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Euro und EZB – Vorschau auf den MEGA-Event nächste Woche

Claudio Kummerfeld

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am

Nächste Woche Donnerstag ist es endlich soweit. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Zinsentscheidung bekannt geben. Sie wird den Euro beeinflussen, aber auch zahlreiche Nachbar-Währungen wie den Schweizer Franken, den polnischen Zloty, den ungarischen Forint usw. Vor allem die Schweizer Kollegen der EZB dürften vermutlich zügig nachziehen mit sinkenden Zinsen, weil sie eine Aufwertung des Franken unbedingt verhindern wollen. Aber was wird erwartet? Womit darf man rechnen für Donnerstag um 13:45 Uhr (Entscheidung) und 14:30 (PK)?

Euro und EZB - Mario Draghi nächsten Donnerstag mit seiner letzten Entscheidung
Mario Draghi. Foto: EZB

Euro gegen Dollar schon gut gefallen

Schauen wir auf den folgenden Chart, der Euro vs US-Dollar seit 2016 zeigt. Man sieht, dass der Euro seit gut einem Jahr langsam aber kontinuierlich am Fallen ist. Denn der Markt hat sich immer mehr darauf vorbereitet, dass die Europäische Zentralbank wohl doch eher Zinsen senken statt anheben wird. Denn im Laufe der letzten Quartale wurden die Konjunkturdaten in Europa immer schlechter und schlechter. Euro vs USD hat seit Sommer 2018 von 1,1750 auf unter 1,10 verloren. Ganz aktuell in der letzten Woche ging es ein klein wenig bergauf für den Euro, aber eher weil der US-Dollar dank steigendem Risikoappetit der globalen Anlegergemeinde Schwäche zeigte.

Euro vs USD seit 2016

Was wird die EZB tun?

Aber erst einmal zur EZB. Was wird sie entscheiden? Seit Monaten geht man davon aus, dass es eine Zinssenkung in Kombination mit einem neuen Anleihekaufprogramm sein wird. Die Aussicht hierauf hatte den Euro wie vorhin schon erwähnt bereits deutlich geschwächt. Aber zuletzt mehrten sich auch Zweifel daran, ob es neue Anleihekäufe geben würde. Ein gewisser Kampf zwischen Nord- und Südländern innerhalb der EZB soll im Gange sein. Denn erstens scheinen die Nordländer innerhalb der EZB grundsätzlich dagegen zu sein. Und zweitens gibt es das Problem, dass die EZB maximal 33% der verkauften Anleihen eines Landes kaufen kann. In einigen Fällen ist man schon an dieser Grenze angekommen. Deshalb müsste man seine selbst erstellten Regeln dann nach oben anpassen. Was aber die Kritiker auf die Palmen bringen dürfte, die sowieso schon seit Jahren der Meinung sind, die EZB betreibe letztlich die Finanzierung von überschuldeten Staatshaushalten in der Eurozone. Also könnte es sein, dass es nur eine Zinssenkung wird? Beim Banken-Einlagenzins, der bereits bei -0,40% liegt, könnte es auch weiter bergab gehen, aber mit einer Regelung, welche betroffene Banken schonen könnte.

Aber jetzt kommt ein Problem auf für alle Beobachter, die in den letzten Tagen ein eher kleine Lockerung durch die EZB erwarten. Denn die Konjunkturdaten gerade für Deutschland sind in den letzten Wochen immer grottiger ausgefallen. In Sachen Inflation zeigen zahlreiche jüngst veröffentlichte Indikatoren sogar in Richtung Deflation (hier ein Beispiel). Auch die Industrieaufträge und Umsätze aus Deutschland sind aktuell stark rückläufig. Und was hatte Mario Draghi noch am 25. Juli gesagt? Diese niedrige Inflationsrate könne man nicht akzeptieren. Und seit diesem Satz sind schon wieder fünf Wochen vergangen, und diverse Daten zeigen eine weiter verschärfte Abwärtstendenz für die Verbraucherpreise in der Eurozone. Also: Darf man vermuten, dass die EZB wohl doch einen großen Schritt vornehmen wird?

