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Eurokrise droht durch das Coronavirus wieder auszubrechen

Hannes Zipfel

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt - es droht eine neue Eurokrise

Das besonders stark von der Coronavirus-Pandemie betroffene Italien bekommt ebenso wie Spanien nun auch am Anleihemarkt die ökonomischen Auswirkungen zu spüren. Trotz dreistelliger Milliardenbeträge der EZB steigen die Renditen für Staatsanleihen der Südländer deutlich an und drohen eine Eurokrise 2.0 auszulösen.

Eine neue Eurokrise als Nebenwirkung der Coronavirus-Pandemie?

Während sich die Renditen für deutsche Staatsanleihen bis in den Laufzeitbereich von 20 Jahren im negativen Bereich befinden (Laufzeit 2040: -0,11 Prozent p. a.), steigen die Renditen für südeuropäische Länder aktuell stark an. Lag zum Beispiel die Rendite für zehnjährige spanische Staatsobligationen Anfang des Monats noch bei 0,17 Prozent p. a., so sind die Renditen seitdem um 720 Prozent auf nominal 1,224 Prozent angestiegen. Die Renditen für italienische Staatsanleihen steigen bereits seit dem 21. Februar dynamisch an und haben mittlerweile sogar die Marke von zwei Prozent überschritten (aktuell 2,27 Prozent p. a.).

Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) seit dem 30. Oktober letzten Jahres den europäischen Anleihemarkt mit 20 Mrd. Euro pro Monat unterstützt, kann sie den Anstieg der Renditen der hoch verschuldeten Südländer aktuell nicht stoppen. Und dass, obwohl die EZB in der vergangenen Woche zusätzlich Vermögenswerten in Höhe von 120 Mrd. Euro über das bestehende QE-Programm hinaus erworben hat.

Staatsanleihen-Renditen im Chart

Die Staatsverschuldung Italiens ist mit 137 Prozent die zweithöchste in der Eurozone nach Griechenland mit 178 Prozent. Mit aktuell 31.688 Infizierten und fast 3.000 Verstorbenen ist Italien nach China das am zweitstärksten betroffene Land in Sachen Coronavirus-Pandemie. Die Wirtschaft des Stiefelstaates ist mittlerweile wegen der Eindämmungsmaßnahmen nahezu zum Erliegen gekommen. Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hat den nationalen Notstand ausgerufen und Italien ist vom Rest der Welt nahezu isoliert. Zwar erlaubt Brüssel, dass die Regierung in Rom die Maastrichtkriterien bedingt durch die Notlage ignorieren darf, um die Wirtschaft mit Fiskalstimuli am Leben zu erhalten, aber erstens reichen diese nicht aus und zweitens macht das die Verschuldungslage nur noch schlimmer.

Auch Spaniens Wirtschaft wird von der Virus-Krise mit aktuell 14.000 Fällen hart getroffen (Platz vier hinter dem Iran). Mit 642 Fällen ist Portugal zwar noch nicht signifikant betroffen, dennoch steigen die Renditen für Staatsanleihen auf der gesamten iberischen Halbinsel an. Die Investoren fürchten den Ausbruch einer neuen Staatsschuldenkrise in Südeuropa, doch daran ist nicht allein das Coronavirus schuld.

Was stimmt nicht mit Christine Lagarde?

Es war die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, die mit ihren Aussagen den Markt für Risikoanleihen ins Rutschen brachte und für die anhaltende Ausweitung der Risiko-Spreads sorgte. Zwar hatte sie formaljuristisch recht, als sie auf der Pressekonferenz am letzten Donnerstag darauf hinwies, dass die EZB kein direktes Mandat zur Kontrolle der Risikoaufschläge am Anleihemarkt hat. Doch in Anbetracht der Nervosität der Märkte und der zunehmenden Risikoaversion der Anleger, war diese Aussage höchst gefährlich. Die Marktteilnehmer haben daraufhin angefangen, den EZB-Put aus den risikoreichen Südländerstaatsanleihen auszupreisen. Ein Prozess, der schnellstens gestoppt werden muss, andernfalls droht eine Eurokrise 2.0 oder gar eine Eurokrise hoch zehn.

Aus juristischer Sicht war der berühmte Spruch von Mario Draghi aus dem Jahr 2012, er würde „alles tun, um den Euro zu retten“, nicht haltbar. Doch psychologisch hat er funktioniert, vor allem der Nachsatz „Und glauben Sie mir, es wird reichen“. Die Eurokrise war damit de facto beendet. Seine Amtsnachfolgerin, eine Anwältin, hat sich juristisch einwandfrei verhalten, aber den psychologischen Aspekt ihrer Korrektheit stark unterschätzt. Statt die Märkte zu beruhigen, löste sie mit ihrer mangelnden Sensibilität für die Nervosität der Investoren eine Verkaufspanik an den Anleihemärkten aus. Vor allem bei solchen Papieren, die die Anleger ausschließlich wegen der impliziten EZB-Kauf-Garantie selbst zu extrem hohen Preisen noch erworben hatten.

Fazit und Ausblick

Sofern Frau Lagarde ihren gefährlichen verbalen Fauxpas nicht umgehend revidiert, droht eine Spirale an krisenbedingter Schuldenexplosion in den Südländern und steigenden Refinanzierungskosten in eine neue Eurokrise zu münden. Doch dazu muss es nicht kommen, sofern die Verbalakrobatik der Europäischen Zentralbank dem Ernst der Lage wieder gerecht wird und das QE-Programm der EZB gezielt zur Stützung der südeuropäischen Staatsanleihenmärkte eingesetzt wird. Dazu muss gleichwohl der Verteilungsschlüssel für die Staatsanleihekäufe angepasst werden, der sich aktuell noch an den EZB-Anteilen der Mitgliedsstaaten orientiert. Doch dies dürfte in Anbetracht der aktuellen Notlage und einer erneut drohenden Eurokrise auch im ansonsten sehr kritischen EZB-Rat möglich sein.

Zudem benötigt auch Deutschland demnächst viel Geld zur Stützung der heimischen Wirtschaft und ist dafür bereit, die heilige Kuh „Schwarze Null“ zu opfern. Dies würde ein erhöhtes Emissionsvolumen deutscher Staatsanleihen bedeuten, was wiederum der EZB auch mehr Luft für den Ankauf südeuropäischer Staatsanleihen ermöglichen würde. Um eine massive dauerhafte Aufstockung ihres QE-Programms kommt die Europäische Zentralbank in Anbetracht der ausufernden Haushaltsdefizite zur Vermeidung einer neuerlichen Eurokrise ohnehin nicht umhin.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Gerstenbier

    18. März 2020 23:20 at 23:20

    So Zentralbanken, es wird langsam Zeit.
    Zaubert eine tote Katze aus dem Hut…!

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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