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EU: Wirtschaft wächst gut, Konsum wächst gut, nur die Preise fallen!

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Dieser Artikel ist eine neue Episode im Drama „Mario, warum steigen die Preise nicht?“. Die Inflation in der Eurozone ist seit vier Monaten bei 0 angekommen bzw. sogar aktuell in der Deflation. Die Preise in Europa fallen also. Wie wir alle vor Kurzem gelernt haben, steigt aber das Volumen (!) der Einzelhandelsumsätze in Europa ganz gut an mit zuletzt 1,4% auf Jahresbasis. Dass die wirtschaftliche Entwicklung für Europa insgesamt gesehen derzeit ganz passabel verläuft, sieht man auch an den heute veröffentlichten Daten von Eurostat für das Bruttoinlandsprodukt im 1. Quartal.

Auf Jahresbasis wuchs es in der Eurozone um 1,7%, in der gesamten EU um 1,8%. Auch in den Vorquartalen lagen die Werte immer knapp unter 2% Wachstum. Zusammen mit den Einzelhandelsumsätzen ein sicheres Zeichen, dass es vorsichtig aber spürbar aufwärts geht in Europa – auch die langsam aber kontinuierlich rückläufigen Arbeitslosenzahlen zeigen einen schrittweise stattfindenden Aufschwung an, auch wenn der auf vielen neu geschaffenen befristeten Jobs oder Teilzeitjobs basiert.

Auch in Deutschland liegen wir zuletzt immer über 1% BIP-Wachstum, aktuell bei +1,6%. Nach wie vor katastrophal ist die Entwicklung vor allem in Griechenland (rote Kästen). Dort schrumpft die Wirtschaft von Quartal zu Quartal. Es bleibt die Grundsatzfrage, warum trotz BIP-Steigerung, trotz weniger Arbeitslosigkeit und trotz steigender Volumen im Konsumsektor die Preise sogar noch fallen. Auch nach der nun mehr als 1 Jahr dauernden gigantischen Gelddruck-Orgie der EZB steigen die Preise nicht.

Es gibt zwar wenige, aber zunehmend mehr Ökonomen, die in Frage stellen, ob das Muster des krampfhaften Festhaltens an einem Inflationsziel noch zukunftsfähig ist. Die Frage kann man sich in der Tat stellen, vor allem wenn wie es in Europa der Fall zu sein scheint, dass der Preiskampf im Einzelhandel die Preise dauerhaft unten hält. Die EZB scheint wohl weiterhin auf Folgendes zu setzen: Mit Brachialgewalt mehr Geld in den Markt pumpen, fast schon egal wie – mit Brachialgewalt Negativzinsen etablieren – und zu guter letzt dafür beten, dass der Ölpreis irgendwie kräftig ansteigt. Das Letztere könnte sogar funktionieren und die Inflation leicht ins Plus drücken. Nur dann darf am Ende die Frage erlaubt sein: Wozu braucht es dann die ganze Geldschwemme der EZB überhaupt?

EU BIP 2
Grafik: Eurostat

EU BIP
Grafik: Eurostat

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    joah

    7. Juni 2016 15:40 at 15:40

    Die Preise steigen! Wenn der Preis gleich bleibt, aber der Verpackungsinhalt sinkt, dann wird die Ausbeute geringer jedoch der Preis effektiv nicht niedriger. Wir haben bereicht eine (noch) differentielle Produktpreisinflation.

  2. Avatar

    leser

    7. Juni 2016 15:45 at 15:45

    Ich darf Roland Baader zitieren:

    „Die „alten“ Ökonomen in und aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg – genauer: vor Keynes und seinen Voodoo-Lehren – wussten noch, dass „Inflation“ Geldmengenvermehrung bedeutet. Das, was aus dieser Geldmengenaufblähung zwangläufig folgt, nannte man (zur Unterscheidung von „Inflation“) Güterpreisinflation oder Teuerung. Was man heute Inflation nennt, ist also eigentlich eine Folge der Inflation. Die Güterpreisinflation oder Teuerung ist eine Folge der Inflation – also der Geldmengenaufblähung.“, http://www.roland-baader.de/inflation-der-papierene-selbstmord/

    Die Vermögenspreisinflation wird in den Daten der EZB nicht oder unzureichend abgebildet. Aber der Immobilienkäufer in den Ballungsgebieten kann dazu mehr sagen…

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Sparquote explodiert – der deutsche Michel sorgt in der Krise vor!

