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EU-Staaten einigen sich: Ein „Wort“ rettet die italienischen Banken vor einer Katastrophe

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In der Tat, es ist ein einziges Wort, welches vor allem die italienischen Banken vor einer Katastrophe rettet. Noch immer sitzen sie auf einer riesigen Halde von Schrottkrediten (NPL), die von den Kreditnehmern nicht mehr bedient werden könnten. Lange war in der Diskussion, dass die Banken deutlich mehr Vorsorge treffen sollen (zusätzliches Kapital vorhalten), um gegen diese Ausfälle gewappnet zu sein. Letztlich sind schon mehrere Banken in Italien den Bach runtergegangen, weshalb der italienische Steuerzahler durch dubiose Begründungen diese Banken retten durfte/musste.

Also, wie lösen die Regierungen in der EU dieses Problem? Sie ignorieren es einfach. Denn die heute veröffentlichte Einigung zu den NPL´s bezieht sich nur auf „neu“ auszugebende Kredite. Für sie sollen die Banken zusätzliche Mittel bei Seite legen, für den Fall dass sie Kredite ausfallen. Vom Altbestand ist hier keine Rede. Ohhh Wunder. Problem ignoriert, Problem gelöst! Hier der entscheidende Auszug aus der heutigen Veröffentlichung der EU-Kommission (das wichtigste Wort fett markiert):

Das Paket sieht einen umfassenden Ansatz mit komplementären politischen Maßnahmen in vier Schlüsselbereichen vor, die darauf abzielen, dass die Banken Mittel zur Deckung der Risiken im Zusammenhang mit neu ausgereichten Krediten vorsehen, die als ausfallgefährdet eingestuft werden könnten.

Hier noch mehr Details zu „neuen“ Schrottkrediten:

Mit einer Verordnung zur Änderung der Eigenkapitalverordnung (CRR) wird eine gemeinsame Mindestdeckungshöhe für neu ausgereichte, später ausfallende Kredite eingeführt. Falls eine Bank die anwendbare Mindesthöhe unterschreitet, werden Abzüge von den Eigenmitteln der Bank vorgenommen.

Sie wirkt dem Risiko entgegen, dass nicht genügend Mittel zur Deckung von Verlusten aus künftigen notleidenden Krediten zur Verfügung stehen, und verhindert, dass sich solche Kredite anhäufen.

Was interessant sein wird zu beobachten: Es ist laut aktuellem EU-Text der politische Wille, dass in der EU ein geregelter Verwertungsmarkt für Schrottkredite geschaffen wird. Dort sollen Risiko-Investoren notleidende Kredite von Banken kaufen können, kreuz und quer durch Europa. Dadurch könnten Banken eventuell leichter noch ein paar Krümel für ihren Schrott erlösen, wo sie jetzt auf quasi wertlosen Forderungen sitzen. Zitat EU-Kommission:

Weiterentwicklung von Sekundärmärkten für notleidende Kredite

Der Vorschlag wird dazu führen, dass die Anforderungen harmonisiert werden und ein EU-weiter Binnenmarkt für Kreditdienstleistungen und die Übertragung von Bankkrediten an Dritte entsteht, sodass die Entwicklung von Sekundärmärkten für Problemdarlehen gefördert wird.

In der vorgeschlagenen Richtlinie werden die Tätigkeiten von Kreditdienstleistern definiert, gemeinsame Standards für die Zulassung und Beaufsichtigung festgesetzt und EU-weit einheitliche Verhaltensregeln festgelegt. Dies bedeutet, dass Betreiber, die diese Vorschriften einhalten, in der gesamten EU tätig sein können, ohne dass separate nationale Zulassungsanforderungen gelten.

