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Eurogruppen-Chef Dijsselbloem: Länder der Europeripherie haben Gelder für „Suff und Weiber“ verprasst!

Wenn andere keine Schlagzeilen über die Eurozone machen, dann machen wir sie eben selbst, mag sich der derzeitige niederländische Finanzminister Dijsselbloem gedacht haben. Denn in einem Interview mit der „FAZ“ hat Dijsselbloem, der derzeit auch Chef der Eurogruppe ist, den Südländern der Eurozone vorgeworfen, das geliehene Geld für „Suff und Weiber“ ausgegeben zu haben..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wenn andere keine Schlagzeilen über die Eurozone machen, dann machen wir sie eben selbst, mag sich der derzeitige niederländische Finanzminister Dijsselbloem gedacht haben. Denn in einem Interview mit der „Frankfurter Allgmeinen Zeitung“ hat Dijsselbloem, der derzeit auch Chef der Eurogruppe ist (also der Finanzminister der Eurozone) den Südländern der Eurozone vorgeworfen, das geliehene Geld für „Suff und Weiber“ ausgegeben zu haben („drink und women“)!

Die Nordländer der Eurozone hätten, so Dijsselbloem, Solidarität gezeigt mit der Euro-Peripherie, was er als Sozialdemokrat ausdrücklich gut heiße. Aber man habe dadurch eben auch Verpflichtungen und könne das Geld nicht einfach für „Suff und Weiber“ verprassen, um dann nach weiterer Hilfe zu rufen.


Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Foto: Rijksoverheid / Wikipedia / Gemeinfrei

Mit diesen Aussagen sorgte Dijsselbloem für Entrüstung im Europaparlament. Der Vorwurf: die Äusserungen Dijsselbloems seien beileidigend und vulgär. Vor allem spanische Abgeordnete im Europaparlament kritisierten den holländischen Finanzminister scharf: er habe offenkundig seine Neutralität verloren, und er glaube wohl, dass seine Aussagen lustig seien, aber das sei nicht der Fall. Dijsselbloem reagierte auf die Vorwürfe gestern im Parlament mit dem Satz: „Seien Sie bitte nicht beleidigt“. Auch die Niederlande habe sich vor einigen Jahren nicht an die Regeln gehalten, die vereinbart wurden. Er wolle daher keinesfalls einen Gegensatz zwischen den verschiedenen Ländern der Eurogruppe postulieren.

Gleichwohl forderte etwa der portugiesische Aussenminister Santos Silva Dijsselbloem auf, zurück zu treten: offenkundig habe Dijsselbloem, so Silva, in den letzten Jahren überhaupt nicht verstanden, was wirklich mit Ländern wie Portugal, Spanien oder Italien passiert sei. Der Chef der sozialistischen Fraktion im EU-Parlament, Gianni Pitella, stellte öffentlich in Frage, ob Dijsselbloem noch „fit“ sei, um sein Amt auszuüben. Dijsselbloem habe sich einer diskriminierenden Sprache bedient, für die es keine Entschuldigung gebe – gerade für jemanden, der als progressiv gelte.

Dijsselbloems Amtszeit als Eurogruppen-Chef endet im Januar 2018. Zuvor hatte Dijsselbloem betont, so lange im Amt zu bleiben, bis sich in den Niederlanden eine neue Koalition gebildet habe. Dijsselbloem werden zwar Ambitionen nachgesagt, sich erneut für diesen Posten bewerben zu wollen, doch hat die sozialdemokratische Partei Hollands, der er angehört, herbe Verluste bei den kürzlichen Wahlen erlitten, was seine Chancen auf den Posten stark minimiert..

21 Kommentare

21 Comments

  1. Avatar

    Stefan

    22. März 2017 10:45 at 10:45

    Endlich sagt es mal einer.

  2. Avatar

    Mulo

    22. März 2017 10:51 at 10:51

    Haben ja auch in Südeuropa massiv über ihren Verhältnissen gelebt, ob das Geld jetzt versoffen, verhurt oder verspielt wurde, egal, Konsum ging vor Investment und ist weg.

