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EU folgt USA mit 25% Stahlzoll gegen den Rest der Welt – warum das sinnvoll und notwendig ist

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Die USA haben es vorgemacht. Man verhĂ€ngte unlĂ€ngst Importzölle auf Stahl in Höhe von 25% quasi gegen den Rest der Welt. Nun folgt die EU heute, und verhĂ€ngt ebenfalls gegen den Rest der Welt Stahlzölle in Höhe von 25%. Da könnte man auf den ersten Blick sagen: Wenn die EuropĂ€er wie die Amerikaner per Gießkanne auch alle LĂ€nder mit Stahlproduktion bestrafen, sind sie ja auch nicht besser als die USA in Sachen Protektionismus.

Aber dieser Eindruck tĂ€uscht. Denn egal wie man es dreht und wendet. Der Schuldige in diesem Fall sind eindeutig die USA. Sie haben einen Lawineneffekt in Gang getreten, der nun bei der EU angekommen ist. Denn es ist nur folgerichtig. Die Amerikaner beschwerten sich ĂŒber zu viele Stahlimporte vor allem aus China. Da diese Verschiffungen Richtung USA fĂŒr die Importeure dank der US-Zölle nun nicht mehr rentabel sind, werden die Produzenten andere AbsatzmĂ€rkte fĂŒr ihren Stahl suchen, den sie bislang in den USA verkauft hatten.

Da bleibt als zweiter großer Absatzmarkt die EU, die nun droht mit Stahl vom Weltmarkt ĂŒberschwemmt zu werden, der in den USA zu teuer ist, und nun woanders abgesetzt werden muss. Jetzt könnte man auch sagen, dass die EU ein freier Markt ist, und dass eben diese freien MarktkrĂ€fte doch machen sollen, was sie wollen. Aber so eine kĂŒnstlich herbeigefĂŒhrte Überschwemmung wĂŒrde den europĂ€ischen Stahlmarkt noch schneller und stĂ€rker kaputt machen, als er es ohnehin schon ist.

Von daher ist es nur mehr als sinnvoll und nachvollziehbar, dass die EU heute mit einem vorlĂ€ufigen Zoll von ebenfalls 25% nachzieht, der erstmal 200 Tage lang gelten soll. Und wichtig: Anders als die USA erhebt die EU ab morgen nur Strafzölle auf Einfuhrmengen, wenn die bisher ĂŒblichen Einfuhrmengen ĂŒberschritten werden. Zitat EU-Kommission:

„Die US-Zölle auf Stahlerzeugnisse fĂŒhren zu Handelsumlenkungen, die den Stahlerzeugern und Arbeitnehmern in der EU schweren Schaden zufĂŒgen können. Wir haben keine andere Wahl, als vorlĂ€ufige Schutzmaßnahmen einzufĂŒhren, um unsere heimische Industrie vor einem Anstieg der Einfuhren zu schĂŒtzen“, sagte Handelskommissarin Cecilia Malmström dazu.

„Diese Maßnahmen stellen jedoch sicher, dass der EU-Markt offen bleibt und die traditionellen Handelsströme erhalten bleiben. Ich bin ĂŒberzeugt, dass die Interessen der EU-Erzeuger und der Stahlverbraucher, wie der Automobilindustrie und des Bausektors, die auf Einfuhren angewiesen sind, in einem ausgewogenen VerhĂ€ltnis zueinander stehen. Wir werden die Stahlimporte weiter beobachten, um spĂ€testens Anfang nĂ€chsten Jahres eine endgĂŒltige Entscheidung zu treffen“, betonte Malmström weiter.

Die vorlĂ€ufigen Maßnahmen betreffen 23 Kategorien von Stahlerzeugnissen und werden in Form eines Zollkontingents (TRQ) durchgefĂŒhrt. FĂŒr jede der 23 Kategorien werden Zölle in Höhe von 25 Prozent erst dann erhoben, wenn die Einfuhren den Durchschnitt der Einfuhren der letzten drei Jahre ĂŒbersteigen. Die Quote wird nach dem Windhundverfahren zugeteilt, d.h. zum jetzigen Zeitpunkt nicht von den einzelnen AusfuhrlĂ€ndern. Diese Maßnahmen gelten fĂŒr alle LĂ€nder, mit Ausnahme einiger EntwicklungslĂ€nder mit begrenzten Ausfuhren in die EU. Aufgrund der engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und den LĂ€ndern des EuropĂ€ischen Wirtschaftsraums (EWR) (Norwegen, Island und Liechtenstein) wurden sie ebenfalls von den Maßnahmen ausgenommen. Diese Ausnahmen sind sowohl mit den bilateralen als auch mit den multilateralen Verpflichtungen der EU im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar.


