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Euro im Aufwind? Starke Zinsanhebung? Unterschätzt nicht die Südländer!

Ist der Euro nun weiter im Aufwind, steht eine kräftige Zinsanhebung an? Man sollte die Südländer in ihrem Widerstandswillen nicht unterschätzen, so meine Meinung.

Euro-Symbol

Der Euro ist seit gestern früh von 1,0450 gegen den US-Dollar gestiegen auf aktuell 1,0519. Es ist kein wirklich großer Sprung nach oben, wenn man sich den langen Abwärtstrend anschaut. Im Chart sieht man den Absturz von EURUSD in den letzten zwölf Monaten – damals notierte der Wechselkurs noch bei 1,22. Sehen wir jetzt stärkeren Aufwind im Euro? Dazu gibt es zwei Sichtweisen – die EZB spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Euro steigt – Aussicht auf kräftige Zinsanhebung durch die EZB im Juli

Gestern hat der niederländische Notenbankchef und damit auch EZB-Funktionär Klaas Knot in einem TV-Interview gesagt, dass eine Zinsanhebung um 0,50 Prozentpunkte möglich wäre, wenn die Inflation in der Eurozone weiter ansteigt – er spricht als erster EZB-Offizieller dieses Szenario von 0,50 Prozentpunkten aus. Aber nach jetzigem Stand rechnet er für Juli mit einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkten. Basierend auf der Annahme, dass die EZB ab Juli nun wirklich eine kräftigere Zinswende einleitet um die Inflation zu bekämpfen, könnte man von einer spürbaren Aufwertung des Euro ausgehen, die den Abwärtstrend bricht. Möglich ist dieses Szenario durchaus.

Stärkere Zinsanhebungen der Fed – daher mehr Aufwärtsdruck für den US-Dollar als für den Euro?

Die Fed hat bereits mit einer beeindruckenden Zinsanhebung begonnen, und für die nächsten Monate sind weitere kräftige Schritte im Anflug. Deswegen konnte der US-Dollar bereits seit geraumer Zeit so stark aufwerten. Der Euro war der klare Verlierer aufgrund der Zögerlichkeit der EZB, bei den Zinsanhebungen mitzumachen. Erst gestern hat Fed-Chef Powell erneut deutlich gemacht, dass er die Inflation mit voller Wucht bekämpfen wird.

Meine Meinung

Ich meine: Man sollte nicht unterschätzen, wie stark die Tauben in der EZB sind. Das Zinsänderungsrisiko für die europäischen Banken kann dank schnell steigenden Zinsen ein großes Problem werden. Noch wichtiger und für die sündländischen Tauben innerhalb der EZB wohl zentral wichtig ist die Zinslast für Schulden. Beendet die EZB ihre Anleihekaufprogramme und erhöht die Zinsen, steigen die Kreditkosten für die Südländer in der Eurozone immens. Und genau dieses Szenario dürften vor allem Mitglieder wie Italien, Griechenland etc mit voller Kraft verhindern wollen. Dann lieber eine hohe Inflation in Kauf nehmen, mit der man Staatsschulden dazu noch gut abbauen kann? Man darf vermuten, dass auch EZB-Chefin Christine Lagarde eher zögerlich ist in Sachen Zinsanhebungen. Wie in den letzten Wochen in meinen Kommentaren, so bleibe ich bei meiner Ansicht, dass dank der Tauben in der EZB die Zinsanhebungspolitik eher gedämpft ausfallen wird, was dem Euro nicht all zu viel Auftrieb verleihen dürfte. Aber ich kann mich natürlich auch irren.

Was gegen meine These spricht: Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, hat jüngst erwähnt, dass die EZB gerade an einem neuen Hilfsprogramm für die Südländer bastelt. Bei der Angst vor auslaufenden Kaufprogrammen und steigenden Zinsen wolle die EZB mit einem neuen Programm dafür sorgen, dass die Renditen der Südländer-Staatsanleihen tief bleiben. Damit könnten sie folglich leichter einer stärkeren Zinsanhebung zustimmen. Wie gesagt – dies spricht gegen meine These – aber ich bleibe kritisch, was den Handlungswillen der EZB angeht den Zins kräftig anzuheben.

Verlauf von Euro vs US-Dollar in den letzten zwölf Monaten Verlauf von Euro vs US-Dollar in den letzten zwölf Monaten.



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2 Kommentare

  1. Enteignungskünstler

    Wenn nach Dragisch jetzt auch noch die Lagarde nur im Sinne der Südländer handelt, hätten sie gerade statt den Euro die Lira als EU Währung einführen können.Will die EZB jetzt definitiv den erfolgreichen Weg der südamerikanischen und griechischen Währungen verfolgen.Kohl,der einen starken Euro versprochen hat, hat sich schon dreimal im Grab umgedreht.

  2. Inzwischen wird das Defizit vollständig von der EZB finanziert. Die Zinsen spielen für die Staatsschulden daher zunehmend keine Rolle mehr, denn die Anleihen liegen zu einem Großteil längst bei der Zentralbank. Die Staaten zahlen die Zinsen also eh nur an sich selbst. Da stören nicht mal Zinsen von 1000%.

    Problematisch wird es lediglich wenn die EZB aufhört die Anleihen zu kaufen und die Dinger dann keiner mehr haben will. Und davon, das die EZB ihre Bilanzsumme senkt ist eh nicht die Rede. Das Gelddrucken wird daher bis in alle Ewigkeit fortgesetzt.

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