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EU-Kommission spendabel: Es gibt 420 Mio Euro für Griechenland und 500 Mio Euro für Tunesien

Die EU-Kommission wird im Rahmen der sogenannten "EU-Investitionsoffensive" (der „Juncker-Plan“) 420 Millionen Euro über den Europäischen Investitionsfonds für Griechenland zur Verfügung stellen. Nicht der Staat, sondern bis zu...

FMW-Redaktion

Die EU-Kommission wird im Rahmen der sogenannten „EU-Investitionsoffensive“ (der „Juncker-Plan“) 420 Millionen Euro über den Europäischen Investitionsfonds für Griechenland zur Verfügung stellen. Nicht der Staat, sondern bis zu 2.000 Kleinstunternehmer und Mittelständler sollen diesen Betrag in Form von Darlehen erhalten. Im Schnitt wären das pro Kredit 210.000 Euro.


© European Union , 2016

Wir meinen: Das ist jedenfalls deutlich sinnvoller als es dem Herrn Tsipras zu überweisen! Abgewickelt werden sollen die Darlehen vor Ort über die griechischen Banken Alpha Bank und Piraeus Bank. Laut EU-Kommission sollen die Unternehmen mit diesen Darlehen Zitat „ihre Aktivitäten erweitern, neue Arbeitsplätze schaffen und in Forschung und Innovation investieren“.

Bei diesen Krediten sollen extrem geringe Anforderungen an die Sicherheiten (also keine?) gestellt werden, so die EU-Kommission (Zitat „to provide loans with substantially reduced collateral requirements“). Das ist wohl auch bitter nötig, denn welcher quasi bankrotte Unternehmer, bei dem momentan gar nichts läuft, könnte für so ein Darlehen jetzt plötzlich eine Yacht oder einen Ferrari als Sicherheit präsentieren?

Wir meinen: An sich eine gute Sache. Man kann nur hoffen, dass die EU-Kommission beziehungsweise der „Europäischen Investitionsfonds“ ein verdammt gutes Controlling durchführt, damit diese Gelder nicht bei den beiden griechischen Banken für andere Dinge verwendet werden. Und auch sollte man ein Auge darauf haben, ob die Kredite wirklich dem kleinen innovativen griechischen Unternehmer zu Gute kommen, oder nicht doch größeren kaputten Firmen mit toten Geschäftsmodellen. Denn diese Befürchtung ist ja gar nicht mal so unrealistisch.

Wir lassen hier mal vier beteiligte Parteien zu Wort kommen. Zitat:

European Commissioner, Dimitris Avramopoulos, responsible for Migration, Home Affairs and Citizenship, said: „Facilitating access to finance for small and medium-sized businesses is a crucial element of the European Commission’s strategy to promote jobs and growth in Greece and across Europe. Greek small and medium-sized enterprises are already benefiting from loans made possible by the Juncker Plan. Today’s agreements will allow some 2,000 more SMEs to finance expansion, innovation and job-creation which will, in turn, contribute to securing Greece’s economic recovery.”

Speaking at the signing event in Athens, EIF Chief Executive, Pier Luigi Gilibert, commented: “Today’s EFSI signatures with Alpha Bank and Piraeus Bank re-confirm EIF’s commitment to Greek businesses. In less than a year, EFSI will allow EIF to support a total portfolio of over EUR 1 billion of loans to Greek businesses. Access to finance continues to be a pressing issue for many businesses and the four COSME and InnovFin guarantees will unlock critical investment opportunities for Greek SMEs.”

George C. Aronis, Deputy CEO of Alpha Bank, stated: “The agreements signed today constitute a significant step towards the recovery of Greek entrepreneurship and economy, while further enhancing the long-standing and constructive cooperation between Alpha Bank and the European Investment Fund. Through these agreements, implemented under the European Commission’s COSME and InnovFin programmes, with the support of the European Fund for Strategic Investment, Alpha Bank will provide financing to sustainable and innovative SMEs, with favorable financial terms and reduced collateral, in order to help them meet their operational needs, strengthen their competitiveness and achieve their growth objectives”.

Ilias Milis, Pireaus Bank Senior General Manager, said: “Piraeus Bank, the biggest bank in Greece has set as a primary and strategic goal, the holistic support of Greek entrepreneurship that is considered as the principal force for the reemergence and growth of the Greek economy. Piraeus Bank is expanding its already established cooperation with the European Investment Bank Group, by signing 2 new agreements of a total budget of EUR 270million. These guarantee facilities, COSME and InnovFin, will enhance access to finance for more than 1.000 SMEs and small Midcaps that are active in all business sectors. In particular, through COSME guarantee facility, Piraeus Bank is planning to allocate EUR 170 million to Greek SMEs that represent the backbone of Greek economy, by financing them under more favorable terms. Additionally, EUR 100 million will be dispersed through InnovFin guarantee facility, to innovative SMEs and small Midcaps that invest in research and development and the production of innovative products or services”.

