Der Euro ist die letzten drei Wochen kräftig gefallen gegenüber dem US-Dollar von 1,12 auf unter 1,08. In den USA ist die Konjunktur robust, die Fed-Zinsen „drohen“ nach einer ersten Zinssenkung weiterhin relativ hoch zu bleiben. Gleichzeitig läuft die Eurozonen-Konjunktur mehr als mau, die EZB hat seit Juni in kurzer Zeit drei Mal die Zinsen gesenkt, und wird sie wohl weiter spürbar senken. Dieses Szenario einer wachsenden Zinsdifferenz zwischen USA und Eurozone hat den Euro geschwächt. Im obigen Chart sieht man die Entwicklung beider Zinssätze, die Zinslücke (5 % Fed und 3,25 % EZB) beträgt jetzt 1,75 Prozentpunkte, und könnte wachsen. Dies würde Anlagen in Euro weniger attraktiv machen und damit den Euro weiter schwächen. Absicherungsgeschäfte am Optionsmarkt deuten aktuell darauf hin, dass viele Profi-Anleger einen weiter fallenden Wechselkurs befürchten!
Euro-Absicherung auf 7-Jahreshoch
Die relativen Kosten für die Absicherung des Euro im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen sind so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr, da Umfragen darauf hindeuten, dass die Wahl bis zum Schluss spannend bleiben wird. Bloomberg berichtet hierzu: Ein wichtiger Indikator für den Optionsmarkt – der darauf basiert, wie viel größere Währungsschwankungen in Zukunft im Vergleich zu heute erwartet werden – war seit den turbulenten französischen Wahlen 2017, von denen einige befürchteten, dass sie die gemeinsame Währung zum Scheitern bringen würden, nicht mehr so hoch. Eine positive Zahl für die sogenannte relative Prämie deutet darauf hin, dass die Euro-Absicherungskosten überteuert sind.
Investoren kaufen Schutz aufgrund der unterschiedlichen Zinsentwicklungen in Europa und den USA. Da die wirtschaftliche Schwäche der Eurozone Wetten auf stärkere Zinssenkungen durch die Europäische EZB beflügelt, setzen Investoren darauf, dass eine mögliche Präsidentschaft von Donald Trump die Inflation wieder anheizen würde – was höhere Leitzinsen der Fed und mehr Gewinne für den Dollar bedeuten würde (FMW: Dollar-Stärke = Euro-Schwäche).
Die implizite Volatilität – ein Maß für zukünftige Währungsschwankungen – verzeichnete gestern den achtgrößten Tagesanstieg seit der europäischen Staatsschuldenkrise. An diesem Tag wurden die Optionswetten für den Euro zwei Wochen vor der ersten Abstimmung in den USA erfasst. Der Anstieg gehörte auch zu den 25 größten, die jemals verzeichnet wurden.
Ausblick auf Wechselkurs von 1,05
Abgesehen von den Wahlen bereiten sich die Händler auch auf die geldpolitische Entscheidung der Federal Reserve am 7. November vor. Laut Daten der Depository Trust & Clearing Corporation positioniert sich der Markt für einen Rückgang des Euro auf 1,05 US-Dollar, sollte die Dollar-Rallye wieder an Fahrt aufnehmen, während Marktanalysten das Risiko eines Rückgangs bis hin zur Parität sehen. Die Gemeinschaftswährung fiel diese Woche auf 1,0761 Dollar, den niedrigsten Stand seit mehr als drei Monaten. Sogenannte Risiko-Umkehrungen zeigen, dass Händler seit Anfang Juli äußerst pessimistisch in Bezug auf den Euro sind.
FMW/Bloomberg
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