Devisen

Euro und Dax nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Dax und Euro reagierten gestern mit Verlusten auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen im Rahmen des PSPP. Im folgenden geht es nicht darum, das Urteil zu analysieren, sondern über mögliche Marktreaktionen nachzudenken. Im Wesentlichen hat sich das Verfassungsgericht zugunsten der QE ausgesprochen, die Regierung jedoch gebeten, die EZB um Klarstellungen und Erläuterungen zu den durchgeführten Wertpapierkaufprogrammen zu bitten. Es bleiben drei Monate, um alle technischen und operationellen Erklärungen des Falles sowie die Gründe zu erhalten, warum beschlossen wurde, diese Geldpolitik einzuführen – und wenn alles geklärt ist, wird die Bundesbak weiterhin europäische Staatsanleihen gemäß den Anweisungen der EZB kaufen.

Sollte das Bundesverfassungsgericht nach diesen drei Monaten jedoch weiter dabei bleiben, dass das PSPP teilweise verfassungswirdrig sei, wird alles in Frage gestellt. Das Urteil hat schon deswegen politische Bedeutung, weil es einen Präzedenzfall schafft, in dem ein Staat die Tätigkeit einer Zentralbank in Frage stellt. Das würden wir Italiener niemals tun, weil wir gemeinsam auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten möchten – notfalls würde Italien aber auch gegen das deutsche Verfassungsgericht vorgehen!

Besonders auffallend ist der Zeitpunkt: Drei Monate Zeit, und das in einem so unsicheren Rahmen wie dem jetzigen in der Coronakrise, stellen einen ausgeprägten Zeitrahmen dar, in dem das Thema immer wieder „hochkochen“ wird. In der Zwischenzeit werden wir auf Sicht segeln und darauf warten, was uns bezüglich des Recovery-Fonds gesagt wird. Daneben werden wir immer mehr Einschätzungen der makroökonomischen Auswirkungen der gegenwärtigen Krise erhalten. Bis dahin konzentrieren sich die Kapitalströme vermutlich immer noch auf die Suche nach Renditen innerhalb eines „unvollendeten Preisausgleichsrahmens“.

Dax und Euro

Die ersten Reaktionen des Euro waren aufwärtsgerichtet (weil das Bundsverfassungsgericht die Anleihekäufe nicht grundsätzlich in Frage gestellt hat) – um dann schnell wieder abwärts zu tendieren mit einer dann folgenden leichten Erholung. Technisch gesehen ist der Bereich bei 1,0785 eine Unterstützung – ein Bruch dieser Marke ließe den Euro dann in Richtung 1,0750 und 1,0725 fallen. Das aber ist dann ein Bereich, der, wenn er  erreicht wird, auch gegenüber anderen Majors gekauft werden könnte (denken Sie daran, dass der Dollar nach einer Richtungsentscheidung sucht). Bräche auch der Bereich 1,0725, fällt der Euro wohl zügig  in Richtung 1,0670.

Was den Dax betrifft, so sind wir bei den technischen Zielen von 10.710 und 10.750 Punkten angelangt, bevor die Nachrichten aus Deutschland den Index deutlich unter Druck brachte. Im Falle eines Anstiegs über die Zone bei 10.760 Punkten könnte der Dax versuchen, die Aufwärtsbewegung bis 10.850 fortzusetzen – was die amerikanischen Aktienmärkte mit sich ziehen könnte, die bei Anstiegen ohnehin meist dynamischer sind als die Europäer. Über der Zone 10.850 liegen die nächsten Widerstände beim Dax bei 10.900 Punkten und der 10.930er-Zone.

Der Dax im Chartverlauf - mit ähnlicher Reaktion wie der Euro

Der Euro war gestern unter Druck

 



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