© European Union, 2015 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Christophe Maout

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Rente: Jenseits von Olaf ScholzÂŽ TrĂ€umereien – drei Möglichkeiten fĂŒr ein besseres Auskommen im Alter

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Olaf Scholz hat am Wochenende in Sachen Rente so richtig krĂ€ftig ausgeholt um die SPD aus dem Umfragetief zu holen. Einfach so mal dem Wahlvolk ein stabiles Rentenniveau bis zum Jahr 2040 versprechen – und das ohne zu sagen, wie man das finanzieren will. Steuern erhöhen oder aktuelle BeitrĂ€ge fĂŒr Arbeitnehmer erhöhen? Kein Wort dazu von Olaf Scholz. Durchschaubarer Populismus pur (mehr Infos dazu hier).

Alternativen fĂŒr die Rente

Doch gibt es Alternativen? Denn bislang redet man in Deutschland immer nur ĂŒber die Möglichkeit, dass man entweder die BeitrĂ€ge erhöht, oder die Rentenzahlungen senkt. Es ist bislang immer nur dieses Spiel zwischen den Einnahmen und Ausgaben, ĂŒber welches gestritten wird. Wie könnte es anders laufen?

Rententopf ganz neu aufstellen

Da wĂ€re zum Beispiel die Möglichkeit wie in Skandinavien oder anderen LĂ€ndern die Rente mal grundsĂ€tzlich zu reformieren. Dazu könnte man erst einmal nicht zur Kernaufgabe gehörende Leistungen aus der Rente entfernen. Dann könnte man Beamte verpflichten ebenfalls in die Rentenkasse einzuzahlen. Und oben drauf könnte man wie in Skandinavien dem BĂŒrger die Wahlfreiheit lassen, ob fĂŒr ihn persönlich mit einem Anteil an Aktien fĂŒrs Alter vorgesorgt werden soll – das könnte langfristig den Rentenanspruch deutlich erhöhen. DafĂŒr mĂŒsste aber eine Art persönliches Ansparen pro Beitragszahler stattfinden, und nicht wie bisher das Einzahlen in einen großen Topf, aus dem dann aktuelle RentenansprĂŒche bedient werden. Durch eine Aktienkomponente könnte man außerdem noch als Nebeneffekt dafĂŒr sorgen, dass der Anteil deutscher EigentĂŒmer an heimischen Aktiengesellschaften spĂŒrbar steigt – das wĂ€re fĂŒr die langfristige StabilitĂ€t vieler Unternehmen ein Segen (weniger Einfluss fĂŒr Hedgefonds und Geier-Anleger, siehe ThyssenKrupp etc).

Familie als Altersabsicherung

Bevor wir in Europa zum Modell der staatlichen Rentenversicherung fanden, sah es hierzulande genau so aus, wie es in vielen LĂ€ndern in SĂŒdamerika, Afrika und Asien auch heute noch lĂ€uft. Mangels Rentenanspruch an den Staat oder sonstiger sicherer Altersversorgungssysteme bleibt nur eines ĂŒbrig. Die alten Menschen wohnen im Alter bei ihren Kindern, und die Familie als Altersversorgung rĂŒckt wieder in den Mittelpunkt. Die Kinder versorgen also ihre Eltern im Alter. Das war frĂŒher auch hierzulande völlig normal. Wenn die Rentenzahlung nicht mal mehr ansatzweise ausreichen wird um im Alter Miete und Essen zahlen zu können, wĂ€re das als Gesellschaftsmodell nicht abwegig. Aber in unserer heutigen Gesellschaft (Individualismus) wĂ€re das natĂŒrlich ein Problem fĂŒr die jĂŒngere Generation.

