Die deutschen Bauzinsen mit zehn Jahren Sollzinsbindung sind binnen zwei Wochen von 4,00 % auf 4,10 % gestiegen. Tendenz weiter aufwärts. Sie reagieren stets mit ein paar Tagen Verzögerung auf die Anleiherenditen, die die Referenz für langfristige Kredite darstellen. Und da sieht es gar nicht gut aus. Die europäischen Regierungen müssen sich immer teurer verschulden, weil die Märkte die Lage immer kritischer sehen.
Anleiherenditen steigen kräftig
Die zehnjährige deutsche Anleiherendite steigt heute gegenüber Freitag Abend von 3,27 % auf 3,31 % – das höchste Niveau seit 2010 und 2011 (siehe Grafik). Noch Anfang Juli 2026 waren es 2,85 %. In Frankreich sieht es noch schlimmer aus mit heute 4,16 % nach 3,64 % Anfang Juli. Dies ist das höchste Niveau seit Herbst 2008, also mitten in der Finanzkrise.
Iran-Krieg und Staatsschulden treiben an
Warum wir vorhin vor allem den Zeitpunkt Juli erwähnten? Seit diesem Zeitpunkt sahen wir nochmal einen Extra-Schub für die Anleiherenditen. Denn ab Juli sanken die Friedenshoffnungen rund um den Iran-Krieg immer weiter. Seitdem heißt es: Keine Ende des Konflikts in Sicht, kein wirklich offener Durchfluss der Ölmengen durch die Straße von Hormus. Deswegen sieht man seit Anfang Juli auch einen Wiederanstieg im Brent-Ölpreis von 71 Dollar auf 91 Dollar. Dies treibt die Inflation in den Verbraucherländern nach oben. Was das mit den Anleiherenditen zu tun hat? Die höhere Inflation sorgt erstens dafür, dass die EZB wie auch andere Zentralbanken wohl die Zinsen weiter anheben werden, wie es Isabel Schnabel für die EZB ja auch letzte Woche avisiert hat. Und außerdem wollen Anleger bei hoher Inflation auch eine höhere Kompensation sehen in Form höherer Renditen für die Anleihen, die sie kaufen sollen. Wenn Regierungen neue Anleihen ausgeben, müssen sie den höheren Anleiherenditen am Markt nach oben folgen bei ihren Emissionsangeboten, sonst kaufen die Anleger ihre neu auszugebenden Papiere nicht.
Staatsschulden und Neuverschuldung
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Abgesehen von der Inflation durch den Iran-Krieg steigt die Staatsverschuldung in den Industrienationen immer stärker an. Man lebt deutlich über seine Verhältnisse, egal ob in den USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland oder anderen Ländern. Wichtig dabei ist vor allem die Neuverschuldung, die regelrecht durch die Decke geht. Wir haben es die letzten Tage schon mehrmals erwähnt, aber jetzt nochmal: Der offizielle Finanzplan des Bundes für den Zeitraum 2026 bis 2030 zeigt, dass Nettokreditaufnahme von 98 Milliarden Euro in 2026 auf 167,3 Milliarden Euro im Jahr 2030 ansteigen soll. Die jährliche Zinslast soll von 41,9 Milliarden Euro in 2027 auf 80,7 Milliarden Euro in 2030 anwachsen. Die Regierungen in Deutschland und europaweit fragen am Anleihemarkt enorme Mengen an neuen Schulden nach, was den Preis dafür nach oben treibt, also die Zinsen. Und dies sind am freien Markt die Anleiherenditen. Eine Art Teufelskreis: Immer mehr neue Schulden treiben die Zinsausgaben dramatisch in die Höhe, weshalb man noch mehr neue Schulden aufnehmen muss um die Zinslast zu tragen.
Heute um 14 Uhr meldet das Statistische Bundesamt erste August-Daten für die Inflation in Deutschland. Geht es weiter bergauf, könnten die deutschen Anleiherenditen noch stärker ansteigen, weil man dann noch mehr Kompensation für die höhere Inflation sehen will, und weil die EZB mit noch größerer Wahrscheinlichkeit die Zinsen anheben wird.
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Bei der deutschen Umlaufrendite müssen erstmal die 3,26 aus dem Frühjahr 2011 wieder nach oben durchbrochen werden…passiert das nicht…prallt die Umlaufrendite an diesem Widerstand ab…ist der übergeordnete Abwärtstrend weiter intakt…und alles was bisher geschah…. war nichts weiter als ein laues Lüftchen….ein Sturm im Wasserglas…
Merken Sie sich bitte diese Marke : 3,26 Prozent…da müssen wir unbedingt drüber…