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EU: Im Namen des Anti-Terrorkampfs im Krieg gegen Cash – Krypowährungen wie Bitcoin aber bleiben aussen vor!

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, bereiten die EU-Gesetzgeber neue Regularien vor, die die maximale Höchstsumme von 10.000 Euro, die man bisher über Grenzen bringen konnte, aufheben soll. Dazu gelten dann auch andere Wertgegenstände als „Cash“ wie Gold, Schmuck, Metalle und Prepaid Cash Karten. Nicht aber Kryptowährungen wie Bitcoin – es ist nun zu erwarten, dass Kriminielle Cash-Bestände zunächst in Kryptowährungen tauschen und dann über die Grenzen verschieben!

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am

FMW-Redaktion

Die Mitnahme großer Cash-Bestände über Landesgrenzen hinweg ist nicht nur den EU-Behörden schon länger ein Dorn im Auge. Seit dem Jahr 2005 ist es daher aufgrund der „First Cash Control Regulation“ (CCR) in der EU verboten, mehr als 10.000 Euro in Cash bei einem Grenzübertritt bei sich zu haben (hier der Erlaß der EU aus dem Jahr 2005).

Nun aber, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, bereiten die EU-Gesetzgeber neue Regularien vor, die nicht nur die Höchstsumme von 10.000 Euro aufheben soll, sondern auch anderer Wertgegenstände als „Cash“ definiert, als da wären: Gold, Schmuck, Metalle und Prepaid Cash Karten.

Offenkundig ist den Behörden aufgefallen, dass auch Kriminelle lesen können und daher versuchen, entweder Summen unter der 10.000er-Grenze ins Ausland zu bringen, oder eben andere Wertgegenstände über die jeweilige Grenze zu schaffen. Das gelte besonders für den IS, deren Mitglieder häufig bestimme Summen, zumeist 7000 Euro, über Grenzen schaffen würden:

„Member states report that ISIS terrorists frequently transport cash amounts below the €10.000 threshold (around €7.000) to avoid detection.“

Mittels eines neuen Gesetzes, das derzeit vom Europaparlament vorbereitet wird, sollen sich nun drei Dinge ändern:

1. Man erweitert die Definition von Cash (siehe oben)

2. Man ermöglicht die (angeblich) vorübergehende Beschlagnahmung von mitgenommen Summen unterhalb von 10.000 Euro, wenn kriminelle Aktivitäten vermutet werden – wobei auffällt, dass hierbei keine Untergrenze gesetzt ist, mithin kann also jeder Betrag dann beschlagnahmt werden. Desweiteren fehlt eine Definition, ab wann ein hinreichender Verdacht auf kriminelle Aktivitäten gegeben ist!

3. Man macht die Deklaration von „unbegleitetem Cash“ – also Geld, das per Post oder Fracht versendet wird – verpflichtend. Wer also Cash verschickt, ob als Bargeld oder Gold, oder eben als Schmuck oder in Form von Prepaid Geldkarten, muss das in Zukunft explizit angeben, sonst kann das „unbegleitete Cash“ beschlagnahmt werden!

Diese neuen Regularien sollen – das wird derzeit vom Europaparlament vorbereitet und soll dann von der EU-Kommission verbindlich gemacht werden – in allen Mitgliedsstaaten der EU gelten. Ziel ist dann die Schaffung einer neuen Überwachungs-Behörde, der Union Financial Intelligence Unit, die 2019 ihre Arbeit aufnehmen soll.

Nun ist die Bekämpfung von Kriminalität sicher ein wichtiges Ziel, das im Interesse aller EU-Bürger ist, keine Frage. Das Problem ist nur, dass sich eben mit dem Kampf gegen den Terror so ziemlich alles begründen lässt – schon die Einstellung der 500-Euro-Scheine, die angeblich nicht mehr gedruck werden, weil sie von Kriminellen besonders gerne benutzt würden, geht in diese Richtung (obwohl Untersuchungen klar zeigen, dass es vor allem 50- und 100 Euro-Scheine sind, die sich bei Kriminellen besonderer Beliebtheit erfreuen!).