Einfach mehr arbeiten

Und dann gĂ€be es da noch eine ganz einfache Möglichkeit fĂŒr heutige Arbeitnehmer um der Altersarmut zu entfliehen. Geht man davon aus, dass die staatliche Rente nicht mal ansatzweise fĂŒr die GrundbedĂŒrfnisse reichen wird, und hat man mit seinem derzeitigen 8 Stunden-Job nicht genug Geld ĂŒbrig fĂŒr eine zusĂ€tzliche Altersvorsorge (Riestern etc), dann kann man sich nebenbei noch einen 400 Euro-Job suchen, und legt ĂŒber 10, 20, 30 Jahre dieses Geld immer auf die hohe Kante. Durch diese Mehrarbeit und selbst eine winzige Verzinsung dieser monatlich anzusparenden KleinstbetrĂ€ge kann man sich ein Polster aufbauen, welches die LĂŒcke im eigenen Rentenanspruch schließen sollte. Das klingt zwar nicht besonders berauschend, denn wer macht schon gerne dauerhaft einen zweiten Job – aber mit diesem simplen Prinzip der Mehrarbeit könnte man sich ein Polster anlegen.

Und was machen unsere Parteien?

Egal ob SPD oder Union – letztlich geht das Spiel immer so weiter. So wirklich will niemand dem BĂŒrger ganz ehrlich und offen die Wahrheit sagen, dass es im Alter nicht reichen wird fĂŒr die große Masse der Menschen. Da wird lieber davon geredet, dass das Wort „Altersarmut“ eine LĂŒge ist, und dass es so was gar nicht geben wird. Man spielt nur stĂ€ndig mit den Zahlen herum auf der Einnahmen – und Ausgabenseite. Aber die Renten-Katastrophe, die rĂŒckt immer nĂ€her.

Rente
Foto: Deutsche Rentenversicherung

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Nichts fĂŒr DonaldÂŽs Ohren: Deutschland drittes Jahr in Folge einsame Weltspitze in der Leistungsbilanz

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Im Warenhandel ist Deutschland schon richtig gut im Rennen in Sachen ÜberschĂŒsse, wo man mit den Chinesen konkurriert. Aber die Leistungsbilanz sagt mehr darĂŒber aus, wie der Geldfluss und der Vermögensstatus einer Volkswirtschaft wirklich aussieht. Denn die Leistungsbilanz berĂŒcksichtigt auch, dass Volkswirtschaften mit großen AußenhandelsĂŒberschĂŒssen diese Gelder irgendwo anlegen mĂŒssen.

Das tun sie oft im Ausland, wodurch sie gegen das Ausland ZahlungsansprĂŒche entwickeln (Renditen aus Kapitalanlagen). Und wenn Deutschland immer mehr ĂŒberschĂŒssige Gelder im Ausland anlegt, wachsen auch die ZahlungsansprĂŒche. Dadurch wird der deutsche Überschuss gegen das Ausland (LeistungsbilanzĂŒberschuss) immer grĂ¶ĂŸer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland im Jahr 2018 das dritte Jahr in Folge mit weitem Abstand die Nummer 1 sein wird beim LeistungsbilanzĂŒberschuss.

Der soll laut ifo-Institut voraussichtlich bei 299 Milliarden Dollar liegen, wovon ein Großteil aus dem Überschuss im Warenhandel stammt. Danach soll Japan folgen mit einem LeistungsbilanzĂŒberschuss von 200 Milliarden Dollar und die Niederlande auf Platz 3 mit 110 Milliarden Dollar. Dabei ist deren Wert wohl am Beeindruckendsten mit einer Relation von 12% zum BIP! Auch wenn Deutschland das dritte Jahr in Folge diese Betrachtungsweise der Außenhandels-Statistik anfĂŒhrt, so soll der Überschuss minimal geringer ausfallen als 2017. Zitat ifo-Institut:

Deutschlands Überschuss in der Leistungsbilanz sinkt leicht. Er dĂŒrfte im laufenden Jahr zurĂŒckgehen auf 7,8 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung, nach 7,9 Prozent im Jahr 2017, wie Berechnungen des ifo Instituts fĂŒr das Forschungsnetz EconPol ergeben haben. Die EU hĂ€lt höchstens sechs Prozent fĂŒr langfristig tragfĂ€hig. „Der RĂŒckgang ist auf drei Ursachen zurĂŒckzufĂŒhren: Der Überschuss beim Warenexport dĂŒrfte nicht mehr zulegen. Die Einkommen aus dem Auslandsvermögen werden wohl leicht rĂŒcklĂ€ufig sein. Außerdem wird die Jahreswirtschaftsleistung einschließlich Inflation recht krĂ€ftig um 3,7 Prozent steigen“, sagt ifo-Forscher Christian Grimme.

