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Anleihen

Euro-Rettungsschirm will mehr Risiko-Investments

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Von Markus Fugmann

Der Euro-Rettungsschirm ESM leidet unter den Negativzinsen – mehr als die Hälfte seiner Investments besteht aus Papieren, die eine Negativrendite aufweisen. Faktisch muß also der ESM für diese von ihm mit derzeit negativer Rendite gehaltenen Staatsnaleihen Zinsen bezahlen – und das schmälert den Gewinn des Rettungsfonds erheblich. Der ESM ist über den EFSF der größte Einzelgläubiger Griechenlands und hält daher in seinen Büchern ohnehin gewaltige Risiken – sollte es zu einem Grexit kommen, drohen dem Fond schwere Zeiten.

Gleichzeitig aber ist der ESM ein Opfer der EZB-Politik: er kann qua Anlegebestimmungen nur in sichere Papiere investieren, die mindestens ein AA-Rating haben. Da aber solche Anleihen praktisch gar keine oder sogar negative Renditen aufweisen, versuchen die Entscheider beim ESM, die Anlagerichtlinien zu verändern, um renditestärkere, aber daher eben auch risikoreichere Investments tätigen zu können. Einerseits will der ESM, wie es von informierten Kreisen heißt, das Mindestrating auf A von AA absenken lassen, andererseits einen größeren Teil seines Kapitals auch in Nicht-Euro-Staaten anlegen. Das Grundkapital des 2012 gegründeten Fonds beträgt 80 Milliarden Euro, wovon nach Kapitalschlüssel 22 Milliarden aus Deutschland stammen.

Um die Anlagrichtlinien jedoch ändern zu können, braucht der ESM zunächst einmal die Zustimmung des Bundestags-Haushaltsausschusses. Wie informierte Kreise berichten, hat das deutsche Finanzministerium bereits den Bundestags-Haushaltsausschuss gebeten, der Änderung zuzustimmen. Doch die Zustimmung des Deutschen Bundestags alleine reicht nicht – zustimmen müssen auch die anderen Parlamente jener Nationalstaaten, die den ESM-Vertrag ratifiziert haben (darunter Griechenland!). So lautet der offizielle Name des ESM-Gründungsvertrages wie folgt:

„Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus zwischen dem Königreich Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, der Republik Estland, Irland, der Hellenischen Republik, dem Königreich Spanien, der Französischen Republik, der Italienischen Republik, der Republik Zypern, dem Großherzogtum Luxemburg, Malta, dem Königreich der Niederlande, der Republik Österreich, der Portugiesischen Republik, der Republik Slowenien, der Slowakischen Republik und der Republik Finnland“.

Es ist also noch ein weiter Weg, bis der ESM wirklich seine Anlegerichtlinien wird ändern können – wenn überhaupt. Es hat gewissermaßen eine Signalwirkung, wenn der ESM als Rettungsschirm nun auch ein bißchen mehr Risiko gehen möchte – um wieviel mehr gilt das für Institutionen, die weniger rigide Anlagerichtlinien haben..

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Aktuell: EZB PK mit Christine Lagarde – wichtigste Stichpunkte

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Die EZB PK zur Erläuterung der aktuellen Verkündungen der Notenbank-Entscheidung von 13:45 Uhr hat begonnen. Erst wird Christine Lagarde die Entscheidung vorlesen, danach Fragen der Journalisten beantworten. Hier die wichtigsten Punkte in Kurzform.

15:36 Uhr: PK beendet.

15:24 Uhr: Der Kapitalschlüssel bei den Anleihekäufen sei eine “Benchmark”, man werde weiterhin flexibel kaufen (also weiter “zufällig” zu viele deutsche Anleihen?).

15:18 Uhr: Gefahr der Deflation? Das habe man im Blick, PEPP wirke dagegen. Nochmal Frage zu Karlsruhe: Die EZB unterstehe der Rechtssprechnung des EuGH. Dort habe man in 2018 die Anleihekäufe der EZB als Teil ihres Mandates bestätigt. Das Urteil aus Karlsruhe richte sich an die Bundesregierung und den Bundestag.

15:08 Uhr: Warum nur Aufstockung des PEPP um 600 Milliarden Euro, und nicht mehr? Es gab Debatten im EZB-Rat über die Größe der Aufstockung. 600 Milliarden sei die Größe die es erlaube im Großen und Ganzen (unsere Formulierung) zur Größenordnung der Inflation von vor der Coronakrise zurückzukehren. Weitere Zinssenkungen? PEPP sei nur ein Tool der EZB.

14:59 Uhr: PEPP (das Notfall-Anleihekaufprogramm in der Coronakrise) sei schon sehr erfolgreich, so Lagarde. Warum die Aufstockung des PEPP um 600 Milliarden Euro? Die Preisstabilität sei durch die Coronakrise beeinträchtigt worden. Und die Finanzkonditionen seien jetzt viel lockerer. Warum der Horizont des PEPP bis 2021 ausgedehnt wurde? Weil die Inflation bis dahin hoffentlich wieder anspringen werde.

14:53 Uhr: Aufnahme von Junk Bonds wurden nicht diskutiert, Situation wird beobachtet. Entscheidung des deutschen Bundesverfassungsgerichts: Lagarde weist darauf hin, dass die EZB dem EuGH untersteht, und dass die EZB innerhalb ihres Mandates agiere. Sie sei zuversichtlich, dass eine gute Lösung gefunden werde, welche die Unabhängigkeit der EZB nicht beeinflusst, und auch nicht das EU-Recht oder die Urteile des EuGH. Die EZB überprüfe regelmäßig die Wirkungen, Vor- und Nachteile ihrer Politik.