Käufer von Bankdarlehen müssen dies den Behörden beim Erwerb eines Darlehens melden. Käufer von Verbraucherkrediten aus Drittländern sind ihrerseits verpflichtet, auf zugelassene EU-Kreditdienstleister zurückzugreifen. Der Verbraucherschutz ist durch rechtliche Garantien und Transparenzvorschriften gewährleistet, sodass die Übertragung eines Darlehens nicht die legitimen Rechte und Interessen des Kreditnehmers berührt.

Wer nur die Headline-Aussage der Vertretung der EU-Kommission für Deutschland liest, dem würde gar nicht auffallen, was hier fehlt. Wie gesagt, die Alt-Fälle, die das eigentliche große Problem darstellen, werden einfach ignoriert. Also geht das ganze Dahindarben einfach so weiter?

Die Europäische Kommission begrüßt die heute (Mittwoch) zwischen den EU-Mitgliedstaaten erzielte Einigung über neue Regeln zum Abbau hoher Bestände an notleidenden Krediten, bei denen Schuldner in Zahlungsverzug geraten sind. Die Regeln sollen eine harmonisierte und weniger restriktive Regelung für Kreditnehmer und -dienstleister einführen und sehen die Entwicklung von Sekundärmärkten für den Verkauf notleidender Kredite unter Beibehaltung eines hohen Maßes an Kreditnehmerschutz vor.

EU Banken Schrottkredite
© European Union, 2019, Photographer: Etienne Ansotte, Source: EC – Audiovisual Service

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Steven

    27. März 2019 16:57 at 16:57

    Das reduziert das Problem doch nur um den einstelligen Prozentbereich. Haha.

    Die entfallenden Rücklagen sind doch ein Witz gegen die anstehenden Abschreibungen/Ausfälle.

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    asisi1

    27. März 2019 18:56 at 18:56

    Das Erstaunliche bei dieser EU und deren Politikern ist für mich, dass der Michel stehenden Auges und dazu noch freiwillig in die Diktatur schliddert!

    • Avatar

      Lars

      27. März 2019 19:53 at 19:53

      @asisi1, das Erstaunliche für mich ist, dass der Michel, wer auch immer das sein mag, solche Vollidiotenkommentare wie den von Ihnen noch immer duldet und veröffentlicht.
      Der schwarze Wirtschaftsmichel hat sich doch eben für Uploadfilter entschieden, wieso schlüpfen da noch solche geklauten Kommentare aus der Rechtspresse durch?

      • Avatar

        asisi1

        28. März 2019 17:53 at 17:53

        Wo hast du denn die letzten 30 Jahre gelebt??? Nicht hier in Deutschland, oder bist du eine Verbeamteter Profiteur?

        • Avatar

          Lars

          28. März 2019 19:23 at 19:23

          @asisi1, Entschuldigung, ich habe die letzten 30 Jahre hier in Deutschland gelebt. Als nicht verbeamteter Arbeitnehmer bei verschiedenen Firmen.

          Bin ich dadurch bereits ein Michel?
          „Schliddere“ ich deshalb freiwillig in die Diktatur?

          Sind Sie überhaupt ein realer Mensch oder bist du eine Verbeamteter Profiteur, wie besser die Bot nicht schreiben kann?

          Ihre Vollidiotenkommentare steigern sich zu Super-Vollidiotenkommentaren.

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    Wutbürger

    27. März 2019 21:22 at 21:22

    Was soll man denn in einer heimlich eingeführten Finanzplanwirtschaft erwarten? Beispiel: Italien hat in den letzten 3 Jahren ca. 100 Mrd neue Schulden aufgehäuft. Ein gewisser Herr Draghi hat in der gleichen Zeit italienische Staatsanleichen für über 300 Mrd Euro gekauft. Man kann also nicht mal behaupten, dieser Herr betreibe 100% Staatsfinanzierung seiner Heimat aus der Notenpresse. Denn es waren ja über 300%.
    Eines steht jedenfalls fest, und das wusste schon ein Wilhelm Busch vor über 200 Jahren: wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

    • Avatar

      leftutti

      27. März 2019 22:30 at 22:30

      Ja wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe! Kann man leicht sagen, wenn ein Ende absehbar ist. Ein Wilhelm Busch hätte einen Draghi auch bestenfalls als Alien oder als penetrantes, unnützes, nervig-destruktives Märchenwesen aus seinen eigenen Schriften und Phantasien erleben und beurteilen können.

