Devisen

Euro sinkt aufgrund der Öl-Krise auf Siebenmonatstief gegenüber Dollar

Der Iran-Krieg sorgt für viele Probleme. Der Dollar profitiert. Europa könnte stärker leiden? Der Euro verliert seit Kriegsbeginn spürbar.

Euro-Geldscheine. Foto: Claudio Kummerfeld

Die Lage ist eindeutig: Seit Ausbruch des Iran-Kriegs (eingekreist im Chart) fällt der Euro, der US-Dollar erlebt Auftrieb! Euro gegen Dollar fällt seitdem von 1,1824 auf aktuell 1,1457 – eine klare Bewegung und der tiefste Stand für die Gemeinschaftswährung seit sieben Monaten. Nicht nur, dass die globale Leitwährung in Krisenzeiten als Fluchthafen dient. Auch gibt es andere Faktoren zu beachten. Wichtig: Die steigenden Ölpreise treiben aller Wahrscheinlichkeit nach spürbar Inflation in die Verbraucherländer. Diese Aussicht lässt die Anleiherenditen deutlich ansteigen. Die deutschen zehnjährigen Renditen steigen seit Kriegsbeginn von 2,64 % auf 2,96 %, die US-Renditen von 3,94 % auf 4,27 %, gut sichtbar im Chart.


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Euro gegen Dollar und Anleiherenditen im Vergleich

Euro-Schwäche: Europa stärker betroffen von Iran-Krieg?

Auftrieb bei den US-Anleiherenditen hilft dem Dollar, denn man erwartet eine Abkehr von Zinssenkungsaussichten bei der Fed, dank Inflation. Zwar erwartet man für Europa sogar Zinserhöhungen bei der EZB, und die Anleiherenditen steigen wie gesagt auch in Europa – aber der Euro zeigt Schwäche gegen den US-Dollar. Europa ist mangels genug eigenen Öl-Resourcen stärker bedroht durch die Iran-Krise als die USA, und konjunkturelle Probleme dürften in Europa stärker ausfallen als in den USA? Auch diese Aussicht schwächt den Euro.

Bloomberg ordnet die aktuelle Dollar-Stärke wie folgt ein: Die jüngste Entwicklung erfolgte, als der Greenback heute angesichts der anhaltenden Streiks im Nahen Osten gegenüber allen Währungen der G10-Gruppe an Wert gewann. Der Euro stand bereits unter Druck, da Ölpreise von über 100 US-Dollar pro Barrel die anhaltende Anfälligkeit Europas unterstrichen: Wenn die Energiekosten steigen, verschlechtert sich die Handelsbilanz, und die Währung gerät unter Druck.

Höher Ölpreis dämpft Konjunkturaussicht


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Der Euro hat sich abgeschwächt, obwohl die Geldmärkte nun zwei Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr favorisieren, was eine deutliche Veränderung gegenüber den Preisen des letzten Monats darstellt, als keine Maßnahmen erwartet wurden. Diese Umkehr unterstreicht, wie die durch die Energiepreise ausgelösten Wachstumssorgen die Zinsunterstützung für die Währung in den Hintergrund drängen.

Dollar-Stärke: Leitwährung und große eigene Ölproduktion

Der Dollar hingegen erhält einen Schub durch die Position der USA als weltweit größter Ölproduzent und durch die Rolle des Greenback als Währung des globalen Rohölhandels. Er hat auch zugelegt, da Inflationsängste die Händler dazu veranlassen, ihre Erwartungen hinsichtlich einer Lockerung der Geldpolitik durch die Federal Reserve in diesem Jahr zurückzuschrauben – Swaps deuten derzeit nur auf eine Senkung um 16 Basispunkte hin.

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die geldpolitische Sitzung der EZB in der nächsten Woche, bei der die Händler die Reaktion von Präsidentin Christine Lagarde auf die Krise genau beobachten werden. Anfang dieser Woche sagte sie, die politischen Entscheidungsträger der Zentralbank würden sicherstellen, dass der Krieg im Iran nicht die gleichen inflationären Auswirkungen auf die Eurozone hat wie die Invasion Russlands in der Ukraine.

Die EZB sollte „die Zinsen unverändert lassen und betonen, dass die jüngsten Entwicklungen der Energiepreise ihre Wachstums- und Inflationsaussichten mit zusätzlicher Unsicherheit behaftet haben”, schrieb Valentin Marinov, Leiter der G10-Devisenforschung und -strategie bei Credit Agricole SA, in einer Mitteilung. Der Euro „könnte weiter zu kämpfen haben”, wenn die EZB die derzeitigen hawkischen Markterwartungen enttäuscht, fügte Marinov hinzu. Er geht nicht davon aus, dass die Zentralbank so weit gehen wird, die derzeit durch Swaps implizierten Zinserhöhungen zu bestätigen.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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3 Kommentare

  1. Ich nehme an in Andalusien nicht. Aufgrund der modernen Gesellschaftspolitik.

  2. Hallo @ Mani
    Das ist uns egal.
    Unsere spanische Mindestrente wurde um 12 % erhöht.
    Und unser anderes Geld steckt in Gold und Silber.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  3. Die EZB muss die Zinsen nicht erhöhen, weil die Zinsen bei der aktuellen Lage von ganz alleine steigen.

    Wenn die Gebrauchtwagen knapp werden und deshalb beim Händler deren Kauf-Preise steigen, sollten auch die Zinsen für das Leihen dieser Gebrauchtwagen steigen ? Oder wo ist mein Denkfehler ?

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