14:48 Uhr: Jetzt beginnen die Fragen der online zugeschalteten Journalisten.

14:47 Uhr: 2020-Inflation soll bei 0,3 Prozent liegen (noch im März bei 1,1 Prozent prognostiziert). 2021 soll sie bei 0,8 Prozent landen (bisher 1,4), in 2020 bei 1,3 Prozent (bisher 1,6).

14:44 Uhr: EZB entschlossen das erforderliche Maß an Anreizen zu gewährleisten. Man werde alles in seinem Mandat Mögliche tun.

14:35 Uhr: Christine Lagarde hat mit ihrer Rede begonnen. Bespricht die aktuelle Lage. Wiederholt die Verkündung von 600 Milliarden zusätzlichen Anleihenkäufen von 13:45 Uhr. Der Zeitraum, in dem unter dem PEPP Anleihen gekauft werden können, wird verlängert bis Juni 2021. Zurückgezahlte Anleihen unter dem PEPP werden bis Ende 2022 reinvestiert.

EZB-Chefin Christine Lagarde
Foto: World Economic Forum CC BY-SA 2.0

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Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht – 600 zusätzliche Milliarden!

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Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00%. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50%. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25%.

Entscheidend: Das aktuelle Notfall-Kaufprogramm für Anleihen (PEPP) wird um 600 Milliarden Euro erweitert auf 1,35 Billionen Euro! Der Zeitraum, in dem unter dem PEPP Anleihen gekauft werden können, wird verlängert bis Juni 2021. Zurückgezahlte Anleihen unter dem PEPP werden bis Ende 2022 reinvestiert.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

(1) The envelope for the pandemic emergency purchase programme (PEPP) will be increased by €600 billion to a total of €1,350 billion. In response to the pandemic-related downward revision to inflation over the projection horizon, the PEPP expansion will further ease the general monetary policy stance, supporting funding conditions in the real economy, especially for businesses and households. The purchases will continue to be conducted in a flexible manner over time, across asset classes and among jurisdictions. This allows the Governing Council to effectively stave off risks to the smooth transmission of monetary policy.

(2) The horizon for net purchases under the PEPP will be extended to at least the end of June 2021. In any case, the Governing Council will conduct net asset purchases under the PEPP until it judges that the coronavirus crisis phase is over.

(3) The maturing principal payments from securities purchased under the PEPP will be reinvested until at least the end of 2022. In any case, the future roll-off of the PEPP portfolio will be managed to avoid interference with the appropriate monetary stance.

(4) Net purchases under the asset purchase programme (APP) will continue at a monthly pace of €20 billion, together with the purchases under the additional €120 billion temporary envelope until the end of the year. The Governing Council continues to expect monthly net asset purchases under the APP to run for as long as necessary to reinforce the accommodative impact of its policy rates, and to end shortly before it starts raising the key ECB interest rates.

(5) Reinvestments of the principal payments from maturing securities purchased under the APP will continue, in full, for an extended period of time past the date when the Governing Council starts raising the key ECB interest rates, and in any case for as long as necessary to maintain favourable liquidity conditions and an ample degree of monetary accommodation.

(6) The interest rate on the main refinancing operations and the interest rates on the marginal lending facility and the deposit facility will remain unchanged at 0.00%, 0.25% and -0.50% respectively. The Governing Council expects the key ECB interest rates to remain at their present or lower levels until it has seen the inflation outlook robustly converge to a level sufficiently close to, but below, 2% within its projection horizon, and such convergence has been consistently reflected in underlying inflation dynamics.

The Governing Council continues to stand ready to adjust all of its instruments, as appropriate, to ensure that inflation moves towards its aim in a sustained manner, in line with its commitment to symmetry.

EZB Tower
Der EZB-Tower in Frankfurt. Foto: Epizentrum CC BY-SA 3.0

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EZB-Bilanz explodiert immer weiter – zu großer Hunger auf deutsche Papiere

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Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Seit gestern liegt die EZB-Bilanz für den Stichtag 29. Mai vor. Am Ende dieses Artikels drucken wir die Übersicht der Aktiva ab, woraus auch die gigantischen Anleihekäufe der EZB ersichtlich sind. Die gesamte Bilanzsumme wuchs binnen einer Woche um 40,8 Milliarden auf 5,596 Billionen Euro! Noch im Februar waren es 4,7 Billionen Euro. Tja, das Geld für all die aufzukaufenden Staatsschulden und für die Kredite an die Banken muss irgendwo her kommen. Euros aus dem Nichts erschaffen, das bläht die Bilanzsumme auf! Die zu “geldpolitischen Zwecken gehaltene Wertpapiere” (Anleihekaufprogramme) haben jetzt ein Volumen von 3,019 Billionen Euro erreicht – ein Plus von 24 Milliarden Euro in nur sieben Tagen.

Die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (Kredite an Banken) wuchsen um 18 Milliarden Euro im Vergleich zur Vorwoche. Die EZB-Bilanz macht nun 47 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone aus. Abgesehen von der Summe ist auch diese prozentuale Relation ein Rekord! Interessant ist auch, dass die EZB derzeit offenbar mehr deutsche Staatsanleihen aufkauft, als es nach dem Kapitalschlüssel angedacht wäre. Schon mal vorsichtshalber viele deutsche Papiere aufkaufen, bevor es der Bundesbank nach dem Urteil aus Karlsruhe endgültig verboten wird an den Anleihekäufen der EZB mitzuwirken? Im folgenden Chart sehen wir den Verlauf der EZB-Bilanz seit der Entstehung der Zentralbank.


source: tradingeconomics.com

EZB-Bilanz mit Stand 29. Mai

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