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Europa: US-Investoren springen auf fahrenden Zug

Der Mario wirds schon richten, das gehört zu seinen Pflichten – so lautet neuerdings das Credo von US-Investoren. Zuvor hatte sich amerikanische Investoren aus Europa zurück gezogen, sichtbar vor allem bei der lange schwachen Entwicklung des , der die US-Indizes deutlich underperformte. Aber das ist jetzt vorbei: man rechnet mit Staatsanleihekäufen durch die EZB bereits im Frühjahr 2015 – und investiert daher wieder kräftig in eurpäische Aktienindizes. Hauptprofiteur im November war wiederum der Dax.

Sichtbar wird die neue Lust der US-Investoren an Europa vor allem bei in den USA gehandelten ETFs, die deutliche Kapitalzuflüsse verzeichnen. Aber auch bei Optionen: so sind Calls auf europäische Aktienindizes im Vergleich zu Puts so teuer wie seit vier Jahren nicht mehr. Damit der neue Optimismus sich auszahlt, muss Draghi aber bald liefern: was für US-Investoren zählt sind einzig und allein Staatsanleihekäufe durch die EZB (QE). Alles andere würde die Amerikaner enttäuschen – und wieder zu Mittelabflüssen führen.

Für Draghi geht es morgen bei der EZB-Sitzung vor allem darum, die Hoffnung am Leben zu halten. Kaum ein Analyst rechnet kurzfristig mit neuen Massnahmen – zumal die EZB wiederholt klar gemacht hat, dass sie die Wirkung der bisherigen Käufe von Covered Bonds und ABS-Papieren erst einmal abwarten möchte. Überhaupt bleibt völlig unklar, was Staatsanleihekäufe durch die EZB bringen würden: laut Angaben der Deutschen Bank liegen 60% der Staatsanleihen bei anderen Notenbanken oder passiv gemanagten Fonds, die nicht verkaufen werden. Die restlichen 40% lagern bei Banken – ein Verkauf an die EZB macht jedoch wenig Sinn, da dadurch kein Eigenkapital frei wird. Die amerikanische Fokussierung auf Anleihekäufe durch die EZB verkennt also die spezifische Situation in Europa, zumal Staatsanleihekäufe schwerwiegende juristische Probleme aufwerfen und von Deutschland nicht unterstützt werden. Aber egal: was in den USA geht, muss überall funktionieren, so die Logik…



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1 Kommentar

  1. Die US Investoren setzen darauf, wenn die EZB die ganzen Euro Staatsanleihen aufkauft, weichen die bisherigen Euro Staatsanleihekäufer in Risikoreichere Anlageklassen aus. Dadurch sinken dort die Zinsen, und die alten höher Verzinsten Anlagen gewinnen an Wert. Dank den ganzen Zentralbank eingriffen hat sich der Finanzmarkt noch weiter von der Realwirtschaft entfernt. Wenn eine Zentralbank aufgrund von massiver Abwertung das Aufkaufen einstellen muss, bricht das ganze System wieder auseinander.

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