenaufnahme“ offiziell das Logo Eurobonds bekommt.

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    Mike Lohmann

    21. Juli 2020 10:44 at 10:44

    1. Die EZB wird alle Anleihen aufkaufen.
    2. Die Staaten und Politiker werden nun alles versprechen, was ihrer Wahl dient
    3. Die Zeiten mit realen wirtschaftlichen Regeln sind endgültig für immer vorbei.
    4. Die Eurozone wandelt sich zu einem Sozialkapitalisumus statt reinem Sozialismu.
    5. Die Bürgen Europas werden über Generationen den Wohlhabenden dieser Welt zu Füssen liegen.

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    Faktist

    21. Juli 2020 10:56 at 10:56

    Verstehe ich den Dax richtig??? Die Hoffnung auf 500 Mrd. wurde gekauft (irgendwann mitte Mai 2020). Vom Rallye-Start 15.05.2020 – DAX 10465 bis heute sind es bereits ca. 2800 Punkte oder in Prozent ca. 27%. Nun haben die Junkies Ihre Drogen zugesprochen bekommen. Hmmm es sind natürlich nicht 500 for free sondern 390 Mrd. for free. Was natürlich auch immer noch viel ist, was man ja nie nie nie zurück zahlen muss. Hmmm bekommen ich vielleicht auch so 100k for free? Ne warum den auch… kann ja meine GmbH Bilanzen leider nicht so gut fälschen, weil nicht gross genugt. Daher habe ich einfach während der Corona Krise zu wenig Verlust gemacht!!! Aber das ist ein anderes Thema. Nun wurden rumors gekauft und die news möchte man meinen müssten nun abverkauft werden bzw. Gewinnmitnamen einsetzen von ca. 23-38% der Rallye, wären ansich ja nur ca. 6-8% down (von 27% plus ausgehend). Aber es juckt wohl niemanden, weil es wieder einmal zu viele Kleinanleger im Dax short sind (euwax sentiment).

    Fazit: Hoffnungs-Rallye seit 15.05.2020 auf 500 Mrd + 27% im DAX
    Heute 21.07.2020 anstatt 500 Mrd sinds 390 Mrd = 22% weniger als erwartet
    DAX nach der Entscheidung nochmal 1,8% plus… klar warum nicht… man hat ja nicht erwartet dass es weniger Geldregen gibt, als geplant. Oder sind es die restlichen Milliarden die als Kredite verteilt werden sollen, an Unternehmen die lange vor 2058 pleite sind und es niemals zurück zahlen werden!?!?!?

    Gerne würde ich in mein Auto steigen und dorthin fahren und direkt auch Geld verlangen mit den Argument: Ich brauche es. Sprich wenn man mich fragt warum ich es brauche, gibt es nur diese Antwort darauf und weiter nichts! Aber natürlich alles Illusion und die Steuern die wie alle Zahlen, werden weit oben verteilt und wir dürfen nun die nächsten 40 Jahre da ganze abarbeiten. Danke EU Politiker bzw. Deutschland.

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    Klempner

    21. Juli 2020 13:24 at 13:24

    Es gibt aber einen Lichtblick,mit jedem neuen Geldschein fällt die Wirtschaftskraft in
    Zukunft (ca.-35%),soll heissen es wird teurer beim tilgen. Tja und weil sich die Staatslenker auf das quantitative Spiel eingelassen haben(es ist zu geil ,sich zinslos zu
    verschulden) wird man sie mit quantitativen AI`s beherschen.
    Es ist gut möglich das es das letzte „Mahl“ war ,um es umzuschulden.Die nominalen Mengen
    werden dann vllt zu hoch sein.Oder man hat dann noch was besseres als „greendeal“ oder „Covid“ etc. in Petto.Weil, Corona war schon vom Feinsten !

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    Lausi

    21. Juli 2020 21:30 at 21:30

    Ohne echte Strukturreformen wird Italien & Co. nie aus dem Mustopf kommen. Da haben die „sparsamen“ (geizigen?) Länder durchaus recht, und was gibt es für ein besseres Druckmittel, als mit dem Scheck wedeln…

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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