Devisen

Euro steigt dank Dollar-Schwäche – bald Trendwende dank gruseliger Daten?

500 Euro Scheine

Die Charts sind eindeutig. Seit 10. Oktober ist der Euro gegen den US-Dollar gut am Ansteigen, und der US-Dollar insgesamt ist deutlich am Fallen. Das sieht man sehr gut am US-Dollar Index, einem Währungskorb des US-Dollar gegen alle großen Währungen wie Euro, Pfund, Franken, Yen etc. Mit 1,1154 hat Euro vs US-Dollar aktuell den höchsten Stand seit Ende August erreicht. Also, hat der Markt eingepreist, dass in Euroland kein Potenzial oder relativ wenig Potenzial vorhanden ist für weitere Zinssenkungen? Und fokussiert man sich am Devisenmarkt eher auf die USA, wo die Fed weitere Zinssenkungen einleiten könnte?

Euro-Stärke dank fallender US-Zinsen

Mit aktuell 89,3% Wahrscheinlichkeit wird die Fed nächste Woche die Zinsen senken. Und ob in den folgenden Quartalen weitere Zinsschritte folgen? Durchaus möglich. Dies und auch das zuletzt starke Pfund lassen den US-Dollar Index deutlich verlieren von 98,75 auf 97,08 Indexpunkten seit dem 10. Oktober. Der folgende Chart zeigt seit Februar den Vergleich des US-Dollar Index (rot) gegen Euro vs US-Dollar (blau). Man sieht klar die Entwicklung der letzten Tage.

Euro vs USD vs US Dollar Index

Trügerische Ruhe in Euroland?

Der Markt hat schon seit Wochen eingepreist, dass die EZB ab November ihr neues Anleihekaufprogramm auflegt, und den Einlagenzins weiter senkt. Aber war es das schon? Unter der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde wird die EZB das noch unter Mario Draghi verkündete Programm im November starten, und mehr geht nicht? Schauen wir mal ein paar Wochen zurück. Am 12. September fiel die Entscheidung der EZB für die weitere Lockerung. Da lag die Inflationsrate für die Eurozone noch bei 1,0%, was bereits schwach war. Und aktuell? Anfang Oktober kamen die Daten mit 0,9% rein, und erst letzte Woche wurden sie auf 0,8% nach unten korrigiert durch Eurostat. Also hat die Inflation weitere 0,2% Prozentpunkte verloren, bevor die EZB überhaupt mit ihrer neuen Lockerung beginnen konnte.

Und nun möchten wir on Top noch erwähnen: In den letzten Wochen wurden die deutschen Preisdaten immer schlechter. Großhandelspreise und Importpreise liegen in Deutschland bereits seit Monaten im deflationären Bereich. Heute früh sind nun auch die deutschen Erzeugerpreise ins Negative gerutscht. Damit zeigen alle drei Vorlaufindikatoren für die deutschen Verbraucherpreise rückläufige Zahlen. Nach allem menschlichen Ermessen dürften die deutschen Verbraucherpreise demnächst daher noch geringere Wachstumsraten ausweisen, und somit auch die Gesamtrate auf Eurozonen-Ebene nach unten ziehen. Immerhin haben die deutschen Werte verdammt starken Einfluss, weil Deutschland die größte Volkswirtschaft ist.

EZB-Szenario

Ist es also grundsätzlich denkbar oder möglich, dass die EZB vielleicht in ein, zwei, drei Monaten erste Aussagen tätigt, dass man bei den Anleihekäufen und/oder den Zinsen nochmal nachlegen könnte in Sachen Lockerung, um noch einen Impuls zu setzen? Ob diese Maßnahmen überhaupt noch eine Wirkung auf die Ankurbelung der Preise haben, darf stark bezweifelt werden, aber die Notenbanken schwören ja blind auf ihre Fähigkeit Preise beeinflussen zu können. Seit Monaten zeigen die Energiepreise, dass sie der eigentliche Treiber der Gesamtpreise sind. Aber die EZB muss ja darauf beharren, dass sie etwas bewirken kann.

Kann es also sein, dass in ein paar Wochen oder Monaten der Devisenmarkt auf die Idee kommt, seinen Fokus wieder weg von der Fed und auf die EZB zu richten, weil hier wieder mehr Spielraum nach unten entstehen könnte? Das könnte den Euro schwächen! Diest ist natürlich nur ein Szenario, und so muss es natürlich nicht kommen. Ob die Inflationsrate in Euroland wirklich weiter fällt, ist nicht garantiert. Schließlich könnten die Lebensmittelpreise plötzlich deutlich gegen die Energiepreise drücken und den Schnitt retten. Oder andere Länder in der Eurozone könnten deutlich bessere Preisentwicklungen zeigen als Deutschland. Aber das Szenario einer weiteren Lockerung durch die EZB ist durchaus denkbar, und damit auch eine erneute Schwäche des Euro. Wie und wann, das wissen wir natürlich auch nicht. Als Devisenhändler könnte man dieses Szenario aber im Hinterkopf behalten.



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