  3. Avatar

    Stefan

    22. März 2017 10:56 at 10:56

    Hatten ja einen Zuhälter mit dem Namen Drahgi.

  4. Avatar

    verinet

    22. März 2017 10:58 at 10:58

    prinzipiell hat er natürlich Recht erst schulden finanzierte Party feiern und wenn der Kater kommt nach noch mehr Stoff rufen

  5. Avatar

    Stefan

    22. März 2017 11:10 at 11:10

    Die schuldenfinanzierte Party hat bald ein Ende. Die ersten FED Mitglieder denken über eine Verkleinerung der FED Bilanz nach. Die Rezession in den USA steht vor der Tür. Der ersten Schreie werden laut das der Fall Griechenland keinen Erfolg hatte und Griechenland die EU verlassen sollte.
    Die Party ist bald weltweit zu Ende.

    • Avatar

      verinet

      22. März 2017 11:32 at 11:32

      Griechenland wird weiter gerettet werden zumindest solange bis die Ära Merkel / Schulz beendet ist, da will keiner die verlorenen Forderungen ausbuchen….das wird der Nachfolger übernehmen müssen

  6. Avatar

    Dreistein

    22. März 2017 11:27 at 11:27

    Tja die Einen LEBEN und die Anderen ARBEITEN wie im richtigen leben eben.

    • Avatar

      verinet

      22. März 2017 12:06 at 12:06

      die einen Leben um zu Arbeiten die anderen Leben um die anderen Arbeiten zu lassen

  7. Avatar

    frank.trg

    22. März 2017 11:46 at 11:46

    Zwar etwas überspitzt, aber im Grunde genommen hat er Recht. Das Geld wurde auch direkt von den griechischen Parlamentariern für eigene Gelüste verprasst, deshalb stimmt der Vorwurf mit Suff und Weiber schon…

  8. Avatar

    SMArtTrader

    22. März 2017 12:17 at 12:17

    Ich bin über die doch sehr populistischen und teils arg wenig reflektierten Kommentare hier erstaunt.

    Immerhin war ich bisher der Meinung, dass auf FMW eher die „klügeren und kosmopolitischen Köpfe“ unterwegs sind.

    Nehmen wir doch mal eine Abkürzung durch die Fakten:

    Die Kredite an die „Südländer“ sind nicht nur einfach so geflossen, sondern zuallermeist wurden damit Waren, Dienstleistungen, Güter, usw. gekauft. Wo? Genau! Bei den Nordländern!

    Diese Initial-Kredite wurden von Nord-EU-Banken vergeben. Da die Austeritätspolitik und natürlich auch die Selbstbedinungsmentalität der früheren Regierungen usw. die Wirtschaft dieser Südländer nicht gerade hat prosperieren lassen, kamen viele Kredite in Not.

    Dann hat die EU beschlossen, man werde mit „Hilfen“ die Wirtschaft wieder ankurbeln, damit die Kredite nicht komplett ausfallen und die Nord-EU-Politiker sich dem eigenen Wahlvolk nicht erklären müssen.

    „Gerettet“ wurden wenn dann die Forderungen und Arbeitsplätze der Nordstaaten und „Versoffen und verhurt“ haben es allenfalls die Kreditgeber, denn die Nachschuss-Kredite („Rettungspakete“) flossen postwendend wieder zurück an die Nord-EU-Banken / Staaten.

    Aber es ist natürlich leichter sich mit populistischen Verkürzungen Gehör zu verschaffen, denn das geneigte Publikum hat heutzutage ja eine doch recht kurze Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit.

    • Avatar

      Stefan

      22. März 2017 13:09 at 13:09

      Dann schau dir mal die Target 2 Forderungen an, dann wirst du erkennen wo unsere schonen Autos sind. Im Papierkorb oder denkst du ,,kosmopolitischer Kopf“, dass wir die jemals wiedersehen.

      • Avatar

        SMArtTrader

        22. März 2017 13:35 at 13:35

        Inwiefern soll das meine Aussagen relativieren?