Claudio Kummerfeld

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Stapel an Geldmünzen als Symbol für höhere Sparquote

Zur Sparquote kommen wir gleich noch. Aber erstmal eine Frage für Sie: Was macht man in Krisenzeiten, wenn extrem viel Unsicherheit herrscht? Das Konsumverhalten hat sich schon nachweislich geändert. Die Deutschen geben weniger für Bekleidung aus, dafür mehr für die Einrichtung ihrer vier Wände, was aktuelle Daten belegen. Aber wenn man nicht gerade arbeitslos geworden ist, und nun dank entfallender Events, Restaurantbesuche und Urlaubsbuchungen viel Geld übrig hat, was macht man? Während die Amerikaner wie die Geisteskranken seit Monaten ihr Geld in die Börse pumpen, macht der deutsche Michel was?

Ja, Sie haben richtig geraten. Der deutsche Michel pumpt sein Geld aufs Sparbuch – offensichtlich ist es egal, dass man real sogar Geld verliert. Gut, seit drei Monaten schwankt die Inflation in Deutschland an der Null-Linie und ist derzeit sogar negativ. Aber seit Jahren verzeichnen die Sparer bei Nullzinsen nach Abzug der Inflation reale Wertverluste. Nimmt man an, dass die Inflation wieder über die Null-Linie steigt, geht dieser Trend so weiter. Aber wie wir es schon mehrmals die letzten Jahre thematisiert hatten – was der Sparer am Zins verliert, gleicht er ganz einfach aus, in dem er Monat für Monat einfach mehr Geld zurücklegt!

Sparquote in Deutschland explodiert

Dieses Verhalten untermauert eine heute veröffentlichte Studie des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die Sparquote, also der Anteil vom verfügbaren Einkommen der Bürger, der auf die hohe Kante gelegt wird, lag von 2015-2019 immer im Bereich zwischen 10,1 und 10,8 Prozent. Jetzt soll dieser Anteil (die Sparquote) in 2020 aber laut BVR auf 15 Prozent hochspringen! Was sich auf das gesamte Einkommen bezogen nicht nach viel anhört, ist aber mal eben ein Plus von grob gesagt 50 Prozent in der Sparquote bei den privaten Haushalten.

Laut dem Bankenverband sei dieser massive Anstieg des Sparens ist ein Corona-Sondereffekt. Ausgefallene Urlaubsreisen und verschobene Autokäufe würden nur allmählich nachgeholt. Auch in 2021 dürfte die Sparquote noch erhöht bleiben und erst danach wieder auf rund 11 Prozent zurückgehen, so der BVR. Und der Verband bestätigt unsere These, dass die Menschen bei ausbleibenden Zinsen einfach mehr Geld auf die Hohe Kante packen, als Ausgleich. Zitat BVR:

Die Sparquote sei in Deutschland im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren vergleichsweise hoch und stabil geblieben, so der BVR. Martin: „Die Sparkultur ist in Deutschland fest verankert.“ Die historisch niedrigen Zinsen senkten die Sparanreize, erhöhten aber wegen des fehlenden Zinseszinseffekts das für ein Vorsorgeziel nötige Sparvolumen. Ein nachlassendes Sparen war in den vergangenen Jahren allerdings bei Sparern mit niedrigen Einkommen festzustellen.

Der deutsche Michel bleibt Sparbuch-Liebhaber, und kann mit der Börse nach wie vor kaum etwas anfangen. Dies kann man aus den folgenden Aussagen des BVR herauslesen:

Die Deutschen seien bei der Geldanlage weiterhin risikoscheu. Dies zeigten die vorliegenden Zahlen zur Geldvermögensbildung der Bundesbank. Im Zeitraum vom zweiten Quartal 2019 bis zum ersten Quartal 2020 hätten die privaten Haushalte 282 Milliarden Euro neues Geldvermögen gebildet. Dieser Betrag ergebe sich im Wesentlichen aus dem Sparen zuzüglich der Netto-Kreditaufnahme und abzüglich der Sachinvestitionen, hauptsächlich in Form des Wohnungsbaus. Mit 49 Prozent sei fast die Hälfte der Geldvermögensbildung in Form von Bargeld und Bankeinlagen geflossen, sehr hoch liege mit 28 Prozent auch der Anteil des Versicherungssparens.