Eine Meinung

Die Danske Bank hat gestern eine aktuelle Meinung veröffentlicht, was man für Donnerstag erwartet. Man glaubt daran, dass die anstehende Entscheidung der EZB sogar die Leitlinien für die nächsten Jahre setzen könnte. Danske erwartet bei der Deposit Rate und der Marginal Lending Facility (zwei von drei Leitzinssätzen) eine Senkung von 20 Basispunkten, mit einer Aussicht auf möglicherweise weiter sinkende Zinsen. Auch glaubt man gleichzeitig an einen Neustart der Anleihekäufe für 12 Monate in Höhe von 45-60 Milliarden Euro pro Monat. Und man glaubt daran, dass die EZB ein Stufensystem beim Bankeneinlagenzinssatz von derzeit -0,40% einführen wird, um die Geschäftsbanken ein wenig zu entlasten.

Markterwartungen

Der führende US-Finanzsender CNBC hat es gestern kurz und knapp so ausgedrückt: Der Markt erwarte eine Zinssenkung, und einige Experten erwarten auch einen Neustart der Anleihekäufe. Also: Kommt es zu Zinssenkungen + neuen Anleihekäufen, sollte der Euro dann ab Donnerstag Nachmittag weiter fallen gegen den US-Dollar? Laut „FT“ glaubt die französische BNP Paribas Asset Management, dass der Markt eine unendliche Fortsetzung des QE (Anleihekäufe) sehen will. Die Anleihekäufer (Institutionelle Investoren) hätten diese Anleihen (FMW: Zu immer höheren Kursen und immer niedrigeren Renditen) gekauft, weil sie davon ausgehen, dass man sie später an die EZB verkaufen könne.

Und ja, so meinen wir von FMW: Diese Erwartung haben viele Anleihekäufer wohl. Denn wenn man etwas kauft, will man es ja schließlich später mit Gewinn weiterverkaufen. Die Hamburg Commercial Bank (ehemals HSH Nordbank) ist der Meinung, dass die Analystengemeinde mehrheitlich von 10 Basispunkten Zinssenkung beim Einlagenzins ausgehe. Einige Beobachter würden aber auch 20 oder 30 Basispunkte erwarten. Und es werde wohl eine Staffelung der Einlagenzinsen geben, vielleicht auch mit Freibeträgen für die Geschäftsbanken wie in der Schweiz. Wichtig: Laut der Hamburg Commercial Bank würde der Markt ein QE-Volumen von 20 Milliarden Euro pro Monat wohl als Enttäuschung auffassen, und 40 Milliarden Euro als überraschend hoch. 12 Monate als Laufzeit seien realistisch.

Abschließend möchten wir anmerken: Mario Draghi gibt seine Abschiedsvorstellung! Das sollte man nicht unterschätzen. Er könnte also als großes Finale eine kräftige geldpolitische Lockerung durchpauken, denn die Konjunkturdaten in der Eurozone sind wirklich schlecht! Der Markt erwartet schon einiges, aber diese Erwartungen könnten von Draghi letztlich noch übertroffen werden. Dann sollte/könnte es womöglich mit dem Euro wohl weiter gen Süden gehen in Relation zum US-Dollar. Aber jetzt Schluss mit den Vermutungen. Am Donnerstag sind wir alle schlauer.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    leftutti

    7. September 2019 14:21 at 14:21

    Ehemalige HSH Nordbank und Danske Bank, da fällt mir schlagartig einiges dazu ein: Untreue, Bilanzfälschung, überhöhte Vorstandsgehälter, riskante Kreditausfallgeschäfte, Cum-Ex-Skandal nach Rettung durch den Steuerzahler, Geldwäsche …

    Vor 3 Minuten habe ich den bemerkenswerten Artikel von Hannes Zipfel zu Profit und Ethik gelesen, und jetzt tauchen diese beiden Namen auf. Wenn das mal kein Omen ist ;)

  2. Avatar

    Marcus

    8. September 2019 13:41 at 13:41

    Das mit den Anleihen ist mir ehrlicherweise noch gar nicht in den Sinn gekommen. Aber das würde auch erklären, warum die Investoren immer noch so extrem bei Anleiheauktionen zugreifen, obwohl es sich eigentlich gar nicht lohnt. Und da der europäische Bondmarkt ja nicht so liquide ist wie der amerikanische, könnten die Institutionellen dann die Preise diktieren…

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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