Tunesien

Auch wird Tunesien aktuell von der EU-Kommission bedacht, genauer genommen mit 500 Millionen Euro. Man will der noch jungen Demokratie auf die Beine helfen. Noch mehr als in Griechenland kann man nur hoffen, dass es auch hier überhaupt irgendein Controlling gibt, was mit dem Geld denn letztlich wirklich gemacht wird. Die Summe fließt als Kredit an die tunesische Regierung. Für immerhin 500 Millionen Euro hat die EU es fertig gebracht doch tatsächlich diesen ausführlichen Text (Scherz) zu veröffentlichen, Zitat:

Die EU hilft Tunesien mit weiteren 500 Mio. Euro bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Probleme, vor denen das Land seit dem demokratischen Umbruch 2011 steht. EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici unterzeichnete die Vereinbarung heute (Donnerstag) mit dem tunesischen Finanzminister und Zentralbankchef in Brüssel. „Die heutige Vereinbarung zeigt, dass die EU ihr Engagement für die Demokratisierung und wirtschaftliche Stabilisierung Tunesiens ernst nimmt“, sagte Moscovici. Die Probleme sind teilweise auf die Terroranschläge vor zwei Jahren und die anhaltende politische Instabilität in der Region zurückzuführen.

Dabei muss man bedenken: Im Jahr 2014 hatte die EU dieses Makrokredit-Programm für Tunesien begonnen, und damals schon 300 Millionen Euro freigegeben. Die Vermutung liegt nahe, dass Tunesien mit der jetzt um 200 Millionen Euro höheren zusätzlichen Kreditsumme den damaligen Kreditbetrag zurückzahlen kann, und dann immer noch gut was übrig hat. Also nur eine Art Umschuldung mit Extra-Cash oben drauf? Das ist natürlich nur eine böswillige Vermutung unsererseits. Da es aktuell keine weiteren Details gibt, hier eben der Wortlaut aus Brüssel zum „Programmstart“ aus dem Jahr 2014, wo es um die ursprünglichen 300 Millionen Euro ging:

The European Union and the Tunisian authorities have completed the signing of the Memorandum of Understanding (MoU) and the Loan Facility Agreement related to the €300 million Macro-Financial Assistance (MFA) package for Tunisia. The documents were signed on behalf of the Republic of Tunisia by the Tunisian Minister of Finance, Mr. Hakim ben Hammouda, and by the Governor of the Central Bank of Tunisia, Dr. Chadly Ayari, and will now need to be ratified by the Tunisian Parliament. In July 2014, Siim Kallas, at the time Vice-President of the European Commission responsible for Economic and Monetary Affairs and the Euro, had signed the MoU on behalf of the EU. In May the European Parliament and the Council of the EU approved the MFA for Tunisia.

The financial assistance, in the form of a medium-term loan, will be provided during the course of 2014 and 2015 in three equal instalments of €100 million each.

This assistance is part of the EU’s and other international donors‘ efforts to help Tunisia overcome the severe economic difficulties caused by the combination of a weak external economic environment and the political transition process following the 2011 revolution. It will support the two-year comprehensive economic adjustment and reform programme agreed between Tunisia and the International Monetary Fund (IMF) in the context of the Stand-by Arrangement approved by the IMF in June 2013. The assistance is designed to help Tunisia move forward with its planned economic reforms while also underpinning its political reform efforts. Against this background the MFA is linked to the implementation of a number of economic policy measures as set out in the Memorandum of Understanding.

The assistance complements the increased financial resources provided by the EU to Tunisia under the European Neighbourhood and Partnership Instrument, and the EU SPRING programme to support partnership, reforms and inclusive growth in the EU’s southern neighbourhood, among other forms of assistance.



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3 Kommentare

  1. Da frage ich mich, warum das nicht auch in anderen EU-Staaten so gemacht wurde? Klein- und Mittelständler direkt zu fördern, anstatt zu hoffen, dass Null-Zinsen irgendwie in Form von günstigen Krediten von den Banken vielleicht über die Unternehmen in die Wirtschaft fließen.
    Was hat der Unsinn gebracht? So gut wie nichts, kreditwillige und -bedürftige Klein- und Mittelständler haben die überzogenen Kreditprüfungsanforderungen der Banken nicht erfüllen können, und diejenigen, die es gekonnt hätten, benötigen keine Kredite.

  2. Mein Frau hat mal die ICH-AG probiert. Wir haben das genau durchgerechnet und wissen auch, warum das wieder eingeschlafen ist. Der Staat ist halt doch kein wirksamer, effektiver Arbeitgeber, Finanzdienstleister usw. Es soll seine Steuern einsammeln, Polizei und Militär ausbilden, Infrastruktur schaffen und seine Klappe halten. Je größer die Staatsquote in der Marktwirtschaft wird, um so mehr Stalins und DDR’s Planwirtschaft. Da erstickt viel Geld in den Beamtenstuben und Schwachsinns-Regularien!!! Je weniger, umso besser. Ich habe keine Quecksilberlampe!
    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article112261810/Die-EU-Regulierungswut-und-Erzieherattituede.html
    https://www.youtube.com/watch?v=MZvADcrXZT8
    https://www.youtube.com/watch?v=5_c2-Yg5spU

    1. @Sabine
      Nicht, dass bei Ihnen der Eindruck erweckt wird, ich würde Ihre Meinungen kategorisch ablehnen: Dem Artikel der Welt bezüglich Reglementierungswut kann ich prinzipiell nur zustimmen. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, in Nord-Lappland dieselben Anforderungen an Asphalt zu stellen, wie in Gibraltar.
      Ich verwende sogar noch immer Quecksilberlampen, da diese bereits seit 20 Jahren ihren Dienst tun, noch immer funktionieren, und mir keiner vor 20 Jahren eine Warnung oder Alternative zukommen ließ.

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