Der Anteil des Wertpapiersparens, wozu neben Investmentfonds, Aktien und an anderen Anteilsrechten auch Schuldverschreibungen zählen, habe bei 23 Prozent gelegen. Wertpapiere hätten als Anlageform zuletzt etwas an Bedeutung gewonnen, im internationalen Vergleich sei ihr Anteil aber ausbaufähig. Beispielsweise liege der Anteil der Wertpapieranlage in Schweden und Finnland bei rund 50 Prozent. Martin: „Mit einer stärkeren Geldanlage in Investmentfonds und Aktien können Sparer höhere Renditechancen bei überschaubaren Risiken erreichen, wenn grundlegende Anlageprinzipien eingehalten werden.“ Hierzu zählt eine breite Streuung der Investments, wie sie über Investmentfonds erreicht werden kann, eine langfristige Anlageperspektive und ausreichende Liquiditätspolster für den Fall unvorhergesehener Ausgabenotwendigkeiten.

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Einzelhandelsumsätze: Krise vorbei – nur Bekleidungsgeschäfte haben ein Problem

Claudio Kummerfeld

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Frau mit Einkaufstaschen

Erst vorgestern berichteten wir über das veränderte Konsumverhalten der Deutschen im Zuge der Coronakrise. Die Menschen würden den Rotstift zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Und diese Erkenntnis, gewonnen aus Umfragedaten von Creditreform, erkennt man auch in den heute veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen vom Statistischen Bundesamt für den Monat August. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau sind demnach nämlich die Einzelhandelsumsätze in den Bereichen Textilien, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, sowie der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -10,1 % und -2,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber abgesehen davon sind die gesamten Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu Februar und auch im Jahresvergleich zu August 2019 inzwischen wieder höher! Damit kann man also sagen: Die Menschen konsumieren wieder mehr als vor der Krise, von daher ist die Konsum-Angst offenbar verflogen – nur das Konsumverhalten hat sich verschoben, zum Beispiel von Bekleidung hin zu Wohnungseinrichtung. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 8,1 Prozent.

Die gesamten Einzelhandelsumsätze sind im August im Jahresvergleich um 3,7 Prozent gestiegen (der August 2019 hatte sogar einen Verkaufstag mehr), und im Monatsvergleich um 3,1 Prozent. Hier weitere Details der Statistiker im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im August 2020 real 2,6 % und nominal 5,4 % mehr um als im August 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 2,9 % und nominal 5,6 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 0,3 % und nominal 3,7 % mehr um. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im August 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 4,5 % und nominal um 5,4 %. Das größte Umsatzplus zum Vorjahresmonat mit real 23,0 % und nominal 24,4 % erzielte der Internet- und Versandhandel.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im August

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Das ist die erfolgreichste deutsche Anlegerin – Werbung

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Lieber Börsianer,

vorgestern ist Beate Sander mit 82 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Hierzulande wurde sie bekannt als die „Börsen-Oma“, die in den 90er-Jahren völlig unbeleckt an die Börse startete und aus 60.000 DM weit über 2 Millionen Euro machte. Sie gilt zu Recht als die erfolgreichste Privatanlegerin Deutschlands.

Dabei war ihr der Börsenerfolg definitiv nicht in die Wiege gelegt. Sie wuchs in Rostock auf und hat im Arbeiter- und Bauernstaat sicherlich nicht viel über den freien Markt gelernt. Als Jugendliche kam sie nach Süddeutschland und schlug dort eine Laufbahn als Realschullehrerin ein.

Im Alter von 60 Jahren hat sie dann ihrem Leben eine Wende gegeben und wurde Börsianerin, ohne dabei ihre Aufgaben als Pädagogin zu vernachlässigen. Ich wiederhole mich, ihrem Sohn hinterlässt sie nun ein Depotvermögen von weit über 2 Millionen Euro. Daneben setzte sie sich erfolgreich für die Aktienkultur in Deutschland ein, schrieb einige Börsenratgeber und verfasste regelmäßig Börsen-Kolumnen etwa in der Bild-Zeitung.

Ihre Erfolgsformel: Kaufen, wenn die Welt vermeintlich untergeht

Was war ihr Erfolgsrezept? Frau Sander pflegte einen offensiven Anlagestil und war in besonderem Maße an Technologie und Innovation interessiert. Gewissermaßen war das Silicon Valley ihre zweite Heimat. Daneben zeichnete sie sich durch einen streng antizyklischen Ansatz aus. So nutzte sie die Finanzkrise bzw. den Börsen-Crash von 2008, um ihr Depot nochmals auszubauen. Sie hat damals, als viele Anleger…..

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