Und so drängt sich der Eindruck auf, dass mittels des legitimen Ziels der Verbrechensbekämpfung nicht nur elementare Freiheitsrechte einschränken lassen, sondern vor allem auch umlaufendes Cash bekämpft werden soll, das eben nicht der Kontrolle der immer mächtigeren Notenbanken unterliegt. Man kann daher zienlich sicher davon ausgehen, dass die EZB die neuen Regularien begrüßen wird!

Interessant ist übrigens, dass die EU unter Cash eben nicht auch Kryptowährungen wie Bitcoin definiert – und zwar, weil man diese nicht wirklich überwachen könne:

„Despite the high risk posed by virtual currencies, such as Bitcoin, these are not included in the definition of “cash”. This is because customs authorities lack the resources to monitor them.“

Und da, wie gesagt, auch Kriminelle lesen können, macht das Kryptowährungen wie Bitcoin natürlich noch attraktiver als ohnehin schon. Es ist daher damit zu rechnen, dass eben diese Kriminelle auf die Idee kommen werden, Gelder nicht mehr in Cash zu verschieben, sondern diese Cash-Bestände zunächst in Kryptowährungen zu tauschen und erst dann über die Grenzen zu verschieben!


Beispielbild für Bargeld
Foto:Nic McPhee, https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:CC-BY-SA-2.0

24 Kommentare

24 Comments

  1. Feldmaen

    11. Dezember 2017 12:56 at 12:56

    „Und da, wie gesagt, auch Kriminelle lesen können, macht das Kryptowährungen wie Bitcoin natürlich noch attraktiver als ohnehin schon. Es ist daher damit zu rechnen, dass eben diese Kriminelle auf die Idee kommen werden, Gelder nicht mehr in Cash zu verschieben, sondern diese Cash-Bestände zunächst in Kryptowährungen zu tauschen und erst dann über die Grenzen zu verschieben!“

    Das stimmt schlicht und ergreifend nicht! Bitcoin ist absolut Transparent und so gut wie gar nicht anonym. Das gilt auch für die meisten anderen Kryptowährungen. Die Blockchains sind open source und können von Fandern komplett zerlegt und somit auch Bewegungen an Exchanges nachvollzogen werden. Und das ist gegenüber Cash ein ganz klarer Vorteil im Sinne der Behörden! Klar das die Öffentlichkeit das anders sehen soll. Ich hatte das schon einmal in einem Kommentar angedeutet.

    Schade dass sich hier FMW dieser negativen und unbegründeten Stimmungsmache anschließt…

    • Columbo

      11. Dezember 2017 13:22 at 13:22

      Noch haben die EU-Gesetzgeber das Kryptosystem nicht verstanden, wird aber nicht mehr lange dauern. Dann wird Kryptogeld ganz schnell als Cash definiert. Die Kryptojünger sind da schon ziemlich naiv. Geld, Vermögen, Besitz hat man nur solange es der Staat erlaubt.

      • baeuerin

        11. Dezember 2017 13:50 at 13:50

        >>Geld, Vermögen, Besitz hat man nur solange es der Staat erlaubt.>>
        Colombo,ein wahrer Satz,den man sich hinter die Ohren schreiben sollte!!!

    • Markus Fugmann

      11. Dezember 2017 13:26 at 13:26

      @Feldmaen, klar ist das open source, nur ist eben dem Käufer eines Bitcoins im Algorithmus kein Name zugeordnet, man weiß vielleicht wann und von wo gekauft wurde und kann dann versuchen das zurück zu verfolgen..Aber hier geht es ja darum, dass etwa jemand, der Bitcoins über die Grenze bringt, die viel mehr Wert haben als die 10.000 Euro, diese Bitcoins nicht beschlagnahmt werden können! Alaso bleibt doch das Argument weiter gültig, dass es sich für Krminelle anbietet, bestehendes Vermögen in Form von Kryptowährungen über die Grenze zu schaffen! Was wiederum aber nicht von uns als Argument gegen Kryptowährungen verwendet wird, wie Sie unterstellen, @Feldmaen!

      • Feldmaen

        11. Dezember 2017 13:48 at 13:48

        Sobald die Bitcoins wieder in FIAT umgetauscht werden kann man sue beschlagnahmen. Dieser Gefahr würde ich mich als Verbrecher nicht aussetzen. Und das ist auch der Grund warum Staaten und Behörden die Kryptowährungen im großen und ganzen unterstützen, weil sie weg vom Cash wollen. Es spielt ihnen so zu sagen in die Hände! Im Bezug auf kriminelle Geldströme sind Kryptowährungen ein Segen!