        TARGET2 sagt doch nur, dass wir heiter „auf Pump“ unsere Waren ins Ausland liefern, um der tolle „Exportweltmeister“ zu sein und die Arbeitsplätze zu erhalten.

        Dein Einwand begründet also immer noch nicht, wieso die populitischen Kommentare hier denen recht geben, die diejenigen angreifen, die uns unsere Waren auf Kredit abnehmen.

        Das ist doch eine Verkehrung der WIrklichkeit. Nicht die Südländer „verhuren und versaufen“, sondern wir Deutschen halten durch die Schulden dieser Länder unseren Lebensstandard aufrecht – so lange es irgend geht.

        Wieso macht denn keiner der rollstuhlfahrenden schwarzen Null einen Vorwurf, dass man dem schlechten noch gutes Geld hinterher wirft?

        Wenn Herr Schäuble ehrlich wäre, dann würde er nicht von Rettung der Südländer, sondern von der Rettung Deutschlands oder besser gesagt der deutschen Banken sprechen müssen.

        • Avatar

          verinet

          22. März 2017 16:34 at 16:34

          das ist toll für die Südländer weil sie tolle Waren bekommen obwohl sie keine Kohle haben das ist auch toll für die deutschen Konzerne da sie ihren Umsatz steigern und natürlich auch toll für deutsche Banken die ihre faulen Kredite losgeworden sind….da es kein Perpetuum Mobile gibt wird wohl irgendwann einer im Arsch gekniffen sein ich denke sie kommen darauf wer das sein könnte

        • Avatar

          GN

          23. März 2017 07:29 at 07:29

          @smarttrader……

          Wohl die einzig richtige Interpretation der Lage, wie Du sie beschreibst. Nur, damit wirst Du hier nicht punkten. Hier punkten nur Leute, die die Deutschen als die fleißigen Helden darstellen, die für das faule Gesocks aus Griechenland, Spanien, Portugal, Italien bezahlen müssen…..

          Abgesehen davon, daß weder der Leistungsbilanzüberschuß verstanden wird und die daraus resultierenden Konsequenzen, noch wird richtig verstanden, wie sich die Staaten wirklich finanzieren. Denn dazu bedingt es, daß man unser Geldsystem und die immer noch von unseren Mainstreamökonomen angebetete indirekte Staatsfinanzierung versteht.

          Dieses Verständnis dürfe leider nicht vorhanden sein…..

          Hier zwei Links, die diesbezüglich weiterhelfen:

          https://www.vollgeld.de/verbot-der-direkten-zentralbank-staatsfinanzierung/

          http://www.geldsystempiraten.de/wp/klarmachen-zum-andern-vertrag-von-lissabon-artikel-123-muss-geandert-werden/

    • Avatar

      Petkov

      22. März 2017 13:30 at 13:30

      Wer glaubt, dass die unerhörte, fremdfinanzierte und konsequenzlose Geldverschwendung in Süd- und Osteuropa ein Nullsummenspiel oder sogar ein Vorteil für Deutschland und Co. darstellt, ist klinisch Kurzsichtig, naiv und selbstzerstörerisch. Er kann sich noch so oft kosmopolitisch, cool, grün oder hip nennen, sobald die Drogenwirkung nachlässt, wird er feststellen, dass er in einem virtuellen Kosmos gelebt hat, während die Wirklichkeit um ihn herum in Flammen stand. Selbst zu verbrennen wäre für ihn keine Strafe, sondern eine unverdiente Erlösung.

      • Avatar

        SMArtTrader

        22. März 2017 13:49 at 13:49

        Genau das habe ich ja geschrieben! Konzentriert lesen!

        • Avatar

          Petkov

          22. März 2017 15:47 at 15:47

          Also für mich klang es nach einer Botschaft wie: „Ruuuhig, Brauner, davon profitiert Deutschland nur, also cool bleiben, uns gehts immer noch besser als…. Ähhh… Als irgendwem irgendwo.“

          Aber was Sie über Schäuble schreiben, ist haarscharf analysiert, Kompliment dafür.