Zum Hintergrund des deutschen Erfolgs, und warum China in Sachen Leistungsbilanz nicht ganz vorne auftaucht, sagt ifo folgendes:

Der Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz von erwarteten 264 Milliarden Euro lĂ€sst sich vor allem auf den Warenhandel zurĂŒckfĂŒhren; ausgehend von den Zahlen fĂŒr das erste Halbjahr 2018 dĂŒrfte sich ein Überschuss von rund 265 Milliarden Euro fĂŒr das Gesamtjahr ergeben. Haupttreiber fĂŒr die Ausfuhr an Waren im ersten Halbjahr war die Nachfrage aus den anderen LĂ€ndern des Euroraums, den anderen EU-LĂ€ndern und aus den USA. Zum Überschuss tragen auch die ErtrĂ€ge aus Auslandsvermögen von rund 63 Milliarden Euro bei. Zahlungen an das Ausland, z.B. bei der internationalen Zusammenarbeit, dĂŒrften den Überschuss um rund 45 Milliarden Euro dĂ€mpfen. Das Defizit bei den Dienstleistungen wird wohl rund 18 Milliarden Euro betragen.

China ist in diesem Jahr nicht mehr unter den ersten drei LĂ€ndern mit den höchsten ÜberschĂŒssen zu finden. Aufgrund sehr starker Einfuhren und schwĂ€cherer Ausfuhren ist der WarenĂŒberschuss deutlich niedriger im ersten Halbjahr 2018; dabei wurde vor allem weniger in die USA und nach Europa exportiert. Außerdem sind die Einnahmen aus dem Auslandsvermögen kleiner im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017.


Containerschiff im Hamburger Hafen. Foto: Huhu Uet (CC BY 3.0)

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EU-Kommission jubelt ĂŒber „Abschluss des StabilitĂ€tshilfeprogramms fĂŒr Griechenland“

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Die EU-Kommission ĂŒberschlĂ€gt sich heute geradezu mit Lobeshymnen fĂŒr Griechenland. Heute ist der Stichtag. Heute endet das gigantische Hilfsprogramm fĂŒr die Griechen. Aber halt: Dass es endet, bedeutet ja nicht, dass Athen die 86 Milliarden Euro des Programms zurĂŒckgezahlt hat. Mit „Ende“ ist nur gemeint, dass diese Programm-Gelder nun vollumfĂ€nglich an Griechenland ĂŒberwiesen wurden, und dass das Land bei weiterem Kapitalbedarf die internationalen privaten KapitalmĂ€rkte anzapft, und eben nicht mehr die EU-Partner.

Mehr bedeutet das „Ende“ dieses Programms eigentlich nicht. ZurĂŒckzahlen muss Griechenland das Geld natĂŒrlich erst noch an die EU-Partner. Da darf man gespannt sein, wie lange sich diese RĂŒckzahlung hinzieht. Die Bestsellerautoren Marc Friedrich und Matthias Weik hatten sich erst heute mehr als kritisch zum Thema „Gesundung in Griechenland“ geĂ€ußert. Sie schauen hier besonders auf die Schuldenlast und die kaputten Banken. Auch wir hatten dieses Thema mehrmals thematisiert. Es zeigt nĂ€mlich, dass die Banken mehr als nur kaputt sind – sie sind aber noch liquide, was die Optik völlig verzerrt.