      Finanzplanwirtschaft ist übrigens ein interessanter Begriff, der ernsthaft einer weiteren Überlegung wert ist. Gefällt mir, danke @Wutbürger

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    barthez

    27. März 2019 21:27 at 21:27

    der titel stimmt nicht ganz,die italienischen banken kannst du garnicht retten.
    maßnahme :
    1. 2008 einführung trennbankensystem — wurde nicht gemacht–neg. bankenliquidität
    2. bretton woods dilemma innerhalb des €-währungssystem-wurde nicht gemacht—target2
    3. bankenvertrauenskrise-globaler liquiditätsbedarf-abzug von privatmitteln aus dem bankensystem –notenbanken springen ein– bilanzaufblähung — prob. ungelöst
    4.(mein liebling) massive umverteilung von haftungsrisiko –usa 700mrd/eu 700mrd übers
    wochenende durch die parlamente–ungefähr soviel chips haben ein paar spieler vom tisch genommen—erst jahrzehntelang zinsezins kassiert und dann risiko weitergegeben und dann dafür gesorgt ,dass das so bleibt. das nenne ich mal IQ.
    so und abends dann rautenmutti+ son genosse von der spd—die ersparnisse sind sicher.- na da mahlzeit
    details erspare ich mir mal und bitte jetzt keine beleidigung von wegen farbe oder seite. das hier steht als fakten in den geschichtsbüchern !!

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      leftutti

      27. März 2019 22:13 at 22:13

      so und abends dann rautenmutti+ son genosse von der spd—die ersparnisse sind sicher.- na da mahlzeit
      details erspare ich mir mal und bitte jetzt keine beleidigung von wegen farbe oder seite. das hier steht als fakten in den geschichtsbüchern !!

      AHA!!! Welche Geschichtsbücher lehren und denn diese Weisheiten?
      Die geheimen Schriften von Lord Voldemort oder gar von Sauron, dem Bösen? Oder aus dem Reichsbürgertum, dem Schildbürgertum oder einfach dem Analphabetentum?

      Ich versuche weiterhin, den geheimen Morsecode eines Menschen, der bewusst aus Zeitmangel seine orthografischen Fähigkeiten abgelegt hat, zu entschlüsseln.

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        barthez

        28. März 2019 08:44 at 08:44

        @liebe/er leftutti,ich danke für das lesen,aber nochmal, ich versuche informationen zu schreiben keine schönklingende romane.es tut mir leid,ich weiß es ist biestig zu lesen.es hat sich halt als effizenter erwiesen.und manchmal bringt es dem forum was. siehe hier und vllt. haben wochen später ein paar leser sich verlust erpart.

        https://finanzmarktwelt.de/wer-pusht-den-bitcoin-markt-wer-sind-diese-leute-wo-sind-sie-und-was-sind-ihre-motive-ein-erklaerungsversuch-76503/

        so als beispiel.ich habe auch nix gegen die eu oder england oder für china oder für usa oder whatever.ich bin globalist,aber eins weiss ich aus der geschichte ganz sicher,wenn sich sozialistische systeme über die familiengrenze hinaus ausdehnen wird am ende mit blut dritter bezahlt und dagegen positioniere ich mich. beispiel: obiger punkt 1. solange kundeneinlagen und investment einer bank eins sind zahlen bei problemen dritte. das risiko bei coba und db ist wieder da.man wird sich einen weiteren primary dealer am leben halten der bonds zeichnet. sie sehen es werden wieder vielzuvieleviele worte….

