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Euro fällt deutlich – der Markt zeigt sich enttäuscht von der EZB

Euro-Symbol

Die EZB hebt die Zinsen nicht in Kürze an um die Inflation zu bekämpfen – das geht aus dem Statement und den Aussagen der EZB hervor, die in den letzten Minuten bekanntgeworden sind. Der Euro fällt daraufhin gegenüber dem US-Dollar um 90 Pips auf 1,0823. Der Euro verliert, der US-Dollar wertet auf. Also zeigt sich der Markt enttäuscht – man hatte aggressivere Aussagen erwartet für eine frühere Zinswende in der Eurozone. Aber dann war da im Statement der EZB noch dieses Zitat zu finden:

„Der EZB-Rat ist bereit, alle seine Instrumente im Rahmen seines Mandats anzupassen und dabei erforderlichenfalls flexibel zu sein, um sicherzustellen, dass sich die Inflation mittelfristig bei seinem Zielwert von 2 % stabilisiert.“

Tja, das kann alles oder nichts bedeuten. Bisher hat die EZB sich nicht von 7,5 Prozent Inflation beeindrucken lassen. Ab welchem Niveau der Teuerung wird sie denn flexibel reagieren? 9 oder 10 Prozent, oder erste bei 12 Prozent? Aber die Notenbanker könnten selbst dann noch behaupten, dass das Inflationsniveau ja nur vorübergehend so hoch ist, und dass es schon bald wieder zurückgeht. Dass eine Zinsanhebung rasch und deutlich die Inflation drücken kann, hat Hans-Werner Sinn bei einem phantastischen Vortrag eindrucksvoll erklärt, und sich dabei über EZB-Chefin Christine Lagarde kräftig aufgeregt. Sie meinte nämlich mit höheren Zinsen könne die EZB ja nichts gegen die höheren Energiepreise ausrichten. Dazu Sinn, in Kurzform: Mit einem höheren Leitzins bekommt man den Euro zum Ansteigen, war die Importpreise für Öl senkt, und damit auch die Inflation.

Naeem Aslam, Chief Market Analyst beim Broker Avatrade, sagt aktuell, dass die EZB in Bezug auf ihren Zinssatz keine Bazooka abgefeuert hat. Der Euro habe daraufhin weitere Prügel einstecken müssen, was sich aber bald ändern könne. Denn – so seine Worte – die Händler wissen, dass die EZB darauf brennt den Zinssatz zu erhöhen, und sie werden auf weitere Hinweise warten. Im Moment ist das, was man von der EZB gehört hat, sehr dovish.

Wenn man an die letzten Jahre denkt – so meine Meinung – dann war die EZB doch immer extrem dovish. Zinsen bloß immer bei Null halten, damit die Südländer sich billig verschulden können. Meine persönliche These: Steigt die Inflation noch ein klein wenig weiter an, wird die EZB eventuell den Leitzins anheben, aber nur symbolisch mit einem kleinen Schritt. Hauptsache dass man sagen kann, dass man die Zinsen angehoben hat. Aber wenn man zu viel anhebt, treibt man die Zinskosten zu stark nach oben. Also vielleicht 25 Basispunkte, und das war es dann schon wieder?

Euro vs US-Dollar im Kursverlauf der letzten 12 Monate Euro vs US-Dollar im Kursverlauf der letzten 12 Monate.



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4 Kommentare

  1. Genauso wie der frühere Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sieht dies auch die aktuelle n-tv-Telebörse in Sachen Importpreise für Öl. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat diesbezüglich also ökonomisch nicht zu Ende gedacht, weswegen auch ich mich kräftig über sie aufrege. Wirtschaft und Verbraucher werden also weiterhin mit entsprechenden Energiepreisen konfrontiert.

  2. Was erwarten wir denn von der verhungerten Christine. Die hat den Posten nur mit Hilfe von viel Vitamin B bekommen. Jetzt vertritt sie die Interessen dieser Leute. Ein Kredit zu null Prozent, bei einer Inflation von 7 Prozent, reduziert die Schulden, auch wenn der Kredit nur minimal bedient wird. Die Rechnung zahlen wir. Profitieren wird nur der Staat und die Politik. Solange die Masse das nicht schnallt, wird es auch so weiter gehen. Was sagte schon Einstein: Es gibt zuwei Dinge, die sind unendlich …………..