        • Columbo

          11. Dezember 2017 14:13 at 14:13

          Die Schwachpunkte sind der Umtausch von FIAT in Krypto und zurück. Im Euroland zumindest ist Anonymität eine Illusion, was mir persönlich aber auch egal ist.

      • Feldmaen

        11. Dezember 2017 13:53 at 13:53

        @Fugmann, was wird dem Leser denn hier suggeriert? Bitcoins dienen dem Verbrechen! Das wird dem Neuling in diesem Thema durch den letzten Absatz vermittelt, darum geht es mir. Neutral ist was anderes.

      • Bademeister

        11. Dezember 2017 14:31 at 14:31

        Über welche Grenze denn? Bitcoin kennt keine territorialen Grenzen. Wenn ich als ehrlicher Reisender jedoch meine Coins als FIAT im Ausland verwenden will, brauche ich eine ausländische Bankverbindung für die Auszahlung, und das wiederum ist für den Normalverbraucher oft nicht so einfach…

      • Michael

        12. Dezember 2017 08:43 at 08:43

        Man brauch es gar nicht über Grenzen bringen. Es ist dort, wo man es braucht. Jeder kann es abrufen.

    • Gixxer

      11. Dezember 2017 23:08 at 23:08

      Ich vermute mal, sie meinen man kann immer nachvollziehen wohin die Kryptos gehen, also auf welches „Konto“. Es wäre dann also nicht anonym.
      Die Frage ist dann aber, ist da der korrekte Name hinterlegt?

      • Feldmaen

        12. Dezember 2017 09:03 at 09:03

        Man kann Fiat in z.B. Bitcoins tauschen, das geht nur über Wechselstuben bei denen sie vorher ihre Identität durch Personalausweis, Handynummer und Adresse preis geben müssen. Die Bitcoin sind dann unter einer alphanumerischen Adresse auf der Blockchain gespeichert und könnten natürlich auf einer anderen exchange im Ausland zurück in Fiat getauscht werden. Hier bräuchten sie auch wieder eine Identität. Das wäre komplett nachvollziehbar und für Geldwäscherei nicht zu empfehlen. Sie könnten natürlich versuchen vorher durch eine große Anzahl an Transaktionen ihre Spuren zu verwischen, ist aber sehr schwierig und bei den Gebühren auch sehr kostspielig. Natürlich könnte man auch versuchen die Bitcoins im Ausland gegen Bargeld wieder umzutauschen. Aber das halte ich ebenfalls für sehr unwahrscheinlich, da niemand eine Bitcoin Adresse haben möchte, welche auf kriminelle Aktivitäten hindeuten könnte. Die Spurensuche ist mit Hilfe der Blockchain und Großrechnern für Fahnder ein Kinderspiel.

        • Feldmaen

          12. Dezember 2017 09:05 at 09:05

          Ergänzung: Unter den Adressen auf der Blockchain sind keine Identitäten hinterlegt.

  2. Alain Surlemur

    11. Dezember 2017 13:31 at 13:31

    In einem gut regierten Land ist Armut eine Schande,
    in einem schlecht regierten Reichtum.

    Konfuzius

  3. baeuerin

    11. Dezember 2017 13:42 at 13:42

    Viele haben doch nicht etwa die Waehrungsreform von DM zum Euro vergessen?!
    50%Abwertung!
    Wie wird sich die „event. Weltw.“ Reform auf den Bitcoin auswirken?
    Wer wird dann total verarmt sein?
    Event.einen Gold-Bitcoin als weltweite Waehrung?
    Papierwaehrungen in der heutigen Form,loesen sich dank der Amis in Luft auf!
    Wer hat den Bitcoin erfunden und wer besitzt den Grossteil an Bitcoin?
    Mit Sicherheit nicht DEUTSCHLAND,im Land der Erfinder!
    Fragen ueber Fragen
    Eins wird aber sicher sein:
    Wer keine Coins &Gold besitzt,dem bleibt in absehbarer Zeit,nur der STRICK………………Obwohl man in DE wahrscheinlich wieder den US-Weg gehen wird,d.h.bis auf deinen goldenen Ehering,wird alles gepfaendet!
    Die Haeuslebauer werden ihren Obulus noch abdruecken muessen,denn bei diesen Immo.Preisen,da will doch der Staat auch noch abgreifen,das er bis jetzt noch nicht getan hat!Nur die Kommunen drehen an der Grundsteuer,die ja noch ein Pipi Fax ist….
    Viele werden endlich froh sein,ihre Bude abbezahlt zu haben,bevor ER (der Staat) radikal zuschlagen wird und dann werden Zwangsverkaeufe ueber die BITCOIN-Waehrung in DE stattfinden!
    Die Mehrheit der dt.Buerger hat sich auf eine Luege eingelassen,indem er glaubt,er koenne sich mit 65/67 sorgenfrei ins gemachte Heim setzen und schmollen,ha ha lol…This is and was a dream….