        • Avatar

          Columbo

          28. März 2019 10:19 at 10:19

          @barthez (betrifft aber auch andere, die wir alle nur zu gut kennen),
          lernen Sie deutsch oder von mir aus auch englisch schreiben! Oder lassen Sie sich das, was Sie sagen wollen, von einem Freund oder Freundin, die die Sprache beherrschen, übersetzen. Auch gibt es im Netz gute Übersetzungstools. Ihr Kauderwelsch ist eine Zumutung, was soll da „effizent“ sein? Wenn ich hier in meinem Dialekt schreiben würde, verstünde mich auch niemand.

          • Avatar

            barthez

            28. März 2019 10:51 at 10:51

            ja ,sie haben ja recht. ich weiß.

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China: Coronavirus und die Reise der Massen zum Neujahrsfest

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In China läuft die Reisewelle zum Neujahrsfest: ca. 400 Millionen Chinesen machen sich auf den Weg in ihre ursprüngliche Heimat. Das ist die wohl größte Migrationswelle der gesamten Welt.

Die Aktienmärkte aber haben das Thema Coronavirus scheinbar schon wieder abgehakt: an Asiens Märkten sorgte die Pressekonferenz des chinesischen Gesundheitsministeriums für Beruhigung, Chinas Indizes drehten ins Plus. Aber wie die Lage wirklich ist, wird sich wohl erst nach dem Neujahrsfest zeigen: die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls hoch, dass die Zahl der Infektionen mit dem Virus durch die Reisewelle deutlich ansteigen wird.

Inzwischen hat sich das Virus in chinesischen Großstädten verbreitet – heute vormittag hat auch Hongkong den ersten Fall gemeldet. Laut neuesten Meldungen gibt es nun 473 bestätigte Fälle einer Erkrankung mit dem Coronavirus in China. Betroffen sind inzwischen aber auch Japan, Taiwan, Südkorea und Thailand. Gestern Abend auch der erste Fall in den USA durch einen Reisenden aus Wuhan nach Seattle – heute hat Donald Trump in einem Interview behauptet, dass man die Lage völlig unter Kontrolle habe.

Ob dem wirklich so ist, wird sich zeigen. Heute jedenfalls – und das könnte aufgrund der wirtschaftlichen Folgewirkungen für die Aktienmärkte wichtig werden – wird die Weltgesundheitsorganisation WHO entscheiden, ob sie offiziell den Ausbruch einer gefährlichen Pandemie erklären wird. Geschieht das, würden weltweit Behörden Sondermaßnahmen und Einschränkungen erlassen, die wohl vor allem die Branchen Luftfahrt und Tourismus treffen würden. Noch sind die Befürchtungen, dass das Coronavirus auch in Deutschland um sich greifen könnte, gering – die Bundesregierung jedenfalls hat heute bekannt gegeben, keine Reiswarnungen auszusprechen.

Anders als bei der SARS-Epidemie (als Peking das Ausmaß der Pandemie lange verheimlicht hatte) scheint China diesmal in seiner Informationspolitik viel transparenter vorzugehen. Folgendes ARD-Video zeigt, dass dennoch viele Chinesen den offiziell gemeldeten Infektions-Zahlen mißtrauen. Das Video vermittelt darüber hinaus einen Eindruck der bereits begonnen gigantischen Reiswelle in China – und skizziert die Sicherheitsvorkehrungen in der 11 Millionen-Stadt Wuhan, wo der Virus sich vermutlich ausgehend von einem Marktplatz ausgebreitet haben soll:

In China läuft eine gigantische Reisewelle - breitet sich das Coronavirus weiter aus?

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Mario Draghi erhält Bundesverdienstkreuz (kein Witz) – der deutsche Sparer gratuliert!