  3. Was soll eigentlich eine oder mehrere Zinserhöhungen bringen? Zumal ja der Markt dies ohnehin schon größtenteils eingepreist hat.
    Sollten die Marktzinsen dadurch noch mehr steigen, bremst das die Wirtschaft durch noch höhere Investitionskosten und befeuert letztendlich die Inflation noch mehr, weil ja die höheren Zinskosten an die nachgelagerten Glieder der Wirtschaftskette und die Endverbraucher weitergegeben werden.
    Wohneigentum etwa können sich durch höhere Zinsen noch weniger Menschen leisten.
    Sofern durch die Zinsanhebungen auch die Aktien- und Kryptomärkte weiter leiden, sinkt das Gesamtvermögen der potentiellen Konsumenten, sofern sie kein aktiv erfolgreiches Trading umsetzen können. Was nützt mir also ein günstigerer Immobilienpreis, wenn dafür mein halbes Aktienvermögen, das ich für den Kauf benötige, vernichtet ist durch hawkische Notenbankpolitik?
    Gegen eine wirklich langfristige Inflation – sofern sie das denn ist – hilft nur, dass eben alles inflationiert, was langfristig ohnehin so ist. Also auch höhere Löhne, höhere Sozialausgaben, keine Verminderung der Anleihekäufe durch die Zentralbank, so dass die Staaten flüssig bleiben, usw. Das verhindert auch, dass die Steuerbelastung prozentual weiter steigt, obwohl die Staatsausgaben steigen.
    Die Aktien- und Immobilienmärkte zeigen ja im langfristigen Preisvergleich die Realität sehr eindrücklich, wohin die Reise geht.
    Die Staaten müssen endlich davon wegkommen, auf Kosten der Geringverdiener und Bedürftigen zu sparen, sondern müssen diese gezielt entlasten und unterstützen, dann wäre auch die Inflation nicht mehr ein derartiges Problem.
    Wenn ich z.B. lese, dass die Buchungslage in der Reisebranche sehr robust ist und die Konsumenten bereit sind, massive Preissteigerungen zu bezahlen, denke ich mir: So lange der Konsum so floriert, kann offenbar die Inflation nicht so schlimm sein. Ansonsten, wenn’s manchem zu teuer wird, einfach halt mal weniger konsumieren und warten, bis sich die Preise von selbst regulieren.
    Das Hauptproblem sind momentan tatsächlich die Energie- und damit Erzeugerpreise, da hat Frau Lagarde wohl recht. Um das in den Griff zu bekommen, könnten gezielte staatliche / „Zentralbank“-Subventionen für Energieeinkauf und dessen Nebenprodukte aufgegleist werden. Damit würde aber nicht die ganze Volkswirtschaft durch höhere Zinsen belastet.
    Last but not least würde vermutlich durch Zinsanhebungen der Euro aufwerten, und das wäre zusätzliches Gift für die exportorientierte europäische und insbesondere deutsche Wirtschaft, versteckte Inflation!
    Also meine These: Höhere Zinsen insbesondere in der Eurozone = noch mehr Inflation. Die EZB weiss, warum sie es nicht tut.

  4. Das Thema ist kein einfaches, da sich verschiedene Ziele diametral gegenüber stehen: Auf der einen Seite die Preisniveau- und Geldwertstabilität, daneben Anforderungen wie Wirtschaftswachstum, Konjunktur- oder Wechselkursstabilität, hohe Beschäftigungsquoten. Kaum lösbare Zielkonflikte sind somit vorprogrammiert. Erhöht man die Zinsen, brüllt bereits der erste Wirtschaftsweise herum, man würge Konjunktur und Investitionen ab. Der nächste steht mit mahnend erhobenem Zeigefinger parat und verweist auf die Risiken von Immobilienkrediten, während der dritte vom Untergang der Exportwirtschaft und von Massenarbeitslosigkeit schwadroniert.

    Im Fall von Deutschland kommt tatsächlich erschwerend die überbordende Exportabhängigkeit einer seit Jahrzehnten einseitigen und unbeweglichen Nachkriegs-Industrie hinzu. Dazu pausenlos globale externe Effekte von nie dagewesenem historischen Ausmaß, aufgereiht wie an einer Perlenkette: Klimawandel, Covid-19, fossile Energieabhängigkeit von unzuverlässigen und unberechenbaren Diktaturen mit entsprechenden Energiepreisexplosionen.

    Dennoch ist per definitionem das vorrangige Ziel der EZB die Preisniveau- und Geldwertstabilität. Der Rest liegt eher im Aufgabenbereich von Politik und Wirtschaft. Andere ideologische Interessen sind nachrangig oder völlig irrelevant, wie beispielsweise die Finanzierung und Entschuldung parasitärer Staaten, die ihre Wirtschafts- und Gesellschaftsphilosophien auf schiere Geldmassen und unbegrenzte Verschuldung begründen. Ein starker EUR könnte tatsächlich erst einmal die völlig überzogenen Importpreise fossiler Energien abmildern, vor allem seit diese in Rubel zu begleichen sind 🤭🫣

    Letztendlich müssen wir hin zu deutlich weniger Exportabhängigkeit von Gütern in und weniger Importabhängigkeit aus Volkswirtschaften jenseits der EU, zu einer maximalen Energieunabhängigkeit durch EE und zu einer starken europäische Binnenwirtschaft. Doch das ist sicher nicht Aufgabe der EZB, die sollen zusehen, dass sich Altersvorsorge und Sparen wieder rentieren und elementare Güter und Dienstleistungen für jedermann bezahlbar bleiben.

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