          Dass der Lebensstandard in Deutschland durch diese hirnrissige Politik aufrecht erhalten wird, stimmt wiederum nicht. Die Deutschen sind ein schrumpfendes Volk, dessen gebildete Jugendliche berufsbedingt oft keine oder nur sehr kleine Familien gründen können. Gleichzeitig müssen sie für Millionen Wirtschaftstouristen aufkommen, zugegebenermaßen auch für viele meiner Landsleute. Aber Letztere stehen zumindest nicht der christlichen Kultur feindlich gegenüber. Im Gegenteil.

  9. Avatar

    Entschuldigung???

    22. März 2017 14:26 at 14:26

    …..und dann wundern sich hier Einige, wenn sie ausserhalb Deutschlands als Nazis wahrgenommen werden…..
    Wollt Ihr ein gemeinsames Europa oder wollt Ihr ein Deutschland untertäniges Europa?
    Achso, ……

    • Avatar

      verinet

      22. März 2017 17:15 at 17:15

      wir wollen ein Europa in dem die Nationen weitgehend ihre Souveränität behalten und kein Europa in dem ein deutscher Kanzler von 10.000 Polizisten bei einem Staatsbesuch
      beschützt werden muss weil er keine Blanko Kreditkarte überreichen möchte…naja wenn Schulz rankommt wird er wohl genau dass machen damit uns alle lieb haben

      • Avatar

        Entschuldigung???

        23. März 2017 16:07 at 16:07

        Also kein 100%-ig souveränes Europa, sondern Nationalstaaten mit dem Teil der Souveränität, der nicht über die Höhe der Haushaltsausgaben und über deren Neuverschuldung bestimmen darf.
        In dieser Hinsicht ist ihr Vergleich mit der Blanko Kreditkarte trefflich.
        Bitte wundern Sie sich nicht, wenn dieses Europa a la carte für Deutschland von den restlichen Staaten nicht gewollt wird.

  10. Avatar

    Max Zorn

    22. März 2017 15:47 at 15:47

    Genau, Herr Dusselblöd, in Ihrem charaktervollen Milieu kennt man sich ja bestens aus mit Champagner und Escort-Services.

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Lufthansa: „Nur“ 1,3 Milliarden Euro Verlust – alles gut? Genau hinschauen!

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Die Lufthansa A380 ist außer Betrieb

Die Lufthansa hat gestern Nachmittag als Ad Hoc-Mitteilung die Quartalszahlen für Juli-September vorzeitig veröffentlicht. Die ausführliche Veröffentlichung der Daten erfolgt am 5. November. Die Lufthansa meldet einen Verlust (Adjusted EBIT) in Höhe von -1,262 Milliarden Euro (Vorjahr +1,297 Milliarden Euro). Nach neun Monaten lag der operative Verlust damit bei -4,161 Milliarden Euro (Vorjahr +1,715 Milliarden Euro). Die Börse schien gestern erleichtert zu sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen war. Und man hat offenbar die Worte der Lufthansa-Mitteilung als positiv angesehen, dass man die Probleme reduziert habe. Zitat Lufthansa: „Dank einer Ausweitung des Flugplans in den Sommermonaten Juli und August und erheblicher Kostensenkungen konnten jedoch die Verluste gegenüber dem zweiten Quartal verringert werden.“

Besonders beruhigend dürfte auch folgende Aussage der Lufthansa wirken. Zitat:

Ende September standen dem Konzern liquide Mittel in Höhe von 10,1 Mrd. Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind noch nicht abgerufene Mittel aus den Stabilisierungspakten im Gesamtumfang von 9 Mrd. Euro aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien. Hieraus stehen noch 6,3 Mrd. Euro zur Verfügung. Auszahlungen für Corona-bedingte Flugausfälle in Höhe von 2,0 Mrd. Euro standen dabei im dritten Quartal vor allem Mittelzuflüsse aus der Ausweitung der Flugaktivitäten im Juli und August gegenüber.

