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Euro: Devisenmarkt hat entschieden – EZB war offenkundig viel zu lasch

Die EZB war mit ihrer Entscheidung zu höheren Zinsen viel zu lasch. Dieses Urteil fällt der Devisenmarkt im Kurs von Euro vs US-Dollar.

Euro-Geldscheine

Gestern Mittag hat die EZB entschieden. Im Juli enden die Anleihekäufe und es gibt einen Anhebung der Zinsen um 25 Basispunkte. Im September gibt es dann wahrscheinlich eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte. Sollte die Inflation hoch bleiben, dann könnten es womöglich auch 50 Basispunkte werden, so die eindeutigen Aussagen von Christine Lagarde. War das nun der große Wurf, der große Schritt zum Eindämmen der Inflation? Ein Blick auf den Euro gibt Aufschluss. Denn der Devisenmarkt zeigt quasi ein transparentes Abstimmungsergebnis der Marktteilnehmer zu diesem Thema in nur einem Kurs.

Euro ist deutlich gefallen – Aussagen der EZB waren offenbar zu schwach

Sinngemäß sagte Christine Lagarde gestern, dass man im Juli erst mal mit 25 Basispunkten anfängt, weil man zu Beginn der Zinswende erstmal in einem kleinen vorsichtigen Schritt beginnen will. Und dieser erste Schritt werde keine unmittelbare Auswirkung auf die Inflation haben. Da sind sich wohl alle Beobachter einig. Und insgesamt? Wenn man auch den möglichen nächsten Schritt im September mit einbezieht, war es der große Wurf? Experten zeichnen ein überwiegend kritisches Bild, dass die EZB zu zögerlich reagiert. Gestern Mittag wenige Minuten vor der Verkündung der EZB notierte Euro vs US-Dollar bei einem Wechselkurs von 1,0759. In den Stunden danach fiel der Kurs spürbar. Heute früh sehen wir einen Kurs von 1,0621 – ein Absturz von 138 Pips!

Damit hat der Devisenmarkt ein klares „Abstimmungsergebnis“ verkündet. Der Euro wertet gegenüber dem US-Dollar spürbar ab. Da auch die USA ihre Zinsen bereits kräftig angehoben haben und dies auch weiter tun werden, war die Frage, ob die EZB so stark dagegen hält, dass der Euro aufwerten kann. Und offenbar war das Signal der EZB zur anstehenden Zinswende so schwach, dass es nicht ausreicht um den Euro steigen zu lassen – ganz im Gegenteil, der Devisenmarkt ist enttäuscht. Der Euroraum wird damit nicht attraktiv genug, als dass Geldströme vom Dollar-Raum umgelenkt werden könnten.

Weiterer Push für die Inflation in der Eurozone?

Sollte sich dieser schwächere Euro in den nächsten Tagen und Wochen bestätigen, wäre dies kein gutes Zeichen für die Inflation in der Eurozone. Denn ein noch schwächerer Euro bedeutet für europäische Einkäufer zum Beispiel von Öl, dass sie noch mehr Geld für den Einkauf auf dem Weltmarkt ausgeben müssen. Denn Rohstoffe werden international in US-Dollar bezahlt, und die Einkäufer müssten mehr Geld ausgeben um Euro in US-Dollar zu konvertieren. Diese steigenden Kosten geben die Einkäufer natürlich an ihre Kunden weiter, die sie wiederum an die Endkunden in Europa weitergeben – die Inflation würde damit also noch weiter angefacht.

Wichtig: Heute um 14:30 Uhr deutscher Zeit werden in den USA die Verbraucherpreise für den Monat Mai veröffentlicht. Der gesamte internationale Kapitalmarkt schaut auf dieses Ereignis. Auch die Devisenkurse könnten dann durchgeschüttelt werden! Wir werden direkt um 14:30 Uhr berichten.

Kursverlauf von Euro vs US-Dollar seit gestern früh Kursverlauf von Euro vs US-Dollar seit gestern früh.



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1 Kommentar

  1. Die EZB war sehr(zu) „vorsichtig“ und trotzdem steigt der Spread zwischen BTP(ital.Anl.) und Bund(deutsche Anl.) rasant.
    Suboptimal…vorsichtig ausgedrückt.

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