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Euro-Dollar: Parität oder 1,15? Goldman Sachs gegen UBS

Fällt der Euro auf die Parität, wie Goldman Sachs meint? Nein, sagt die UBS - er wird auf 1,15 steigen!

FMW-Redaktion

Was wird bei Euro-Dollar passieren, dem wichtigsten Währungspaar weltweit? Vor kurzem war noch Konsens: der Euro wird fallen, auf die Parität oder sogar darunter. Aber seit Jahresbeginn hat der Euro zum US-Dollar 2% gewonnen – allerdings war die Gemeinschaftswährung in den drei Jahren davor um 20% gefallen. Mit der neuen Regierung Trump kommt zunächst einmal ein neuer Faktor ins Spiel, da sowohl Trump den Dollar als „too strong“ bezeichnet hat als auch der desgnierte Finanzminister Mnuchin (Warnung vor „exzessiver Dollar-Stärke“) offenkundig lieber einen weniger starken Greenback sehen würden.

Die Befürworter eines starken Dollar argumentieren zumeist mit der Zinsdifferenz zwischen den Währungsräumen: die EZB werde noch lange eine ultralaxe Geldpolitik betreiben (QE), während die Fed die Zinsen anheben werde. Und zwar, wie etwa Jan Hatzius von Goldman Sachs sagt, dreimal in 2017 – der Markt rechnet aber nur mit zwei Anhebungen. Dazu sei, so Hatzius, die US-Wirtschaft in gutem Zustand, werde die Trump-Regierung die Fiskalpolitik lockern etc. Daher sieht Goldman Sachs Euro-Dollar zum Jahresende hin bei der Parität.

Dazu argumntieren die Euro-Skeptiker mit der Unsicherheit der in 2017 stattfindenen Wahlen in der Eurozone, vor allem die bald anstehenden Wahlen in Holland und Frankreich. Da sei viel Unsicherheit voraus, sollte Wilders in Holland oder Le Pen in Frankreich gewinnen, stünde die Existenz des Euro insgesamt auf dem Spiel. Doch sieht es derzeit nicht danach aus: zwar sind sowohl Wilders als auch Le Pen in den Meinungsumfragen jeweils knapp stärkste Partei, allerdings finden sie nach derzeitigem Stand keine Koalitionspartner, um eine Regierung bilden zu können.

Ganz anders als Goldman Sachs sieht dagegen der größte private Vermögensverwalter der Welt, die UBS, die Dinge. Die Vermögensverwaltungsabteilung der Bank, die UBS Weath Management, die das Vermögen der Superreichen verwaltet, sieht den Euro zum US-Dollar am Jahresende 2017 dagegen bei 1,15. Der Hauptgrund: die Inflation in der Eurozone, die zuletzt stark angezogen hat, werde weiter zulegen. Die Folge: die EZB werde in den nächsten Monaten weniger dovish werden, was den Euro unerstütze. Dazu komme, dass die Kaufkraftparität des Euro bei 1,25 liege, schon deshalb sei der Euro zum US-Dollar unterbewertet.

Insgesamt also dreht sich alles um Inflation, die Reaktion darauf durch die EZB und die Fed – und vor allem um die Frage, die weder bei der UBS noch bei Goldman Sachs im Vordergrund zu stehen scheint: was macht Trump mit dem Dollar? Kann er sein Programm weitgehend durchsetzen oder doch nur eingeschränkt? Als Faustregel kann gelten: je protektionistischer die Politik Trumps, umso stärker der Dollar.

Durchschnittlich liegt die Erwartung der Analysten für Euro-Dollar zwischen 1,02 und 1,03 zum Jahresende, die Märkte sind eindeutig pro Dollar positioniert, auch wenn in den letzten Wochen die Euro-Short-Positionierung etwas reduziert wurde.



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2 Kommentare

  1. Das scheint auch für den Donald eine kleine Zwickmühle zu werden…

  2. informativ, danke!

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