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Nein, wir haben noch nicht den 1. April. Nein, es ist kein bitter böser Scherz. Der ehemalige Chef der EZB Mario Draghi wird am 31. Januar von Bundespräsident Steinmeier das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Die Verleihung ist auch schon offiziell terminiert. Ja, da möchte der deutsche Sparer doch gleich mal gratulieren für die Niedrig- und Nullzinsen, und das über Jahre hinweg? Herzlichen Glückwunsch, da hat man sich so ein Bundesverdienstkreuz auch redlich verdient?

Aber Scherz bei Seite. Bekommt Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz dafür, dass seine Geldpolitik (2,6 Billionen Euro drucken und Zinsen abschaffen) so gut funktioniert hat, dass er die Wirtschaft stimuliert und die Inflation planmäßig auf 2% gehoben hat? (was ja gar nicht geschehen ist). Nein, es geht natürlich um das „Große Ganze“. Wofür bekommt er denn diese Auszeichnung nun konkret? Man darf spekulieren. Man denke da zum Beispiel an die Worte an Angela Merkel bei der Verabschiedung von Mario Draghi als EZB-Präsident Ende letzten Jahres. Er habe die Eurozone erfolgreich durch die Schuldenkrise geführt. Die Währungsunion sei durch Draghi gestärkt worden etc.

Lesen Sie hier nochmal unseren „Abgesang“ auf Mario Draghi aus November 2019.

Dass Mario Draghi das Gebilde namens Eurosystem letztlich nur durch brutales Gelddrucken künstlich am Leben gehalten hat? Egal, wen interessieren in der hohen Politik schon die „kleinen Details“? Dass dank der von Mario Draghi abgeschafften Zinsen die Südländer nur künstlich überleben können, kein Wort dazu. Egal. Dass Banken, Pensionskassen, Versicherungen etc massivste Probleme haben dank Draghis Politik, egal. Dass die Rentensysteme dank ihm dramatisch in die Krise rutschen, egal. Das oberflächlich betrachtete Ergebnis zählt. Es geht ja schließlich um eine Auszeichnung. Dass das Gebäude dahinter (die Eurozone und das EZB-System) wacklig und morsch ist, dass Banken, Staaten etc sich nun wie bei einer Droge an Gelddrucken und Nullzinsen gewöhnt haben und nicht mehr davon loskommen können – alles egal. Mario Draghi bekommt sein Bundesverdienstkreuz, für seine Verdienste!

Mario Draghi erhält am 31. Januar das Bundesverdienstkreuz
Mario Draghi im Oktober 2019. Foto: EZB CC BY-NC-ND 2.0

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Jeff Bezos: Warum hackt Saudi-Arabiens Kronprinz sein Handy?

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Drei Handlungsstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, entpuppen sich nach langer Recherche als eine Story. Mohammed bin Salman, Saudi-Arabiens Kronprinz, Verteidigungsminister und Vize-Ministerpräsident, chattet per WhatsApp mit Jeff Bezos, dem reichsten Menschen der Welt. Wenige Monate später veröffentlicht ein US-Klatschblatt intime Details aus Bezos‘ Leben inklusive SMS und ein Reporter der Washington Post wird in einem saudi-arabischen Konsulat getötet. Die Washington Post gehört… Jeff Bezos. Diese drei Handlungsstränge sind in Wahrheit einer – und das könnte sich negativ auf das händeringend nach Investoren suchende Saudi-Arabien auswirken.

Dass der Kronprinz Saudi-Arabiens mit ihm chatten will, war für Jeff Bezos vermutlich nicht ungewöhnlich. 2018 wurde gerade der Börsengang von SaudiAramco vorbereitet und Mohammed bin Salman weltweit auf Investorensuche, um sein Land vorsichtig zu öffnen und zu modernisieren. Wer läge da als Ansprechpartner näher als der reichste Mensch auf Erden? Dass bin Salman im lockeren Smalltalk ein Video schickt, stimmte Bezos daher auch nicht misstrauisch, schließlich sind geteilte Videos Alltag bei Whatsapp.

