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Modell zur Gaspreisdeckelung EU könnte als ersten Schritt Gas für Stromerzeugung deckeln

Heute treffen sich die EU-Energieminister in Prag und wollen dabei über ein Modell diskutieren, dass die Preise für Gas, das zur Stromerzeugung genutzt wird, deckeln soll. Bereits mehr als die Hälfte der EU-Staaten fordert eine Obergrenze für Gas im Großhandel. Allerdings gibt es auch Stimmen, die davor warnen. Beispielsweise sagte Simone Tagliapietra von der Brüsseler Denkfabrik „es wird nicht einfach sein, an den Energiemärkten herumzuspielen“. Denn es besteht die Gefahr, dass Lieferanten ihr Gas woanders hinschicken könnten. Da die Forderungen für eine umfassendere Obergrenze der Gaspreise innerhalb der Europäischen Union zunehmen, scheint erst einmal ein Vorschlag in den Fokus zu rücken, der die Preise für das zur Stromerzeugung genutzte Gas deckeln soll.

Gas: Modell zur Gaspreisdeckelung stößt auf Skepsis

Wie Bloomberg berichtet, befassen sich die EU-Energieminister bei ihrem heutigen Treffen in Prag mit einem Modell, das Verbraucher in Spanien und Portugal bereits vor den gravierendsten Preisanstiegen schützt. Deutschland bleibt dieser Lösung gegenüber jedoch skeptisch und befürchtet, dass ein Preisdeckel die Nachfrage ankurbeln könnte, die man wegen der Lieferengpässe derzeit eher zügeln sollte.

Deutschland und die Niederlande wollen darauf hinweisen, dass eine solche Maßnahme „sehr sorgfältig“ abgewogen werden muss, wie es in einem Bloomberg vorliegenden Dokumentenentwurf heißt. Es müsse sichergestellt werden, dass die Lasten zwischen den Ländern geteilt werden. Berlin und Den Haag sprechen sich stattdessen für sofortige gemeinsame Gaseinkäufe der EU aus, um zu verhindern, dass sich die Länder gegenseitig Konkurrenz machen. Zudem drängen sie auf strengere Ziele zur Senkung des Gasverbrauchs.

Angesichts des nahenden Winters wird die Zeit knapp, die Differenzen zu überwinden. EU-Energiekommissar Kadri Simson wird den Ministern am Mittwoch in der tschechischen Hauptstadt einen detaillierteren Fahrplan für die Verhandlungen vorlegen. Er könnte Vorschläge für eine Entkopplung des Strommarktes sowie für Maßnahmen zur Gasbeschaffung enthalten. Die EU-Staats- und Regierungschefs würden sie dann auf einem Gipfel am 20. und 21. Oktober erörtern.

Kurzfristig gehe es darum, einen größeren Konsens zu erreichen, sagt Maxiomo Miccinilli Maximo Miccinilli, Chef des Bereichs Energie und Klima bei der Beratungsfirma FleishmanHillard EU. “Sie können sich auf das Prinzip der Entkopplung von Gas und Strom einigen, aber sie brauchen Zeit, um zu verstehen, wie sie es tun können.”

Hindernisse für eine Gaspreis-Obergrenze

Ziel ist es, auf einer Dringlichkeitssitzung der Energieminister im nächsten Monat Maßnahmen abzusegnen, um die Bürger vor der beispiellosen Energiekrise zu schützen. Die EU hat bereits Sondersteuern auf überhöhte Gewinne der Energieunternehmen eingeführt. Zudem wurden Ziele für die Senkung des Strom- und Gasbedarfs vereinbart, berichtet Bloomberg.

Skeptisch zur politischen Lage zeigte sich Simone Tagliapietra vom Brüsseler Think Tank Bruegel. “Ich habe Schwierigkeiten, eine klare Richtung zu erkennen und sehe keinen Konsens über Obergrenzen”, so der Analyst. “Das spanische System, das vorübergehend auf EU-Ebene ausgeweitet wird, könnte im Moment der einzig gangbare Weg sein”, sagte Tagliapietra mit Blick auf das iberische Modell des Preisdeckels für Gas, das für die Stromerzeugung genutzt wird.

Die Einigung auf eine umfassendere Obergrenze für den Gaspreis dürfte aufgrund ihrer Komplexität wohl länger dauern, so ein hoher EU-Beamter, der mit der Angelegenheit vertraut ist. Die größte Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass die Obergrenze niedrig genug ist, um die Preise zu senken, aber hoch genug, um weiterhin Gas auf dem Weltmarkt zu erhalten.

Italien, Griechenland, Polen und Belgien schlagen vor, die steigenden Erdgaspreise durch die Einführung eines Korridors oder einer Spanne um eine Preisobergrenze an den größten Handelsplätzen der Region zu begrenzen. Deutschland und andere Länder ziehen es jedoch vor, mit befreundeten Gaslieferanten zu verhandeln, um den Preis zu senken, ohne die Gasflüsse zu gefährden.

FMW/Bloomberg

Gaspreis: EU könnte als ersten Schritt Gas für Stromerzeugung deckeln - Modell
Electrical power lines hang from a transmission tower near the Agios Dimitrios Power Plant, operated by Public Power Corp. SA (PPC), in Kozani, Greece, on Monday, Sept. 26, 2022. The economic damage from the shutdown of Russian gas flows is piling up fast in Europe and risks eventually eclipsing the impact of the global financial crisis. Photographer: Konstantinos Tsakalidis/Bloomberg


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2 Kommentare

  1. Hier ist wieder der Wahnsinn der Rot/Grünen Politik zu erkennen.
    Gasturbinenkraftwerke haben je Einheit eine Leistung von bis zu 340 MW. Also ca. etwa 1/4 der Leistung eines Atomkraftwerkes.
    Würden die 3 vorhandenen AKW nicht abgestellt, und die sich in der Abklingphase befindlichen weiteren 3 AKW wieder in Betrieb genommen, müssten etwa 24 Gaskraftwerke kein Gas verbrauchen, und Deutschland käme eher ohne Gas- und Strommangel durch den Winter.
    Und die Strom- und Gaspreise würden fallen.
    Aber lieber fahren die Ideologen Deutschland gegen die Wand.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Update , Die Wahrscheinlichkeit einer russischen Beteiligung der Pipeline Sabotage ist gewachsen.

    Grund:
    1. Es festigt sich der Umstand (es kommt kein Gegenargument) ,daß die Leitung B von Nordstream 2 nicht zerstört ist und funktionsfähig
    ist.
    2. Nordstream 1 ist unbrauchbar. Anteilseigner : Gazprom 51 %,sowie Wintershall Dea, E.ON, Gasunie und Engie. Damit –out of business.

    Die Firma Nordstream 2 allerdings befindet sich zu 100% in den Händen von Gazprom !!

    Das ist natürlich der Vorteil ,auch geostrategisch,nicht mehr von der Hand zu weisen .Das ist der weiße Ritter .

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