  4. baeuerin

    11. Dezember 2017 15:26 at 15:26

    War doch klar,dass DE wieder mal typ.etwas verpennt!
    https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10127427-deutschland-siegeszug-bitcoin-automaten
    DE schafft sich noch in die Steinzeit ab,lol

  5. leser

    11. Dezember 2017 15:27 at 15:27

    In dieser Unbestimmtheit trägt die Gesetzgebung diktatorische Züge. Trotzdem wird Schulz mit Murksel alles daran setzen, die EUSSR umzusetzen.

    Ich frage mich allerdings, wie die Vorschriften umgesetzt werden sollen, wenn die Binnengrenzen offen sind. Da kontrolliert doch keiner.

    Bitcoin droht auch von den Steuerbehörden der Nimbus des Anonymen genommen zu werden, http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2017/12/irs-bekommt-zugriff-auf-daten-der.html

  6. Columbo

    11. Dezember 2017 16:58 at 16:58

    40 Prozent aller Bitcoins sollen in Händen von 1000 Personen sein, die sich noch dazu untereinander kennen. Dann ist eh klar, warum es läuft, wie es läuft.

    • Bademeister

      11. Dezember 2017 17:18 at 17:18

      Hab mal gelesen (glaub in den Leserkommentaren auf FMW), dass mehr als 90% der vorhandenen Bitcoins nur ca. 4% aller Bitcoinbesitzern gehören sollen. Und die haben jeweils mehrere Wallets, mit denen sie die Bitcoins teilweise im Kreis „herumschieben“. Sollte das so sein ist das nicht besonders vertrauenserweckend.

    • Feldmaen

      11. Dezember 2017 17:28 at 17:28

      Das 40% aller Bitcoins in den Händen von 1000 Personen liegen ist im Vergleich zur weltweiten Wohlstandsverteilung sogar relativ gerecht. Aber wie sollen sich 1000 Personen untereinander alle kennen? Klar dass Leute die Bitcoins besitzen auch deren Wert promoten, würden wir auch so machen, oder?

      • Columbo

        11. Dezember 2017 17:59 at 17:59

        Kauf-und Verkaufsabsprachen, Kursmanipulationen in so einem kleinen Markt sind kritisch. Wenn das Kartell beschließt, plötzlich zu verkaufen? Sicher, als Klein-Bitcoin-Besitzer war man dann selbst schuld. Man muß halt zu den 1000 gehören.

        • Feldmaen

          11. Dezember 2017 18:26 at 18:26

          Wenn das Kartell plötzlich verkaufen wollte, würde es sich doch in das eigene Fleisch schneiden. Werfen sie mal 40% eines Assets auf den Markt, da haben sie aber einen schönen Flashcrash. Ne, die sind an einer stetigen Preisentwicklung interessiert. Dennoch macht auch mir die Preisentwicklung des Bitcoins ein komisches Gefühl. Ich sehe keinen Nutzen, auch nicht als Wertaufbewahrungsmittel. Dafür müsste der Bitcoin 1000 Jahre alt sein.

          • Columbo

            11. Dezember 2017 18:59 at 18:59

            Ich komme ich da nicht mehr mit. Für einen Fünzehnjährigen ist es wahrscheinlich normal, wenn ihm der Opa Bitcoin-Cents statt Goldmünzen schenkt.

  7. baeuerin

    11. Dezember 2017 17:27 at 17:27

    Bitcoin Future 18200$….

