Devisen

Devisenmarkt im Bann der Notenbanken Euro mit kräftigem Anstieg – Händler blicken auf hawkische EZB-Reden

Eine gestrige Rede hat den Euro heute gegenüber dem US-Dollar deutlich hoch gepusht. Und heute Nachmittag steht eine weitere an.

Mehrere Euro-Geldscheine

Nachdem die EZB im Juli den Leitzins im Juli um 0,50 Prozent anhob, und dann letzte Woche um weitere 0,75 Prozentpunkte, erwartet man am Markt offenbar weitere kräftige Zinsanhebungen, was man im Preis des Euro gegenüber dem US-Dollar ablesen kann. Freitag Abend noch bei 1,0046, so sehen wir aktuell EURUSD bei 1,0193 – ein deutliches Plus! Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sorgte mit einem gestrigen Interview beim Deutschlandfunk (hier in voller Länge anhören) für weiteren Rückenwind im Euro. So sagte er, dass die Anhebung von letzter Woche ein deutliches Zeichen war. Und wenn das Inflationsbild so bleibt, müssten seiner Aussage nach weitere deutliche Schritte folgen. Was er mit „weitere deutliche Schritte“ genau meinte, sagte er nicht. Aber damit war dem heutigen Anstieg des Euro ein guter Weg bereitet. Aktuell steigt er nämlich so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr.

Auch Bloomberg betont aktuell die Wichtigkeit der gestrigen Aussage von Bundesbank-Chef Joachim Nagel. Man erwähnt seine Aussage, dass weitere Zinserhöhungen notwendig seien, um die Inflation einzudämmen. Die EZB müsse laut Nagel weitere klare Schritte unternehmen, wenn sich das Inflationsbild nicht ändere. Die EZB hat durch ihre Zinsanhebungen die Zinsdifferenz zur Federal Reserve verringert. Für den Anstieg des Euro hat laut Bloomberg auch geholfen, dass die lebhafte Risikobereitschaft die Nachfrage nach dem US-Dollar dämpfte.

Die EZB-Maßnahmen erfolgten inmitten einer weit verbreiteten Dollarschwäche, wobei der von Bloomberg ermittelte Indikator für die Stärke des Greenback auf den schwächsten Stand seit fast zwei Wochen fiel. Auch gegenüber dem Pfund konnte der Euro seine Gewinne ausbauen und erreicht mit 87,22 Pence den höchsten Stand seit Februar 2021.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Erleichterung bei den Aktienkursen und die jüngste breite Dollar-Korrektur bis in die Woche hinein fortsetzen werden, da die Märkte den kurzfristigen Höhepunkt der Hawkishness der Zentralbanken im Auge haben und die Positionierung relativ defensiv ist“, schrieben die Strategen der Citigroup in einer Mitteilung an ihre Kunden.

Der heutige Kursanstieg des Euro überraschte laut Bloomberg die Händler, löste Stop-Losses aus und verstärkte den Anstieg der Gemeinschaftswährung, so zwei in Europa ansässige Händler. Der Markt hat die Aussichten für den Euro entschieden negativ bewertet, da Russland die Gaslieferungen in die Region weiterhin drosselt, was die Inflation anheizt und die Aussicht auf eine Rezession erhöht.

Die Händler erwarten am Montag eine weitere Ansprache von EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel, die möglicherweise zu einer restriktiven Haltung der EZB führen wird. Die Märkte blicken auch auf die am Dienstag anstehenden US-Inflationsdaten für August, die laut einer Bloomberg-Umfrage unter Wirtschaftswissenschaftlern eine Verlangsamung des Preiswachstums zeigen dürften. Dies könnte die Gewinne des Dollars weiter untergraben, da es die Notwendigkeit aggressiver Zinserhöhungen verringert.

Es scheint, dass die Kunden allgemein eine Verlangsamung des US-Verbraucherpreisindexes erwarten und dass wir den Höhepunkt erreicht haben“, sagte Jordan Rochester, ein Währungsstratege bei Nomura International Plc. „Die Frage ist nun, wie langsam er fällt, denn die meisten Indikatoren deuten auf einen starken Rückgang des Inflationsdrucks in den USA hin.

FMW-Kommentar: Momentan sehen wir einen deutlichen Anstieg im Euro gegenüber dem US-Dollar. Wie gesagt, heute ist die Rede von Isabel Schnabel ab 14 Uhr entscheidend. Äußert sie sich wie Joachim Nagel ebenfalls im Sinne weiterer kräftiger Zinsanhebungen der EZB, könnte die Euro-Rally kurzfristig weiter laufen. Danach schaut man auf die morgigen US-Daten. Auf Sicht von mehreren Wochen und Monaten, da sieht es mit der Euro-Stärke womöglich nicht so rosig aus. Die Energiekrise rollt gerade erst auf Europa zu wie auch die Rezession, und wenn die Fed doch weiterhin die Zinsen kräftig anhebt, könnte am Devisenmarkt das Pendel vom Euro wieder Richtung US-Dollar ausschlagen. Der Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs US-Dollar in den letzten 12 Monaten. Man erkennt: Aus seinem großen Abwärtstrend ist der Euro noch nicht nach oben ausgebrochen.

Kursverlauf von Euro vs US-Dollar in den letzten 12 Monaten

FMW/Bloomberg



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