bin Salman selbst versandte den Trojaner, mit das Handy von Bezos gehackt wurde

Blöd für Jeff Bezos, dass in den Stunden nach dem Anschauen des Videos der Inhalt seines Smartphone-Speichers ausgelesen und nach Saudi-Arabien transferiert wurde. Wirklich misstrauisch wurde er aber sicherlich erst, als einige Monate später vom Klatschblatt National Enquirer während der Scheidung von seiner Frau Details über seine außereheliche Affäre publiziert wurden – private Nachrichten inklusive. bin Salman dürfte damals aber noch nicht zu Bezos Verdächtigen gezählt haben. Denn wer geht schon davon aus, von einem der mächtigsten Männer Saudi-Arabiens persönlich gehackt worden zu sein?

Dass in dem von bin Salman versandten Video ein Trojaner steckte, der Bezos‘ Handy infizierte und Daten absaugte, das fanden nach der Veröffentlichung der Daten erst Experten heraus, die das Handy untersuchten. Und langsam schließt sich der Kreis. Denn der Besitzer des National Enquirer, David Pecker bzw. dessen Unternehmen American Media, arbeitet eng mit Saudi-Arabien zusammen, um den Ruf des Landes in den USA aufzupolieren. Pecker ist zudem ein Unterstützer Donald Trumps, der wiederrum schlecht auf Jeff Bezos zu sprechen ist. Denn Jeff Bezos ist Besitzer der Zeitung Washington Post, die ausnehmend kritisch über Trump berichtet. Und Trump wiederrum unterstützt bin Salman in seinen Bemühungen, Saudi-Arabien und sich selbst als achtbare Partner darzustellen.

Ließ sich Jeff Bezos nicht von Saudi-Arabien erpressen?

Und was hat Jamal Kashoggi mit all dem zu tun? Der wurde nicht nur auf Geheiß bin Salmans im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet. Er war zudem auch noch Journalist im Dienste der Washington Post, der in dieser Zeitung kritisch über Saudi-Arabien und bin Salman schreiben durfte. Denkbar also, dass Saudi-Arabien hoffte, mit dem Hack belastende Informationen über Bezos beschaffen zu können, um anschließend die Washington Post oder Bezos zu erpressen und die kritische Berichterstattung verstummen zu lassen. Als das nicht klappte, wurden private Informationen aus Bezos‘ Leben über ein Saudi-Arabien wohlgesonnenes Medium veröffentlicht und Kashoggi kurzerhand ermordet.

Zum Problem wird nun, dass das ganze aufgedeckt wurde. Und Probleme hat nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch Donald Trump. Der gibt sich zwar als enger Freund bin Salmans, ist aber als US-amerikanischer Präsident den US-Amerikanern und Unternehmen – und nicht bin Salman verpflichtet. Wird der reichste Amerikaner gehackt, um die Pressefreiheit der USA zu untergraben, wird Trump als selbst ernannter Freund des Täters wohl oder übel einige kritische Worte dazu sagen müssen.

Ein viel größeres Problem könnte jedoch Saudi-Arabien bekommen. Das Land hat ohnehin nicht den besten Ruf und wer als potentieller Investor angesprochen wird, dürfte seit dem Fall Kashoggi zumindest stets darauf achten, kein saudi-arabisches Konsulat allein zu betreten. Nun kommt noch dazu, dass selbst Kontakte in höchste Regierungskreise offenbar nicht davor schützen, gehackt, ausgespäht, erpresst oder mit Dreck beworfen zu werden. Wer soll unter diesen Voraussetzungen die Milliardeninvestitionen stemmen, die sich Saudi-Arabien erhofft? Die geplante Öffnung Saudi-Arabiens für ausländische Investoren dürfte einen erheblichen Dämpfer bekommen.

Jeff Bezos - Opfer eines Trojaners des saudischen Kronprinzen

Jeff Bezos at Amazon Spheres Grand Opening in Seattle. Foto: Seattle City Council CC BY 2.0

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