Devisen

Euro mit großem Abwärtstrend – ist das jetzt die Wende? Blick auf die EZB

Euro-Geldscheine

Der Euro ist in den letzten zwölf Monaten gegenüber dem US-Dollar kräftig abgestürzt von 1,22 bis auf 1,0758 auf 14. April. Der Chart zeigt den langen klaren Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung. Vor allem heute legte der Euro einen kleinen Aufwärtsmove hin auf aktuell 1,0884. Ist es die Wende nach oben? Im großen Chartbild ist dieser Anstieg völlig unbedeutend. Wichtiger ist eher die Nachrichtenlage.

Euro verlor lange Zeit deutlich wegen Zinswende in den USA

Seit Monaten läuft die Zinswende in den USA auf Hochtouren. Monatelang angekündigt, hat die Fed inzwischen den Leitzins angehoben, und wird ihn in den nächsten Monaten auch weiter kräftig anheben. Das stärkt den US-Dollar, und schwächt damit automatisch seinen Gegenspieler, den Euro. Nun geht es darum, ob die Eurozone nachziehen wird mit einem steigenden Zinsniveau. Bisher hat sich die EZB extrem zurückhaltend gezeigt. Erst gegen Ende des Jahres nach Auslaufen der Anleihekäufe will die EZB laut bisherigen Aussagen womöglich den Leitzins anheben – aber auch nur, wenn die Wirtschaft nicht einbricht.

Nun aber gibt es neue Aussagen. Bundesbank-Chef Joachim Nagel sagte gestern, dass die EZB die Zinsen zu Beginn des dritten Quartals anheben könne. Heute hört man ähnliches von seinen Kollegen bei der EZB. Laut Berichten sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos, er sehe keinen Grund, warum man die Anleihekaufprogramme nicht im Juli auslaufen lassen könne. Eine Zinsanhebung sei dann auch schon im Juli machbar. EZB-Ratsmitglied Pierre Wunsch aus Belgien sagte eine Zinsanhebung im Juli sei sicherlich ein Szenario, das er in Betracht ziehen würde. Händler reagierten auf die Aussagen von Pierre Wunsch, und sehen inzwischen eine 80 Prozent-Chance, dass der Leitzins im Juli um 0,25 Prozentpunkte steigen wird.

Trendwende sehr wacklige Kiste

Dass der Euro heute einen kleinen Satz von gut 80 Pips nach oben hingelegt hat (inzwischen teilweise wieder verloren), zeigt, dass der Devisenmarkt auf die Äußerungen aus dem Kreis der EZB durchaus reagiert. Wird im Juli also wirklich etwas passieren? Man unterschätze aber nie die Passivität der EZB. Während alle Welt mit kräftig steigenden Zinsen davon eilt (auch Länder wie Polen und Tschechien heben kräftig an), hat die EZB alle Ruhe der Welt. Ob schon im Juli etwas passiert, ist alles andere als gewiss. Und selbst wenn die EZB im Juli einen kleinen Zinsschritt macht – wenn die Fed gleichzeitig noch kräftiger als ohnehin schon erwartet ihren Zins anhebt, könnte eine kurzzeitige Euro-Stärke schnell wieder in sich zusammenfallen, und Euro gegen US-Dollar weiter fallen. Dieses Risiko besteht für den Euro ganz besonders in den nächsten Wochen. Fallen die Zinsschritte der Fed noch kräftiger aus, sehen wir dann einen Euro, der gegen den US-Dollar Richtung Parität abrutscht?

Und zur möglichen Zinswende in der Eurozone: Noch sind es ja gut drei Monate bis Juli. Die Inflationsdynamik (aktuell 7,4 Prozent Teuerungsrate) vor allem wegen dem Ukraine-Krieg ist enorm, und die Variablen sind zahlreich. Was bis Juli alles noch passieren wird, kann man unmöglich kalkulieren. Klar ist nur: Der Euro hat in einem lang anhaltenden Trend die steigende Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone eingepreist. Jetzt geht es darum, ob die EZB endlich mal die Verfolgungsjagd aufnehmen will. Auf einen kräftigen Anstieg des Euro zu setzen, ist ein riskantes Szenario.

Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar in den letzten 12 Monaten



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