Lufthansa mit hoher Liquidität dank Rettungsgeldern

Aber dazu muss man auch beachten, dass ebenfalls erwähnt wird, dass die Nettokreditverschuldung der Lufthansa am Ende des dritten Quartals bei 8,93 Milliarden Euro lag (am 31. Dezember 2019 waren es noch 6,66 Milliarden Euro). Die Lufthansa und ihre Auslandstöchter haben über die staatlichen Rettungsmaßnahmen Eigenkapital und Kredite erhalten. Was jetzt Quartal für Quartal verloren wird, kann durch diese 10 Milliarden Euro an liquiden Mitteln natürlich einige Zeit aufgefangen werden.

Aber die Verluste laufen ja vermutlich weiter. Aufgrund des aktuellen globalen zweiten Corona-Welle und zunehmenden Lockdowns darf man mit gesundem Menschenverstand davon ausgehen, dass der Verlust im aktuellen vierten Quartal wieder größer ausfällt als im 3. Quartal. Also ein Verlust von vielleicht 2 oder 3 Milliarden Euro? Oder tritt man bei der Lufthansa jetzt erneut kräftig auf die Kostenbremse, und bekommt den Verlust doch noch weiter runtergedrückt? Im 1. Quartal 2021 dürfte womöglich ein weiterer Verlust folgen, auch wenn man jetzt überhaupt noch nicht absehen kann, wie dann die Lage sein wird in Sachen Infektionen und Impfstoff-Fortschritt.

Verluste laufen weiter?

Mit „Genau hinschauen“ in der Artikel-Headline möchte ich sagen: Die Quartalsverluste der Flugbranche laufen weiter – weil sich die Corona-Lage derzeit deutlich verschlechtert. Und noch ist kein Ende in Sicht. Die 10 Milliarden Euro Cash-Reserve der Lufthansa wirkt auf den aller ersten Blick nach einem schönen großen Polster. Aber sie kann schnell abschmelzen, und ist auch auf Kredit erkauft. Die Lufthansa kann für diese dramatische Lage nichts, genau so wenig wie die Betreiber von Hotels, Restaurants und Reisebüros. Je schlimmer die Corona-Lage wieder wird, desto schlimmer die finanzielle Lage dieser Unternehmen. Die Lufthansa ist in diesem Strudel gefangen, genau wie alle anderen Airlines.

Und so hielt die Euphorie der Lufthansa-Aktie gestern auch nur ganz kurz an. Sie stieg von 8,04 auf 8,58 Euro. Die Aktie fiel dann gleich wieder. Und heute zusammen mit dem fallenden Gesamtmarkt fällt auch die Airline-Aktie auf aktuell 7,93 Euro. Der Chart zeigt den Kursverlauf der letzten zwölf Monate. Die Aktie hängt müde relativ weit unten im Verlauf der letzten Monate. Geht es unter 7 Euro, droht es für die Aktie ganz düster zu werden.

Dass die nächsten Monate keine rosige Perspektive versprechen, kann man dem Schlusswort der Lufthansa in ihrer gestrigen Mitteilung entnehmen. Man ist bemüht die Kosten zu drücken, um möglichst lange mit dem Liquiditätspolster durch diese Krise zu kommen. Aber für Euphorie in der Aktie ist es noch viel, viel zu früh. Es könnte nämlich für die gesamte Airline-Branche eine sehr lange, trockene Durststrecke werden. Zitat Lufthansa:

Der Konzern ist in der Lage, auch weiteren Belastungen der Corona-Pandemie standzuhalten. In den kommenden Wintermonaten wird die Nachfrage nach Flugreisen aufgrund des globalen Infektionsgeschehens und der damit verbundenen Reisebeschränkungen voraussichtlich niedrig bleiben. Die Konzernairlines werden nach aktueller Planung im vierten Quartal nur maximal 25% der Vorjahreskapazität anbieten, um sicherzustellen, dass der Flugbetrieb auch weiterhin einen positiven Cashbeitrag leistet. Gleichzeitig arbeitet die Lufthansa Group intensiv an Restrukturierungsmaßnahmen in allen Geschäftsbereichen, um kurz- und mittelfristige Kosteneinsparungen zu erzielen und die operativen Mittelabflüsse zu minimieren.

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