Dass die griechischen Banken eigentlich nur noch aus notleidenden Krediten bestehen (ĂŒbertrieben formuliert), deren Raten nicht mehr bedient werden, wird in der heutigen EU-Jubelei gar nicht erst erwĂ€hnt. Genaueres dazu können Sie hier lesen. BrĂŒssel spricht heute zwar von einer „tiefgreifenden Reform der Bankenverwaltung und konkreten Maßnahmen zur Umsetzung einer Strategie zum Abbau notleidender Kredite“ – aber dass die notleidenden Kredite ĂŒberhaupt nicht abgebaut werden, wird sozusagen als Info nicht erwĂ€hnt. Überschuldung in Athen? Keine Probleme sind wirklich gelöst? Nein, in den Augen der EU-Kommission sieht das alles ganz anders aus, alles lĂ€uft total super, geradezu bestens. Hier der aktuelle Jubel-Text aus BrĂŒssel (EU-Kommission):

„Der Abschluss des StabilitĂ€tshilfeprogramms ist fĂŒr Griechenland und Europa ein bedeutender Moment“, sagte KommissionsprĂ€sident Jean-Claude Juncker dazu.„Die europĂ€ischen Partner haben ihre SolidaritĂ€t unter Beweis gestellt, und die Griechen haben – so wie wir sie kennen – auf jede Herausforderung mit Mut und Entschlossenheit reagiert. Ich habe immer dafĂŒr gekĂ€mpft, dass Griechenland im Herzen Europas verbleibt. Die griechischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger schlagen nun in ihrer traditionsreichen Geschichte ein neues Kapitel auf. Dabei werde ich ihnen stets als Partner und Freund zur Seite stehen“, fĂŒgte Juncker an.

Pierre Moscovici, EU-Kommissar fĂŒr Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll, verwies heute in BrĂŒssel bei einer Pressekonferenz darauf, dass das Ende des Programms nicht das Ende des Wegs bedeute. Es mĂŒssten immer noch Reformanstrengungen unternommen werden. Zugleich wĂŒrdigte er die außerordentlichen Anstrengungen und Opfer der griechischen Bevölkerung: „Der Abschluss des StabilitĂ€tshilfeprogramms ist sowohl fĂŒr Griechenland als auch fĂŒr das Euro-WĂ€hrungsgebiet sehr positiv. FĂŒr Griechenland und seine Bevölkerung beginnt nach acht ausgesprochen schwierigen Jahren ein neues Kapitel. Nun kann ein symbolischer Schlussstrich unter eine existenzielle Krise des Euro-WĂ€hrungsgebiets gezogen werden. Die umfangreichen Reformen, die Griechenland durchgefĂŒhrt hat, haben den Grundstein fĂŒr eine nachhaltige Erholung gelegt: Diese Erholung muss nun mit großer Umsicht gefestigt werden, damit die griechischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger von den geleisteten Anstrengungen und erbrachten Opfern profitieren können. Auch in Zukunft wird Europa an Griechenlands Seite stehen.“

Im Rahmen des StabilitÀtshilfeprogramms hat Griechenland auf der Grundlage der Umsetzung eines beispiellosen Reformpakets Darlehen in Höhe von insgesamt 61,9 Mrd. Euro erhalten. Mit dem Programm wurden langjÀhrige, tief verwurzelte Strukturprobleme, die zur Wirtschaftskrise in Griechenland beigetragen hatten, in koordinierter Weise angegangen.

Griechenland hat Maßnahmen ergriffen, um die TragfĂ€higkeit seiner öffentlichen Finanzen zu gewĂ€hrleisten. So ist es dem Land gelungen, den gesamtstaatlichen Haushaltssaldo von einem erheblichen Defizit auf einen Überschuss im Jahr 2017 anzuheben, der zudem den Prognosen zufolge gewahrt werden kann. Diese Reformmaßnahmen und Konsolidierungsanstrengungen werden im Laufe der Zeit eine kumulative Wirkung entfalten und so die TragfĂ€higkeit der öffentlichen Finanzen noch lange nach Abschluss des Programms positiv beeinflussen.

Dank erfolgreicher Rekapitalisierungsmaßnahmen, einer tiefgreifenden Reform der Bankenverwaltung und konkreter Maßnahmen zur Umsetzung einer Strategie zum Abbau notleidender Kredite ist der Finanzsektor nun erheblich besser aufgestellt. Diese Maßnahmen gilt es nun fortzufĂŒhren.

