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Euro: Nobelpreisträger Stiglitz fordert seine Aufspaltung

Der Euro muß weg – oder aufgespalten werden, sagt Stiglitz. Funktioniert das?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Ist doch eigentlich alles gar nicht so schlecht derzeit in der Eurozone, oder? Keine neue Eurokrise, der Euro steigt zum Dollar, die Risikoprämien für Anleihen der Europeripherie fallen und fallen. Nichts ist in Ordnung, sagt dagegen der Nobelpreisträger für Wirtschaft, Josepg Stiglitz – und fordert nicht mehr und nicht weniger als eine Aufspaltung bzw. Abschaffung des Euro!

Stiglitz
Joseph Stiglitz. Foto: © Raimond Spekking / Wikipedia (CC-BY-SA 4.0)

In einem Artikel in der „Financial Times“ fordert Sitglitz eine „Flexibilisierung“, mithin eine Aufspaltung in einen (naturgemäß stärkeren) „Nordeuro“ und einen (deutlich schwächeren) „Südeuro“. Stiglitz gibt zu, dass eine solche Aufspaltung nicht einfach sein würde – der einfachste Weg wäre, die Schulden dann auf den (vermutlich drastisch abwertenden) „Südeuro“ lauten zu lassen:

„It is important that there can be a smooth transition out of the euro, with an amicable divorce, possibly moving to a “flexible-euro” system, with say a strong Northern Euro and softer southern euro. Of course, none of this will be easy. The hardest problem will be dealing with the legacy of debt. The easiest way of doing that is to redenominate all euro debts as “southern euro” debts.“

Das würde nichts weniger bedeuten als eine teilweise Enteignung jener Anleihegläubiger, die fleißig über Staatsanleihen die Schulden von Länder wie Italien, Spanien oder Portugal kaufen!

Dabei sieht Stiglitz keine Notwendigkeit für eine Einheitswährung – man habe ja noch den gemeinsamen Wirtschaftsraum und die Freizügigkeit:

„A single currency is neither necessary nor sufficient for close economic and political co-operation. Europe needs to focus on what is important to achieve that goal. An end to the single currency would not be the end of the European project. The other institutions of the EU would remain: there would still be free trade and migration.“

Aber selbst mit der Gemeinschaftswährung gebe es Rezepte, wie man die Probleme lösen könne – eine Bankenunion, gemeinsame Haftungen für Kontoguthaben, Beschränkungen von Handelsbilanzüberschüssen, sowie eine Geldpolitik, die nicht nur auf die Inflation orientiert ist, sondern auf Wachstum:

„The rule changes needed to make the euro work are in an economic sense small. A common banking union, most importantly common deposit insurance; rules to curtail trade surpluses; and eurobonds or some other similar mechanism for mutualisation of debt. Monetary policy to focus more on employment, growth and stability, not just inflation.“

All das scheitere aber daran, dass Deutschland nicht eingestehen wolle, dass es sich bei der EU eben doch um eine Transferunion handle. Solange die derzeitigen Regularien in Kraft seien, habe die Eurozone jedoch keine Chance auf Gesundung – weil die Einheitswährung eben notwendige Angleichungen verhindere. Etwa indem die Preise in Griechenland fallen, in Deutschland dagegen steigen. Also müsse dieses Hindernis beseitigt werden – entweder durch eine Abschaffung des Euro, oder eben durch seine „Flexibilisierung“ sprich Aufspaltung in „Noreuro“ und „Südeuro“. Nur so könne Europa wieder gesunden:

„Europe may have to abandon the euro to save Europe and the European project.“

Stiglitz sieht die Probleme von aussen – seine Analyse der Probleme ist stimmig. Allerdings scheint die von ihm angebotene Lösung nicht wirklich realistisch, weil sie auf eine Enteignung der Gläubiger hinausläuft und damit eine Panik am Markt auslösen würde. Statt einen „Nordeuro“ und einen „Südeuro“ als ersten Schritt zur faktischen Abschaffung des Euro einzuführen, wäre es sinnvoller, die Wiedereinführung der alten Währungen wie Lira, D-Mark etc. als Parallelwährungen zum Euro zu ermöglichen – südeuropäische Länder würden dann ein Ventil bekommen, ihre Probleme anzugehen, ohne den Euro ganz abzuschaffen. Sie könnten etwa ihre Exporte in der alten Währung abwickeln, und damit ihre Chancen am Weltmarkt deutlich verbessern!

Stiglitz vertritt dagegen den guten alten angelsächsischen Glauben, dass durch mehr Schulden mehr Wachstum entstünde. Das ist aber leider nicht der Fall. Irgendwer muß am Ende die Rechnung bezahlen – die Argumentation von Stiglitz zielt darauf, dass das vor allem Deutschland ist. Und alle anderen, die sich auf die Versprechungen der EZB verlassen haben..

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Dreistein

    19. August 2016 12:06 at 12:06

    Es gibt nur den Weg der Euro muss weg. Die eigene Währung muss her so haben die Südländer die Möglichkeit der Abwertung, Deutschland müsste seine Exporte zurückfahren und die Binnen -Konjunktur ankurbeln durch höhere Löhne. Dieses bringt Mehreinnahmen in die Sozialsysteme / Renten/Steuern. Die Renten und Krankenkassen haben doch durch die niedrigen Löhne und 1€ Jobs mit einnahmen zu kämpfen, dazu noch die Nullzinspolitik, das kann nur in die Hose gehen. Die überteuerte Pharmaindustrie nicht zu vergessen. Bei einer Vergemeinschaftung der Schulden wird sich nichts ändern Außer die Höhe der Schulden! Argumente wie die D-Mark wäre dann zu stark ist nicht so ganz richtig, Deutschland hatte schon immer eine starke D-Mark, und Deutschland ist nur Veredler und hat keine eigenen Rohstoffe, also können wir mit einer Starken D-Mark auch billig einkaufen und Rabatte geben beim Verkauf. Die EU als Wirtschaftlicher Raum sollte bestehen bleiben und der ECU wieder eingeführt werden. Das EU-Parlament muss beschnitten werden bis auf das notwendigste.

  2. Avatar

    Willi

    19. August 2016 12:26 at 12:26

    Das ist doch mal ein gutes Konzept, aber dazu müssten viele Politiker über ihren Schatten springen und Fehler eingestehen.
    Also wird man weiter wursteln und einen Schuldigen wird man schon finden.
    Wie viele melden sich zu Wort zum EZB Wahnsinn aber auch dort macht man lustig weiter bis zum Supergau.
    Wie sagt man, man soll die Fehler Anderer (Japan) nicht wiederholen, aber Lernfähigkeit haben die nicht, die sich selbst für unfehlbar halten.
    Willi

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