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Was erlauben Mario? Eine Spurensuche nach den Motiven des Notenbankchefs

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am

Wie wir alle lesen konnten, hat sich der Notenbankchef Mario Draghi auf der Konferenz in Sintra/Portugal sehr „dovish“ zur künftigen Politik der EZB geäußert und weitere geldpolitische Maßnahmen in Aussicht gestellt, trotz Null- und Negativzinsen. Hat er nichts aus der bisherigen eingeschränkten Wirkung seiner Geldpolitik gelernt oder was könnte sein Motiv sein?

Mario Draghis Karriere

Man ist schnell bei der Hand, die Aktionen des mächtigen Notenbankers mit dumm oder ideologisch zu bezeichnen. Dagegen spricht seine Ausbildung, seine Karriere und sein Beraterstab von Hunderten promovierten Volkswirten. Draghi hat am bekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Wirtschaftswissenschaften promoviert mit der Thematik der theoretischen Grundlagen von Währungsabwertungen sowie mit dem Verhältnis von kurzfristiger Stabilisierungspolitik und langfristigen Planungszielen.

Mario Draghi
Foto: EZB

Er war jahrelang Dozent der Wirtschaftswissenschaften an verschiedenen Universitäten, er hatte den Vorsitz des Wirtschafts- und Finanzausschusses der Europäischen Union inne und wurde im Jahre 2002 Managing Director und Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs in London, bis 2005. Ab dem Jahr 2006, für ingesamt fünf Jahre, wurde Mario Draghi der Notenbankchef Italiens und er kennt daher die finanziellen Gegebenheiten seines Heimatlandes aus dem Effeff. Bereits während seiner Amtszeit forderte er vergeblich die Politik zu durchgreifenden Strukturreformen auf, wie etwa einer Anhebung der Lebensarbeitszeit. Und anschließend wurde er nun schon für acht Jahre EZB-Chef, also von Unwissenheit kann keine Rede sein, er dürfte sich in der Geldpolitik besser auskennen, als jeder von uns in diesem Forum.

Warum beharrt Mario Draghi auf seiner Geldpolitik?

Hier ist man natürlich auf das Spekulieren angewiesen. Mario Draghi ist in erster Linie Notenbanker und zwar derjenige, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Eurozone zusammenzuhalten, „whatever it takes “. Was bleibt ihm daher anderes übrig, als die Zinsen unten zu lassen, zumal die Verhältnisse in der italienischen Politik ein Auseinanderbrechen des Euroraumes immer wahrscheinlicher machen. Wenn die Fed jetzt die Zinsen senkt und der Dollar an Anziehung verlöre, wäre ein Erstarken des Euro die Folge und ein weiterer Schlag gegen Europas rezessionsgefährdeter Exportindustrie. Trumps Zollpolitik und ein starker Euro wären der sichere Schritt in eine Rezession der Eurozone. Eventuell will er auch Zeit gewinnen, bis sich die Eurozone, durch Betreiben Frankreichs, auf eine Vergemeinschaftung der europäischen Schulden durchringt. Ihm ist sicher bewusst, dass Italien von seinen Schulden (132% zum BIP), nicht herunterkommen kann.

Draghi hat als EZB-Chef die Wahl zwischen Pest und Cholera. Reagiert er nicht auf Zinssenkungen der Amerikaner kommt die Rezession. Senkt er das Geld weiter ins Minus, gefährdet er das europäische Bankensystem. Warum betet er die Banken so gesund und „die würden durch die Fristentransformation gar nicht so leiden.“ Ich bin mir sicher, wenn es weiter brenzlig wird, kommt es zum gestaffelten Einlagesatz für die Banken, es ist nur derzeit der Politik nicht zu vermitteln. Warum rettet man italienische Banken und lässt die systemrelevanten nördlichen Institute straucheln? Wohl eher nicht. Mario Draghi ist in zweiter Linie Italiener, in Rom lebend und mit einer Familie im Lande. Er wird vor seinem Ruhestand sicher nichts tun, um sein Heimatland zu gefährden.