Effizienz und Wirksamkeit der öffentlichen Verwaltung wurden verbessert. Dies wurde unter anderem durch die EinfĂŒhrung neuer Vorschriften fĂŒr Einstellung, Beurteilung und MobilitĂ€t der BeschĂ€ftigten im öffentlichen Dienst, die Einrichtung der UnabhĂ€ngigen Behörde fĂŒr öffentliche Einnahmen und Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz des Justizwesens erreicht.

DarĂŒber hinaus wurden bedeutende Strukturmaßnahmen getroffen, mit denen die Rahmenbedingungen und die WettbewerbsfĂ€higkeit der griechischen Unternehmen verbessert werden sollen. Ziel ist es, Griechenland fĂŒr Investoren attraktiv zu machen und bereits in Griechenland tĂ€tige Unternehmen in die Lage zu versetzen, zu expandieren, innovativ zu arbeiten und ArbeitsplĂ€tze zu schaffen. Ferner sollen mithilfe der Strukturmaßnahmen nachhaltige universale Renten-, Gesundheits- und Sozialleistungssysteme geschaffen werden, einschließlich eines garantierten Mindesteinkommens.

Diese tiefgreifenden Reformen haben die Grundlage fĂŒr eine nachhaltige Erholung gelegt, denn sie haben die Voraussetzungen fĂŒr nachhaltiges Wachstum, die Schaffung von ArbeitsplĂ€tzen und die TragfĂ€higkeit der öffentlichen Finanzen in den kommenden Jahren geschaffen.

Der AufwĂ€rtstrend bei den Wirtschaftsindikatoren zeigt, dass die geleisteten Anstrengungen bereits greifbare Ergebnisse zeigen und eine Ordnung der öffentlichen Finanzen, einen RĂŒckgang der Arbeitslosigkeit und die RĂŒckkehr zum Wachstum bewirkt haben. Diese Anstrengungen mĂŒssen nun fortgesetzt werden. Das Wirtschaftswachstum ist von -5,5 Prozent im Jahr 2010 auf 1,4 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. FĂŒr die Jahre 2018 und 2019 wird ein Wert von rund 2 Prozent erwartet. Der Haushaltssaldo hat sich von einem massiven Defizit von 15,1 Prozent im Jahr 2009 auf einen Überschuss von 0,8 Prozent im Jahr 2017 verbessert (was in Bezug auf das Programm einem PrimĂ€rĂŒberschuss von 4,2 Prozent entspricht). Wenngleich die Arbeitslosigkeit nach wie vor untragbar hoch ist, lag sie jĂŒngsten Angaben der griechischen Statistikbehörde zufolge im Mai 2018 bei 19,5 Prozent und damit erstmals seit September 2011 unter 20 Prozent

Mit dem Abschluss des Programms beginnt fĂŒr Griechenland ein neues Kapitel. Vorrangiges Ziel wird es weiterhin sein mĂŒssen, die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Krisenjahre in vollem Umfang anzupacken. Dies setzt voraus, dass die griechischen Behörden die Reformen, zu denen sie sich auf der Sitzung der Euro-Gruppe am 22. Juni 2018 verpflichtet haben, auch weiterhin in Eigenverantwortung und in nachhaltiger Weise umsetzen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, damit insbesondere unmittelbar nach Programmende das Vertrauen der MĂ€rkte gefestigt und die wirtschaftliche Erholung Griechenlands konsolidiert werden kann.

Griechenland wird in vollem Umfang in das EuropĂ€ische Semester fĂŒr die Koordinierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik einbezogen, um sicherzustellen, dass die Anstrengungen der vergangenen Jahre dem Land und seiner Bevölkerung uneingeschrĂ€nkt zugutekommen. In der Zeit nach Abschluss des Programms werden die DurchfĂŒhrung, Vollendung und FortfĂŒhrung der im Rahmen des Programms vereinbarten Reformen auch Gegenstand einer verstĂ€rkten Überwachung sein.

Der Dienst der Kommission zur UnterstĂŒtzung von Strukturreformen wird die griechischen Behörden auf deren Wunsch weiterhin bei der Gestaltung und Umsetzung wachstumsfördernder Reformen unterstĂŒtzen.


© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro

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