Anleihen

Europäische Anleiherenditen zeigen Zufriedenheit der Märkte mit der EZB

Hochhaus der EZB in Frankfurt

Gestern verkündete Christine Lagarde die „Rekalibrierung“ der Anleihekäufe. Das Wort Tapering wurde tunlichst vermieden. Nur in einem sehr geringen Umfang sollen die monatlichen Anleihekäufe der EZB sinken. Die Experten der Commerzbank sprechen von monatlichen Anleihekäufen von 70 statt 80 Milliarden Euro. Aber diese Rekalibrierung solle nicht darüber hinwegtäuschen, dass die EZB im Dezember beschließen dürfte, das PEPP-Anleihekaufprogramm über den März 2022 hinaus zu verlängern (hier die weiteren Aussagen der CoBa). Also: Das Tapering bleibt aus, und mit Sicht auf nächstes Jahr stehen weiterhin jede Menge Anleihekäufe durch die EZB an. Die Anleiherenditen für europäische Staatsanleihen zeigen einen Tag später, wie die Märkte auf die Aussagen von Madame Lagarde blicken, nämlich entspannt und zufrieden.

Weiterhin jede Menge Anleihekäufe durch die EZB

Schauen wir zum Beispiel auf das große Sorgenkind der Eurozone, nämlich Italien. Hochverschuldet und wirtschaftlich angeschlagen, kam Italien wunderbar seit der Finanzkrise 2008 über die Runden. Denn die EZB schaffte die Zinsen ab. Man kauft seit Jahren für Billionen von Euros vor allem auch italienische Staatsanleihen auf. Durch den großen Kaufdruck der EZB steigen die Anleihepreise, womit automatisch die Anleiherenditen in den Keller sinken. Das Ankündigen von Tapering, also dem wirklich schrittweisen Abbau der Anleihekäufe, hätte die Renditen der Anleihen wohl steigen lassen. Aber man sieht: Diese gestrige Ankündigung einer „Rekalibrierung“ und dem wohl nur minimalen Absinken der Anleihekäufe lässt die Märkte durchatmen. Das gigantische Aufkaufen von Anleihen durch die EZB läuft erstmal weiter. Dadurch können die Anleiherenditen weiter im Keller bleiben.

Fallende Anleiherenditen

Gestern Mittag seit Verkündung der EZB fallen die Anleiherenditen für zehnjährige italienische Papiere von 0,73 Prozent auf 0,66 Prozent (heute 0,68 Prozent). Ebenso läuft es für die Anleiherenditen für zehnjährige griechische Staatspapiere. Sie fallen von 0,83 Prozent auf 0,76 Prozent. Für Spanien sinkt die Rendite von 0,34 Prozent auf 0,31 Prozent. Das ist der EZB wichtig. Was auch immer sie sagt – sie blickt darauf, dass die Anleiherenditen bloß nicht steigen dürfen. Sonst müsste Madame Lagarde wohl schnell ein paar warme Worte verkünden, die auf weiterhin viele Anleihekäufe hindeuten. Aber das ist ja nicht nötig – denn der Markt hat verstanden. Die Geldschwemme geht weiter. Die massiven Käufe der EZB drücken die Renditen weiter in den Keller, was der Anleihemarkt sofort eingepreist hat.

Chart zeigt Anleiherenditen für Italien, Spanien und Griechenland
TradingView Chart zeigt seit Wochenanfang übereinander gelegt die Anleiherenditen für Spanien, Italien und Griechenland.



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