Fazit

Klar sind meine Aussagen spekulativ. Aber der EZB-Chef sitzt einem Direktorium (sechs Mitglieder) vor, zusätzlich gibt es die Präsidenten der 19 Mitgliedsstaaten, die in einem rollierenden System ihre Stimmen zu Zinsentscheidungen abgeben. Notenbankpolitik ist keine „One Man Show“. Aus einem Zinswettlauf ist parallel ein Währungswettlauf geworden und das ist nicht zu unterschätzen. Ich will Draghi hier nicht verteidigen, die Nullzinspolitik ist für unsere Vorsorgesysteme und die künftige Generation (weiter sollte man nicht spekulieren) desaströs. Aber bleibt der EZB derzeit etwas anderes übrig? Man stelle sich den Effekt der Ankündigung einer Zinssteigerung in Europa vor!

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„Wirtschaftsterrorismus“ der USA gegen den Rest der Welt

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Florian Homm spricht in seinem aktuell veröffentlichten Videokommentar vom „Wirtschaftsterrorismus“ der USA gegen den Rest der Welt. Aber na ja, nicht gegen alle Staaten, denn einige Länder nehme Trump explizit aus. Vor allem seien es Partnerländer aus dem angelsächsischen Bereich, die kaum unter seinen Zöllen und Sanktionen leiden würden. Aber ansonsten überziehe er den Planeten mit Strafen, Zöllen und Wirtschaftskrieg, um die Aussagen von Homm mal vereinfacht auszudrücken. Europa müsse klar Position beziehen, so seine Botschaft.

Betreibt Donald Trump Wirtschaftsterrorismus?
Donald Trump.

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Mario Draghi: Sein Problem im Detail, aktuell, schwarz auf weiß

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Tja, Mario Draghi hat so einige Probleme. Gerade eben kam ein weiteres hinzu. Donald Trump ist ziemlich erbost darüber, dass die Eurozone doch glatt ihre Geldpolitik weiter lockert, was den Euro gegen den Dollar schwächt. Diese bösen Europäer und Chinesen, die ihre Währungen manipulieren, um den Amerikanern die Arbeitsplätze wegzunehmen.


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Mario Draghi hat eigentlich nur eine Aufgabe

Und dann wäre da noch die stark einbrechende Industrieproduktion in Europa. Krise voll im Anflug. Und ja, eigentlich hat Mario Draghi nur eine Aufgabe, nämlich für Preisstabilität zu sorgen. Dafür wurde vor Jahren offiziell das Inflationsziel von 2,0% für die Eurozone ausgegeben. Bloß keine Deflation riskieren, war damals die Devise! Erst sei an eine Zinswende nach oben zu denken, wenn die Inflation inklusive der Kerninflation für eine lange Zeit bei mindestens 2% liege. Tja, aber das funktioniert nicht. Nicht mal ansatzweise. Davon ist derzeit nicht mal zu träumen.

EZB-Präsident Mario Draghi
Mario Draghi. Foto: EZB CC BY-NC-ND 2.0

Heute hat die europäische Statistikbehörde Eurostat offiziell die Details für die Verbraucherpreise im Mai veröffentlicht. Von März auf April sprangen die Preise von 1,4% auf 1,7%. Mensch, wie toll, dachten sich wohl so einige Beobachter. Da kommt man doch nah ran an die 2,0%? Aber im Mai folgte nun der Einbruch von 1,7% auf 1,2%. Die Details zeigen, dass der April-Wert von 1,7% (wohl zum Leidwesen für Mario Draghi) nur ein einmaliger Ausreißer nach oben war. Verursacht war er durch einen kurzen Preisschub bei Dienstleistungen. Dort stiegen die Verbraucherpreise von 1,1% auf 1,9%. Und jetzt, zack, wieder runter auf 1,0%.

Details zu den Verbraucherdaten machen Mario Draghi unglücklich
Grafik: Eurostat

Die Energiepreise fallen als Wachstumstreiber auch aus, obwohl sie mit aktuell +3,8% immer noch deutlich über dem Schnitt liegen. Aber in den Vormonaten (rot markiert) lagen die Prozentraten bei über 5%. Lebensmittel sind mit „nur noch“ +1,5% auch keine große Hilfe mehr wie noch letztes Jahr, wenn es um steigende Verbraucherpreise geht. Ganz rechts im folgenden Chart sieht man den jüngsten Rückfall bei den Verbraucherpreisen.

Eurozone Verbraucherpreise Mai Chart

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